The Umbrella Academy (Staffel 1)

Lesezeit: 9 Minuten

Familie ist schon eine seltsame Sache. Umso mehr, wenn die Kinder aus der ganzen Welt adoptiert wurden, um vor allem ihre Superkräfte zu fördern und weniger das soziale Miteinander. Die Netflix Serie The Umbrella Academy basiert auf dem gleichnamigen Comic von My Chemical Romance-Frontmann Gerard Way und ist eine wunderbare Erweiterung des riesigen Pools an Superheldenstories. Bei diesem introspektiven Drama gibt es keine strahlenden Überflieger oder typisch klischeebeladene Grübeleien. Nur eine dysfunktionale Familie, einen sprechenden Affen und zeitreisende Auftragskiller. Der richtige Titel für alle, die Superkräfte mögen, aber nach einem besonderen Kick suchen.

    

Im Oktober 1989 kommen 43 Kinder zur Welt. Sicherlich sogar mehr, aber diese 43 werden ohne Vorankündigung geboren. Die Mütter waren vorher nicht einmal schwanger. Der mysteriöse Monokel-tragende Reginald Hargreeves (Colm Feore, House of Cards) macht sich auf, diese Kinder einzusammeln, bekommt allerdings nur sieben in seine Finger. Er ist überzeugt, dass sie das Potenzial haben, einmal die Erde zu retten und findet tatsächlich übermenschliche Kräfte in ihnen. Sie sind die ersten Schüler seiner Umbrella Academy und sollen zu einem Heldenteam heranwachsen. Allerdings ist Hargreeves nicht an einer Familie interessiert, obwohl er sich als Vater anreden lässt. Er gibt den Kindern nicht einmal Namen und hat ihren Alltag dafür auf die Minute genau durchstrukturiert. Das führt über die Jahre hinweg zu arger Entfremdung. Erst als Hargreeves stirbt, kehren die Kinder in die Villa zurück. Natürlich nur die fünf, die noch leben. Emotional angeschlagen, den anderen kaum verbunden und mit jeder Menge Ballast behaftet. Da purzelt der verschollene Nummer 5 plötzlich durch ein Zeitportal, nachdem er als 13-Jähriger verschwand. Und nur er weiß, dass die Welt dem Untergang geweiht ist.

Gelungene Neuinterpretation eines eigenwilligen Comics

Originaltitel The Umbrella Academy
Jahr 2019
Land USA
Episoden 10 in Staffel 1
Genre Science-Fiction, Fantasy
Cast Luther Hargreeves: Tom Hopper
Diego Hargreeves: David Castañeda
Allison Hargreeves: Emmy Raver-Lampman
Klaus Hargreeves: Robert Sheehan
Nummer 5: Aidan Gallagher
Ben Hargreeves: Justin H. Min
Vanya Hargreeves: Ellen Page
Reginald Hargreeves: Colm Feore
Hazel: Cameron Britton
Cha-Cha: Mary J. Blige

Gerard Way ist hauptsächlich bekannt als Sänger der Band My Chemical Romance. 2007 erfüllte er sich aber den Traum, einen Comic zu schreiben und fand in Zeichner Gabriel Bá den perfekten Kollaborateur. Die zwei brachten die sechsteilige Miniserie The Umbrella Academy: Apocalypse Suite beim Verlag Dark Horse unter. Dank guter Verkaufszahlen und begeisterten Fans folgte im selben Jahr die ebenfalls sechsteilige Story Dallas. Hierzulande kam die Serie etwas später bei Cross Cult unter und ist in zwei Hardcoverbänden erhältlich. Die Filmrechte wurden früh verkauft und dann geschah einfach eine sehr lange Zeit nichts. Für einen Film ist die Story zu komplex, doch eine typische TV-Serie hat kaum die technischen Möglichkeiten, der Bildgewalt und den skurrilen Vorgängen gerecht zu werden. Aber dafür gibt es heutzutage Netflix als Retter in der Not. Zehn knapp einstündige Folgen mit einem großzügigen Budget und Zeit genug, um eine panelwürdige Umsetzung zu erschaffen. Und genau da sind wir nun. Die erste Staffel erzählt zum Großteil die Geschichte Apocalypse Suite, bedient sich aber auch schon an weiterführenden Charakteren aus Dallas. Es ist eine neu gemischte Erzählung, die auch für Comicleser Spannung durch Veränderung birgt.

Sympathie für angeschlagene Charaktere

Der Weltuntergang steht bevor und soll verhindert werden, aber Herzstück der Geschichte sind die Hargreeves Kinder. Und die sind nicht immer leicht zu mögen, denn sie ecken an, können regelrecht unsympathisch sein, haben unterschiedliche Macken und machen sich mit schlechter Kommunikation auch mal selbst das Leben schwerer als es eh schon ist. Eben eine typische dysfunktionale Familie. In diesem Fall kommen die besonderen Kräfte erschwerend hinzu. Da ist Nummer 1 alias Luther (Tom Hopper, Black Sails), der in die Anführerrolle gedrängt wird und sich durch Stärke auszeichnet. Er bleibt in der Academy solange er kann, hat nach einem schweren Unfall aber ein Problem mit seinem neuen Körper und wurde die letzten Jahre auf dem Mond stationiert. Diego (David Castañeda, Switched at Birth) ist die Nummer 2 und gut im Nahkampf, wobei es ihm hilft, dass er Dinge unmenschlich präzise werfen kann, bevorzugt Messer. Er vertreibt sich seine Zeit als inoffizieller Verbrechensjäger. Nummer 3 Allison (Emmy Raver-Lampman in ihrem Debüt) ist jetzt eine bekannte Schauspielerin, wobei es fraglich ist, ob sie sich in ihrem Job Vorteile verschafft hat. Mit den Worten “ich habe ein Gerücht gehört”, kann sie andere Menschen dazu bringen nahezu alles zu tun. Wenig glücklich mit seiner Fähigkeit ist Nummer 4 Klaus (Robert Sheehan, Mortal Engines – Krieg der Städte), denn er kann tote Menschen sehen. Und die lassen ihn oft nicht in Ruhe, sodass er sich lieber in Drogen flüchtet. Nummer 5 (Aidan Gallagher, Nicky, Ricky, Dicky & Dawn) kann sich teleportieren. Allerdings hat er sich als 13-Jähriger zu unbedacht an eine Zeit- statt Raumdurchquerung gewagt und gelangte so in die Zukunft, wo er Jahrzehnte allein verbrachte. 5 hat sich daher nie einen Namen ausgesucht und muss jetzt wieder mit seinem kindlichen Körper zurechtkommen, obwohl er geistig über 50 Jahre alt ist. Nummer 6, Ben (Justin H. Min in seiner ersten größeren Rolle), der Monster in seinem Inneren beherbergt und deren Tentakel nutzt, verstarb bei einer Mission. Die anderen halten ihn einfach für tot, doch tatsächlich folgt er Klaus überall hin. Und als letzte ist da Vanya (Ellen Page, Hard Candy). Nummer 7 hat keine Kräfte, was sie früh von den anderen isolierte. Sie blieb daheim, während die anderen auf Mission gingen. Ihr wurde kein Regenschirm-Tattoo gestochen, sie kam nicht aufs Familienporträt, es gibt keine Actionfigur und alles an ihr ist furchtbar gewöhnlich. All diesen Frust schrieb sie sich vor einiger Zeit von der Seele, wobei das Buch den anderen sauer aufstößt, da die Welt so ins Innenleben einer unsteten Familie blicken konnte. Aber trotz allem sind sie eben genau das – eine Familie. Sie streiten, nerven sich an, reden jahrelang nicht miteinander und plötzlich ist es doch, als wäre keiner von ihnen lange fort gewesen.

Das Ende der Welt und Reisen durch die Zeit

The Umbrella Academy lässt den Figuren Raum zu atmen und sich von allen Seiten zu präsentieren. Dabei rückt abwechselnd jeder ein bisschen in den Fokus, wobei die Episoden nicht strikt auf einzelne Charaktere zugeschnitten sind, wie etwa bei Spuk in Hill House. An allen Handlungssträngen wird fortwährend gearbeitet, bis sie zum Finale gänzlich zusammenfließen. Der größte Handlungsstrang neben der bevorstehenden Apokalypse beschäftigt sich mit Zeitreise. Nummer 5 wird von Auftragskillern gejagt, die einer Behörde unterstehen, die versucht die Geschichte der Welt mit allen großen Eckpunkten aufrecht zu erhalten. Da zeigt sich wieder einmal, wie wichtig Perspektive ist. Eine solche Organisation, die das Gefüge der Zeit zusammenhalten will, kann bequem als heldenhaft dargestellt werden. Und wenn sie ein Attentat auf eine gute Person zulassen, ist das ein emotionaler Test. Das wären Dinge wie Legends of Tomorrow oder TimeCop. Aber hier treffen wir auf die Agenten Hazel (Cameron Britton, Stitchers) und Cha-Cha (Mary J. Blige, Mudbound), die hinter 5 her sind. Der Zuschauer ist da eher auf seiner Seite, die kommende Bedrohung aufzuklären und abzuwenden. Und doch schafft The Umbrella Academy es, dass Hazel und Cha-Cha auf ihre Art zu interessanten Figuren werden, denen man fast nichts schlechtes wünschen mag.

Die Schauspieler blühen in ihren sehr unterschiedlichen Rollen auf

Einen großen Anteil daran, dass die Charaktere auch in ihren schlechten Momenten nicht den letzten Rest Sympathie verlieren, haben natürlich die Schauspieler. Dabei stehlen vor allem Robert Sheehan und Aidan Gallagher als Klaus und 5 den anderen schnell die Show. Klaus ist eine schillernd-tragische Persönlichkeit, die allein mit seinem Kleidungsstil die Blicke auf sich zieht. Und er bekommt das beste bittersüße Material zugeschoben. Gallagher war während der Dreharbeiten erst 15 Jahre alt, spielt hier den erwachsenen Mann im Körper eines Teenagers aber brillant und trägt die Last der Hauptstory gekonnt auf seinen Schultern. Der Rest der Cast arbeitet mit etwas einfacherem Material, gibt das aber nicht minder überzeugend wieder. Der wortkarge Luther, der aufbrausende Diego, die gutherzige Allison oder die zwei sehr unterschiedlich verschrobenen Hazel und Cha-Cha. Die größte Entwicklung innerhalb der zehn Folgen gebührt dann Vanya, die emotional die größten Probleme hat. Ellen Page spielt den Konflikt mit der Familie bestens aus. Immer am Rand, mit dem Wunsch willkommen zu sein.

Überragender Soundtrack

Musik hilft immer, um die Stimmung einer audiovisuellen Erzählung zu unterstreichen. Manchmal kann selbst die Abwesenheit prägnant sein, aber einige Titel verlangen geradezu nach einer klangvollen Untermalung. Und hier trumpft The Umbrella Academy von Beginn an auf, wenn eine instrumentale Version eines Phantom der Oper Medleys erklingt. Die ersten Noten des Titelsongs kennt fast jeder und sie werden wunderbar mit einer Violine vorgetragen, bis ein ganzes Orchester einsetzt und den Zuschauer schon auf die Dramatik dieser Welt vorbereitet. Noch in der ersten Folge legt Luther den 80er Hit “I think we’re alone now” von Tiffany auf und alle im Haus beginnen für sich zu tanzen. Eine Szene, die sicherlich bald so beliebt sein dürfte wie der “What’s up” Karaoke-Moment aus Sense8. Es ist momentan besonders in, Actionszenen mit flotter Popmusik zu unterlegen, warum also nicht “Istanbul” von They Might Be Giants, Queens “Don’t stop me now” oder “Sunshine, Lollipops and Rainbows” von Lesley Gore dafür benutzen? Da sieht man den Profikillern ihren Spaß bei der Arbeit an. Manchmal läuft aber auch etwas dezent im Hintergrund wie “Feels like Heaven” von Fiction Factory, das kaum wahrnehmbar doch die romantische Atmosphäre fürs Date unterstützt. Eine fantasievolle Tanzeinlage zu Toploaders “Dancing in the Moonlight” verzaubert und wenn ein Verlust hörbar gemacht werden muss, ist David Grays “This Year’s Love” noch immer ein echter Tearjerker. Eine Playlist bestehend aus dem kompletten The Umbrella Academy Soundtrack führt durch viele Stimmungen und jeder Schuss ist auf seine Weise ein Treffer.

Auf der Suche nach dem Schuldigen

Es ist interessant zu sehen, wie sich das Puzzle langsam zusammensetzt, das zum Weltuntergang führt. Am Ende kann sich der Zuschauer fragen, wie diese Tragödie einfacher abzuwenden wäre und ob es einen bestimmenden Bösewicht gibt. Wenn Vanya zum Schluss ihren inneren Zweifeln nachgibt und mit ihrer Kraft die Welt bzw. im zweiten Anlauf den Mond zersprengt, ist das kein vorgefertigter Plan. Es ist das Ende einer lebenslangen Lüge, die sie vollkommen zerstört hat. Vielleicht ist Hargreeves nicht komplett im Unrecht, ihre Kraft zunächst einzudämmen. Aber er hat alle sieben Kinder vollkommen lieblos behandelt. Es ist egal, wie gut seine Absichten sein mochten, denn der Mangel an liebevollen Worten, das Ausschließen von Nummer 7, hat alles erst ermöglicht. Wie hat er diese Apokalypse vorausgesehen und was genau wusste er? Sich selbst das Leben zu nehmen, um die Umbrella Academy zusammen zu rufen, ohne dann wenigstens Hinweise zu hinterlassen, ist auch nicht viel wert. Wenn Luther – dem noch die sinnlose Isolation auf dem Mond in den Knochen steckt – am Ende Vanya ebenfalls lieber einsperrt, ohne ihr Aussicht auf Besserung zu geben, ist er der finale Schubs. Und natürlich darf Harold Jenkins (John Magaro, Orange is the New Black) nicht vergessen werden, der Vanya nach Strich und Faden manipuliert, als er das von Klaus weggeworfene Buch mit all den Enthüllungen findet. Es ist nachvollziehbar, wie Vanya sich von ihm einlullen lässt. Jenkins schenkt ihr positive Aufmerksamkeit, da kann Allisons plötzliches schwesterliches Interesse nicht mithalten. Mit allen Mitteln zu versuchen, diese besonderen Kinder zu einem präzise funktionierenden Team zu formen, hat die Spirale aus fehlerhafter Kommunikation und unterdrückten Emotionen, die zur Katastrophe führt, überhaupt erst in Gang gesetzt.  Die Mainstream-Superheldenfilme im Kino liefern oberflächlich immer einen klaren Bösewicht. Es ist möglich, die Charaktere genauer zu betrachten und lange Aufsätze über Motivationen und Entscheidungen zu schreiben. Das ist allerdings optional, ansonsten bleibt immer hübsches Popcornkino. Bei The Umbrella Academy ist eine empathische Herangehensweise nahezu Pflicht, um das volle Potenzial zu genießen. Die verstörenden Macken und ungünstigen Entscheidungen sind die eigentliche Reise.

Fazit

Ich bin von den Comics sehr angetan und aus dem Häuschen darüber, dass Ende 2018 mit Hotel Oblivion nach zehn Jahren der Stille endlich eine weitere Fortsetzung erscheint. Aber die Netflix-Serie hat mich direkt noch viel mehr mitgerissen. Das liegt natürlich daran, dass hier viel mehr Zeit vorhanden ist, um die kleinen Details zu beleuchten. Auch die Zusammenführung der Storylines sorgt für ein viel dichteres Erlebnis. Ich bin Adaptionen gegenüber sehr aufgeschlossen und für Änderungen offen. Genau diese überzeugen mich hier ganz besonders. Vor allem das Ende, dass Allison die Pistole neben Vanyas Ohr abschießt und so für einen Aussetzer sorgt. Wenn kein Klang hereinkommt, kommt keine zerstörerische Kraft heraus. Besser als sie mit Kopfschuss zu Gemüse zu verarbeiten.  Für eine zweite Staffel bleiben genug Fragen offen, gleichzeitig sind die allerwichtigsten Dinge aber geklärt, sodass man mit dem Finale nicht gänzlich auf dem Trockenen bleibt. Die visuelle Umsetzung gefällt mir sehr, wobei ich gut verstehen kann, dass es nicht zu bizarr wird und in einer realistischen Welt geerdet ist. Schallplatten sind aber einfach stylischer als mp3s und wenn keiner ein Handy benutzt, fehlt es auch nicht. Ein bisschen muss ich mit den Zähnen knirschen, wenn ich mir genau ansehe, welcher Charakter welche Konsequenzen zu tragen hat, denn die Frauen haben mal wieder ein sehr großes Kreuz zu tragen, wo die Herren ein bisschen leichter wegkommen.  Es ist aber sehr befreiend, wenn Harold sein Ende findet. Wie kann man Vanya böse sein?  Neben Vanya schlägt mein Herz aber besonders für Klaus, der so wunderbar von einem Extrem ins andere pendelt. Das Beste ist allerdings, dass jedes der Hargreeves Kinder wenigstens eine Stelle bekommt, an der ich mit ihnen mitfühlen kann. Selbst wenn ich finde, dass sie eine Ohrfeige verdient hätten. Das macht gute Erzählungen für mich aus.

©Netflix

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Prinzessin Blaubeere
Redakteur

I’m in love!!! Ich werde es nicht mal richtig in Worte fassen können. Die Serie hat mich umgehauen. Ich schau so viel mittlerweile, dass mir auffällt, dass es selten geworden ist, dass mal eine Serie dabei ist, die mich so packt. Bei Umbrella Academy stimmt alles. Ich steh gar nicht sooooooo sehr auf Superkräfte. Der ganze Marvel-Kram z.B. ist nicht so meins. Hatte auch echt nicht damit gerechnet, dass mir die Serie so gut gefallen würde. Aber schon die erste Folge hatte mich. Ich hör mir seitdem “I think we’re alone now” ständig an. xD

Ich steh auf Stories, in denen es um Zeitreisen geht. Damit hatte man mich schon. Aber die Charaktere sind hier wirklich ausschlaggebend. Du hast es ziemlich gut getroffen: Sie haben alle ihre Macken, aber bekommen Momente, in denen man mit jedem Einzelnen mitfühlen kann. Ich konnte Diego z.B. am Anfang überhaupt nicht leiden, jetzt ist er bei mir auf Platz 3. Favoriten sind aber ganz klar Klaus und Five. Die werden beide so verdammt gut gespielt. Ich bin hin und weg!!! Ich mag tatsächlich Vanya nicht so sehr. Auch Luther fällt mir etwas schwer. Allison mag ich sehr gerne, aber ihre Story ist irgendwie so…hmmmm. Naja.
Als Zuschauerin war ich in so einem Twist irgendwie. Man kann sich gut in Vanya einfühlen, weil jeder wahrscheinlich dieses Gefühl kennt dazugehören zu wollen und wenn man in eine Gruppe nicht reinpasst oder nicht mitspielen darf, dann tut das weh und so ein Kampf auf Biegen und Brechen Aufmerksamkeit zu bekommen, zerstört einen komplett. Das ist so menschlich, dass das vmtl. jeder nachvollziehen kann. Gleichzeitig ist man als Zuschauer aber so darauf programmiert Superkräfte zu hypen, weil man selbst gerne welche hätte, dass man (ich zumindest) immer möglichst viel davon sehen wollte und dann hatte ich Vanya ganz schnell ausgeblendet. Dadurch kann man auch die Seite der anderen verstehen, wenn sie Vanya einfach “vergessen” haben.
Zu Ben noch kurz. Obwohl er tot ist, war er trotzdem ständig präsent und ich konnte sogar zu ihm eine Beziehung aufbauen, obwohl er mit den anderen (bis auf Klaus) gar nicht kommunizieren kann. Er hat diese ironische Art an sich und auch wie er mit Klaus umgeht, mochte ich echt gern. Seine Kommentare aus dem off quasi, fand ich sehr unterhaltsam.
Mit Cha-Cha und Hazel hast du es auch auf den Punkt gebracht. Man wünscht ihnen wirklich nichts Böses. Die sind auf ihre Art irgendwie sehr liebenswerte Charaktere und gerade Hazel…wie kann man ihn denn nicht mögen? Er hat irgendwie sowas Balu-der-Bär-mäßiges an sich.

Ich brauch meeeeeehr!

Ayres
Redakteur

Mich hat die erste Staffel nur mäßig gepackt. Obwohl ich die Inszenierung sowas von überragend finde: nicht nur musikalisch, sondern sogar einzelne Bildeinstellungen, in denen viel Liebe für imposante Bildsprache steckt. Ich WILL Umbrella Academy allerdings mögen, weshalb ich der Serie zur Ausstrahlung von Staffel 2 eine zweite Chance geben werde. Weshalb der erste Anlauf nicht geklappt hat, ist mir selbst ein Rätsel, aber stellenweise ist die Staffel recht zäh, sodass ich zu schnell wieder raus war.