Dead To Me (Staffel 1)

Lesezeit: 5 Minuten

Kombiniert man Comedy und Drama, kommt dabei eine Dramedy raus, aber was ist es, wenn auch noch Crime mit dazu kommt? Cramedy? Dead to Me von Serienschöpferin Liz Feldman (zuvor produzierend an 2 Broke Girls beteiligt) will seit Mai 2019 ziemlich viel von den Netflix-Zuschauern. Neben viel zum Lachen, zum Weinen und einem aufzulösenden Todesfall, widmen sich die 10 Folgen auch noch Themen wie Trauerbewältigung, Freundschaft und Selbstbestimmung. An Inhalten wird also nicht gespart.

   

Jen Harding geht es ziemlich scheiße. Verständlich, denn vor kurzem wurde ihr Ehemann bei einem Autounfall mit Fahrerflucht getötet. Dementsprechend muss sie nicht nur selbst lernen, mit dem Verlust umzugehen, sondern sich auch intensiver um ihre beiden ebenfalls trauernden Söhne Charlie und Henry und deren Erziehung kümmern, für die zuvor hauptsächlich ihr Ehemann verantwortlich war. Ihren Job als Immobilienmaklerin muss sie ebenfalls weiterverfolgen, um eben Geld für Haus und Kinder zusammenzubekommen. Dass derjenige, der ihren Mann auf dem Gewissen hat, weiterhin auf freiem Fuß ist, hilft ebenfalls nicht weiter, da sie nicht so recht weiß wohin mit der Schuld für ihren Schmerz und dem gleichfalls vorhandenen Zorn. Gegen ihr besseres Urteil besucht Jen eine dieser seichten Selbsthilfegruppen, um mit all dem umzugehen und trifft dort auf die ebenfalls um ihren Ehemann trauernde Judy. Da diese Jen normal und nicht wie ein hilfsbedürftiges, rohes Ei behandelt, freundet sie sich schnell mit ihr an und macht ihr wenig später sogar das Angebot, bei ihr und den Kindern einzuziehen. Doch Judy ist nicht diejenige, für die sie sich ausgibt. Weder ist ihr Mann tot, noch ist ihr Treffen mit Jen ein Zufall.

Gewagter Genre-Mix

Originaltitel Dead To Me (Season 1)
Jahr 2019
Land USA
Episoden 10 in Staffel 1
Genre Drama, Komödie, Krimi
Cast Jen Harding: Christina Applegate
Judy Hale: Linda Cardellini
Steve Wood: James Marsden
Christopher Doyle: Max Jenkins
Charlie Harding: Sam McCarthy
Henry Harding: Luke Roessler
Nick Prager: Brandon Scott
Pastor Wayne: Keong Sim

Wie eingangs erwähnt, ist Dead to Me eine ziemlich wilde Mischung. Neben der eh schon ambivalenten Kombination aus Tragik und Komik kommen auch noch Krimielemente mit dazu. Aber eines nach dem anderen: Für komische Momente sorgt meist Jens sehr kurze Zündschnur, ehe sie genervt jemanden explosionsartig zusammenscheißt, Sachschäden verursacht oder auch einfach mal zuschlägt. Die sehr esoterisch veranlagte und um Ausgleich bemühte Judy bietet dazu einen schön kontrastierenden Gegenpol. Genauso schnell bleibt einem jedoch auch das Lachen im Halse stecken. Wenn Jen vor ihren Kindern eine Maske der Stärke aufsetzt und versucht, sich nichts anmerken zu lassen und sie in der nächsten Szene abends in der Toilette eingeschlossen zusammenbricht, dann ist der Anblick, wie sie auf der Kloschüssel sitzend in ein Kissen hineinweint und mit einer Hand versucht dabei auch noch Toilettenpapier abzurollen im ersten Moment sehr komisch. Sofort regt sich dabei aber auch das Mitleid und lässt einen als Zuschauer emotional einen Irren Iwan vollführen. Derartige Wechsel ins Ernste gibt es bei den schicksalsgeplagten Protagonistinnen einige (so täuscht Judy zwar den Tod ihres Mannes vor, hat aber mit diesem diverse Fehlgeburten erlitten, was zur Trennung geführt hat), sodass ein Lachen immer mit Vorsicht zu genießen ist.

Detective Harding

Hinzu kommen einige Krimielemente, denn zu Anfang steht der Tod von Jens Ehemann und wie dieser sich genau ereignet hat, ist in den Details erst einmal unklar. Jen selbst schlüpft dabei teilweise in die Rolle der ermittelnden Detektivin und wird später auch noch vom suspendierten Polizisten Nick unterstützt, da die frustrierend phlegmatische Ermittlerin, die eigentlich mit dem Fall betraut ist, lange Zeit keine Ergebnisse liefert. Die Geschichte folgt dabei klassischen Krimischemata mit offenen Fragen, Hinweisen, Teilaufdeckungen und falschen Fährten, bei denen sich auch letztlich unter den Hauptfiguren mindestens Mitschuldige am Tod von Jens Ehemann finden, sodass auch Sympathien für manche Figuren sehr schnell kippen können. Die Krimielemente sorgen zusätzlich zu den komischen und tragischen Momenten also auch noch für sehr viel Spannung. Die Frage dabei ist vielleicht, ob die Serie damit nicht etwas zu viel will und erzählerisch so überambitioniert ist, dass am Ende einfach nur ein überfrachtetes Chaos herauskommt. Die Antwort ist glücklicherweise ein Nein. Dead to Me läuft auf einer sehr, sehr dünnen Linie, aber schafft es tatsächlich eine ausbalancierte, wenn auch sehr schwer beladene Handlung zu bieten, welche die Zuschauer mitreißen kann.

Die Applegate & Cardellini-Show

Dass dies gelingt, liegt zum großen Teil an den beiden Hauptdarstellerinnen. Das Publikum zum Lachen oder zum Weinen zu bringen erfordert in jeder Kunstform einiges an Können und beides zu schaffen, erfordert in der Schauspielkunst ein Spektrum, das nicht jeder bieten kann. Jen-Darstellerin Christina Applegate ist eigentlich bekannt dafür, das mit dem Lachen sehr gut zu beherrschen, da sie schon diverse Male in Sitcoms Hauptrollen übernommen hat (Eine schrecklich nette Familie, Jesse, Samantha Who?). Umso beeindruckender ist das Arsenal an offen dargestellten tragischen Emotionen, die sie in überzeugender Intensität anbietet. Sehr viel subtiler aber nicht minder eindrucksvoll ist Linda Cardellini (Avengers: Endgame). Da ihre Rolle Judy viel zu verbergen hat, werden Emotionen nur unter der Oberfläche anhand von Blicken, Mienenspiel und Gestik gezeigt und bleiben erahnbar. Besonders der Kontrast von offener Liebenswürdigkeit und dem inneren Kampf darunter machen Figur und Darstellung extrem packend. Ein weiterer bekannter Name im Cast ist zudem James Marsden (Westworld), der die Rolle von Judys Sonnyboy-haftem Ex-Mann Steve übernimmt. Mit der schauspielerischen Intensität der beiden Hautpdarstellerinnen kann er auch rollenbedingt nicht mithalten, darf aber ebenfalls einige (auch sehr komische) Facetten zeigen.

Fazit

So richtig war die Serie eigentlich gar nicht auf meiner To-watch-Liste, was wahrscheinlich an dem eher schwer bekömmlichen Hauptthema Trauer liegt. Na ja, reingucken kann ich mal, dachte ich und dann war es wieder eins dieser Erlebnisse positiver Überraschung, die man aus Versehen in einem Rutsch durchguckt. Dead to Me nimmt einen auf eine ziemliche Achterbahnfahrt der Gefühle mit, ohne dabei in irgendeine Form von stereotypem Emo-Kitsch zu verfallen (besonders Jen wirkt immer wieder mit einem recht starken Rollenbewusstsein dem Klischee der emotionalen und irrationalen Frau entgegen). Eine zweite Staffel ist von Netflix bereits in Auftrag gegeben und interessant dürfte dabei besonders werden, wie sich die Dynamik zwischen den Figuren verändert. Da Jen ja, nachdem Judy ihr gestanden hat, für den Tod ihres Ehemanns verantwortlich zu sein, diese verstoßen hat, und Jen jetzt aber quasi im Gegenzug Steve auf dem Gewissen hat, ist die Ausgangslage in Staffel 2 eigentlich recht ähnlich. Wie Jen und Judy aber dann miteinander umgehen, dürfte interessant werden. Irgendwie eine sehr schöne, aber auch sehr kaputte, verkorkste Freundschaft

© Netflix

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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