Cats

Selten hat ein Film so viel negative Kritiken eingefahren wie die Musicalverfilmung Cats von Tom Hooper (Les Misérables). Die CGI-Effekte seien schlecht, die Story zu einfach gestrickt (wenn überhaupt vorhanden) und es sei ein Jammer, dass sich namhafte Schauspieler wie Idris Elba (Avengers: Infinity War) oder Sir Ian McKellen (Der Herr der Ringe) dafür hergeben. Andererseits wurde auch das gleichnamige Musical in den ersten Wochen hauptsächlich zerrissen und gilt heute als weltweit erfolgreiche Produktion. Vielleicht hat auch die filmische Umsetzung das Potenzial dazu.

   

Kätzin Victoria (Francesca Hayward) wird ausgesetzt. Doch sie bleibt nicht lange allein und lernt die Jellicle Cats kennen. Diese bereiten sich auf den großen Jellicle Ball vor. Hier darf jede von ihnen sich in einem Lied präsentieren und zur Wahl stellen. Jene von ihnen, die ausgewählt wird, erhält die Chance auf ein neues Leben.

 

 

Singende Katzen

Originaltitel Cats
Jahr 2019
Land USA, Großbritannien
Genre Musical
Regie Tom Hooper
Cast Victoria: Francesca Hayward
Grizabella: Jennifer Hudson
Alte Deuteronimus: Judi Dench
Macavity: Idris Elba
Munkustrap: Robbie Fairchild
Gus der Theaterkater: Ian McKellen
Mr. Mistoffelees: Laurie Davidson
Rum Tum Tugger: Jason Derulo
Bombalurina: Taylor Swift
Mungojerry: Danny Collins
Laufzeit 111 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 28. Mai 2020

Schräg, einzigartig und irgendwie liebenswürdig, so sind die Katzen. Ob nun die tollpatschige Jenny Fleckenreich (Rebel Wilson, Pitch Perfect) oder das Chaos-Duo Mungojerry (Danny Collins) und Rumpleteazer (Naoimh Morgan), keine zwei Figuren sind gleich. Das gilt auch für ihre Lieder, die ihren Charakter gut einfangen. Diese sind nämlich so unterschiedlich wie die Jellicle Katzen selbst. Grizabella (Jennifer Hudson, Sex and the City) singt ihr „Memories“ herzergreifend und emotional, Skimbleshanks (Steven McRae) steppt zu Beginn den typischen Klang eines anfahrenden Zuges und Macavity (Idris Elba) schockt die Jellicle Cats nicht nur mit Katzenminze, sondern auch mit einem lauten, bedrohlichen Lied. Begleitet werden die Songs von aufwendigen Tanzchoreographien, die verschiedene Stile in sich vereinigen. Mit Francesca Hayward als Victoria wurde sogar eine professionelle Balletttänzerin an Land gezogen, die ihr Können zeigen darf.

Katzen? Menschen? Menschenkatzen?

Cats steht vor allem wegen der Katzenkostüme in der Kritik. Man sehe die menschlichen Gesichter noch viel zu deutlich. Ja, es stimmt, man sieht die nicht sehr katzenhaften Augen sowie Nasen und ja, die Katzen haben Hände und Finger und ja, die meiste Zeit laufen sie auf zwei Beinen. Auch die Proportionen passen nicht und so sind es weder Katzen noch Menschen, sondern eher Menschenkatzen. Oder Katzenmenschen. Aber wenn man sich darauf einlässt, ist der Look gar nicht so schlecht und die Macher haben sich durchaus Mühe gegeben. So sind die Katzenohren fortwährend in Bewegung, wie man es auch bei realen Samtpfoten beobachten kann. Außerdem versuchen die Schauspieler, typische Bewegungsmuster von Katzen nachzuempfinden, etwa wenn alle Katzen von den steppenden Füßen des Katers vom Nachtexpress gefesselt sind und alle Köpfe dabei hin und her gehen. Die Gesichter digital zu verändern, sodass sie kätzischer aussehen, wäre vermutlich zu Lasten der Mimik gegangen. Das Fell wurde mithilfe der Digital Fur Technology ermöglicht. Hierbei trugen die Schauspieler beim Dreh spezielle Anzüge, die ihre Bewegungen einfingen. Am Computer wurden dann das Fell, Katzenohren und sogar Schnurrhaare darüber gelegt. Die Musterungen entsprechen denen realer Samtpfoten. Warum aber die Alte Deuteronimus (Judi Dench, James Bond 007: Casino Royale) als Katze einen Ehering oder über ihrem natürlichen Fell auch noch einen Pelzmantel trägt, ist eine andere Frage.

Eine kätzische Welt

Die Jellicle Katzen bewegen sich durch eine eigentlich bekannte Welt, die doch irgendwie anders ist, als man es kennt. Straßenlaternen, Möbel oder Besteck, alles ist wesentlich größer als gewohnt – schließlich sind Katzen viel kleiner als wir. Da kann eine Gabel schon mal so lang wie ein Arm sein, ein Ring kann von Victoria ohne Probleme als Armreif getragen werden und die Katzen können auch ohne Schwierigkeiten aufrecht unter dem Tisch tanzen. Doch es gibt auch einige Orte, die speziell auf die Katzen zugeschnitten zu sein scheinen. Rum Tum Tugger (Jason Derulo, Lethal Weapon) besingt seine Eigenwilligkeit nicht in irgendeiner Bar, sondern in einer Milchbar. Denn mit Milch kann man Katzen besser locken als mit Cocktails. Londons Leuchtreklamen zu Beginn von Cats sind außerdem mit zahlreichen kleinen Wortspielen gespickt. So gibt es beispielsweise ein „Catsino“ (statt Casino).

Das Musical auf der großen Leinwand

Cats ist die filmische Umsetzung des gleichnamigen Musical von Andrew Lloyd Webber, welches 1981 uraufgeführt wurde. Die Vorteile des filmischen Mediums werden dafür genutzt. Zwar spielt sich ein Großteil der Handlung in und um das Egyptian ab, doch es werden auch Ausflüge zu anderen Örtlichkeiten unternommen. Im Musical müsste dafür die Bühne jedes Mal umgebaut werden, doch im Film können die Jellicle Cats von einer Sekunde auf die nächste ihren Tanz in einem Zugabteil fortsetzen. Auch Mungojerry und Rumpleteazers Raubzug durch ein nahes Haus funktioniert mit den schnellen Schnitten besser und passt vor allem zum zugehörigen Song. Für die Verfilmung wurde außerdem die Story von Cats ein wenig verändert. So versucht der kriminelle Kater Macavity seine Chancen zu verbessern, indem er die vielversprechendsten Kandidaten direkt nach ihren Auftritten entführt. Als sich die Alte Deuteronimus weigert, ihn zum Sieger zu küren, entführt Macavity sie kurzerhand auch noch. Im Musical lässt Macavity lediglich Deuteronimus (hier außerdem ein Kater statt einer Kätzin) verschwinden, um sich dann selbst als Anführer der Jellicle Cats auszugeben. Gleich ist bei beiden Fassungen aber, dass der magische Kater Mr. Mistoffelees (Laurie Davidson, The Good Liar Das alte Böse) Deuteronimus wieder herbeizaubern darf.

Fazit

Als großer Katzenfreund war Cats natürlich ein Muss für mich. Ich kann mich noch vage an das Musical erinnern, das ich zwar leider nicht live sehen konnte, aber immerhin auf DVD. Dass der Film so viel Kritik einfährt, ist schade, denn so schlecht finde ich ihn gar nicht. Die Lieder und Choreographien machen Spaß und jede Katze ist anders. Der Look der Katzen, der der Grund für viele negative Reviews zu sein scheint, ist nicht so verstörend, wie manche Kritiker ihn darstellen. Man muss sich eben darauf einlassen. Mir gefallen die Katzen sogar, auch wenn sie menschliche Gesichter haben. Die Story selbst kommt natürlich nicht sehr tiefgründig oder innovativ daher, aber das muss sie in einem Tanzfilm auch gar nicht. Alles in allem ist Cats vermutlich schon ein Film mit Schwächen, aber keinesfalls der Flop des Jahres.

© Universal Pictures International


Seit dem 28. Mai 2020 im Handel erhältlich:

Drottning Katt

Als Studentin der Linguistik hat Drottning Katt ein Faible für Sprachen aller Art – reale oder fiktive. Sie ist ein großer Fantasy-Fan und kann in diesem Bereich immer mit detaillierten Worldbuilding, einem durchdachten Magiesystem oder vielschichtigen Charas geködert werden. Dabei ist es nebensächlich, in welcher Form die Geschichte erzählt wird, Hauptsache interessant. Zudem gehören zu ihren Hobbies das Schreiben eigener Geschichten, zeichnen und an eigenen fiktiven Sprachen basteln.

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