TV-Kindheitserinnerungen – Teil 10: Hannah Montana

Unsere Reihe “Meine Kindheit vor dem Fernseher” besinnt sich zurück auf jene Tage, in denen die Hausaufgaben warten mussten, es Gründe gab, schon während des Unterrichts auf den Nachmittag zu warten oder an Wochenenden besonders früh aufzustehen: Das TV-Programm. In einer Zeit, in der Smartphones und Internet nicht die Kinderzimmer einnahmen, sondern die Flimmerkiste (oftmals noch in der Variante Röhrenfernseher) den Alltag bestimmte. Wir widmen uns Formaten, die unsere Kindheit prägten und heute zum Teil bereits längst in Vergessenheit geraten sind. Die Nostalgiebrille aufgesetzt und volle Kraft rückwärts in der Zeit!

Titel:

Hannah Montana (101 Episoden, 2006–2011)

Dort war es zu sehen:

Disney Channel (ab 2006), Super RTL (ab 2007)

Darum geht es:

Miley Stewart wohnt mit ihrem Bruder Jackson und ihrem Vater Robby in Malibu. Eigentlich ist sie ein ganz normaler Teenager, doch was die wenigsten Menschen wissen: Sie führt ein Doppelleben und wird mit dem Aufsetzen einer blonden Perücke zur gefeierten Pop-Sängerin Hannah Montana! Da Miley ihr normales Leben nicht aufgeben möchte, kreierten sie und ihr Vater das Alter Ego. So geht Miley mit ihren besten Freunden Lilly und Oliver ganz regulär zur Middle School. Ihre Mitschüler ahnen nicht, dass die von ihnen so geliebte Hannah Montana unter ihnen weilt.

Wissenswertes:

Tatsächlich hat die Serie eigentlich nur 98 Episoden, in Deutschland existieren hingegen 101, weil einstündige Specials in Zweiteiler verwandelt wurden. Was man sich heute kaum vorstellen kann: Miley Cyrus, die durch ihre Rolle in Hannah Montana berühmt wurde, wurde tatsächlich ursprünglich beim Casting abgelehnt. Sie war damals erst elf Jahre alt, was die Produzenten für zu jung hielten. Erst ein halbes Jahr später und durch starken Einsatz von Cyrus selbst wurde sie als die Hauptfigur gecastet, wofür der Name dieser extra zu “Miley” geändert wurde. Tatsächlich sind Vater und Tochter in der Serie auch im realen Leben verwandt, denn Robby wird von Billie Ray Cyrus verkörpert. Skurril: Zwischen Miley Cyrus und dem Schauspieler ihres nur wenige Jahre älteren Serienbruders Jackson liegen tatsächlich rund 15 Jahre. Insbesondere in den USA wurde die Serie von Eltern immer wieder wegen der Hauptdarstellerin kritisiert, die mit provokativen und sexualisierten Auftritten nicht dem angedachten Bild als “süßes Teenie-Idol” entsprach. Auch für Disney selbst stellte dies ein großes Problem dar, immerhin sollten auch die Stars ihrer Serien ein familienfreundliches Image transportieren. Als Folge von Cyrus kontroversem Auftritt bei den MTV Video Music Awards 2013 wurde letzten Endes sogar die Merchandise-Produktion eingestellt.

Darum handelte es sich um ein Kinderzimmer-Highlight:

Disney Channel (für alle, deren Eltern Pay-TV bezogen) bzw. Super RTL waren Anfang des 21. Jahrhunderts die erste Anlaufstelle für alle Kids, die sich schon zu alt für das Kinder-Programm der Öffentlich-Rechtlichen fühlten, aber auch nicht unbedingt Nick schauen wollten. Hannah Montana passte perfekt zu den typischen Teen-Sitcoms, die im Nachmittagsprogramm liefen, gleichzeitig war die Serie doch anders. Denn während Eltern vermutlich nur noch den Kopf schütteln konnten, wenn der Nachwuchs schon wieder überteuertes Merchandise haben wollte oder zum zigsten Mal der Titelsong “The Best of Both Worlds” durch das Wohnzimmer hallte, hatten Kinder mit Hannah bzw. Miley ein lebensnahes Idol. Schließlich gab es ‘ihre’ Miley durch Miley Cyrus ja auch irgendwie wirklich, ganz anders als in vergleichbaren Disney Channel-Sendungen. Hannah Montana zeigt dabei mit den Stewarts eine spannende Mischung. Auf der einen Seite sind die ganz normalen Probleme, die Miley als Schülerin hat: Pauken für Tests, erstes Mal verknallt, Diskussionen mit Erwachsenen. Auf der anderen Seite ist sie aber auch ein gefeierter Star, wobei dieses Leben eben nicht nur aus coolen Auftritten und Partys mit Prominenten besteht. Das wird an obsessiven Fans und aufdringlichen Paparazzi deutlich. Damit zeigt die Serie einerseits die Verwirklichung eines häufigen Kindheitstraumes (ein Star bzw. eine Sängerin sein), spart aber eben nicht die Schattenseiten aus, die ja immerhin der Grund sind, warum Miley überhaupt ein Doppelleben führt.

Persönliche Erinnerungen:

Hannah Montana war viel mehr ein Phänomen als nur eine Serie. So würde ich die Jahre, in denen die Serie im TV lief, beschreiben. In den späten 00er-Jahren war es quasi unmöglich, als kleines Mädchen nicht irgendwie dem Hype um die blonde Sängerin zu verfallen. Nicht nur, dass die Serie auf dem Disney Channel bzw. Super RTL rauf und runter lief, auch die Läden waren voller Merchandise: Bettwäsche, Klamotten, Stifte, Radiergummis etc. etc. Einfach alles gab es im pink-violetten Design mit Hannah-Aufdrucken, sodass ich selbst in der Grundschule geradezu obsessiv der Serie und alles um sie herum verfallen war. Denke ich daran zurück, wie ich die Serie zuerst sah, dann erinnere ich mich vor allem daran, wie cool ich das alles fand. Gerade einmal eingeschult fühlte ich mich wie ‘eine Große’, wenn ich die witzigen Episoden um das Doppelleben von Teenager Miley ansah. Sie fühlte sich auch mehr wie eine Identifikationsfigur an als etwa Zack und Cody in Hotel Zack & Cody (eine andere Serie, die ich immer gerne auf Super RTL schaute). Die waren ja schließlich Jungs und wohnten in einem Hotel, also ganz anders als ich. Miley war hingegen ein Mädchen, das sich mit fiesen Cliquen in der Schule oder Streitigkeiten in der Familie und unter Freunden rumschlagen musste. Das kannte ich nicht nur selbst, sondern ich sah sie auch als ein Vorbild, da sie für jedes Problem eine Lösung fand. Mileys beste Freundin Lilly mochte ich dabei immer besonders gerne, da ich sie und ihr Alter Ego Lola Luftnagle durch ihre chaotische Art sehr liebenswert fand. Ebenso war Miley/Hannahs Bodyguard Roxie immer für einige Lacher gut. Ich weiß auch noch, wie glücklich ich war, als ich die DVD des Konzertfilms zu meinem achten Geburtstag bekam. Das war ein echtes Highlight, schließlich gab es neben den tollen Songs auch echte Einblicke hinter die Kulissen. Die Musik mochte ich sowieso immer besonders gerne und bei jedem Song hatte ich das Bedürfnis, mitzusingen (vermutlich sehr zum Leidwesen meiner Eltern). Die letzte Staffel, die nur wenige Episoden hatte, war damals dann schon ein wenig das Ende einer Ära, sodass ich diese damals nicht nur mit viel Freude, sondern auch mit einer gewissen Wehmut schaute.

Lohnt sich die Serie heute noch?

Aus heutiger Sicht fällt natürlich auf, dass sich manche Aspekte bei so vielen Episoden wiederholen, was bei der TV-Ausstrahlung nie so deutlich wurde. Auch werden Erwachsene gerade in den ersten Episoden wohl manches Mal die Augen verdrehen, was für vermeintliche Konflikte die Teenager lösen müssen. Das jüngere Publikum könnte sich hingegen an Aspekten wie der Ästhetik stören, die doch sehr ein Relikt der 00er-Jahre ist. Das ändert aber nichts daran, dass die Serie noch immer einen tollen Humor, coole Songs und berührende Szenen bietet. Das zeigt sich besonders an der liebevollen Beziehung zwischen Miley und Vater Robby oder in den Episoden, in denen es um Mileys schon früh verstorbene Mutter geht. Außerhalb der Qualität der Serie selbst zeigt sich auch ein leicht bitterer Nachgeschmack angesichts von Cyrus’ Aussagen zu den Bedingungen am Set und der Tatsache, dass sie durch die Popularität der Marke unter starkem Druck stand. Es stellt sich ein wenig die Frage, ob das Marketing, das ja durchaus sehr erfolgreich war, nicht zu Lasten ihrer Entwicklung ging. Dennoch: Die Serie macht noch heute Spaß und bietet eine unterhaltsame Mischung aus Musik, Humor und sympathischen Figuren. 

Was gibt es noch?

2008 erschien der Konzertfilm Hannah Montana & Miley Cyrus: Best of Both Worlds Concert, welcher neben dem Konzert selbst auch Pannen und viele Backstage-Szenen zeigte. 2009 folgte mit Hannah Montana – Der Film ein Spielfilm für die große Leinwand (und damit der bis heute einzige Kino-Film der Produktionsfirma). Ansonsten erschienen zahlreiche Soundtrack-CDs.

Wie kommt man an die Serie heran?

Die komplette Serie sowie beide Filme werden von Disney+ zum Abruf angeboten. Fans können sich Hannah Montana aber auch ins Regal stellen, denn alle vier Staffeln wurden von Disney auf DVD veröffentlicht. Die vier Staffelboxen erschienen zwischen 2008 und 2011 und sind noch immer problemlos erhältlich.

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments