TV-Kindheitserinnerungen – Teil 4: Captain Future

Unser Reihe “Meine Kindheit vor dem Fernseher” besinnt sich zurück auf jene Tage, in denen die Hausaufgaben warten mussten, es Gründe gab, schon während des Unterrichts auf den Nachmittag zu warten oder an Wochenenden besonders früh aufzustehen: Das TV-Programm. In einer Zeit, in der Smartphones und Internet nicht die Kinderzimmer einnahmen, sondern die Flimmerkiste (oftmals noch in der Variante Röhrenfernseher) den Alltag bestimmte. Wir widmen uns Formaten, die unsere Kindheit prägten und heute zum Teil bereits längst in Vergessenheit geraten sind. Die Nostalgiebrille aufgesetzt und volle Kraft rückwärts in der Zeit!

Titel:

Captain Future (52 Episoden, 1978–1979)

Dort war es zu sehen:

ZDF (40 Episoden, 1980), Tele 5, Trick 7

Darum geht es:

Captain Future spielt in der Zukunft, in der neben Menschen auch Völker anderer Planeten das Weltall bevölkern. Nach der Ermordung seiner Eltern zieht das lebende Gehirn, Professor Simon Wright, den achtjährigen Curtis Newton gemeinsam mit dem Roboter Grag und dem Androiden Otto groß. Curtis entwickelt sich zu einem herausragenden Wissenschaftler, der als Captain Future in dem von ihm konstruierten Raumschiff Comet seine Fähigkeiten für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt. Neben Simon Wright, Otto und Grag stehen ihm Joan Landall, eine Agentin der Planetaren Polizei, und ihr Chef Ezella Garnie dabei zur Seite.

Wissenswertes:

Die japanische Anime-Serie Captain Future beruht auf der gleichnamigen Science-Fiction-Serie von US-Autor Edmond Hamilton, die von 1940 bis 1944 im amerikanischen Pulp Magazin erschien. Für das deutsche Publikum wurde Captain Future nicht nur neu synchronisiert, sondern erhielt zugleich einen eigenen Soundtrack von Christian Bruhn (HeidiTimm Thaler), da im japanischen Original eine gemeinsame Tonspur für Sprache und Musik benutzt wurde. Außerdem wurden die 52 Episoden auf 40 gekürzt, wobei etliche Gewaltdarstellungen der ursprünglich für Erwachsene konzipierten Geschichten der Schere zum Opfer fielen.

Darum handelte es sich um ein Kinderzimmer-Highlight:

Science-Fiction für Kinder? Na klar! Der Mix aus Abenteuer, Wissenschaft und Fantasie passt in Captain Future perfekt zusammen, um ein kindliches Publikum an den Bildschirm zu fesseln. Spannung und Humor wechseln sich dabei fortwährend ab und die Handlung verläuft so schnell, dass für Langeweile keine Zeit bleibt. Dabei werden etliche Themen aufgegriffen, die scheinbar zu schwere Kost für die angestrebte Altersklasse zu sein scheinen, doch Seelenwanderungen, Körpertransformationen oder Zeitreisen passieren einfach und wirken in diesem Kontext völlig natürlich – aber darauf stimmen ein fliegendes Gehirn, ein gestaltwandelnder Androide und ein gesetzter Roboter schon zu Beginn der Zeichentrickserie ein, denn diese bewegen sich völlig natürlich zwischen Menschen und Lebewesen von anderen Planeten. Curtis Newton, der selbsternannte Captain Future, bietet allein schon durch sein jugendliches Alter eine ideale Identifikation mit der Hauptperson, sein Wissen und Können wirken greifbar und seine aufrechte, weltoffene Haltung erstrebenswert. Beflügelt wird die kindliche Fantasie auch durch die fantastischen technischen Geräte: Die Legokiste scheint genau das richtige Material zu enthalten, um mal eben eine Comet nachzubauen. Freundschaften spielen eine große Rolle, die mitunter trotz (oder gerade wegen?) großer Unterschiede Bestand haben. Natürlich gibt es eine klare Grenze zwischen Gut und Böse. Und die Guten siegen immer.

Persönliche Erinnerungen:

Captain Future lief damals im ZDF, und meine Schwestern und ich sind nach dem Sport jedes Mal auf unseren Fahrrädern quer durch die Stadt nach Hause gerast, um rechtzeitig vor dem Fernsehgerät zu sitzen, denn die Titelmelodie wollten wir auf keinen Fall verpassen. Wir liebten diese Zeichentrickserie, die einen erfrischender Kontrast zu Biene Maja und Heidi darstellte, welche doch oft allzu brav daherkamen. Der riesige Schauplatz Weltraum, fremde Lebewesen und dazu so richtig Action – das war weder auf der Alm noch in der Blumenwiese zu finden. Captain Future war etwas Neues, Unverbrauchtes, das nicht nur unsere Fantasie ankurbelte, sondern auch unsere Kreativität. Erstaunlich, was sich aus einer Kiste mit Legobausteinen, alten Kartons, Regenschirmen und Decken zusammenzaubern lässt … Selten waren meine Schwestern und ich uns in einer Sache mal alle einig, aber hier waren wir drei es.

Lohnt sich die Serie heute noch?

Mit der Nostalgiebrille auf der Nase ist Captain Future sicher heute noch einen Blick wert, auch wenn einem die Animationstechnik den einen oder anderen Schauer des Entsetzens über den Rücken jagen dürfte. Die Geschichten wirken ziemlich zusammengestaucht, mit einer teilweise überhasteten Entwicklung und mitunter zweifelhaften Szenen (zum Beispiel die Erschießung des Agenten in der ersten Episode), auch emotional bieten die Charaktere nicht wirklich viel, und die klare Einteilung in Gute und Böse ist für Kinder sicherlich angemessen, für Erwachsene dagegen zu eindimensional gedacht. Absolut hörenswert ist allerdings noch immer der geniale Soundtrack von Christian Bruhn. Der Wiedererkennungswert des jazzig-rockigen Openings ist wirklich hoch, auch nach Jahren steigen sofort die dazu passenden Bilder aus den Tiefen der Erinnerung hervor.

Wie kommt man an die Serie heran?

LEONINE veröffentlichte die Serie (damals noch als Universum Film) 2016 als Komplettbox auf Blu-ray und DVD.

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