The Dark Knight Rises

Lesezeit: 6 Minuten

Aller guten Dinge sind drei. Und ganz besonders eine Trilogie benötigt einen dritten Teil zur Vervollständigung. So lieferte Christopher Nolan 2012 das Ende seiner Vision von Batman mit The Dark Knight Rises ab. Eine hohe Hausnummer, nicht nur zwei schnell liebgewonnenen Filmen zu folgen, sondern die Themen und Entwicklungen in einem stimmigen Finale zu verschnüren. Ob Nolan einen Volltreffer gelandet hat, spaltet die Gemüter seit Jahren. Da wollen auch wir Zunder ins Feuer werfen.

Acht Jahre ist es her, dass Harvey Dent starb und in seinem Gedenken Gotham hart gegen das Verbrechen durchgegriffen hat. Die Gefängnisse sind voll, die Straßen ein Stück sicherer und der vermeintliche Mörder Batman wurde seither nicht mehr gesehen. Commissioner Gordon (Gary Oldman, Dracula) möchte anlässlich einer Gedenkfeier gern die Wahrheit über Dent erzählen, verschiebt es aber. Noch ein anderer prominenter Bürger Gothams hat sich zurückgezogen: Bruce Wayne (Christian Bale, American Psycho) ist ein Gespenst in der eigenen, wieder aufgebauten, Villa. Seine Firma schwächelt ein wenig, aber alles, wofür Bruce sich interessiert, ist, die geheime, hoch entwickelte Technik nicht in falsche Hände fallen zu lassen. Genau diese falschen Hände sind schon auf dem Weg und gehören einem Mann namens Bane (Tom Hardy, Venom). Er will ein für alle mal mit Gotham abrechnen. Ein lang durchdachter Plan ist bereits im Gange, und dafür müssen die Fingerabdrücke von Bruce Wayne her. Meisterdiebin Selina Kyle (Anne Hathaway, Ocean’s 8) hat mit der Beschaffung keine Probleme, doch genau das weckt die nötige Aufmerksamkeit von Bruce, der versteht, dass Batman vielleicht noch eine letzte Schlacht bevorsteht.

Ein neuer Teil, ein neues Genre

Originaltitel The Dark Knight Rises
Jahr 2012
Land USA
Genre Action, Thriller
Regisseur Christopher Nolan
Cast Bruce Wayne/Batman: Christian Bale
James Gordon: Gary Oldman
Bane: Tom Hardy
John Blake: Joseph Gordon-Levitt
Selina Kyle/Catwoman: Anne Hathaway
Miranda Tate: Marion Cotillard
Lucius Fox: Morgan Freeman
Alfred Pennyworth: Michael Caine
Laufzeit 164 Minuten
FSK

Es ist schwierig, eine Fortsetzung zu einem Film zu schaffen, der fast nur Lob und wenig Tadel bekommen hat. Die Erwartungen bei Publikum und Kritikern sind immens hoch. Doch es wäre ein Fehler, The Dark Knight Rises und The Dark Knight einander einfach nur gegenüberzustellen, denn Christopher Nolan bleibt sich hier treu und springt abermals in ein neues Genre. Wo Batman Begins die relativ typische Superheldenorigin ist und sich The Dark Knight als Crimedrama mit Heist-Element platziert, ist The Dark Knight Rises ein Katastrophenfilm. Und Bane ist die Naturgewalt. Eine systematische Zerstörung wird voran getrieben. In den Vorgängern mangelt es wahrlich nicht an Explosionen, doch die Dimension wird hier erweitert. Mittendrin ein Bruce Wayne, der an seine Grenzen stößt. Sowohl körperlich, da die Ausflüge als Batman deutliche Spuren hinterlassen haben, als auch psychisch, denn Rachels Tod hat ihn in die Einsamkeit getrieben. Ein eigentlich geschlagener Held muss nochmals aufstehen.

Viele Themen, wenig Kohärenz

In den brachialen Momenten überzeugt Bane absolut mit physischer und mentaler Stärke. Das lenkt aber nicht von dem Problem ab, dass die Story von The Dark Knight Rises auf ein recht plumpes Finale zusteuert, bei dem vorherige Aussagen wenig Bedeutung haben. Selina Kyle bestiehlt die Reichen und sagt Bruce, dass die Oberschicht gestürzt gehört und das auch bald wird. Da kam der Film zur perfekten Zeit, als die Occupy-Bewegung noch in aller Mund war. Es gibt sogar eine Szene, die direkt an Gothams Pendant zur Wall Street spielt und die Makler dumm dastehen lässt. Wayne Enterprises in den Bankrott zu treiben, ist ein essenzieller Bestandteil des großen Plans. Aber leider wird die Chance vertan, die Klassenkluft der Stadt näher zu erörtern. Das organisierte Verbrechen ist weitestgehend in seine Schranken gewiesen worden, doch anscheinend machen die Reichen und Mächtigen es sich auf dem Rücken der Arbeiter bequem. So verkauft Bane die Geschichte zumindest ein wenig. Allerdings spricht er dann von den eingesperrten Kriminellen als den Unterdrückten, lässt diese frei, und von den normalen Bürgern bleibt nicht viel zu sehen. Ra’s al Ghul wollte Gotham vernichten. Der Joker wollte die Leute an ihre moralischen Grenzen führen und Anarchie regieren lassen. Bane und Talia verbinden beides, was eher verwirrt.

Emotionale Achterbahnfahrt

Dafür durchleiden die Figuren eine Menge Höhen und Tiefen. Und da man als Zuschauer gesehen hat, was Bruce, Gordon, Lucius Fox (Morgan Freeman, Invictus) oder Butler Alfred (Michael Caine, Children of Men) schon erlebt haben, gibt es hier die Chance, Konsequenzen zu verfolgen. Ein Streit zwischen Bruce und Alfred geht nahe. Während es fürs Publikum eine triumphale Rückkehr ist, wenn Bruce wieder ins Batman-Kostüm steigt, ist Alfred enttäuscht, da er sich Besseres für ihn wünscht. Loslassen zu können ist ein wichtiger Aspekt und die leisen zwischenmenschlichen Szenen eine Stärke. Etwas holprig ist aber der öffentliche Umgang mit Batman. Da sehnen beispielsweise einige Waisenkinder sein Erscheinen herbei, doch die können kaum alt genug sein, um sich an ihn zu erinnern. Lebt Batman also in den Köpfen der Bürger doch als Held weiter? Das fällt leider unter die Dinge, die nicht konsequent ausgelotet werden.

Technisch ein wenig unsauber

The Dark Knight Rises liefert erneut wunderbare Bilderwelten und kann mit Actionszenen überzeugen. Aber dieses Mal schleichen sich überall kleine Ungereimtheiten ein. Eine Verfolgung beginnt bei Tag und wenige Minuten später herrscht Nacht. Die Anschlüsse der Szenen machen deutlich, dass eine Menge Material auf dem Boden des Schneideraums blieb. Da lässt Bruce Miranda zurück und fragt kurz darauf Gordon, wo sie wohl sei, dabei kann er das nicht wissen. Es gibt viele Rettungen in letzter Sekunde und Erklärungen werden in unnatürlichen Dialogen verpackt. So möchte Selina ein Programm namens Neuanfang (engl. Clean Slate), und was das ist, verrät der Mann, dem sie es stehlen will. Damit der Zuschauer weiß, worum es geht. Alles Dinge, die einzeln kein wirkliches Problem sind. Zudem auf einem Niveau vorgetragen, von dem andere (Action-)Blockbuster dieses Kalibers nur träumen. Aber in der Gesamtheit entsteht der Eindruck, dass Christopher und Jonathan Nolan ihr Drehbuch einmal zu wenig Korrektur gelesen haben.

Noch mehr großartige Schauspieler

Woran es The Dark Knight Rises sicherlich nicht mangelt, sind gute Darsteller. Nolan arbeitet nicht nur gern mit derselben Crew, sondern auch denselben Schauspielern, wenn möglich. Hier hat er gleich mehrere Leute aus Inception mitgebracht. Dabei wird bekommt Tom Hardy ein großes Handicap, da die Maske auf seinem Gesicht seine Mimik verschleiert und die überarbeitete Stimme, die aus den Boxen dröhnt, ein wenig seine Betonung verschluckt. Mit der körperlichen Präsenz und ausdrucksstarken Augen macht er das jedoch wett. Joseph Gordon-Levitt ist als Polizist John Blake dabei, der eine junge Generation der Ordnungshüter vertritt und durch detektivischen Spürsinn glänzt. Marion Cotillard gehört auch zu dieser speziellen Riege und Nolan wollte sie so unbedingt, dass er sogar um ihre Schwangerschaft drehte. Als Miranda Tate will sie Bruce Wayne überzeugen, die Welt mit erneuerbarer Energie zu retten. Und als Ra’s Tochter Talia al Ghul hinterlässt sie Eindrücke der besonderen Art.

Fazit

Was ich an Christopher Nolans Batman-Trilogie sehr schätze, ist die Art und Weise, wie bekannte Szenen, Momente und Handlungsbögen aus den Comics verarbeitet wurden. Keine reinen Adaptionen, sondern ein Nutzen von Versatzstücken, um eine gelungene Geschichte zu erzählen. Leider habe ich bei The Dark Knight Rises das Gefühl, dass zu viele bekannte Dinge unbedingt verarbeitet werden mussten. Und das Gesamtergebnis ist dann ein bisschen zu durchwachsen. Bane bricht Batmans Rücken (“Der Sturz des Dunklen Ritters”, engl. “Knightfall”), Gotham wird isoliert (“Niemandsland”, engl. “No Man’s Land”), der gealterte Bruce, der nochmal ins Kostüm schlüpft (“Die Rückkehr des Dunklen Ritters”, engl. “The Dark Knight Returns”). Hinzu kommt eine Verbindung zurück zu Ra’s al Ghul aus Batman Begins, die eigentlich Gotham mehr ins Zentrum rücken sollte. Und da fehlt mir dann einfach der letzte Kniff. Anne Hathaway als Selina Kyle finde ich eine großartige Wahl, aber die Romanze hat einen Beigeschmack von einem Preis, den Bruce für seine Mühen bekommt. Und das Ende von The Dark Knight Rises hinterlässt bei mir einen verwirrenden Eindruck zur Kernaussage. Braucht Gotham nun einen Batman oder nicht? Und diese Überraschung, dass Detective Blake eigentlich Robin heißt, hätten sie sich sparen können. Ich wünsche mir eine Batfamilie, auf der großen Leinwand. Scheinbar haben Drehbuchautoren und Regisseure aber große Angst vor der emotionalen Seite von Bruce (es soll Christian Bales ausdrücklicher Wunsch gewesen sein, nie einen Robin an seiner Seite zu haben). Es könnte schon ein eigenes Thema sein, dass unter Batmans Maske jeder stecken könnte, es muss nicht Bruce Wayne sein. Blake die Bathöhle mit allem zu hinterlassen, ist aber fragwürdig, wo die Filme zeigen, dass Gotham sich langsam selbst rettet. Zumal ihm ein Mentor fehlt. Obwohl ich viele tolle Ansätze sehe, verschenkt The Dark Knight Rises zu viel Potenzial, um ein wirklich würdiger Abschluss zu sein. Auch wenn die letzten Momente ein bisschen Gänsehaut hinterlassen und es viele tolle Einzelszenen gibt. Besser als vieles, aber ein merklicher Abfall zu den zwei Vorgängern.

© Warner Home Video

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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