Dead to Me (Staffel 2)

Seit dem 8. Mai 2020 dürfen wieder die Weinflaschen entkorkt und die Poolabdeckung entfernt werden, denn Jen und Judy sind seitdem mit einer zweiten Staffel der schwarzhumorigen Dramedy Dead to Me zurück auf Netflix. Erneut steht ein Verlust im Zentrum der Handlung, dieses Mal der von Judys Ex-Ehemann Steve für dessen abruptes Ableben sich jedoch ausgerechnet Jen verantwortlich zeigt.

Staffel 1 endete im ersten Serienjahr mit einem Cliffhanger: Steve Wood – auf der Suche nach Judy, die ihn wegen Geldwäsche beim FBI angezeigt hat – gerät in eine Auseinandersetzung mit Jen, wobei diese letztlich einen Revolver zückt und auf den erzürnten Steve richtet. In den verbleibenden Szenen konnten Zuschauer dann noch beobachten, wie Judy mitten in einem Selbstmordversuch von ihrer entzweiten Freundin überraschend um Hilfe angerufen wird und bei Jen angekommen in deren Pool dann die dahintreibende Leiche von Steve auffindet. Staffel 2 macht am Morgen danach weiter und wie beide deutlich durch den Wind für Jens Söhne Charlie und Henry Frühstück machen als wäre weder ihr heftiger Streit noch die letzte Nacht passiert. Was genau zwischen Jen und Steve geschehen ist und wo dessen Leiche abgeblieben ist, bleibt zunächst offen. Als wäre das nicht Problem genug, wird die Situation noch komplizierter. Detective Perez, bei der Jen ihre vermeintliche Freundin Judy eigentlich wegen der Tötung und Fahrerflucht an ihrem Ehemann angezeigt hatte, hat Judy nun endgültig auf ihrem Radar, als Jen die erwirkte einstweilige Verfügung gegen Judy kurzerhand zurücknimmt. Perez untersucht deswegen nun das Verschwinden von Steve mit Judy als Hauptverdächtiger. Dasselbe macht auch Ben Wood, Steves etwas duseliger aber liebenswerter Zwillingsbruder, der überraschend vor Jens Haustür auftaucht.

Dead to me, aber wie?

Originaltitel Dead to Me
Jahr 2020
Land USA
Episoden 10 in Staffel 2
Genre Drama, Komödie, Krimi
Cast Jen Harding: Christina Applegate
Judy Hale: Linda Cardellini
Ben Wood / Steve Wood: James Marsden
Charlie Harding: Sam McCarthy
Henry Harding: Luke Roessler
Detective Ana Perez: Diana Maria Riva
Michelle Gutierrez: Natalie Morales
Christopher Doyle: Max Jenkins
Seit dem 8. Mai 2020 auf Netflix verfügbar

Wie auch schon in der ersten Staffel bringt Dead to Me neben viel Gefühl und meist makaberen Humor auch wieder ein Portion krimi-typischer Aufklärungsspannung mit. Jen findet sich dabei nun mehr oder weniger in der Rolle Judys wieder und so beharrlich sie sich weigert, die Polizei zu rufen und so sehr wie Steves Tod an ihr nagt, wird schnell klar, dass die Umstände kein gerechtfertigter Notwehr-no-brainer waren, wie Jen es zunächst glauben lässt. So bleiben die genauen Umstände von Steves Tod und Jens Rolle darin zunächst im Dunkeln, während Judy versucht ihrer Freundin zur Seit zu stehen. Dies beinhaltet nun auch die Vertuschung von Steves Tod wie auch die Entsorgung seiner Leiche – Unternehmungen, die von den beiden alles andere als souverän angegangen werden. Auch wenn Judy mit Steve und überhaupt ihrem Leben eigentlich abgeschlossen hatte, trifft sie der Tod ihres Ex-Ehemanns und sie hat Schwierigkeiten mit dessen Tod umzugehen. Auch wenn er zuletzt ein Arschloch war, hatte er ja immerhin genug gute Seiten, dass sie mit ihm eine Familie gründen wollte und hinterlässt zudem Verwandte, die sich um ihn sorgen.

Das Falsche aus den richtigen Gründen tun

Daneben stellt sich für Jen und Judy auch die Frage, inwieweit sie nach den Geschehnissen wieder etwas Glück und Normalität in ihren Leben verdienen und überhaupt erreichen können. Judy lernt bei ihrem Job im Pflegeheim die Köchin Michelle (neu im Cast: Natalie Morales; Santa Clarita Diet) kennen und verliebt sich zunehmend in diese, die jedoch eine gemeinsame Vergangenheit mit Detective Perez hat.

Noch komplizierter wird es für Jen, die nach und nach Gefühle für Ben entwickelt, der das Gesicht des Mannes trägt, den sie auf dem Gewissen hat. Im Gegensatz zu seinem Bruder scheint Ben jedoch ein guter Mensch zu sein und sowohl aus Mitleid wie auch aus Schuldgefühlen heraus steht Jen ihm und seiner Familie nun unterstützend zur Seite. Fast noch mehr als Judy in der ersten Staffel, gerät Jen nun in die emotionale Extremsituation zwischen Schuld und dem Wunsch von Wiedergutmachung, sodass auch Zuschauer hin- und hergerissen sind, zwischen Sympathie für Jen und ihrem Wunsch das Richtige zu tun und der Einsicht, wie moralisch falsch vieles davon ist.

Weinen, Wein und Lachen

Gerade diese emotionalen Extremsituationen, in der sich die beiden Protagonistinnen befinden, sorgen dabei auch für diverse tränenreiche Gefühlsausbrüche, die mal alleine, mal mit gegenseitiger Unterstützung oder auch unter dem Einsatz von reichlich Alkohol überwunden und besonders von den Hauptdarstellerinnen Christina Applegate und Linda Cardellini überzeugend und bewegend vermittelt werden. In der Waage gehalten wird das durch die schon erwähnten Spannungselemente der immer wieder verzwickter werdenden Lage um Steves Tod, aber auch durch einen erleichternden Anteil Humor. Dieser äußert sich themenbedingt meist durch bitterböse Ironie, aber auch durch Elemente wie etwas Slapstick, die homogen in die Handlung eingearbeitet werden.

Fazit

Ich mag Dead to Me. Im inzwischen ja schon längst unüberblickbaren Meer an neuen Serien und Staffeln, die wöchentlich auf einen einprasseln, ist die Serie wahrscheinlich kein Must-see-Titel, gefällt mir aber besonders durch die Gefühlsachterbahn zwischen Mitfühlen, Humor und Spannung. Der einzige Kritikpunkt, den ich anmerken könnte, wäre, dass die Frequenz an tränenreichen Zusammenbrüchen mir in dieser Staffel etwas hoch vorkam. Zwar sind diese handlungstechnisch nachvollziehbar, jedoch steigt bei zu häufigem Einsatz die Gefahr, dass sich der Effekt abnutzt und in Richtung Kitsch abrutscht. Dem Ende von Staffel 2 nach scheint von Macherseite aus noch ausreichend Stoff für eine dritte da zu sein und ich hoffe, dass diese kommen wird. Jedoch bleibt noch abzuwarten, ob sich der cäsarische Netflix-Daumen dafür hebt oder senkt.

© Netflix

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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