Cells at Work!

Lesezeit: 5 Minuten

Soll einer noch mal sagen, dass Animes nicht weiterbilden können! In Cells at Work, welches auf dem gleichnamigen Debüt-Manga von Akane Shimizu basiert, lernt der Zuschauer, was unser Immunsystem den lieben langen Tag zu leisten hat. Dabei geht es mitunter sehr blutig zu und das nicht nur, weil unsere Freunde – die roten Blutkörperchen – fleißig ihren Job machen. Zum Ausgleich gibt es viel zu lachen, womit der Anime von Studio David Production (JoJo’s Bizarre Adventure) einen unterhaltsamen Spagat schafft. Wer Lust bekommen hat, kann auf dem deutschen Streamingdienst Wakanim in die Arbeitswelt der anthropomorphen Zellen eintauchen.

Sie haben nie Urlaub und trotzdem machen sie ihren Job gerne: Unsere Zellen. Im gesamten Körper arbeiten ca. 37,2 Billionen von ihnen daran, dass der Körper gesund bleibt. Dabei geht es oft stressig zu, denn Sauerstoff muss von A nach B gebracht und Viren müssen rausgeworfen werden. Schließlich haben die hier nichts zu suchen. AE3803 ist ein Neuling im Geschäft der roten Blutkörperchen. Sie hat ein großes Problem, sie verläuft sich nämlich ständig beim Transport ihres Sauerstoffes. Als sie bei einer ihrer Touren von einem Virus angegriffen wird, rettet das weiße Blutkörperchen U-1146 sie. Seit diesem Treffen begegnen sich die beiden immer wieder und erleben neue Abenteuer.

Zellen über Zellen

Cells at Work! behandelt in fast jeder Folge ein anderes Thema. Ob es nun eine Influenza ist, eine Allergie oder ein simpler Kratzer auf der Haut, bei dem Blut fließt, der Zuschauer erfährt hier von den alltäglichen Problemen des menschlichen Körpers. Neben verschiedenen Orten lernen wir auch andere bekannte oder weniger bekannte Zellen kennen. Dabei wird es nicht langweilig, denn auch diese haben ihre Eigenheiten und Macken. Die Killer T-Zellen sind zum Beispiel ein Trupp Muskelberge in schwarzen Arbeitsklamotten, die fast jedem aggressiv gegenüber stehen. Kein Wunder, da sie schließlich die Sondereinheit des Körpers sind was die Bekämpfung von Fremdkörpern angeht! Besonders niedlich sind die Blutplättchen, die wegen ihrer geringen Zellgröße als Vorschulkinder dargestellt werden. Da sind nicht nur die Figuren des Animes entzückt, sondern auch jeder, der zuschaut. Da es zu den einzelnen Zellarten viel zu wissen gibt, werden die Eckpunkte bei jedem erneuten Auftauchen noch einmal erzählt. Das kann nervig werden, aber das Ganze ist immer schnell vorbei.

Roter (Blut-)Faden

Originaltitel Hataraku Saibou
Jahr 2018
Episoden 13 (1 Staffel)
Genre Comedy
Regisseur Kenichi Suzuki
Studio David Production

Damit es trotz der Vielfalt eine Konstante gibt, begleiten wir regelmäßig die rote Blutzelle AE3803, wie sie durch den Körper irrt. Als kleiner roter Faden gilt es dieses Orientierungsproblem zu lösen, denn sie kann ja nicht ewig auf andere angewiesen sein. Während AE3803 hart an sich arbeitet, verändert sich auch das Verhalten der weißen Blutzelle U-1146. Zu Beginn ist dieser sehr wortkarg und unserer roten Freundin gegenüber eher abweisend, wenn diese nicht in Gefahr ist. Doch nimmt er sich nach und nach seiner Kollegin in Rot an und hilft ihr, wo er nur kann. Es entsteht eine nett anzuschauende Beziehung zwischen den beiden Sympathieträgern.

Lachen hält gesund

Das Wissensvermittlung Spaß machen kann, beweist Cells at Work mit Bravour. Nicht nur die Irrungen der roten Blutzelle zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, sondern auch andere Ereignisse. Geschickt sind hier humorvolle Szenen eingebaut, die dabei gerne auf Eigenschaften der Zellen zurückgehen. Die Rezeptoren der weißen Zellen sind zum Beispiel keine Hightech-Geräte, sondern Holzschilder, die am Hut befestigt sind und sich aufrichten, sobald ein bösartiger Fremdkörper in der Nähe ist. Für Spannung ist auch gesorgt, denn die Bekämpfung von Viren, Bakterien und Krebszellen hat oberste Priorität. Da müssen alle einmal mit anpacken, um den Körper gesund zu halten. Hier gibt es dann auch immer wieder die eine oder andere Überraschung: Wer hätte hinter den Monozyten im Ganzkörperschutzanzug die Makrophagen vermutet, die außerhalb der Blutbahnen im Maidoutfit für die Bekämpfung von Viren und Sauberhaltung des Körpers zuständig sind?  Außerdem gerät der menschliche Körper hier und da an seine Grenzen, weswegen die moderne Medizin eingreifen muss.

Kreativität kennt keine Grenzen

Da die Zellen das Aussehen von Menschen haben, wird auch der Rest des Körpers dazu passend dargestellt. Zellen wohnen in Häuserblocks, die Tränendrüsen sind Stauseen und die Blutbahnen sind unterschiedlich große Straßen. Auch hier wurden Eigenheiten des Körpers kreativ umgesetzt, denn wer hätte sich ein Herz jemals als große Tempelanlage vorgestellt? Da bekommt das Trommelschlagen gleich eine ganz andere Bedeutung! Es macht sehr viel Spaß hier auch auf Tuchfühlung zu gehen, denn es gibt eine Menge im Hintergrund zu erkennen. Wem sind zum Beispiel die Salzkisten aufgefallen oder die Reparaturschilder der Blutplättchen? Die älteren Semester unter uns werden sich vielleicht noch an die französische Zeichentrickserie aus dem Jahr 1987 erinnern, die Es war einmal… das Leben heißt. Auch dort wurde auf kreative Art erzählt, was im Körper für Vorgänge ablaufen. Jedoch kann mit gutem Gewissen gesagt werden, dass Cells at Work! keine Kopie dessen, sondern ein eigenständiges Werk ist, das sich gerade mit seinem japanischen Charme (hier wird gerne einmal Tee getrunken) einen eigenen Platz gesichert hat.

Die fleißigen Arbeiter hinter der Serie

Produziert wurde die Serie von David Production, welches eine sehr solide Leistung abgeliefert hat. Die Kämpfe sind flüssig animiert und besonders die lustigen Szenen sind abwechslungsreich gestaltet. Was aber auffällt, ist der Einsatz von CGI bei einer großen Ansammlung von Figuren, wie zum Beispiel bei der Wanderung der roten Blutzellen. Auf dem Regiestuhl nahm Kenichi Suzuki (Drifters) Platz, der dafür sorgte, dass die Umsetzung so nah wie möglich an ihrer Vorlage blieb. Dass Fans des Mangas sich sofort wohlfühlten, liegt unter anderem daran, dass die Figuren eins zu eins von Kenta Mimuro (Thus Spoke Kishibe Rohan) umgesetzt wurden. Der dezente aber passende Soundtrack stammt von Kenichiro Suehiro, der sich durch seine Arbeit an Re:ZERO -Starting Life in Another World- einen Namen in der Branche machte. Ein besonderes Highlight ist das lustige Opening, das von den Sprechern der Serie gesungen wird und “Mission! Ken・Kou・Dai・Ichi“ heißt. Das süße Ending “CheerS” wird vom Duo ClariS gesungen und zeigt unsere rote Blutzelle beim Transport von CO2. Optisch vielleicht etwas zu eintönig, aber der Song sorgt dafür, dass man trotzdem dran bleibt.

Ich will nie wieder krank werden! Als ich mich letztens erst gekratzt habe und es geblutet hat, war mein erster Gedanke, dass ich gerade meine fleißigen Arbeiter verliere. So nahe hat mir die Serie meine Helfer gebracht. Ich glaube, dass es vielen so gehen wird, denn die Figuren sind dermaßen liebenswürdig gestaltet. Man kann ihnen stundenlang bei der Arbeit zuschauen und es wird nie langweilig. Was mir neben dem tollen Humor besonders gefällt ist, wie hier Wissen vermittelt wird. Es macht einfach viel Spaß und ich konnte einiges Neues lernen (bzw. es wurde einiges wieder aufgefrischt, da meine letzte Biologiestunde doch schon ein wenig her ist). AE3803 habe ich sehr ins Herz geschlossen und ich liebe die Folge, in der sie beschließt, ihre Tour ohne Verlaufen zu schaffen. Wenn ich mir aber anschaue, wie es durch Herz und Lunge geht, kann ich verstehen, wenn sie da verwirrt ist. Gut, dass U-1146 ein wachsames Auge auf sie wirft. Allgemein ist es nett anzuschauen, wie die beiden sich im Laufe der Serie weiterentwickeln. So wirft die weiße Blutzelle immer wieder einen Blick auf seine rote Partnerin, was er zu Anfang nicht gemacht hat. Purer Zucker ist die Episode in der gezeigt wird, wie Blutzellen gebildet werden. Gott, sind die Kleinen niedlich und dann erst der Bommel auf der Mütze der roten Blutzellen. Ich steh ja total auf Kopfbedeckungen und ich bin sehr entzückt, dass hier fast alle welche haben. Für Spannung ist auch gesorgt, dann es ist nicht immer klar, wie der Kampf gegen eine neue Bedrohung gewonnen werden kann. Gerade für das Finale haben die Macher sich für ein spannendes Thema entschieden, welches perfekt zur Entwicklung der roten Blutzelle passt. Optisch sagt mir Cells at Work! auch sehr zu und ich liebe das Opening. Ich würde mich wirklich über weitere Abenteuer freuen und hoffe, dass es die Serie hierzulande noch zu einer Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray bringt.

©David Production

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 3
  •  
  •  

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Iruka
Mitglied
Iruka

Meine ersten Gedanken nach dem Anschauen: Bloß keine Erkältung/Allergie mehr und erst recht keine Verletzungen. Letzeres habe ich mir natürlich prompt geholt. Meine armen kleinen Blutzellen 🙁 Es reicht eine Folge, ach was, fünf Minuten und schon hatte ich sie ins Herz geschlossen. Am liebsten hätte ich AE3803 persönlich zum Ziel gebracht, aber bei meinen (nicht vorhandenen) Orientierungssinn wäre das keine gute Idee. Die weiße Blutzelle U-1146 wirkt am Anfang etwas kühl, aber mit der Zeit taut sie auf und erledigt noch mehr als nur Eindringlinge abzustechen.
Hut ab für die Gestaltung des menschlichen Körpers: Riesige Rohre für das Histamin, Raketen für Entsorgung der Keime durch die Nase oder das Herz als Tempel mit riesiger Glocke. Hier haben sich kreative Köpfe richtig toll ausgetobt. Ich würde mich riesig freuen, wenn es noch ein paar Folgen mehr geben würde.

Ayres
Redakteur

Liest sich interessant und ich habe während der Ausstrahlung auch eine Menge Positives über die Serie gehört. Obwohl ich den Education-Charakter ja mag, spricht sie mich leider nicht ab. Das war auch damals schon mit “Es war einmal… das Leben” so, obwohl ich die Idee dahinter klasse finde. Hier springe ich dann tatsächlich nicht auf ein animiertes Format an, wenn es darum geht, zu lernen.

Alva Sangai
Redakteur

Muss die Serie noch zu Ende schauen, aber ist jetzt schon einer meiner Favoriten aus diesem Jahr <3 Würde es auch auf Blu-ray kommen, würde ich es mir holen.

Sapamo
Redakteur

Für mich gehört Cells at Work! jetzt auch zu einer meiner Lieblingsserien. Es ist beeindruckend wie viel die Zellen und Blutkörperchen leisten und das rund um die Uhr. Vor allem machen sie einiges durch, wenn man mal sieht das Erdbeben und Stürme regelmäßig kommen. Allein die Vorstellung das sich diese ganze Welt in einem menschlichen Körper befindet ist der Wahnsinn und wenn alles gut läuft ist es ja auch sehr schön, mit Häusern, Spielplätzen, Flüssen und schönen Brücken. Mir hat auch gut gefallen das man alles nur von innen sieht, also den Menschen für den gearbeitet wird bekommt man von außen nie gezeigt sondern nur erklärt was er für Beschwerden hat (oder soweit das man es sich denken kann). Ich fande viele Charaktere süß, vor allem natürlich AE3803, die man von Anfang an begleitet und mit ihr gemeinsam alles kennen lernt. Mich persönlich hat die Folge mit den Allergien sehr interessiert, da ich selbst Heuschnupfen habe. Es ist schon beängstigend wenn man sieht was im eigenen Kopf passiert wenn einem die Augen tränen und beim Niesen Raketen abgeschossen werden. Die kleinen Blutplättchen waren auch so niedlich wie sie als Kindergartengruppe durch die Gegend laufen. Ich würde mich sehr freuen wenn es da noch weiteres geben würde.