Toilet-bound Hanako-kun

Die Faszination für Geistergeschichten bleibt ungebrochen: Es entstehen immer wieder neue Werke, die sich mit Charakteren aus dem Jenseits beschäftigen. Zu dieser Art von Titeln zählt auch die Animeserie Toilet-bound Hanako-kun, welche in der Winter Season 2020 bei Studio Lerche (Astra Lost in Space) entstanden ist. Die Mangaka Iro Aida ließ sich für ihre Geschichte von der bekannten Großstadtlegende Toire no Hanako-san inspirieren, die sich in Japan insbesondere unter Grundschülern erzählt wird. Unter der Regie von Masaomi Ando (Scum’s Wish) konnte der charmante Toilettengeist Hanako-kun lebendig werden und die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern. Eine starke Fanbase zeigte sich auch bei den saisonalen Anime Trending-Awards auf, als die Serie gleich fünf Awards einheimste.

   

An der Kamome Academy gehören Gerüchte über die ,,Sieben Mysterien der Schule” zum Alltag. Zu den bekanntesten Mysterien zählt Hanako-san, die in einer Mädchentoilette des alten Schulgebäudes hausen soll. Den Erzählungen nach, erfüllt sie einem jeden Wunsch, wenn man sie ersucht. Eines Tages traut sich die Schülerin Nene Yashiro zur dritten Kabine der Mädchentoilette. Sie träumt vom großen Glück in der Liebe und will die Hilfe von Hanako-san erbitten. Allerdings ist die Hanako-san in ihrer Vorstellung eine gänzlich andere, als die, die sie dort vorfindet. Hanako stellt sich zu ihrer Überraschung als ein Junge heraus.

Ein Toilettengeist und seine Kloputzerin

Originaltitel Jibaku Shonen Hanako-kun
Jahr 2020
Episoden 12
Genre Komödie, Supernatural, Drama
Regie Masaomi Ando
Studio Lerche
Seit dem 31. März 2020 vollständig auf Wakanim verfügbar

Nene schwärmt Tag für Tag von hübschen Jungs, aber das Glück in der Liebe scheint ihr nicht vergönnt zu sein. Hinzu kommen Komplexe, denn gerade ihre Beine werden als Running-Gag öfter mal als Rettichbeine bezeichnet. Schnell entsteht der Eindruck, dass Nene jeder Junge recht wäre, wenn er sie einfach nur mögen würde. Ihr Leben verändert sich, als sie den Geist Hanako aufsucht, denn dieser macht sie prompt zu seiner Assistentin. Mit seiner witzigen, aber charmanten Art stellt er ihren Alltag komplett auf den Kopf. Fortan muss sie für ihn Kloputzen und ihn bei einigen übernatürlichen Ereignissen unterstützen. Doch so wirklich viel weiß sie nicht über ihn und daher versucht sie mehr Informationen über seine Vergangenheit herauszufinden. Mit ihrer naiven Art gerät Nene öfters in Schwierigkeiten, da ist es nicht verwunderlich, wenn ihr Hanako zur Hilfe eilen muss.

Schatten der Vergangenheit

Hanakos Vergangenheit liegt zunächst im Dunkeln und es wird angesprochen, dass er ein Mörder sei. Dies wird noch damit bekräftigt, dass er immer ein Messer als Waffe benutzt. Dem Zuschauer werden nur häppchenweise Szenen vor seinem Ableben präsentiert, die ihn aber noch sympathischer wirken lassen. Im Verlauf der Staffel wird nicht zu viel verraten, aber es wird ein Kalenderblatt gezeigt, in welchem Jahr er gestorben sein könnte. Auf diesem steht der 18. Juli 1969. Oft wirkt es so, als würde Hanako seine traurige Seite hinter einer lächelnden Maske verbergen. Diese Maske fängt an zu bröckeln, als sein toter Zwillingsbruder Tsukasa auftaucht, den er selbst getötet haben soll. Damit wird der Zuschauer mit vielen Fragen stehen gelassen, die erst in einer weiteren Staffel beantwortet werden könnten. Zu den Hauptfiguren gesellt sich noch ein Mitschüler namens Kou Minamoto, der aus einer Familie von Exorzisten stammt. Dieser hat auch seine eigene Geschichte zu erzählen und die anderen Mysterien der Schule sind nicht minder interessant. Es halten sich einige niedliche, aber auch unheimliche Geister im Schulgebäude auf und manche von ihnen haben sogar eine kleine Hintergrundgeschichte erhalten.

Adaption eines etwas ungewöhnlichen Stils

Nach der Mangavorlage von Iro Aida, die in Deutschland unter dem Titel Mein Schulgeist Hanako ab August 2020 bei Manga Cult erscheint, produzierte Studio Lerche insgesamt zwölf Folgen. Es handelt sich hierbei um keine vollständige Adaption, da Handlungs-Arcs übersprungen wurden. Wer das komplette Material kennenlernen möchte, sollte zum Manga greifen. Die Vorlage besitzt einen besonderen und niedlichen Stil, der sich am meisten in Farbzeichnungen offenbart. Dieser konnte von dem ausführenden Studio ohne große Probleme in die animierte Form übernommen werden. Etwas ungewöhnlich sind Szenen, die dadurch hervorgehoben werden, indem sie in einem Rahmen dargestellt werden. Das wirkt wie ein Panel aus einem Manga. Optisch sehen die Charaktere um einiges jünger aus, obwohl gerade Nene mit ihren 15 Jahren schon zu den älteren Schülern gehört. In den Erzählungen über Hanako-san, die für die Serie als Inspiration dienen, wird erwähnt, dass Hanako mit einem langgezogenen „Hai“ (“ja”) antwortet, wenn an die Toilettentür geklopft wird. Dies wurde von der Synchronsprecherin Megumi Ogata (Yukito in Cardcaptor Sakura: Clear Card) in der Animeserie übernommen.

Mysteriös klingen die Geister

Zum Start der Handlung wird der Zuschauer mit einem recht bunten Opening begrüßt. Neben einigen Szenen aus den Folgen sind auch einige neue Szenen für das Intro erstellt worden. Zudem wurden immer ein paar Szenen verändert oder ausgewechselt, wodurch mehrere Versionen des Openings existieren. Musikalisch untermalt wurde es von den Künstlern Youji Ikuta und Masayoshi Oishi (Opening von Cop Craft) mit dem Gesangsstück ”No.7”, was für das siebte Mysterium, nämlich Hanako steht. Besonders überzeugend ist hierbei der Refrain. Das Ending ”Tiny Light” von Akari Kitou (Opening von Blend-S) geht in eine etwas andere Richtung und fällt farblich in den weiß/roten Topf. Das Lied wird den meisten Fans auf lange Zeit nicht in Erinnerung bleiben, aber als Ausklang aus den Folgen macht es seine Sache gut. Positiv hervorstechen kann auch der Soundtrack von Hiroshi Takaki (Makai Ouji: Devils and Realist), der eine mysteriöse Atmosphäre innerhalb der Serie erschafft.

Fazit

Nachdem ich den Anime gesehen habe, kam ich zu der Erkenntnis, dass tatsächlich die titelgebende Figur einen positiven Aspekt darstellt, der für die Serie spricht. Hanako-kun überzeugt mit seiner so charmanten, lustigen, aber auch verletzlichen Art, dass man ihn einfach nur mögen kann. Es hat nicht lange gedauert bis ich ihn ins Herz geschlossen habe. Sein Charakterdesign hat etwas Besonderes und wenn er sein zuckersüßes Lächeln aufsetzt, geht einem schlichtweg das Herz auf. Doch wenn er traurig wird, fühlt man einfach mit ihm mit. Dadurch war es keine Überraschung für mich, dass Hanako sich in den saisonalen Rankings von Anime Trending auf Platz 1 der männlichen Charaktere tummelte. Kou Minamoto wurde mir mit der Zeit ebenso sympathisch, denn er hat das Herz am rechten Fleck. Nene, Hanako und Kou geben ein tolles Trio ab, wo man sagen kann, dass sich die richtigen Freunde gefunden haben. Obwohl Nene öfters betont, dass Hanako nicht ihr Typ sei, sind die Interaktionen zwischen den beiden total goldig. Man kommt nicht drumherum zu sagen, dass sie ein perfektes Pärchen abgeben. Letztendlich ist Toilet-bound Hanako-kun ein mysteriöser, teils emotionaler und humorvoller Titel, den ich insbesondere Fans von Dusk Maiden of Amnesia und Noragami sowie für den nächsten Halloween-Abend empfehlen kann. Denn auch wenn die Serie auf dem ersten Blick harmlos erscheint, so finden sich auch kleine düstere Abgründe darin.

© Lerche

Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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