Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba

Lesezeit: 8 Minuten

“Jedes Mal, wenn das Glück zerbricht, riecht es nach Blut” – so lautet die schmerzhafte Erkenntnis des Protagonisten Tanjiro Kamado. Bei seiner Heimkehr findet er ein regelrechtes Blutbad vor, denn ein Teufel wütete in seinem Haus und brachte fast seine gesamte Familie um. Sehr schnell wurden hier die Weichen für einen neuen Shounen-Helden gelegt, der als Teufelsjäger agiert und eine Menge spannender und gefährlicher Abenteuer erlebt. Nach der erfolgreichen Anime-Adaption von The Promised Neverland, wurde in der Anime Spring Season 2019 mit Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba eine weitere Serie aus dem Shounen Jump-Magazin als Anime umgesetzt. Diesmal von Studio ufotable (Fate/Zero), welches für seine eindrucksvollen Animationen bekannt ist. Das in der Taisho-Zeit angesidelte Werk entwickelte sich schnell zu einem der populärsten Titeln des Jahres. Eine Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray folgt im Frühjahr 2020 beim Publisher Peppermint Anime.

   

Um Holzkohle zu verkaufen, geht der Junge Tanjiro Kamado eines Tages in die Stadt. Er hilft, wo er kann, schließlich ist er der älteste Sohn der Familie. Als er davon hört, dass nachts in der Gegend ein menschenfressender Teufel sein Unwesen treibt, verzichtet er darauf, am Abend den Heimweg anzutreten. Nichts Böses ahnend kehrt er am nächsten Tag zu seinem Haus zurück. Dort stellt er schockiert fest, dass tatsächlich ein Teufel unterwegs gewesen ist, der fast seine gesamte Familie massakriert hat. Einzig seine Schwester Nezuko hat knapp überlebt, aber das nicht ohne Folgen. Denn sie ist selbst zum Teufel geworden und greift ihren Bruder an. Jetzt muss Tanjiro einen Weg finden, um seine Schwester zu retten und Rache zu nehmen.

Geschwisterliche Verbundenheit 

Originaltitel Kimetsu no Yaiba
Jahr 2019
Episoden 26
Genre Action, Supernatural, Drama
Regisseur Haruo Sotozaki
Studio ufotable

Schon am Anfang zeigt sich, dass Tanjiro ein sympathischer Junge ist, dem die Familie sehr am Herzen liegt. Als er seine toten Familienmitglieder vorfindet, sind seine Verzweiflung und seine Schuldgefühle nahezu verständlich. Insbesondere, wenn er aufgrund des vielen Blutes erkennen kann, auf welche brutale Weise sie umgebracht wurden. Unter den Leichen findet er seine Schwester Nezuko, die noch unter den Lebenden weilt und die er auf seinem Rücken mitnimmt. Damit wird eine dramatische Szene gezeigt, indem sich Tanjiro unter großem Kraftaufwand mit seiner Schwester durch die verschneiten Landschaften kämpft. Hierbei werden die Gefühle Tanjiros hervorragend an den Zuschauer vermittelt. Nezuko, die vorher bewusstlos war, stellt sich plötzlich als Teufel heraus, was erstmal ein ziemlicher Schock für den Jungen ist. Doch er vermutet von vornherein, dass ihre Menschlichkeit noch in ihr schlummert. Eine schicksalhafte Begegnung mit Giyu Tomioka folgt, der sich als starker Teufelsjäger herausstellt. Giyu will Nezuko sofort beseitigen, jedoch kann ihn Tanjiro vom Gegenteil überzeugen. Damit beginnt Tanjiros Abenteuer, denn dank der Empfehlung Giyus absolviert er bei Sakonji Urokodaki eine harte Ausbildung zum Teufelsjäger, bei der seine volle Aufmerksamkeit und körperlichen Fähigkeiten gefragt sind. Urokodaki stellt dabei eine liebenswürdige Vaterfigur für die Geschwister dar. Tanjiro vergisst seine Schwester trotz Verpflichtungen nie und im Verlauf zeigt sich auch die starke Verbundenheit der Geschwister, die für einige schöne und heitere Momente sorgt.

Aufträge und Kommunikationsmittel

Kaum hat Tanjiro mit anderen Absolventen die Ausbildung zum Teufelsjäger hinter sich gebracht, wird er von einem Auftrag zum Nächsten gescheucht. Dafür hat er sogar ein ganz besonderes Kommunikationsmittel erhalten. Es handelt sich dabei um eine sprechende Krähe, die ihm die Aufträge übermittelt. Keine schlechte Idee, denn in der Taisho-Zeit macht diese Art der Verständigung durchaus Sinn, um auch an jedem Ort erreichbar zu sein. Für Lacher sorgt die Verbindungskrähe von Teufelsjäger Zenitsu Agatsuma, denn dieser erhielt im Gegensatz zu seinen Kameraden einen Spatz. Zu den Waffen der Teufelsjäger gehören Sonnenschwerter, die aus besonderem Stahl hergestellt worden sind. Sie sind neben dem Sonnenlicht die einzige Möglichkeit, um die Menschenfresser zu töten, was an deren hohen Regenerationsfähigkeit liegt. Tanjiro findet relativ früh heraus, wer seinen größten Feind darstellt, denn Muzan Kibutsuji ist der Teufel, der seine Familie auf dem Gewissen hat. Dieser hat schon eine beachtliche Lebenszeit von etwa 1000 Jahren auf dem Alterskonto und ist nach jetzigem Stand der erste Mensch, der zum Teufel wurde. Das Erstaunliche an ihm ist, dass er eine Frau und eine kleine Tochter hat, welche beide Menschen sind, um sich unter den Menschen zu tarnen. Aufgrund seiner Vergangenheit scheint Muzan eine regelrechte Furcht entwickelt zu haben, wenn er auf Männer mit Hanafuda-Ohrringen trifft, denn Tanjiro trägt auch welche und so will er diesen loswerden. Generell haben Tanjiros Ohrringe eine tiefere Bedeutung, als zunächst gedacht.

Teufel, die nicht einfach ”nur” Teufel sind

Wie sich herausstellt, waren viele Teufel ursprünglich Menschen, was die Sache komplizierter macht. Schon mit Nezuko wurde in der ersten Folge eingeleitet, dass mehr hinter den Verwandlungen stecken könnte. Manche dieser Teufel haben eine traurige Hintergrundgeschichte und sind nicht von Grund auf Böse. Damit fällt es Tanjiro immer schwerer, den Teufeln den Rest zu geben, weil er Mitgefühl für diese Wesen entwickelt. Jedoch fällt es einem als Zuschauer schwer, dieselbe Sympathie wie Tanjiro zu entwickeln, da die Teufel wie Marionetten agieren und einige Menschen auf dem Gewissen haben. Anders geht es aber auch nicht, denn sie fürchten sich vor ihrem Meister Muzan Kibutsuji , der ihnen sein Blut verabreichte und sie mit einem Fluch belegte, der ihren Tod herbeiführt, wenn etwas nicht so abläuft, wie er es möchte. Wodurch sie ein tragisches Leben fristen, indem sie von ihrem Anführer nur für dessen Zwecke benutzt werden. Nezuko, die durch ihre Wandlung eine beeindruckende Körperkraft erlangte, bleibt nicht untätig und stellt eine große Hilfe im Kampf gegen die Teufel dar. Dadurch lässt sich auch eine positive Seite am ”Teufel sein” erkennen. Ein Nachteil ist hierbei aber, dass sie nicht sprechen kann, weil sie einen Art Maulkorb aus Bambus tragen muss. Dadurch fällt ihr Charakter ein wenig nichtssagend aus, da ihre Niedlichkeit und Stärke im Vordergrund stehen.

Abgetrennte Köpfe, herausfallende Augäpfel und … ein Michael Jackson?

Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba unter der Regie von Haruo Sotozaki (Tales of Symphonia: Sylvarant Arc) zählt zu den größtenteils düster gehaltenen Shounen-Serien und ist vergleichbar mit ähnlichen Vertretern wie Inu Yasha und Dororo. Somit muss der Zuschauer mit der einen oder anderen brutalen Szene rechnen. Abgetrennte Gliedmaßen und eine Menge Blut sind nicht selten zu sehen. Am heftigsten trifft es die Teufel, was aber aufgrund deren Regenerationsfähigkeiten nicht so dramatisch ausfällt. Da ist es schon eher verwunderlich, wenn ein Mensch wie Tanjiro so viel einsteckt. Insbesondere bei den ganzen Knochenbrüchen, die unser Held hier erleidet. In der Anime-Community machte nebenbei die Figur Muzan Kibutsuji schnell als Anime-Version Michael Jacksons die Runde, so entstanden haufenweise lustige Memes und Videos. Ob sich Mangaka Koyoharu Gotouge beim Charakterdesign durch den Künstler inspirieren ließ oder es nur Zufall ist, darüber können die Fans nur spekulieren. Jedoch ist nicht zu übersehen, dass sein Aussehen und Kleidungsstil an das aus dem Musikvideo ”Smooth Criminal” erinnert. Positiv sticht auch die Besetzung des Synchronsprechers Toshihiko Seki (Char Aznable [Original] in Mobile Suit Gundam: The Origin – Advent of the Red Comet) für Muzan hervor. Er verleiht dem geheimnisvollen Teufel mit der ruhigen und charismatischen Stimme einen ganz besonderen Charme. Genauso wie schon Takahiro Sakurai (Shogo Makishima in Psycho-Pass) bei Giyu Tomioka, der ebenfalls sehr überzeugend seine Rolle meistert.

Animationstechnisch ein Fest für die Augen

Ob blühende Glyzinienbäume, Schneelandschaften, beeindruckende Raumdarstellungen oder eindrucksvolle Kämpfe: in Sachen Animation enttäuscht die Produktion nicht. Als Tanjiro seine Technik der Wasseratmung einsetzt, wird dies mit handgezeichneten Elementen umgesetzt. Studio ufotable betrieb auch einiges an Recherche, um das Wesentliche der Taisho-Zeit darzustellen. Dabei wurden diverse Bücher als Referenz benutzt, denn im Gegensatz zu anderen Epochen existieren viele Fotos aus diesem Zeitabschnitt. Eine weitere Herausforderung stellte das Original Charakterdesign von Koyoharu Gotouge dar, welches das Studio gekonnt umsetzte. Die außergewöhnlichen Augen der Charaktere sowie die detaliierten Muster auf den Kleidungen machen visuell schon etwas her. Ein kleines Highlight sind die Eyecatcher innerhalb der Folgen, die jedesmal andere Illustrationen der Figuren zeigen. Damit besitzt die Serie wieder klassische Blickfänger, die in so manch neuer Produktion vermisst werden.

Musik überzeugt auf ganzer Linie

Das Intro ”Gurenge” stammt von LiSA, die besonders durch ihre Musik für das Sword Art Online-Franchise an Bekanntheit gewann. Der Song unterscheidet sich kaum von dem, was die Künstlerin üblicherweise macht und spricht die Masse an. Mit visueller Begleitung ordentlich umgesetzt ist es eines der musikalischen Highlights aus der Spring Season 2019. Allerdings sticht noch mehr das Outro ”From the edge” von FictionJunction feat. LiSA hervor. Denn allein die Zusammenarbeit zwischen FictionJunction (Opening von Pandora Hearts) und LiSA, sorgte für eine Überraschung,  wurde nämlich die Kollaboration vor Veröffentlichung des Endings nicht verkündet. Passend zum Setting der Taisho-Zeit sind an manchen Stellen die traditionell japanischen Klänge des Liedes angestimmt. Letztendlich ein starkes Outro, obwohl es visuell größtenteils aus Standbildern besteht. Der Soundtrack der Serie stammt von Go Shiina (Juuni Taisen: Zodiac War) und Yuki Kajiura (Erased – Die Stadt, in der es mich nicht gibt). Den größten Teil an Musikstücken steuerte überraschenderweise Go Shiina bei, wodurch er eindeutig der Hauptkomponist der Produktion ist. Die allseitige Musik von Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba kann sich hören lassen, denn es finden sich viele Tracks, die auf Anhieb gefallen. Hervorzuheben sind unter anderem die Musikstücke ”Nightmare”, ”Sabito”, ”To Destroy The Evil”, ”Main Theme of Kimetsu no Yaiba”, ”Voices from the past” und ”Kamado Tanjiro no Uta”.

Fazit

Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba bleibt mir eindeutig als einer der bildgewaltigsten Animes des Jahres 2019 in Erinnerung. Ich habe aber nichts anderes von ufotable erwartet, denn mir gefallen mehrere Titel aus dem Portfolio des Studios. Tanjiro als Hauptcharakter konnte ich schnell ins Herz schließen, obwohl er anfangs noch etwas weinerlich daherkommt. Seine Schwester Nezuko erscheint einem so goldig, dass es kaum möglich ist, sie nicht zu mögen. Zwei Charaktere, von denen ich mir mehr Screentime gewünscht hätte, sind Urokodaki und Sabito. Das ist aber der Vorlage geschuldet, zumal Sabito nur noch in Form eines Geistes existiert. Meiner Meinung nach ein Charakter, dessen Potenzial verschwendet wurde. Ich hätte ihn gerne als Teufelsjäger an der Seite von Tanjiro gesehen. Zenitsu erinnert mich leicht an Miroku aus Inu Yasha, denn auch er schmeißt sich an jede hübsche Frau heran. Durch ihn und den hitzigen Teufelsjäger Inosuke wird man mit einigen humorvollen Momenten versorgt oder je nach Ansichtssache genervt. Inosuke mit seinem Wildschweinkopf als Maske sticht in der Truppe ziemlich hervor. Dann wäre da noch Muzan Kibutsuji, der äußerlich wie eine Anime-Version von Michael Jackson wirkt, aber gleichzeitig an Naraku aus Inu Yasha erinnert, denn es gibt einige Parallelen zwischen den beiden Figuren. So waren sie ursprünglich Menschen und streben danach, vollkommen zu sein. Nämlich als perfektes Wesen, gegen das einfach niemand ankommt. Zudem schicken sie meist nur ihre Gefolgsleute, die die Helden zur Strecke bringen sollen. Die Beliebtheit von Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba überrascht mich letztendlich nicht. Als ich die ersten fünf Folgen bei der Kino-Preview sah, war mir schnell klar, dass es der Hype-Titel des Jahres werden würde. Am Ende hat sich das nur bestätigt, denn das Studio produzierte aus der ohnehin schon guten Vorlage einen hochwertigen Anime. Wer schon Werke wie Inu Yasha und Dororo mag, wird sicher hieran gefallen finden, aber auch diejenigen, die einen Shounen-Titel auf hohem Niveau sehen wollen, werden hier fündig. Ich muss aber anmerken, dass das Pacing der Serie recht langsam ausfällt, was ich in diesem Fall als positiv erachte. Es bleibt abzuwarten, ob sich das Studio nach dem Erfolg der Teufelsjäger an weitere Serien dieser Art traut. Eines sei jedoch gewiss: Mit Tanjiro und seinen Freunden wird es in einem Sequel-Film weitergehen.

© ufotable

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Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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