The Dark Knight

Lesezeit: 12 Minuten

2008 ist für Fans von Comicadaptionen ein wichtiges Kinojahr. Nicht nur, weil es mit Iron Man das Geburtsjahr des MCU ist, sondern weil Christopher Nolan die Fortsetzung zu Batman Begins ablieferte: The Dark Knight. Ein Filmtitel, der bei bloßer Erwähnung Herzchen in die Augen von Fans zaubert und sogar manch scharfem Kritiker an Superheldenfilmen, ein anerkennendes Nicken abverlangt. Wir werfen nochmal einen ganz genauen Blick auf die Figuren und den Kampf zwischen Chaos und Ordnung. Vorsicht, explosive Spoiler.

   

In Gotham wird mit der Kriminalität aufgeräumt. Captain Gordon (Gary Oldman, Léon – Der Profi) folgt buchstäblich der Spur des Geldes, um die Mafia dingfest zu machen. Hilfe bekommt er dabei einerseits weiterhin von Batman (Christian Bale, The Prestige), den er eigentlich ebenfalls einsperren sollte, da er sich bei seinen Ausflügen nicht ans Gesetz hält. Andererseits ist es aber wichtiger, dass der neue Oberstaatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart, Paycheck) jeden Ganoven vor Gericht zerrt, auch wenn er selbst bedroht wird. Doch dann tritt etwas unvorhergesehenes auf den Plan. Ein Mann, der sich selbst Joker (Heath Ledger, Brokeback Mountain) nennt, stiehlt zunächst Geld von der Mafia und bietet ihr dann seine Dienste an, um das Schreckgespenst Batman zu beseitigen. Doch der Joker verfolgt eine viel größere Agenda, bei der es um nichts geringeres geht, als die Seele Gothams.

Am Anfang war die Skepsis

Obwohl Batman Begins gute Kritiken bekam, wurde dem Nachfolger viel Skepsis entgegen gebracht. Vor allem als bekannt wurde, dass Heath Ledger den Joker spielen würde. Stimmen wurden laut, dass ein solcher Schönling doch kaum an die Leistung von Jack Nicholson in Tim Burtons Batman von 1989 heran reichen könnte. Doch kaum dass The Dark Knight 2008 ins Kino kam, brach eine Welle der Euphorie aus und bis heute mangelt es nicht an Lob für und Aufsätze über den Film. Im Zentrum einhellige Begeisterung insbesondere für Ledgers Joker. Doch es gibt viele Gründe, warum The Dark Knight nicht einfach als einer der besten Superheldenfilme, sondern als allgemein einer der besten Filme Hollywoods gehandelt wird.

Der Superheldenfilm, der keiner ist

Tatsächlich ist ein Schlüssel des Erfolgs, dass sich The Dark Knight gar nicht als Superheldenfilm versteht. Der Vorgänger Batman Begins legt bereits viel Wert auf Charaktere und setzt die Kraft von Ideen und Symbolen in Szene. Dennoch folgt der Plot einer typischen Originstory, in der Gut und Böse am Ende deutlich aufeinander treffen. Doch The Dark Knight ist zuallererst ein Crime-Drama. Alles beginnt mit einem Banküberfall und im Zentrum stehen Ermittlungen gegen die Mafia. Polizei und Staatsanwaltschaft sind involviert, die im Rahmen ihrer Gesetze gegen eine Mauer rennen, über die Batman dann einfach hüpft. Er ist der einsame Gesetzlose, der auf seine Art für Gerechtigkeit kämpft. Eine Eigenschaft, die selbst zum Thema wird. Der Joker bringt Farbe ins Spiel, ist aber nicht der übliche Superschurke, der einen Plan verfolgt, der ihm selbst Macht bescherrt. Es wird mehr als einfaches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Batman und Joker, denn es prallen Philosophien und Weltansichten aufeinander. Dabei ist immer klar, dass der Joker als Agent des Chaos gestoppt werden muss; doch zu welchem Preis. Und noch wichtiger, woran merkt man, dass der Joker verloren hat? Wie merkt er selbst, dass er gewonnen hat? Das Cape, die geheime Identität, eindrucksvolle Technik, Schminke im Gesicht, schicke Kostüme — diese Marker des Superheldengenres werden fast zur Nebensache.

Ein starkes Skript ist das Fundament

Originaltitel The Dark Knight
Jahr 2008
Land USA
Genre Action, Crime
Regisseur Christopher Nolan
Cast Bruce Wayne/Batman: Christian Bale
Joker: Heath Ledger
Harvey Dent: Aaron Eckhart
Alfred Pennyworth: Michael Caine
Rachel Dawes: Maggie Gyllenhaal
James Gordon: Gary Oldman
Lucius Fox: Morgan Freeman
Laufzeit 152 Minuten
FSK

Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit, darf man The Dark Knight als einen langen Film bezeichnen. Aber es ist ein Film ohne Längen. Jede Szene verrät etwas über die Charaktere und bringt wichtige Entscheidungen, die schnell in Konsequenzen enden. David S. Goyer (Blade) entwickelte die Story mit Christopher Nolan, doch fürs fertige Drehbuch holte dieser sich seinen Bruder Jonathan (Westworld) mit ins Boot. Die Nolans haben ein dichtes Skript entwickelt, das immer weiter nach vorn prescht und der Joker ist der Katalysator der Eskalation. Zur Auflockerung gibt es ein paar Sprüche, um den Humor nicht gänzlich abzulegen (erneut darf Michael Caine als Butler Alfred Pennyworth gekonnte Spitzen setzen) und selbstverständlich einige knackige Actionszenen. Aber selbst diese sind mehr als bloßer Schauwert. In Superheldenblockbustern sind diese Schauwerte das A und O, sie liefern die Unterhaltung. The Dark Knight führt die zwei Hauptakteure Batman und Joker auch mit lautem Getöse ein, beginnt dort aber bereits mit der Charakterisierung. Der Joker mag Dynamit und Benzin, weshalb es nicht an Explosionen mangelt, aber jede einzelne ist präzise gesetzt. Es ist legitim sich einfach nicht für die Story an sich begeistern zu können und kein Interesse dafür zu verspüren, wie zwei Männer ihre Weltanschauungen verkörpern und aneinander messen. Aber man muss anerkennen, dass The Dark Knight erzählerisch Bestnoten verdient.

Einwandfreie Bilderwelten

Selbiges gilt für die technische Umsetzung. Christopher Nolan ist ein Garant für erstklassige Regiearbeit. Auch wenn der Stoff die Zuschauer spaltet, wie etwa beim Endzeit-Weltraumausflug Interstellar, kann man sich auf wundervolle Bildkompositionen freuen. In The Dark Knight finden sich viele Bilder, die sich wie ikonische Comicpanels festbrennen. Sei es beispielsweise der über einem Schutthaufen stehende Batman oder der Joker im Krankenschwesteroutfit vor einem explodierenden Krankenhaus, es wird ein visueller Augenschmaus geliefert. Es hilft, dass es auch immer wieder einige Szenen bei Tageslicht gibt, um der Dunkelheit zu entfliehen. Nolan wagte es zudem, teilweise mit IMAX Kameras zu drehen und prompt ging eine, von damals weltweit nur vier Exemplaren, kaputt. Wer den Film heute auf Blu-ray schaut, wird das sich ändernde Bildformat bemerken. Eine Spielerei, auf die er seither öfters zurückgreift.

Bombast aus dem Lautsprecher

Nicht nur Augen, sondern auch Ohren werden verwöhnt. Hans Zimmer und James Newton Howard kehrten für die Fortsetzung wieder gemeinsam zurück ins Studio. Sie sahen sich nach Batman Begins der Kritik ausgesetzt, dass es kein leicht zu identifizierendes und klares Thema für Batman gibt. So wie Danny Elfman es für Batman (1989) erschuf. In The Dark Knight wird Abhilfe geschaffen, allerdings weil Batman starke Gegenspieler hat, die durchgehend auftauchen. Hier machte sich die Kollaboration bezahlt, indem Zimmer die musikalische Verantwortung für den Joker übernahm und Newton Howard für Harvey Dent. Und mit den bombastischen Klängen, die Elektronik und Orchester vermischen, werden die Figuren gezeichnet, dass auch Batman deutlicher hervortritt. Und diese Figuren sind allesamt einen genauen Blick wert.

Batman, der Mann außerhalb des Gesetzes

Batman ist einer der bekanntesten Superhelden, von dem selbst Leute eine schwammige Vorstellung haben, die sich nicht für Comics interessieren. Natürlich ist er ein Held, er kämpft gegen Verbrecher und hilft den Schwachen. Seine Motive stehen außer Frage. Aber was ist mit seinen Methoden? The Dark Knight zeigt deutlich, dass Batman alles tut, was er für nötig hält, solange er niemanden umbringt. Dabei hat er auch kein Problem, einen Mann bis nach Hong Kong zu verfolgen, um ihn zu entführen, damit er in Gotham in seiner rechtmäßigen Zelle landet. Eine sehr buchstäbliche Grenzüberschreitung. Und dann ist da die Technik von Lucius Fox, die aus einem Handy ein Sonar macht. Bei einem Gerät fällt das unter übliches Bat-Spielzeug, doch Bruce geht einen Schritt weiter. Er macht aus jedem Handy Gothams ein Abhörgerät. Lucius kritisiert ihn scharf, damit keinem Zuschauer entgeht, dass Batman soeben einen ultimativen Überwachungsstaat geschaffen hat.

Der Zweck heiligt die Mittel

Nach getaner Arbeit wird dieses Gerät zerstört, damit es nicht (weiter) missbraucht werden kann. Und das positive Ergebnis, dass der Joker gestoppt wurde, ist Rechtfertigung genug. Jedes Mal, wenn Batman Gesetze überschreitet, geht es eben doch gut aus, weshalb viele Polizisten neben Gordon ein Auge zudrücken. Dabei drehen sich viele Dialoge um die Frage, wie lange Gotham wohl noch einen Batman braucht und dass Bruce mit dem Gedanken spielt, wie er das Cape an den Nagel hängen kann. Er ist sich bewusst, dass auf Dauer nur jemand wie Harvey Dent wirklich aufräumen kann. Leider verpackt The Dark Knight einen weiteren interessanten Aspekt zu Beginn nur in einen Joke. Es haben sich Nachahmer gefunden, die in selbstgebastelten Batman-Kostümen auf die Straße gehen. Teils sogar mit Schusswaffen. Und auf die Frage von einem dieser Männer, was denn der Unterschied sei, erwidert Batman nur, dass er keine Hockeymaske trägt. Stimmt, denn er hat das Geld für eine bessere Ausrüstung und zudem natürlich intensives Training. Aber wo verläuft die Grenze zwischen Spielerei, Bürgerwehr und Kämpfer für Gerechtigkeit? Am Ende kann Batman kein Held sein, verkompliziert durch eine Lüge, damit das Ansehen von Harvey Dent als Hoffnungsschimmer bleibt.

Joker, das personifizierte Chaos

Im Krankenhaus sagt Joker von sich selbst, dass er ein Mann ohne Plan sei. Das ist vermutlich die einzige größere Lüge, die er erzählt. Er plant seine Attacken ziemlich genau, hat viele Helfer, jede Menge Sprengstoff und meistens eine Hintertür für sich selbst. Aber das besondere ist, dass er kein bestimmtes Ziel verfolgt, abgesehen vom Chaos selbst. Der Joker erkennt, dass Gotham im Umbruch ist, seit Batman da ist. Die Mafia zieht sich zurück, die Polizei gewinnt an Integrität und die Leute fühlen sich ein Stückchen sicherer. Diese Sicherheit greift er an. Er stiehlt Geld, weil er es kann. Bereits beim Banküberfall zeigt er, woran er glaubt: Es bedarf nur der richtigen Motivation, um einen Menschen zum Mörder zu machen. Für den Raub braucht er Gehilfen, doch hat er jedem aufgetragen, den anderen zu töten, wenn seine Aufgabe erledigt ist, was sie ohne zu fragen auch tun. Denn dann bleibt schließlich mehr von der Beute. Der Joker möchte korrumpieren und die Gesellschaft im Angesicht der Anarchie entlarven.

Das Sozialexperiment mit den Fähren

Für die Korruption der Menschen und den Angriff auf die Moral, hat der Joker mehrere Ziele im Blick. Einerseits ist da Batman selbst, den er dazu zwingen möchte, seine eine eiserne Regel – nicht töten – zu brechen. Andererseits kommt ihm Harvey Dent sehr gelegen, dem er am tiefsten Punkt angekommen, ins Ohr flüstern kann. Aber sein Meisterstück ist das große Finale. Nachdem er eine Massenpanik erzeugt, die Evakuierung Gothams herbei führt und die Fluchtwege manipuliert, bleibt die Fahrt über den Fluss als Ausweg. Und er hat zwei Fähren mit Sprengsätzen ausgestattet, doch die Zünder der jeweils anderen Gruppe in die Hand gegeben. Dazu kommt das Ultimatum, dass er selbst beide Fähren sprengen wird, wenn nicht eine von ihnen zuerst die andere in die Luft jagt. Hier kehrt eine Stärke aus Batman Begins zurück: Die Stadt und ihre Bewohner sind die Hauptfiguren der Story. Batman ist überzeugt, dass es keine Explosion geben wird, denn es ist etwas Gutes in den Menschen, der Joker sieht das anders. An dieser Stelle ist es im Grunde nebensächlich, was bei der direkten Konfrontation zwischen den beiden passiert, wenn eine der Fähre explodiert, hat der Joker gewonnen. Und das liegt nicht in Batmans Händen. So ist es in The Dark Knight egal, ob der Joker hinter Schloss und Riegel landet, siegen kann er dennoch.

Harvey Dent, der zweigesichtige Anwalt

Und einen Teilsieg kann der Joker ganz offen feiern, denn Harvey Dent wird zum Mörder. Dabei fängt für ihn alles so gut an. Er ist das strahlende Gesicht der hoffnungsvollen Veränderungen in Gotham. Seine öffentlichen Auftritte geben ihm eine Kraft, die Batman nicht hat und vor allem handelt er im Rahmen der Gesetzgebung. Auf Dauer die einzige Lösung. Auf den ersten Blick erscheint es etwas abwegig, dass der Joker ihn mit ein paar Worten dazu bringt, sich von diesen Idealen abzukehren. Doch Dent zeigt schon vorher, dass er in die Enge getrieben, durchaus bereit ist, Gewalt einzusetzen. Außerdem verteidigt er Batmans illegale Alleingänge mit einem Beispiel aus dem alten Rom, als ein Mann dazu bestimmt wurde, alles zu tun, was zum Schutz des Allgemeinwohls nötig ist. Die Münze, die er gern in entscheidenden Momenten wirft, zeigt auf beiden Seiten einen Kopf, so dass er den Ausgang bereits kennt. Er blufft.

Rache statt Gerechtigkeit

Harveys Wandlung zu Two-Face, kommt nicht vollkommen aus dem Nichts und es ist ein starker Kontrast zu Bruce Wayne. Dieser war jung, als seine Welt auf ähnliche Weise das erste Mal zerbrach und seine Rachegelüste kamen später. Danach nahm Bruce sich selbst genau unter die Lupe und hat aus seinen dunkelsten Gedanken etwas positives gemacht. Harvey hat seine Münze, die nun eine bildlich geschwärzte Seite hat und den Tod repräsentiert. Bezeichnend ist, dass der Joker bereit ist erschossen zu werden, denn wenn Harvey ihn direkt töten würde, wäre auch das ein Sieg. Doch Harveys Psyche ist in einem schlimmeren Zustand. Dennoch ist er soweit bei Verstand, dass er gezielt nach den Männern sucht, die er für den Tod an Rachel verantwortlich machen kann. Inklusive Batman und Gordon.

James Gordon, der gute Polizist

Im Laufe des Films ist Jim Gordon die größte Konstante. Er macht zu Beginn klar, dass er Batman als Unterstützung ansieht und ist ganz fokussiert auf das Ziel, die Überreste von Falcones Netzwerk zu zerschlagen. Er denkt mit, setzt sein Leben aufs Spiel und fingiert sogar seinen eigenen Tod, um dem Joker eine Falle zu stellen. Doch Dents Misstrauen seinem Team gegenüber, wedelt er ab. Gordon macht große Schritte gegen das organisierte Verbrechen und ist blind dafür, dass einige seiner Leute gekauft sind. Und das unterstützt die Katastrophe, die zu Dents Fall führt. Erst am Ende muss Gordon Änderungen vornehmen. Dabei bleibt er in den Augen der Öffentlichkeit der aufrechte Cop, der neue Commissioner, der Gotham treu ergeben ist. Dafür muss er ein wenig lügen und das Geheimnis hüten, dass Dent als Schurke starb. Somit ist er ein Mitverschwörer, der Batman nicht aus Überzeugung jagt.

Batman tötet nicht – oder doch?

Dabei passiert am Ende etwas, das zwischen all den diskussionswürdigen Momenten schnell untergeht. Two-Face hält Gordons Sohn fest und lässt es auf einen Münzwurf ankommen. Diesen wartet Batman aber nicht ab, sondern stürzt sich auf die beiden, um den Jungen zu retten. Das gelingt, aber der Fall bringt Two-Face um. Ein Fall, den Batman übersteht, vermutlich nicht nur dank seiner Panzerung. Zuvor gibt es eine Szene, in der Batman einen Mann absichtlich aus einer ähnlichen Höhe fallen lässt, fest damit rechnend, dass es nur unangenehme Verletzungen gibt. Das Ziel ist nicht, Two-Face zu töten, sondern ein Leben zu retten. In Batman Begins sagt Batman deutlich, dass er es nicht als töten zählt, wenn er jemanden nicht rettet. Aber ist er hier zu fahrlässig? Hätte der Joker hier einen Ansatz, dass Batman gewillt ist, ein Leben für ein anderes einzutauschen? In jedem Fall ist es besser, wenn die Leute glauben, dass Batman einen Rachefeldzug gestartet hat statt Harvey Dent. Er muss als Held sterben und darf nicht zum Schurken werden.

Rachel Dawes, die Frau in der Mitte

Leider trübt ein Schauspielerwechsel die Zusammengehörigkeit von Batman Begins und The Dark Knight. Katie Holmes kehrte für die Rolle nicht zurück und Maggie Gyllenhaal (Stranger than Fiction) übernahm als Staatsanwältin Rachel Dawes. Eine von Bruce’ wenigen echten Freunden, die zudem weiß, dass er Batman ist. Hier offenbart sich eine Schwäche im Drehbuch, denn oberflächlich lässt Rachel sich schnell als Love Interest einordnen, die zwischen zwei Männern steht. Sie arbeitet nicht nur mit Harvey, sondern ist romantisch mit ihm liiert. Während Bruce verliebt ist und das mehrmals zum Ausdruck bringt. Er hofft auf ein Leben mit ihr, wenn Batman ausgedient hat und glaubt, dass sie dann Harvey verlassen würde. Was sie wiederum in einem Brief deutlich verneint, nur wird Bruce diesen Brief nie zu lesen bekommen. Denn sie stirbt.

Der Griff in die Kiste altbackener Klischees

Und das scheint ihr wichtigster Beitrag zur Story zu sein. Bei genauerer Betrachtung ist dies ein Moment, der sich nicht aus der eigentlichen Handlung ergibt. Warum kommen die Polizisten zu spät? Für das anschließende Drama! Nicht, weil es Sinn ergibt. Es ist ein beliebtes Szenario: Der Schurke stellt den Helden vor eine ungeheure Wahl. Einen geliebten Menschen retten oder besser den Bus voller Schulkinder? Und meistens schafft der Superheld irgendwie beides. Hier nicht. Und in gewisser Weise verliert Bruce in diesem Moment sowohl Rachel, seine Liebe, als auch Dent, die Hoffnung, Batman aufgeben zu können. Die Trauer der beiden Männer überschattet Rachel als Person. Dabei ist sie in Batman Begins eine der wenigen aufrechten Personen, im Grunde Wegbereiterin für Harvey selbst. Ihren Mut stellt sie auf der Party unter Beweis, wenn sie sich dem Joker stellt. Etwas mehr Mut wäre den Nolans beim Schreiben des Drehbuchs zu wünschen gewesen, sowie die Kreativität, die Motivation für Harveys Zusammenbruch und Bruce’ neuester Depression in etwas anderem als einer toten Frau zu finden.

Was ist eigentlich mit Bruce Wayne?

Etwas, das Batman Begins besser macht als andere Realverfilmungen mit Batman, ist der Blick auf Bruce Wayne als Person. In The Dark Knight tritt dies ein wenig zurück, auf Grund der vielen Figuren und dichten Crimestory. Doch die öffentliche Persona von Bruce, kommt wunderbar zum Einsatz. Wenn es heißt, Bruce führe ein Doppelleben, ist das nicht ganz korrekt. Es gibt den einen echten Bruce Wayne, wie ihn hier nur Alfred, Lucius und Rachel kennen. Dann natürlich Batman. Und obendrauf den milliardenschweren Playboy, der Schlagzeilen macht, weil er das ganze russische Ballett auf seine Yacht einlädt. Was wiederum eine Möglichkeit ist, um als Batman in Hong Kong zu agieren. Auch die Spendenparty für Dent kann er öffentlichkeitswirksam ausrichten. Es sind nur kurze Szenen, die fast beiläufig Erwähnung finden, jedoch beweisen, dass wichtige Charakterzüge nicht außer Acht gelassen werden. Und es sind solche Details, die Fans honorieren.

Der Meilenstein zur rechten Zeit

Bei The Dark Knight Fehler zu finden, ist meckern auf höchstem Niveau, aber es gibt auch hier Möglichkeiten zur Verbesserung. Ein perfekter Film existiert nicht. Christopher Nolan hat als Regisseur hier einiges gelernt, was er später in Inception oder Dunkirk einfließen lassen konnte. Die Entscheidung so wenig Blut wie möglich zu zeigen, führt manchmal zu abrupten Kamerawechseln, die beinahe wie ungewollte Schnitte wirken. Nolan verstößt gegen Konventionen in der Bildsprache, was ohne einen Blick auf das große Ganze stören kann. So packend das Skript auch ist, bleiben einige Entscheidungen sehr konservativ und fahren in sicheren Gewässern. Einen Platz in verschiedenen Bestenlisten, hat sich The Dark Knight aber redlich verdient. Denn vor allem kam er zur perfekten Zeit, als Superheldenfilme und Fan-sein salonfähig wurden.

Fazit

Als The Dark Knight ins Kino kam, bin ich nicht in die Premiere gestürzt. Aber nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, bin ich tags darauf sofort wieder rein. Und mit jedem Ansehen gibt es ein paar Dinge, die mich mehr und mehr stören, und andere, die ich aus neuer Perspektive immer interessanter finde. Als Comicleserin bleibt es mir schleierhaft, warum zum Ende beispielsweise Gordons Sohn Jim jr. in Szene gesetzt wird, statt seiner Schwester Barbara. Auch wenn sie in Nolans Welt nie zu Batgirl wird, wäre das eine nette Geste. Und es hätte mehr Bedeutung für mich, wenn sie Batman vor ihrer Tür sähe, wenn die Polizisten von Gordons angeblichem Ableben berichten. Das kontroverseste, was ich über The Dark Knight sagen kann, ist, dass ich nicht gewillt bin ihn als besten Batman Film ever zu bezeichnen. Was aber daran liegt, dass ich noch auf eine Realverfilmung warte, die mich in dieser Hinsicht so sehr überzeugt, wie die Zeichentrickserie der 90er. Manchmal nervt mich zudem der Personenkult rund um den Joker sehr. Aber diese Darstellung von Ledger ist einfach rundum gelungen, von der Einführung bis zur Gefangennahme. Ich mag es, dass Two-Face mit seinem halb weggebrannten Gesicht ein fantastisches Element einführt. Obwohl ich weiß, dass genau das ein Grund ist, warum man den Film niemanden zeigen kann, der so gar nichts comichaftes sehen will. Vielleicht hätte Nolan den Realismus auch an anderen Stellen ein wenig aufweichen sollen.

© Warner Home Video

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Alva Sangai
Redakteur

Wird wohl Zeit, dass ich mir die Filme in 4k hole und meine alten DVDs verscherbel. Hoffe die Trilogie Box kommt nochmal raus X__X Diesen Monat kamen auch die 4 Klassiker-Filme in einer Box als 4k raus, die muss ich jetzt auch haben. Die Cover sehen diesmal auch schick aus, da ist es gut, dass ich gewartet habe. Wenn ich mir die DVDs angucke, die sehen inzwischen bescheiden aus. The Dark Knight ist mein absoluter Lieblingsteil von Batman und nicht überraschend, da Joker mein Lieblingsbösewicht ist. Mochte schon die Darstellung von Jack Nicholson, aber Heath Ledger hat mich erst Recht umgehauen. Durch den neuen Joker Film mit Joaquin Phoenix bin ich wieder in Batman-Stimmung 😀