Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat

Lesezeit: 6 Minuten

Auch innerhalb Deutschlands regte sich militärischer Widerstand gegen die Machenschaften Adolf Hitlers. Einer von ihnen war Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der zusammen mit seinen Kameraden lange Zeit als Landesverräter gebrandmarkt war. In Amerika eine Geschichte, die kaum einer kennt, daher etwas verwunderlich, dass Bryan Singer (Bohemian Rhapsody) diese 2008 verfilmte. Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat ist dabei nicht die erste Umsetzung, denn schon viele Jahre vorher wurde der Stoff so historisch genau wie möglich erzählt. Etwas, das Singers Geschichte nicht von sich behaupten kann.

Während seines Einsatzes in Tunesien mit der 10. Panzerdivision muss Oberst Stauffenberg einsehen, dass er mit den Machenschaften Adolf Hitlers und der SS nicht mehr zurechtkommt. Er schämt sich für die Gräueltaten und sieht, dass der Krieg so nicht mehr zu gewinnen ist. Bei einem Royal Air Force-Angriff wird Stauffenberg schwer verletzt. Seine rechte Hand und das linke Auge sind nicht mehr zu retten und es fehlen ihm Finger an der linken Hand — trotzdem dient Stauffenberg weiter. Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh, Dunkirk) scheitert bei einem Versuch Adolf Hitler mit einem Sprengsatz zu töten. Zum Glück kann er unerkannt bleiben, doch bespricht er mit General Friedrich Olbricht (Bill Nighy, Best Exotic Marigold Hotel), dass sie dringend Verstärkung brauchen. Letzterer spricht darauf hin Oberst Stauffenberg an, welcher nach einigen Überlegungen zu der Idee kommt, den Walküre-Plan umzuarbeiten. Dieser sieht vor, dass bei inneren Unruhen das Ersatzheer zum Einsatz kommt. Die Widerständler wollen diesen Plan so umarbeiten, dass nach dem Tod Hitlers die Ausschaltung des Parteiapparates der NSDAP und der SS-Dienststellen durch diese Einheiten gewährleistet wird. Das Gelingen des Plans hängt jedoch an zwei wichtigen Faktoren: Adolf Hitler (David Bamber, The King’s Speech) muss den neuen Plan unterschreiben und seinen Tod finden.

Probleme einer historischen Erzählung

Originaltitel Valkyrie
Jahr 2008
Land USA
Genre Historie, Thriller, Drama
Regisseur Bryan Singer
Cast Oberst Claus von Stauffenberg: Tom Cruise
Generalmajor Henning von Tresckow : Kenneth Branagh
General Friedrich Olbricht: Bill Nighy
Generaloberst Friedrich Fromm: Tom Wilkinson
Generaloberst Ludwig Beck: Terence Stamp
Oberst Mertz von Quirnheim: Christian Berkel
Adolf Hitler: David Bamber
Oberst Heinz Brandt: Tom Hollander
Major Otto Ernst Remer: Thomas Kretschmann
General Erich Fellgiebel: Eddie Izzard
Laufzeit 120 Minuten
FSK

Wie alle Filme, die ein Stück echte Geschichte erzählen, steht auch Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat vor der Frage, ob das Gezeigte zu packen weiß. Immerhin ist für jeden Zuschauer klar, dass das Attentat vom 20. Juli 1944 fehlschlägt, da der Zweite Weltkrieg erst 1945 endlich zu einem Ende fand. Trotz dieses Fakts lässt einen die Handlung von der ersten Minute an nicht mehr los. Das liegt zum einen daran, dass Stauffenberg selbst ein emotionales Zugpferd ist. Der charismatische, praktische Mann, der das Leben seiner Familie für die Rettung des Landes riskiert, spricht die Dinge aus, die andere nicht wagen. Wie nicht anders zu erwarten brilliert Tom Cruise (Mission Impossible) in der Rolle des Obersts, da er vor allem mit kleinen Gesten seine Figur mit Leben füllt. So merkt der Zuschauer z.B. Stauffenbergs Unmut gegen das künstliche Glasauge, welches er sich bei Unterredungen mit Hitler einfügt. Oder aber sein Widerwille gegen den Hitlergruß oder das Zögern seiner Kameraden, wenn es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen.

Keine leichte Aufgabe

Neben Stauffenberg ist es aber auch das Filmskript, das sich nach und nach perfekt entfaltet. Straff erzählt und mit einer hohen Personaldichte wird der Beobachter von Anfang an gefordert, so dass keine Langeweile aufkommt. Im Gegenteil, er findet sich irgendwann dabei wieder, ganz automatisch Daumen zu drücken, trotz das klar ist, wie die Geschichte endet. Was jedoch für den Genuss des Films unabdingbar ist, ist ein gewisses Grundwissen der damaligen Zeit. Gerade Namen, Ämter und Ränge fliegen einem wie abgefeuerte Pistolenschüsse um die Ohren, so dass nicht viel Zeit bleibt sie sich zu merken, wenn sie einem gar nichts sagen. Ein besonderer Kniff wartet im hinteren Viertel des Films, beim Versuch Hitler das Leben in der Wolfsschanze zu nehmen. Da Stauffenberg bei der Explosion nicht mehr im Raum ist und zügig zum Flughafen fährt, sieht er nicht, ob er wirklich erfolgreich ist. Die Handlung lässt auch den Zuschauer im Unklaren und das für lange Zeit. So rollte die Operation Walküre los — dazu verdammt zu scheitern.

Keine leichten Dreharbeiten

Für Bryan Singer wäre es ein Leichtes gewesen, den Film in Amerika zu drehen. Doch wäre damit am Ende niemand zufrieden gewesen. Es ist ein Stück deutsche Geschichte, die sich einfach auf heimischem Boden am besten präsentiert. Kein leichtes Unterfangen, doch in Zusammenarbeit mit Studio Babelsberg wurden einige Ort, wie zum Beispiel die Wolfschanze, nachgebaut oder andere Plätze umfunktioniert. Die zuständigen Ämter verweigerten erst die Drehgenehmigung für den Berliner Tempelhof Flughafen. Immerhin sollten dort Nachbauten mit Hakenkreuz landen was nicht sein sollte. Doch schlussendlich konnte das Kamerateam dort und andernorts drehen. Optisch präsentiert sich der Film daher von einer passenden Seite, da die Nachbauten wirklich sehr genau sind und auch die Uniformen geschichtlich korrekt. Womit es zu Beginn viel mehr Probleme gab, war die Besetzung des Obersts. Von mehreren deutschen Seiten gab es Proteste dagegen, dass Tom Cruise, ein bekennendes Mitglied von Scientology, Stauffenberg verkörpert. Singer wollte die Rolle jedoch nicht umbesetzten, da Cruise im Profil den Soldaten so ähnlich sieht. Bei der Besetzung der anderen Rollen gab es keine Probleme und es ist schön zu sehen, dass bei einer amerikanischen Produktion auch viele deutsche Schauspieler zu finden sind.

Für Geschichtskenner ein Ärgernis

Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat ist keine geschichtliche Dokumentation der Ereignisse. Zu Gunsten der Spannung wurden einige Dinge umgeändert, zum eines Leidwesen Historikers. Gerade die Darstellung von Mitverschwörer Friedrich Olbricht und Erich Fellgiebel (Eddie Izzard, Ocean’s 13) sei eine Zumutung, da deren schwankendes Verhalten einer Verleumdung nahekommt. Der eine oder andere Fehler schlich sich leider auch in die Geschichte. So z.B. wird Stauffenberg von Anfang an im Film als Oberst bezeichnet, dabei war er bei seinem Einsatz in Tunesien erst Oberstleutnant. Auch seine Rolle bei der Ausarbeitung des Plans ist vollkommen falsch dargestellt. Wer sich diesen Film daher anschaut, sollte sich gedanklich damit abfinden, hier einen Thriller zu sehen, der seinen Fokus auf Unterhaltung und nicht geschichtliche Korrektheit legt.

Fazit

Ich bin an Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat mit einer ordentlichen Portion Skepsis herangegangen. Schließlich ist bekannt, dass Hitler nicht durch ein Attentat starb, sondern 1945 Selbstmord in Berlin verübte. Daher war die Frage groß, ob es der Film schaffen würde, Spannung aufzubauen. Ich kann sagen: es gelingt ihm. Ab einem gewissen Moment ertappte ich mich sogar dabei, wie ich die Daumen gedrückt habe. Das Attentat in der Wolfsschanze wird aber auch nervenaufreibend dargestellt: Denn von Anfang an läuft nicht alles wie geplant, sodass immer mehr klar wird, warum das Ganze daneben ging. Es ist tragisch zu beobachten, wie die Verschwörer Operation Walküre ausführen und wie das Unterfangen dann zusammenbricht . Die Exekution der Männer geht einen nahe, da diese nur das Beste für Deutschland wollten. Die Fokussierung auf die Person Stauffenberg trägt Früchte, da wir so nicht an zu vielen Baustellen gleichzeitig sind. Was ich dennoch kritisiere, ist, dass das private Leben des Obersts zu kurz kommt. Ich hätte mir gewünscht, dass gerade die Unterredung mit seiner Frau gezeigt worden wäre, schließlich wird es so dargestellt, dass sie zum Teil Bescheid weiß. Viele weitere Figuren füllen die Handlung, so dass verständlich wird, wie komplex das Ganze ist. An Tom Cruise Leistung ist nichts auszusetzen, da er sich wie immer in die Geschichte reinhängt und auch die anderen Schauspieler geben keinen Grund zum Meckern. Die optische Komponente fügt dem Film eine weitere positive Note zu, da die damalige Zeit präsentabel eingefangen wird. Einfügen kann sich auch der passende Soundtrack, der die Szenen immer stimmungsvoll unterlegt. Zusammengefasst finde ich Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat nicht perfekt, aber sehenswert.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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