Devil May Cry 5

Lesezeit: 8 Minuten

Eines muss man den Dämonenhorden der Hölle lassen: Sie wissen nie, wann es Zeit aufzugeben wird. Doch bis Schnetzelkönig Dante und seine Kollegen von Devil May Cry wieder ausrückten, sollten elf Jahre ins Land ziehen. Denn nach dem von Fans ziemlich zerrissenen 2013er Reboot von Studio Ninja Theory mit Namen DMC: Devil May Cry wanderte die Reihe wieder zurück in die geübten Hände Capcoms. Auf das Team rund um Hideaki Itsuno (Dragon’s Dogma: Dark Arisen) wartete keine leichte Aufgabe. Schließlich musste eine stylische Balance zwischen liebgewonnenen Elementen und neuer Technik gefunden werden. Seit dem 8. März 2019 dürfen sich heimische Dämonenkiller im Doppelsalto vor die Konsolen werfen und in Devil May Cry 5 auf die Armeen der Unterwelt einprügeln. Ob sich die Reihe nach all den Jahren selbst neu erfunden hat oder ob Dante doch lieber in Rente gehen sollte, klären wir ausführlich.

Einige Jahre gingen seit dem Vorfall in der Stadt Fortuna ins Land. Nero lebt mit Kyrie zusammen und möchte mit Hilfe der Mechanikerin Nico einen eigenen fahrbaren Devil May Cry Shop eröffnen. Eines Abends, als er alleine in der Werkstatt ist, taucht eine seltsame vermummte Gestalt auf. Diese greift ihn an und reißt ihm seinen Dämonenarm ab. Dadurch besitzt der Fremde nun Yamato, womit er sogleich ein Portal für die Flucht öffnet. Wenige Tage später wächst ein dämonischer Baum in der Stadt Red Grave City. Auch Nero ist vor Ort, kann aber nichts ausrichten und muss sogar dabei zusehen, wie der Dämonenkönig Dante besiegt. Ein Monat ist vergangen und der junge Mann hat dank der Arbeit von Nico nun ein Arsenal an mechanischen Armen zur Verfügung. Zusammen mit dem mysteriösen V kämpft er sich nun zum Dämonenbaum vor, um gegen König Urizen zu siegen.

Drei Gärtner gegen ein Baum

Im fünften Teil der Devil May Cry-Reihe kann der Spieler die Kontrolle von gleich drei Figuren übernehmen. Nero, der seinen Einstand im vierten Teil hatte, ist wieder mit von der Partie, nur leider ohne seinen praktischen Dämonenarm. Um mehr Abwechslung in seine Spielmechanik zu bringen, gab ihm das Kreativteam neue Arme mit auf den Weg. Nach nur wenigen Einsätzen lässt sich auch sagen, dass diese ordentlich Fun mitbringen. Die Auswahl ist zwar überschaubar, aber ihre Fähigkeiten sind sehr verschieden. So kann ein Arm Elektrowellen verschießen, ein anderer die Zeit anhalten und wieder ein anderer kann angesprengt werden, wodurch Nero auf ihm reiten kann. Ein Haken existiert jedoch: Sie alle gehen extrem schnell kaputt. Daher muss ihr Einsatz mit Köpfchen eingeplant werden, damit sie noch bis zum Bossgegner ausreichen. Ein Glück, dass Neros Partnerin Nico mitdenkt, denn sie hat einige Arme in den Arealen versteckt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist nur das neue Design von Nero, das den einen oder anderen an den jungen Dante aus dem Reboot erinnert.

Veteran Dante in all seiner blutigen Pracht

Originaltitel Devil May Cry 5
Jahr 2019
Genre Action-Adventure, Hack & Slash
Plattform PC, PlayStation 4, Xbox One
Entwickler Capcom
Publisher Capcom
Spieler 1
USK

Neben Kid Nero ist natürlich auch Altmeister Dante wieder mit dabei. Wie gewohnt mit einem wachsenden Waffenarsenal, das viel Freude bereitet, da man zwischen diesen blitzschnell wechseln kann. Das treibt den Style-Counter wie immer praktisch in die Höhe. Schließlich wird hier nicht einfach langweilig auf Dämonen eingeschlagen, sondern wie für die Reihe üblich in akrobatischen, abwechslungsreichen Moves, bei dem ja kein Gegentreffer eingesteckt werden darf. Neben den Waffen kann der Spieler bei Dante auch wieder zwischen vier Kampfstyles wählen. So können wir zum Beispiel mit dem Royalguard-Angriffe besser einstecken, mit dem Swortmaster schicke Nahkampftricks zaubern und mit Trickster geschickter ausweichen. Neben all dem kann Dante sich wie immer in einen Dämon verwandeln, was ihm einen starken Powerup verpasst. Da bleiben so gut wie keine Wünsche übrig. Das Beste kommt aber noch, denn auch auf ihn wartet eine Neuerung. Handlungsbedingt verschmilzt der Dämonenhunter mit den Schwertern Rebellion und Sparda. Er erschafft so sein eigenes Schwert, das es ihm ermöglicht, sich in eine neue, schicke Dämonenform zu verwandeln.

Der, der mit den Dämonen tanzt

Neben den zwei bekannten Kämpfern bietet Devil May Cry 5 einen Neuzugang. Der mysteriöse V hebt sich nicht nur optisch arg von seinen Kollegen ab, sondern er kämpft im Gegensatz zu ihnen auch nicht direkt. Er schickt seine eigenen Dämonen in den Kampf. Zur Auswahl stehen dafür der nie die Klappe haltende Griffon für die Fernangriffe und der für die Nahangriffe verantwortliche schwarze, formverändernde Panther Shadow. Bei ganz harten Gegnern kann V auch seine Devil Trigger aktivieren, was einen weiteren Dämon Typ Golem beschwört. Ein besonders hilfreicher Geselle, wenn wir es mit sehr vielen oder einem übermächtigen Feind zu tun haben. Während sich die Partner um die Gegner kümmern, steht V in der Regel abseits und beobachtet das Geschehen. Wir können sogar in einem Buch lesen! Natürlich mit dem Nebeneffekt, dass unsere Werte steigen, was praktisch ist. Als Spieler muss aber aufgepasst werden, dass dieser keine Treffer einsteckt, denn das zieht an der Lebensleiste. Ganz untätig ist der Mann in Schwarz aber nicht. Seine Helfer können Dämonen nicht töten, sodass ein letzter Schlag von Nöten ist. Eine ganz schöne Umstellung zu den sonst so direkten Typen, mit denen wir ins Getümmel stürzen. Doch V spielt sich sehr angenehm und bietet eine ganz andere Herangehensweise an die Kämpfe. Ein netter Fakt ist übrigens, dass ein Teil der Gedichte, die er vorliest von William Blake stammen. So ist wieder eine kleine Brücke zu Dante Alighieris Göttliche Komodie geschlagen.

Fühlt sich an wie ein Devil May Cry Titel, aber…

Bei einem Actiontitel stehen die Kämpfe natürlich im Vordergrund. Und hier kann der fünfte Teil der DMC-Reihe ordentlich punkten, denn dank der drei unterschiedlichen Charaktere wird es spieltechnisch nicht langweilig. Wie immer können wir dank der internen Währung, die roten Kugeln, weitere Verbesserungen, Moves und Gegenstände (in Neros Fall Arme) erwerben. Dadurch lohnt es sich für uns bereits gespielte Level noch einmal zu bewältigen. Einige Abschnitte müssen wir sogar mit mehreren Figuren spielen. Da die Handlung mit circa 20 Stunden nicht sehr lang ist, liegt es gerade im Ermessen der Entwicklung, uns dies schmackhaft zu machen. Schließlich ist der erste Durchlauf nicht sehr schwer programmiert worden. Denn im Gegensatz zu den vorangegangen Teilen sind selbst spektakuläre Bosskämpfe mit einfachen Buttonsmashing zu schaffen. Auch viele kleine Gegner stellen sich teilweise sehr dumm an. Rote Kugeln warten an jeder Ecke, genauso wie Gesundheitsaufbesserungen, was uns leicht macht, am Leben zu blieben. Zum Glück können wir mit jedem bewältigten Durchlauf einen höheren Schwierigkeitsgrad freischalten.

Leider kein Rätselspaß mehr

Auch bei der Bewertung der Missionen, wovon es insgesamt 20 zu erledigen gibt, warten Änderungen. Während früher die Spielzeit ein wichtiger Faktor war, zählen jetzt nur die eingesammelten roten Kugeln und die Stylepunkte. Dafür klauten die Entwickler uns die Karte und versteckten vor allem die Geheimmissionen an wirklich fiesen Stellen. Ein kleiner Ausgleich dafür, dass leider der Rätselfaktor fast gänzlich verloren ging. Gerade der dritte Teil der Reihe stellt uns hier und da vor ein paar knifflige Aufgaben. Daher ist es wirklich schade, dass wir jetzt nur noch von einer Dämonenhorde zur nächsten rennen. Eine gewisse Eintönigkeit ist daher leider vorhanden. Das wird sogar noch verstärkt, weil die Entwickler die Level nicht sehr verschiedenartig gestalteten. Immer wieder Schlauchwege, mit nur kleinen Abzweigungen, die farblich sich oft im gleichen Spektrum bewegen. Da wir uns zum Beispiel im und um den Baum bewegen, nervt es irgendwann auf Blutwurzeln einzuhacken. Da hatte Devil May Cry 4 mehr optische Reize zu bieten und schlug für die Reihe ein schöne Entwicklungsrichtung ein. Musikalisch präsentiert jeder der Dämonenkiller seine eigene Kampfmusik. Die drei Stücke unterscheiden sich einwandfrei voneinander und passen auch direkt zu ihren Charakterzügen. Gerade Neros Stück „Devil Trigger“ von Casey Edwards feat. Ali Edwards hat einen mitziehenden Beat. Schade nur, dass außerhalb der Kämpfe gar keine Hintergrundmusik läuft.

Warum chronologisch, wenn es auch anders geht!

Was ist eigentlich mit der Handlung? Bei einem Actiontitel ist es in der Regel verkraftbar, wenn dieser nicht unbedingt mit den größten Überraschungen daherkommt. Doch Devil May Cry 3 beweist, dass es auch anders geht. Für das fünfte Abenteuer hat sich Hideaki Itsuno daher etwas Besonderes einfallen lassen, denn die Story wird nicht chronologisch erzählt. Wir starten beim Prolog mit Nero, folgen ihm auf seinem Weg, springen dann aber auch zu den Ereignissen vor dem Kampf von Dante und Urizen. So passt es, dass wir mit drei verschiedenen Charakteren die Handlung erspielen. Jedoch ist die größte Storywendung nicht wirklich überraschend. Schließlich spricht der armklauende Fremde davon, dass er ihn sich wiederholt. Und auch der Buchstabe V ist nun wirklich ein Schlag mit dem Schwert Rebellion gegen den Hinterkopf. Trotzdem, es ist ein emotionaler Punkt, den die Story damit abgreift, denn so erfährt Nero endlich, wer sein Vater ist. Das sorgt dafür, dass er am Ende seine eigene Dämonenform erweckt, die spieltechnisch toll ist. Auch andere kleiner Dinge zeugen davon, dass hier an die Fans gedachte wurde, so tauchen Morrison und Patty aus dem Anime auf. Wobei es seltsam ist, dass erster nun eine andere Hautfarbe hat! Oder als V ausgerechnet mit Trish über seine Vergangenheit spricht, denn schließlich ist sie mit dem Ebenbild von Dantes und Vergils Mutter Eva erschaffen wurden.

Fazit

Devil May Cry 5 macht Spaß, kommt aber nicht ganz ohne Mängel aus. Ich finde es schlicht sehr schade, dass es keine Rätsel mehr gibt, denn diese lockerten die Kämpfe immer auf. So ist es wirklich nur noch ein Herumrennen, Dämonen killen und hier und da nach Abzweigungen Ausschau halten. Zum Glück können die Kämpfe einiges noch herausholen. Diese locken mit drei unterschiedlichen Figuren, wovon Dante immer noch mein Favorit ist. Anfangs stand ich V recht skeptisch gegenüber. Doch nach nur wenigen Kämpfen gefiel mir seine Art und auch seine Geschichte packte mich sehr. Einen Mann, der während der Gefechte ein Buch zückt, kann ich ja im Grunde nicht nicht mögen. Als alte Devil May Cry-Veteranin war mir von Anfang an klar, welcher dämonische Hase hier läuft. Trotzdem freut es mich, dass so Vergil noch einmal auftauchen darf. Vor allem in einem schicken neuen Outfit und dann auch noch Yamato schwingend. Ich hasse es nur, im Finale gegen diesen schnellen Hund kämpfen zu müssen! Sorry Dante, für alles was du wegen meiner langsamen Finger einstecken musstest! Optisch finde ich das Design der Figuren sehr ansprechend, nur gehöre ich auch zu denen, die sich etwas an Neros neuen Look gewöhnen mussten. Dafür rockt Dante, als er den Hut Dr. Faust bekommt. Mal ehrlich, die Michael-Jackson-Nummer ist einfach genial! Schade nur, dass die Missionslevels teilweise recht eintönig geraten sind. Die Figuren heben sich streckenweise nicht einmal vom Hintergrund ab, was nicht sein sollte. Immerhin die Musik punktet bei mir, denn gerade „Devil Trigger“ ist ein schöner Ohrwurm. Ob das Produktionsteam nur weiß, dass das Intro extrem nach dem von Deadpool aussieht? Nach dem Ende des Spiels, bin ich auf jeden Fall gespannt, wie ein sechster Teil aussehen wird.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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