TV-Kindheitserinnerungen – Teil 12: Raumschiff Enterprise

Unsere Reihe “Meine Kindheit vor dem Fernseher” besinnt sich zurück auf jene Tage, in denen die Hausaufgaben warten mussten, es Gründe gab, schon während des Unterrichts auf den Nachmittag zu warten oder an Wochenenden besonders früh aufzustehen: Das TV-Programm. In einer Zeit, in der Smartphones und Internet nicht die Kinderzimmer einnahmen, sondern die Flimmerkiste (oftmals noch in der Variante Röhrenfernseher) den Alltag bestimmte. Wir widmen uns Formaten, die unsere Kindheit prägten und heute zum Teil bereits längst in Vergessenheit geraten sind. Die Nostalgiebrille aufgesetzt und volle Kraft rückwärts in der Zeit!

Titel:

Raumschiff Enterprise (79 Episoden, 1966–1969)

Dort war es zu sehen:

ZDF (1972–1974), Sat 1 (1985)

Darum geht es:

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ Der Eingangstext fasst es ziemlich gut zusammen. Woche für Woche treffen Captain Kirk, Mr. Spock, der erste Offizier vom Planeten Vulkan, Bordarzt “Pille” Mc Coy und die international-bunt gemischte Crew der Enterprise auf neue Planeten aus Pappmaché und außerirdische Lebensformen, mal gutwillig, mal feindselig. In 48 Minuten lösen Captain Kirk und seine Crew das Problem der Woche und bringen Frieden und Völkerverständigung in den Weltraum.

Wissenswertes:

Dafür, dass Raumschiff Enterprise die nächsten 50 Jahre ein riesiges Erzähluniversum generieren und weltweit Massen von Fans gewinnen würde, hatte die Serie einen recht holperigen Start. Nach nur drei Jahren war schon Schluss, wegen zu geringer Einschaltquoten. Und auch als das ZDF 1972 Raumschiff Enterprise einkaufte, entschied man sich für nur knapp die Hälfte der Folgen. Die übrigen 40 Folgen waren nach Ansicht des Senders für das deutsche Publikum zu brutal und zu geschmacklos. Erst 1985 nahm Sat 1 alle 79 Folgen ins Programm.

Darum handelte es sich um ein Kinderzimmer-Highlight:

Raumschiff Enterprise lief im Vorabendprogramm, also dieser für Kinder hochinteressanten Schnittstelle zwischen Kinderstunde und Erwachsenenfernsehen. Erwachsen genug, dass auch die Großen daran Interesse hatten und da mit Phasern und Bordkanonen geschossen wurde. Harmlos genug, dass Eltern ihre Kinder allein vor den Fernseher ließen. Raumschiff Enterprise bereicherte kindliche Phantasie um das Genre Science-Fiction, das sonst eher schwer zugänglich war, im Kino der frühen 70er war Science-Fiction böse und dystopisch und nichts für Achtjährige jeden Alters. Star Wars kam erst später. Dank Raumschiff Enterprise wussten wir, wie das Weltall aussieht, wie man beamt und was ein Warp-Antrieb ist. Nämlich, wenn ein Raumschiff richtig schnell ist. Und dank der eiprägsamen Figurenkonstellation der buntgemischten Crew war es eine Spielvorlage erster Güte, mit einer Rolle für jeden.

Persönliche Erinnerungen:

Wir waren Kinder der 70er und darum hatten wir eine Carrera-Bahn. Die Rennstrecke und die kleinen Autos wurden schnell langweilig. Nicht aber die Verpackung. Das zerklüftete Styropor-Rechteck, in dem die empfindlichen kleinen Rennwagen und Rennbahn-Teilstücke mit ihren zarten Metall-Steckverbindungen sicher aufbewahrt werden sollten, diente selten diesem Zweck, denn es hatte eine ganz andere Aufgabe. Es war in unserem Kinderzimmer die Steuerkonsole der Enterprise. Wir standen davor, stecken die Finger in die Vertiefungen und brüllten “Alarmstufe Rot!”. Unsere Mutter hatte versucht, das spießig-pastellgelbe Bad mit fröhlichem Seventies-Orange aufzupeppen und hatte sogar oranges Klopapier aufgetrieben. Um Hals und Handgelenke gewickelt machte es aus Kinderpullis Enterprise-Uniformen. Die beste Rolle, Mr. Spock, ging an das Alpha-Wölfchen von nebenan, ein befehlsgewohntes kleines Mädchen, das seinen Altersvorsprung gnadenlos ausspielte. Aber nicht nur drei Jahre mehr brachten ihr die Star-Rolle ein, auch der Umstand, dass sie in der Lage war, Mittelfinger und Ringfinger voneinander wegzuspreizen und so vulkanisch zu grüßen. Das konnte sonst niemand. Ich war Käptn Kirk, die zweite Geige. Mein kleiner Bruder hätte dann eigentlich Pille sein müssen, entschied sich aber für Scottie, der Maschinenraum war offenbar spannender als die Krankenstation. Wir hatten jahrelang Spaß damit. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich all die folgenden Star Trek-Serien der nächsten Jahrzehnte nie so recht gereizt haben. Ohne Kirk und Spock und Scottie war es einfach nicht das Gleiche.

Lohnt sich die Serie heute noch?

Ehrlich gesagt ist Raumschiff Enterprise, oder Star Trek Classic, wie man heutzutage sagt, eher etwas für Kindheitsnostalgiker und Freunde von Retro-Sci-Fi. Aber wenn man wahren Fans diese Frage stellt, dann schauen sie, wie wenn man den Herrn Pfarrer gefragt hätte, ob sich die Schöpfungsgeschichte heute noch lohnt. Ja, okay, es ist die Urzelle eines überaus langlebigen, weitverzweigten und immer noch produktiven Franchise. Da lohnt es sich schon, mal bis zu den Ursprüngen zurückzugehen. Eine Beschäftigung mit Raumschiff Enterprise garantiert dem fleißigen Rewatcher auf jeden Fall ein wissendes Grinsen an vielen Stellen von neueren Produkten des Franchise, etwa Star Trek: Discovery oder Star Trek: Picard. Und eine deutlich höhere Ostereier-Fundquote.

Wie kommt man an die Serie heran?

Amazon und Netflix haben Raumschiff Enterprise in ihrem Streaming-Angebot. Wer lieber etwas ins Regal stellen möchte, kauft sich eine hübsche DVD-Box.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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