TV-Kindheitserinnerungen – Teil 1: Saber Rider und die Star Sheriffs

Unser Reihe “Meine Kindheit vor dem Fernseher” besinnt sich zurück auf jene Tage, in denen die Hausaufgaben warten mussten, es Gründe gab, schon während des Unterrichts auf den Nachmittag zu warten oder an Wochenenden besonders früh aufzustehen: Das TV-Programm. In einer Zeit, in der Smartphones und Internet nicht die Kinderzimmer einnahmen, sondern die Flimmerkiste (oftmals noch in der Variante Röhrenfernseher) den Alltag bestimmte. Wir widmen uns Formaten, die unsere Kindheit prägten und heute zum Teil bereits längst in Vergessenheit geraten sind. Die Nostalgiebrille aufgesetzt und volle Kraft rückwärts in der Zeit!

Titel:

Saber Rider und die Starsheriffs (52 Folgen, 1987–1988)

Dort war es zu sehen:

Tele 5 (1988–1992), RTL Zwei (1993–1995), Syfy (2006–2007)

Darum geht es:

Saber Rider und die Starsheriffs spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschheit andere Planeten besiedelt, um die Bevölkerungsexplosion auf der Erde in den Griff zu bekommen, da die dortigen Versorgungskapazitäten nicht mehr ausreichen. Vor allem in den Randgebieten der neuen Kolonien kommt es immer wieder zu Angriffen fremder Wesen ‒ den Outridern. Um die Menschheit vor der Ausrottung zu retten, formiert sich eine Gruppe von Freiheitskämpfern, die als “Star Sheriffs” mit ihrem mächtigen Weltraum-Schlachtschiff Ramrod den Kampf gegen die Feinde aufnimmt.

Wissenswertes:

Die Produktionsursprünge von Saber Rider und die Star Sheriffs reichen ins Jahr 1984 zurück und basieren auf der japanischen Anime-Serie Sei Jūshi Bismarck. 1987 kaufte die US-amerikanische Filmgesellschaft World Events Productions die Serie und bearbeitete sie für den westlichen (und somit auch deutschen) Markt um, wobei sie in “Saber Rider and the Star Sheriffs” umbenannt wurde. Während dieser Bearbeitung wurden 46 der ursprünglich 51 Folgen adaptiert und sechs komplett neue Folgen produziert.

Darum handelte es sich um ein Kinderzimmer-Highlight:

Kann es eine schönere Heranführung an das Genre des Space-Westerns geben? Saber Rider und die Starsheriffs gelingt eine Mischung aus kinderzimmertauglicher Action und einer Handlung, die sich so ernst nimmt, als sei dies eine Serie für Erwachsene. Besonders die deutsche Synchronisation trug ihren Teil dazu bei, dass die Serie in Fan-Kreisen den Kultstatus erlangte. Saber Rider wird von Ekkehardt Belle gesprochen, der unter anderem den Fieso-Duck in Darkwing Duck spricht. Weitere Stimmen mit hohem Wiedererkennungswert stammen von Christian Tramitz (Bullyparade), Arne Elsholtz (deutsche Stimme von Tom Hanks), Norbert Gastell (deutsche Stimme von Homer Simpson), Hartmut Neugebauer (deutsche Stimme von Hagrid aus Harry Potter), Katrin Fröhlich (deutsche Stimme von Cameron Diaz) und Florian Halm (deutsche Stimme von Wickie). Warum all die Sprecher namentlich aufführen? Weil die Synchronisation Saber Rider erst zu dem machte, wofür die Serie ihren Ruf genießt: Denn während die Handlung eigentlich ernster Natur ist, bringt das Dialogskript eine Menge Humor und witziger Sprüche mit, was einem die ohnehin schon sympathischen Figuren noch näher bringt. Die Serie befand sich neben Captain Future und Odysseus 3000 in bester Gesellschaft, da die westliche Ausrichtung einen Kontrast zu den anderen Anime-Serien bildete. Denn vor allem das Superschiff Ramrod, das sich in einen Roboter verwandeln kann, war ein echtes Highlight für kleine Jungs, die ihre Transformers schon damals liebten. Die US-Serien Bravestarr oder Galaxy Rangers sind tonal noch näher an Saber Rider.

Persönliche Erinnerungen:

“Ramrod ist einsatzbereit” “Verstanden, April! Ramrod übernimmt die Steuerung. Kampfbereitschaftsstufeeee EINS!”

Es gibt Dialoge, die kann man als einstiger Saber Rider-Fan auch nach Jahren noch herunterbeten. Wenn ich an Saber Rider und die Starsheriffs zurückdenke, dann hängt mir vor allem sofort die Titelmusik im Ohr. Das rockige amerikanische Opening schlägt das dagegen fast schon langweilige japanische Intro doch um Welten. Ich muss zugeben, dass die Titelmusik lange Zeit einen großen Teil dazu beitrug, dass ich die Serie überhaupt einschalten wollte. Denn für lange Zeit war sie mein persönlicher Einschaltgrund, überhaupt bei Bim Bam Bino (Tele 5) und später bei Vampy (RTL Zwei). Als Kind war es leicht, sich für eine der Figuren zu entscheiden: Saber ist als Typ kühl, besonnen, klug, pflichtbewusst. Fireball im Gegensatz der temperamentvolle Heißsporn. Colt der provokante Macho. Und April … erfüllt eben die Frauenquote, ist aber eigentlich der strategische Kopf der Truppe und auch in Karate ein Ass. Somit hat jede der Figuren ihren Platz in der Geschichte. Und tatsächlich konnte ich jedem der vier etwas abgewinnen. Die Geschichten sind in der Regel nach einer Folge abgeschlossen, manchmal erstrecken sie sich auch über zwei. Dadurch war meine Vorfreude immer besonders groß. Würde man wieder Saber Rider auf seinem Pferd sehen? Oder April beim Einsatz ihrer Karate-Fähigkeiten? April war vielleicht sogar mein allererster Cartoon-Crush, so sehr begeisterte mich die junge Frau, die locker mit den Männern mithalten konnte. 52 Folgen hatte man also nun Zeit, Saber Rider und seine Crew zu begleiten. Sie sind die letzte Bastion der Menschheit im Kampf gegen die Outriders. Letztere wollen auf Teufel komm raus die Menschen auslöschen – koste es, was es wolle. Zum Glück sind sie nicht die hellsten Lichter im All, was damals gar nicht weiter schlimm war. Differenzierter Umgang mit Bösewichten? Keineswegs, die mussten einfach böse und blöd sein!

Lohnt sich die Serie heute noch?

Zugegeben: Ein junges Publikum wird aufgrund des betagten Zeichenstils heute wenig mit der Serie anfangen können. Ein älteres und überwiegend männliches Publikum kann die Serie vor allem aus nostalgischer Perspektive immer noch schätzen. Aber der Unterschied liegt wohl in den Sehgewohnheiten: Sah man damals noch eine Folge am Tag, war man schnell in der Handlung und auch schnell wieder raus. Sieht man heute mehrere Folgen hintereinander, fällt vor allem auf, dass die Serie auf folgenübergreifender Ebene wenig zu bieten hat. Die erste Hälfte bietet wenige bemerkenswerte Höhepunkte und erst die letzten zehn bis 15 Folgen besitzen einen größeren roten Faden, der zu einem zufriedenstellendenden Ende führt. Wer bis heute aus irgendeinem Grund einen Bogen um Saber Rider gemacht hat, kann bestimmt auch ohne die Serie weiter leben. Tipp hierfür: Schnappt euch einen Kindheitsfreund. Zusammen machen auch viele Episoden hintereinander wieder eine Menge Spaß.

Wie kommt man an die Serie heran?

Saber Rider und die Starsheriffs genießt im Gegensatz zu vielen Serien “von damals” das Glück, nicht in der Versenkung verschollen zu sein. Die Serie erhielt 2011 eine DVD-Veröffentlichung über Anime House und ist seit 2017 auch auf Blu-ray erhältlich. Sogar mit englischem Ton und inklusive den Lost Episodes, die in der westlichen Fassung nicht enthalten sind.

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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