TV-Kindheitserinnerungen – Teil 2: Die Nanny

Unser Reihe “Meine Kindheit vor dem Fernseher” besinnt sich zurück auf jene Tage, in denen die Hausaufgaben warten mussten, es Gründe gab, schon während des Unterrichts auf den Nachmittag zu warten oder an Wochenenden besonders früh aufzustehen: Das TV-Programm. In einer Zeit, in der Smartphones und Internet nicht die Kinderzimmer einnahmen, sondern die Flimmerkiste (oftmals noch in der Variante Röhrenfernseher) den Alltag bestimmte. Wir widmen uns Formaten, die unsere Kindheit prägten und heute zum Teil bereits längst in Vergessenheit geraten sind. Die Nostalgiebrille aufgesetzt und volle Kraft rückwärts in der Zeit!

Titel:

Die Nanny (146 Folgen, 1993–1999)

Dort war es zu sehen:

RTL (1995–2006), VOX (2002–2011), Super RTL (2007–2012), ZDF Neo (2012–2014), Disney Channel (2014–)

Darum geht es:

Innerhalb eines Tages verliert Francine „Fran“ Fine nicht nur ihren Job in einem Brautmodengeschäft, sondern auch ihren Verlobten. Um Geld zu verdienen, nimmt sie ihre ehemalige Arbeit als Kosmetik-Verkäuferin wieder auf. Von Haus zu Haus bemüht sie sich, Kunden zu gewinnen. Dieser Weg bringt Fran an die Türschwelle des luxuriösen Anwesens der Familie Sheffield, deren Oberhaupt Maxwell momentan auf der Suche nach einer Nanny für seine drei Kinder ist. Durch Zufall erhält Fran die Stelle des Kindermädchens und versucht ohne Berufserfahrung aber mit außergewöhnlichen Erziehungsmaßnahmen die Kinder Maggie, Brighton und Gracie zu beschäftigen.

Wissenswertes:

Die Idee der US-amerikanischen Sitcom Die Nanny stammt von keiner anderen als der Hauptdarstellerin Fran Drescher. Nach einer Kreuzfahrt mit der Familie einer britischen Freundin legte sie den Grundstein der Serie und beschloss, selbst als Nanny Fran Fine auf die Bühne zu treten. Die 146 Folgen wurden größtenteils in einem Studio mit Live-Publikum gedreht, was das ausgiebige Gelächter um Hintergrund der Szenen erklärt. Die von CBS (Columbia Broadcasting System) 1993 veröffentlichte Serie sorgte außerdem für zahlreiche prominente Gastauftritte wie beispielsweise von Pamela Anderson und Dan Aykroyd.

Darum handelte es sich um ein Kinderzimmer-Highlight:

Es gibt verschiedene Vorlagen, wie eine Nanny aussehen und ihre Arbeit ausführen kann. Die Serie Heidi zeigt mit der Hausdame Fräulein Rottenmeier ein Kindermädchen, das streng vorgeht und keine Widerrede der Kinder duldet. Als magisches Kindermädchen sorgt Mary Poppins bei ihren Schützlingen dafür, das sie mit großen Augen beeindruckt sind und sogar Medizin, ohne sich zu wehren nehmen. Die Nanny Fran Fine hat eine komplett andere Herangehensweise. Da sie noch nie in ihrem Leben Kinder betreut hat, besitzt sie keine Erfahrung darin, was in Erziehungsfragen richtig oder falsch ist. Sie versucht einfach, sich mit den Dreien zu arrangieren und sie auf ihre Seite zu bringen. Da es sich um Kinder unterschiedlichen Alters handelt, können Zuschauende im Kinder- und Jugendalter mindestens eine Person finden, mit der sie sich identifizieren können. Die Älteste, Maggie, ist sehr schüchtern. Als Rotzlöffel der Familie nutzt Brighton jede Möglichkeit, seine Schwestern zu ärgern und hatte zudem Spaß daran, die ehemaligen Nannys zu vergraulen. Gracie hat als Küken der Familie das Problem, sich alleine gelassen zu fühlen. Daher sucht sie sich eine imaginäre Freundin, weshalb sie zur therapeutischen Behandlung muss. Auf Fran kommt einiges zu. Für die Nachkommen der Familie Sheffield hätte aber nichts Besseres passieren können, denn wie toll ist es, wenn sich die Nanny für etwas einsetzt, was der Vater strikt verbietet? Dadurch entstehen zwar Streitereien zwischen Fran und Maxwell, aber die Kinder profitieren davon: Bunte Kleider, kuriose Frisuren, jede Menge Wortwitz, die Verschleierung des wahren Alters und die lustigsten Gespräche. All das wird in Die Nanny geboten. Für Kinder und Erwachsene ist in jeder Folge etwas dabei, was lächelnde Gesichter mit sich bringt. Für Tränen in den Augen sorgen zahlreichen Szenen, die man nie erwarten würde.

Persönliche Erinnerungen:

„Ms´ Fiine!“ So lautet Mr. Sheffields wutentbrannter Ausruf, der in keiner Folge fehlen darf.

Wie viel Begeisterung und Freude mir eine Serie wie Die Nanny im Kindesalter gebracht hat, zeigt sich an speziellen Szenen und Kommentaren, die ich heute (knapp 20 Jahre später) noch in- und auswendig kenne und die dazugehörigen Bilder vor Augen habe. Der Text der Titelmusik erzählt bereits die Grundgeschichte von Fran und wie sie es geschafft hat, die Nanny zu werden. Denn … „She had Style! She had flair! She was there. That’s how she became the Nanny!” Als Kind habe ich mit bis dahin sehr geringen Englischkenntnissen nicht verstanden, was der Liedtext bedeutet. Das hat sich geändert, als bei einer einzigen Folge der Text völlig unerwartet auf Deutsch gesungen wurde. Ich weiß nicht mehr, in welcher Folge, aber es war so überraschend, dass ich es nie vergessen werde. Wenn ich mir eine Lieblingsfigur aussuche, ist es unter den Kindern zu Beginn die älteste Tochter Maggie. Da sie sehr schüchtern ist, fühle ich mich mit ihr verbunden. Im Lauf der Staffeln sind sie mir alle durch ihre Weiterentwicklung ans Herz gewachsen. Mein absoluter Held ist allerdings der Butler Niles. So geniale Kommentare, seine Neugierde, fast schon Spionage, ein trockener Humor für alle Altersklassen geeignet. Ich kann ihn einfach nur Lieben und seinen Tanzstil werde ich immer vor Augen haben. 146 Folgen sind eine lange Zeit. Dadurch, dass eine Episode bereits nach 22 Minuten zu Ende ist, kommt es einem allerdings gar nicht so umfangreich vor. Die meisten Folgen behandeln ein spezielles Thema. Der große Vorteil ist aber der rote Faden, der von der ersten bis zur letzten Folge gespannt bleibt und den Zuschauenden immer ein Lächeln mit auf den Weg gibt.

Lohnt sich die Serie heute noch?

Definitiv. Bereits für Kinder und Jugendliche bietet Die Nanny viele lustige Momente. Auch das Thema, wie sich die drei Kinder im Lauf der Folgen verändern, ist logisch beschrieben und kann so gut nachvollzogen werden. Für Erwachsene sorgen einige Witze und Kommentare noch mehr für Gelächter, da den kindlichen Zuschauenden dafür eventuell noch die Erfahrungen fehlen. Allerdings kommen so auch Zweifel auf, ob besonders die recht kurzen Röcke des Kindermädchens Fran wirklich für Kinder geeignet sind. Die Themen Musical-Produzent und der Konkurrenzkampf zwischen Maxwell Sheffield und Andrew Lloyd Webber bedürfen auch eines gewissen Vorwissens, um zu verstehen, um was es dabei geht. Ebenso einige prominente Namen wie Barbara Streisand, die Fran bewundert und sehr häufig erwähnt. Kann man als Kind mit diesen Namen nichts anfangen, tut dies dem Spaß aber keinen Abgrund. Für Erwachsene wird eben das Gesamtbild größer. Die Tatsache, das Die Nanny auch 2021 noch im Fernsehen gezeigt wird, spricht dafür, dass die Serie das Zeug hat, auch heute noch neue Zuschauende für sich zu gewinnen, während die älteren ihre Treue halten.

Wie kommt man an die Serie heran?

Immer wieder findet Die Nanny erneut einen Weg ins Fernsehprogramm. Ihr Beliebtheitsgrad ist nach dem Ende der Serie 1999 nicht verebbt. In Deutschland sind leider nur die einzelnen DVD-Boxen der Staffeln 1 bis 3 von Sony Pictures Entertainment erhältlich. Da die dritte Staffel bereits 2010 auf DVD veröffentlicht wurde, sinkt leider die Hoffnung, dass die restlichen drei Staffeln auf Deutsch auch noch zu kaufen sein werden. Der Streamingdienst Amazon Prime Video bieten immerhin die Möglichkeit, alle sechs Staffeln anzusehen.

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