TV-Kindheitserinnerungen – Teil 7: Eine fröhliche Familie

Unsere Reihe “Meine Kindheit vor dem Fernseher” besinnt sich zurück auf jene Tage, in denen die Hausaufgaben warten mussten, es Gründe gab, schon während des Unterrichts auf den Nachmittag zu warten oder an Wochenenden besonders früh aufzustehen: Das TV-Programm. In einer Zeit, in der Smartphones und Internet nicht die Kinderzimmer einnahmen, sondern die Flimmerkiste (oftmals noch in der Variante Röhrenfernseher) den Alltag bestimmte. Wir widmen uns Formaten, die unsere Kindheit prägten und heute zum Teil bereits längst in Vergessenheit geraten sind. Die Nostalgiebrille aufgesetzt und volle Kraft rückwärts in der Zeit!

Titel:

Eine fröhliche Familie (48 Episoden, 1987)

Dort war es zu sehen:

RTL2 (1994–1997, 2001), Tele5 (2002–2003)

Darum geht es:

Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs lebt die Familie March nahe der Stadt Gettysburg. Sie führt ein glückliches Leben, bis Frederic March eingezogen wird und seine Frau und die vier Töchter gezwungenermaßen zurücklassen muss. Als der Krieg immer näher rückt und Konföderierte in Gettysburg auftauchen, flüchten die March-Frauen gemeinsam mit der Haushälterin Hannah in den Wald und sehen zu, wie ihr Haus zerstört wird. Sie reisen in den Norden zu ihrer einzig noch lebenden Verwandten, Tante Martha. Gemeinsam versuchen sie sich ein neues Leben aufzubauen und alle packen mit an: die Mutter Mary March sowie die Töchter Meg, Jo, Beth und Amy.

Wissenswertes:

Im Jahr 1868 schrieb Louisa May Alcott den Roman Little Women, in dessen Geschichte sie ihre Kindheitserinnerungen wiedergibt. Dieses Buch dient als Vorlage der Anime-Serie Eine fröhliche Familie, die erstmals 1987 ausgestrahlt wurde. Die Serie ist dabei zu Beginn umfangreicher als der Roman. Die Hauptakteure werden ausführlich vorgestellt und ihre bisherigen Erlebnisse sowie die aktuelle Situation offengelegt. Bei Folge 18 setzt dann die Romanhandlung ein. 1993 erschien unter dem Titel “Missis Jo und ihre fröhliche Familie” die 40 Folgen umfassende Fortsetzung. Auch diese Serie basiert auf einem Werk von Alcott mit dem Titel “Little Men” und erzählt die Geschichte einer der vier Töchter als erwachsene Frau. Im Laufe der Jahre entstanden mehrere Realverfilmungen mit bekannten Gesichtern wie Katharine Hepburn, Elisabeth Taylor, Winona Ryder, Kirsten Dunst und zuletzt Emma Watson.

Darum handelte es sich um ein Kinderzimmer-Highlight:

Wenn man zu Beginn der Serie erfährt, dass es sich um die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs handelt, ein liebevoller Vater in die Schlacht gezogen ist, eine Mutter mit der ständigen Sorge um ihren Ehemann lebt und vier Mädchen nicht wissen, ob ihr Vater jemals wieder kommt, fällt es schwer, an eine Kinderserie zu denken. Allerdings ist der dramatische Hintergrund so verpackt, dass die Handlung für jüngere Zuschauer*innen auf den ersten Blick nicht beängstigend wirkt. Der Fokus liegt auf der Familie, der Liebe einer Mutter und den vier Töchtern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bedingt durch die Altersunterschiede sind auch kleinere Streitereien vorprogrammiert. Aber auch lustige Szenen, in denen die Kinder ihre Mutter aufmuntern möchten und jeden vor dem Bildschirm zum Lachen bringen. Zuschauende im Kinder- und Jugendalter können eine Person finden, mit der sie sich identifizieren können. Jede der vier Schwestern hat ihre Eigenart. Die reife Margaret „Meg“ ist die älteste, der Benehmen und ein gutes Bild nach außen wichtig sind. Die aufbrausende Josephine („Jo“) weiß genau, was sie will und gibt alles dafür, eine berühmte Schriftstellerin zu werden. Die Schüchternste unter den Vieren ist Elisabeth („Beth“), die allerdings im Klavierspiel oder mit der Katze richtig aufblüht. Als kleiner Wirbelwind hält die jüngste Amy den ganzen Haushalt auf Trab und muss noch so einiges lernen. Besonders die sehr freche Jo zieht viele Blicke auf sich. Auch wenn sie gerne mal die Beherrschung verliert, hat sie so viele witzige und beeindruckende Ideen, dass viele sie gerne als große Schwester hätten. Zuschauer*innen werden in die unterschiedlichsten Welten entführt: Bücher, Theater, Musik, Malerei. Kunst steht ganz oben. Pädagogisch hat der Titel einiges zu bieten. Zusammenhalt, Optimismus, der Umgang miteinander, Menschlichkeit und innere Werte spiegeln die Figuren wieder.

Persönliche Erinnerungen:

„So ist es heute, so war es damals. Schön war die Zeit aber, nicht immer leicht“

Mit dieser Textpassage beginnt das deutsche Opening von Eine fröhliche Familie. Und schon habe ich das Lied wieder im Kopf. Nach der Schule schnell nach Hause, Mittag essen und vor oder nach den Hausaufgaben vor den Fernseher. Neben Die Kinder vom Berghof, Kickers und Um die Welt mit Willi Fog stand die Geschichte der vier Schwestern ganz oben auf dem Programm. Zu der Zeit kannte ich den Begriff Anime noch gar nicht. Erst sehr viel später habe ich erfahren, dass es sich um ebenso eine Version handelt. Als Kind mochte ich die zweitjüngste Beth am liebsten. Mit ihrer schüchternen Art konnte ich mich stückweise identifizieren und ihr liebevoller Umgang mit der Mutter und auch dem Kätzchen sowie der Haushälterin Hannah ist sehr sympathisch. Auch der Vater Frederic March gewinnt durch seine einfühlsame Art besonders in Verbindung mit Beth viele Menschenherzen. Die älteste Meg empfand ich immer als spießige und strenge große Schwester. Genauso wie die jüngste Amy, die mir zeitweise beinahe schon arrogant vorkam. Jo ist wohl die beliebteste unter den Dreien und das wohlverdient, denn sie bringt Leben, Spaß und vielfältige Erlebnisse in die Handlung. Teilweise auch mit großen Überraschungen wie beispielsweise ihren Haaren. Mit ihr ist es auf jeden Fall nie langweilig. Für Gänsehautmomente sorgen die Nachrichten des Vaters von der Front. Jeder Brief bringt Hoffnung, dass der liebevolle Papa wieder heimkommt und Mitfiebern ist angesagt. Als Erwachsene kann ich nur sagen: Hut ab vor Mary March. Wie diese herzensgute Frau es schafft, alleine mit täglichen Herausforderungen zu kämpfen, um ihren vier Mädchen Freude und Kraft zu schenken, ist beeindruckend.

Lohnt sich die Serie heute noch?

Mit dem ernsten Hintergrund des amerikanischen Bürgerkriegs wirft man als Erwachsener einen anderen Blick auf die Handlung und weiß, was für Auswirkungen diese Zeit mit sich brachte. Familie March verliert alles und muss um ihr Überleben kämpfen. Für die vier Mädchen ist es eine prägende Phase. Zu Beginn nehmen sie den Ernst der Lage vielleicht noch nicht ganz wahr, was sich aber im Lauf der Handlung ändert. Den Wandel und wie sie aus der Welt ihrer Träume herauswachsen und zu reifen Frauen werden, kann man auch heute noch sehr deutlich verfolgen. Da es sich bei den Hauptakteuren in der ersten Hälfte nur um Mädchen handelt, könnte es für das ein oder andere Kind eventuell schwer sein, eine Verbindung aufzubauen. Für Erwachsenen könnten die Streitereien der Mädchen untereinander etwas zu viel sein. Auch wenn die Animationsqualität von Eine fröhliche Familie für die heutige Zeit sehr gealtert ist, kann sich die Serie dennoch sehen lassen.

Wie kommt man an die Serie heran?

Bereits seit längerer Zeit wird die Serie nicht mehr im Fernsehen gespielt. Es besteht die Möglichkeit, alle 48 Folgen sowie die Fortsetzung Missis Jo und ihre fröhliche Familie beim Streamingdienst Amazon Prime Video kostenlos zu sehen. Dank KSM Anime gibt es eine Komplettbox, sowohl als DVD als auch Blu-ray im Handel.

© KSM Anime

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments