Batman Begins

Lesezeit: 7 Minuten

Wer trägt ein dunkles Cape, hat das coolste Auto der Stadt, haut Verbrechern auf die Nase und ist ein Superheld ganz ohne Superkräfte? Batman! Und woher kommen all die Gadgets, die Moral und das Bedürfnis das eigene Leben für andere aufs Spiel zu setzen? Genau darum dreht sich Batman Begins von 2005. Obwohl Milliardär Bruce Wayne und sein fledermausförmiges Alter Ego zu den bekanntesten Vertretern ihrer Zunft gehören, hat sich Regisseur Christopher Nolan (Dunkirk) dafür entschieden, ganz vorn anzufangen. Wie wird der Sohn aus reichem Hause zum nachtschwärmenden Verbrechensbekämpfer?

   

Die Stadt Gotham versinkt in Kriminalität. Korrupte Geschäftsmänner, Politiker und Polizisten, wohin das Auge reicht. Das Problem besteht schon seit Jahrzehnten, wie Bruce Wayne (Christian Bale, Vice – Der zweite Mann) als Junge erfahren musste. Seine Eltern Thomas und Martha wurden bei einem Raubüberfall erschossen. Das Ehepaar hinterließ ihrem Sohn eine riesige Villa, eine milliardenschwere Firma und einen einflussreichen Namen. Nichts, was Bruce wirklich interessiert. So bricht er auch sein Studium in Princeton ab, getrieben von dem Gedanken den Mörder seiner Eltern umzubringen. Doch selbst dabei kommt ihm ein Mafiaboss zuvor. Bruce zieht hinaus in die Welt, will zu einem Niemand werden und lernt das Leben unter Kriminellen kennen. Bis er irgendwo im Himalaja von einem Mann namens Ducard (Liam Neeson, Silence) das Angebot bekommt, seinem Leben einen Sinn zu geben. Die Gesellschaft der Schatten ist immer daran interessiert, Leute zu finden, die das Übel der Welt ausmerzen wollen. Aber trotz der harten Kampfausbildung und der strengen Philosophie bleibt in Bruce Mitgefühl zurück. Er will Menschen helfen und sie nicht richten. Vielleicht ist er die letzte Chance, um Gotham vor dem Untergang zu retten.

Zeitliche Einordnung

Originaltitel Batman Begins
Jahr 2005
Land USA
Genre Action, Crime
Regisseur Christopher Nolan
Cast Bruce Wayne/Batman: Christian Bale
Alfred Pennyworth: Michael Caine
Jim Gordon: Gary Oldman
Lucius Fox: Morgan Freeman
Ducard: Liam Neeson
Rachel Dawes: Katie Holmes
Jonathan Crane/Scarecrow: Cillian Murphy
Carmine Falcone: Tom Wilkinson
Earle: Rutger Hauer
Laufzeit 140 Minuten
FSK

Superheldenfilme sind im Zeitalter des MCU die Blockbustergranaten schlechthin. Doch es war ein steiniger Aufstieg, ein wenig geebnet durch FOX’ X-Men und Sam Raimis Spider-Man. Der letzte Auftritt von Batman auf der Kinoleinwand zuvor mit Joel Schumachers Batman & Robin war dagegen ein schlechter Witz. Und dieser Detektiv im Fledermauskostüm hatte schon so viele Auftritte in Film und TV, muss das Publikum wirklich eine Produktion sehen, die sich eindeutig als Originstory deklariert? Erste Reaktionen brachten die Antwort: Unbedingt sogar. Batman Begins ist ein Neustart für die Figur und wichtiger Meilenstein für die Kategorie der Comicverfilmungen. Bruce Wayne legt als Batman einen hohen Idealismus an den Tag und Christopher Nolan nimmt sich mit Drehbuchautor David S. Goyer (Dark City) die Zeit zu zeigen, was dahinter steckt. Ehe das Kostüm übergestreift wird, muss Bruce formulieren, was er selbst überhaupt erreichen will. Fast jeder kennt das Endprodukt, doch der Weg ist hier das Ziel. Und das funktioniert auch knapp 15 Jahre später noch.

Ein unbestechliches Symbol als Retter

Der Titel “Batman Begins” betont schon, dass die Anfänge des Dunklen Ritters im Zentrum stehen. Tatsächlich kommt der Mann hinter der Maske, Bruce Wayne, dabei erstaunlich oft zu kurz. Abgesehen vom einschneidenden Erlebnis, den Tod seiner Eltern mit ansehen zu müssen, wird er charakterlich auf den oberflächlichen Playboy zusammen gekürzt. Natürlich nur eine öffentliche Persona, damit niemand erahnen kann, dass er ein Doppelleben führt. Warum Bruce aber bei der Fledermaus als Markenzeichen landet und sich nicht nur eine standardisierte Gesichtsmaske überstreift, gehört hier zur Story dazu. Ebenso die Betonung, dass Batman nicht nur eine Person ist, sondern eine Idee, ein Symbol. Verbrecher sollen die Angst spüren, die sie verbreiten. Die Gespräche zwischen Bruce und seinem Mentor Ducard während des Trainings erklären diese Philosophie beiläufig. Der Film bleibt nicht stehen, um einzelne wichtige Monologe hervorzuheben, denn die Formulierung von Batmans Idealen ist ein wichtiges Kernelement, das von mehreren Seiten beleuchtet wird.

Funktionale Bat-Technik

Um als Ein-Mann-Armee zu bestehen, muss Batman nicht nur gut trainiert sein, sondern auch auf eine gute Ausrüstung zurückgreifen können. Als Milliardär hat Bruce kein Problem mit der Bezahlung. Hier positioniert sich Batman Begins möglichst realitätsnah. Auf ikonische Dinge wie den Batarang, das Cape oder ein Batmobil darf nicht verzichtet werden. Diese Sachen kommen aber nach und nach zusammen. Nicht zuletzt durch die Figur Lucius Fox (Morgan Freeman, Die Verurteilten), der für Wayne Enterprises in einer wenig beachteten Entwicklungsabteilung arbeitet. Er hat einen tollen kugelsicheren Kevlar-Anzug entwickelt, der dem Militär pro Einheit zu teuer ist, aber schwarz bemalt schon die perfekte Basis, um eine eindrucksvolle Erscheinung im Kampf abzugeben. Bei einem seiner ersten Streifzüge hat Bruce dann einen bösen Sturz aus großer Höhe und das Cape ist nicht nur modisches Accessoire, sondern bremst den Fall und erlaubt sicheres Gleiten. Obwohl Batman also am Ende mit einem Cape durch die Straßenschluchten gleitet, fledermausförmige Wurfsterne benutzt, wichtige Dinge in seinem Allzweckgürtel transportiert und melodramatisch aus den Schatten tritt, ist eine Balance gewahrt, das ganze glaubwürdig zu präsentieren. Das macht einen großen Reiz von Batman Begins aus.

Eine Stadt als Hauptdarsteller

Für die gesamte Reihe, mittlerweile liebevoll als Nolan-Trilogie bekannt, ist eine der wichtigsten Figuren Gotham selbst. In den DC Comics sind die Großstädte Gotham wie auch Supermans Metropolis ein wenig an New York City angelehnt. Nolans Gotham hat aber einen markanten Einschlag von Chicago abbekommen. Eine Schere klafft zwischen Schichten, die Kriminalitätsrate ist exorbitant hoch, die Schwachen finden wenig Schutz, die Polizei ist machtlos bis korrupt und wirtschaftlich steht alles auf der Kippe. Thomas Wayne, Bruce’ Vater, war einer der wenigen, der dagegen ankämpfte und hinterließ als Symbol eine hochmoderne Bahn, die die Stadt zusammenhalten sollte. Eine Anlehnung an die berühmte Chicago Elevated, den L-Train. Die Stadt ist ein lebender Organismus und die Kriminellen eine Krankheit im Endstadium. Bruce glaubt daran, dass es mehr anständige Leute gibt, die eine Chance und Hilfe verdienen. Er möchte Gerechtigkeit zurück bringen. Eine Thematik, die sich durch alle drei Filme zieht und Gotham Entwicklung spendiert.

Geballte Starpower und Handwerkskunst

Aber Batman Begins besticht nicht nur inhaltlich, sondern auch als Filmkunst. Regisseur Nolan arbeitet seit Memento mit Kameramann Wally Pfister zusammen und die zwei verstehen es, visuell ansprechende Bilder zu präsentieren, die die Geschichte unterstützen. Set-Design, Kostüme und Make-Up sind bestens aufeinander abgestimmt, um diese Welt zum Leben zu erwecken. Jeder Handgriff sitzt. Und die Schauspieler sind ein wichtiges Schlüsselelement. Das war im Jahr 2005 gar nicht so selbstverständlich, denn Comicverfilmungen wurden noch immer ein wenig belächelt. Michael Caine (Gottes Werk und Teufels Beitrag) war zu diesem Zeitpunkt längst eine respektable Leinwandlegende und wird zum idealen Butler Alfred Pennyworth, der Bruce loyal und scharfzüngig zur Seite steht. Gary Oldman (Das Fünfte Element) ist bekannt für seine Wandlungsfähigkeit und spielt oft sehr eigenwillige Typen. Hier ist er als James Gordon einer der letzten aufrechten Polizisten Gothams. Hauptattraktion ist Christian Bale, der zunächst ein wenig Spott erntete, da er das Training für die Rolle übertrieb und zu viele Muskeln ansetzte. Das Lachen vergeht aber, wenn er die Entwicklung von Bruce Wayne vom orientierungslosen Studienabbrecher über den grüblerischen Außenseiter hin zum Verfechter der Gerechtigkeit zeigt. Einzig die aufgesetzt tiefe Stimme als Batman zeigt, dass auch eine solche Produktion nicht unfehlbar ist. Und wenn man sich an den Bildern und dem Schauspiel erfreut, bekommen die Ohren es mit einem epischen Score von James Newton Howard und Hans Zimmer zu tun, der die Heldenreise mit vielen Höhepunkten emotional untermalt.

Fazit

Zu der Originstory eines Superhelden gehört mehr, als nur ein auslösendes Event und Batman Begins macht das an allen Ecken und Enden deutlich, weshalb ich bis heute finde, dass es einer der besten Filme dieser Art ist. In einer Gegenüberstellung lässt sich wunderbar erklären, woran Man of Steel am Ende scheitert. Und das trotz desselben Autors und des Studiowunsches das Konzept für Superman zu kopieren. Es gibt aber doch ein paar Dinge, die dieses fast perfekte Filmerlebnis für mich stören. Zum Ende muss ich gestehen, verliert die Handlung meine Aufmerksamkeit. Es ist einfach viel zu gehetzt. Bruce soll sich für die Party fertig machen, sucht aber nach Rachel, die in Gefahr schwebt, er rettet sie, dann wird die Villa abgebrannt, er zieht sich erneut um, Jim hetzt im Batmobil durch die Stadt und käme er zu spät, wäre alles vergebens. Die wirklich gut aufgebaute Handlung rund um die geschmuggelten Drogen, hinter denen eine große Verschwörung steckt, weicht einem Spektakel, bei dem die letzten Charaktermomente recht blass ausfallen. Bei anderen Filmen wäre das ein Luxusproblem und im Wissen, dass der Folgefilm noch besser ist, ziehe ich den Punkt gnadenlos ab. Auch weil die Figur von Rachel Dawes als einzige Frau im Cast einen fürchterlich altbackenen Beigeschmack hinterlässt. Und das liegt nicht an Katie Holmes, die noch immer aussieht wie zu Dawson’s Creek-Zeiten. Eigentlich ist sie das perfekte Gegenstück zu Gordon, da sie den Anstand in der Staatsanwaltschaft repräsentiert und auf eigene Faust für Gutes eintritt. Eine klasse Ausgangsbasis. Aber in den entscheidenden Momenten ist es wichtiger, dass sie die Rolle als Love Interest einnimmt. Und diesen Eindruck verschlimmert der Folgefilm. Die ich aber beide immer wieder gern schaue und meistens zusammen. Batman Begins sollte Pflichtprogramm für alle sein, die heute an Superheldenfilmen arbeiten, um zu sehen, wie man Mythos, Story, audiovisuelles Erlebnis und Spaß verbinden kann.

Zweite Meinung

Batman Begins steht in meiner Superheldenfilmsammlung weit oben. Die Frage warum ist schnell erklärt, denn für mich ist es der steinige Weg den Bruce Wayne hier beschreiten muss, um überhaupt als Batman seinen ersten Auftritt zu haben. Mir gefällt der Anfangspart, der einfach nicht in der ewig düsteren Stadt Gotham spielt, sondern weit weg in den Bergen des Himalajas. Dort bringt uns Nolans Vision zum Staunen, wenn Bruce seine Fähigkeiten verbessern muss und dabei zum Beispiel auf dünnem Eis kämpft. Neben Christian Bale, als in meinen Augen perfekte Besetzung für den Rächer in Schwarz, sind es aber auch die liebevoll gestalteten Nebenfiguren, die hier zum Leben erweckt werden. Der immer treue Alfred, der schlaue Fox und die hartnäckige Rachel sind alles Figuren, die mir sympathisch sind. Nicht zu vergessen Jim Gordon, bei dem es mir gefällt, wie er seine Zusammenarbeit mit Batman hier beginnt. Eine durchdachte Story und gut portionierte Action runden das Filmerlebnis für mich perfekt ab. Die kleine Prise Humor darf auch nicht fehlen, denn was wäre sonst mit den Szenen, wo Bruce seine Rüstung zusammenstellt und nicht immer alles auf Anhieb klappt. Fast vergessen, der geniale Soundtrack aus der Feder von Hans Zimmer, der die Stimmung perfekt untermalt.

© Warner Home Video

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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