Brain Freeze

Wie viele Zombie-Filme habt ihr in den letzten Jahren gesehen? … Aha, das klingt nach einer stattlichen Anzahl. Und bei wie vielen habt ihr euch gedacht, dass ihr den Plot doch schon mindestens in fünf anderen Filmen erlebt habt? … Oh, das hört sich nach einer ganzen Menge an. Stimmt: Es ist nicht leicht, wenn ein Zombie-Titel aus der Masse hervorstechen soll. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch, der Markt selbst aber regelrecht übersättigt. Nicht falsch verstehen: Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Aber es darf schon mehr sein als immer wieder derselbe ausgelutschte Standard-Plot ohne würzige Extras. Ein Wunsch, den Brain Freeze von Julien Knafo leider unerfüllt lässt. Seine deutsche Premiere feierte der Film auf dem Fantasy Filmfest 2021.

 

Eine reiche Insel vor dem kanadischen Quebec: Damit die High Society auch im Winter Golf spielen kann, wird kurzerhand ein zugeschneiter Golfplatz mittels Dünger-Einsatz von dem Schnee freigesetzt. Hurra, die teuren Golfschläger können wieder geschwungen werden! Es kommt, wie es kommen muss: Die giftgrüne Chemikalie gelangt ins Wasser und macht aus den Inselbewohner:innen Zombies. Als das Festland kurz darauf auch noch abgeriegelt wird, hat der Teenager André (Iani Bédard) mehr als nur ein Problem …

Grüne Zombies sind keine Vegetarier

Originaltitel Brain Freeze
Jahr 2021
Land Kanada
Genre Horror, Komödie
Regie Julien Knafo
Cast Dan: Roy Dupuis
André: Iani Bédard
Annie: Claire Ledru
Patricia: Marianne Fortier
Josée: Anne-Élisabeth Bossé
Laufzeit 91 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2021

Brain Freeze ist per Definition eine Zombie-Komödie, wie man sie zuhauf kennt. Regisseur Julien Knafo geht es allerdings um mehr: Er möchte gesellschaftskritische Töne anschlagen. Ob eine Zombie-Komödie dafür nun die richtige Plattform ist? Darüber lässt sich streiten, so löblich sein Vorhaben auch ist. Denn jene Gesellschaftskritik, die bereits aus dem Plot herauszulesen ist, ist auch das Allererste, was nach wenigen Minuten wieder verpufft. Zombies und Konsumentenkritik bilden nun wahrlich keine neue Partnerschaft. Den Weg schlug bereits 1978 (!) Zombie – Dawn of the Dead ein und die Idee wurde über die Dekaden hinweg weitererzählt, nur in jeweils anderen Ausprägungen. Zombie-Komödien wie Yummy etwa bedienen sich an dem Motiv des Menschen, der permanent Geld in Selbstoptimierung steckt. Auch eine Form ungezügelten Konsums. Was macht Brain Freeze also nun anders? Die kurze und knappe Antwort: nichts. Okay, diese Zombies sind grün. Aber es sind immer noch Zombies.

Schema-F Zombies in … grün

Wie so üblich wird eine kleine Gruppe Überlebender zusammengestellt, die sich ihren Weg durch die Apokalypse bahnt. In diesem Fall sind das der Teenager André, dessen Schwester im Baby-Alter und ein Security-Mitarbeiter. Wohl eine der selteneren Survivor-Konstellationen, einen inhaltlichen Unterschied macht das allerdings nicht. Denn der Rest funktioniert ganz nach dem bekannten Schema F: Die Survivor stolpern von Szenario A nach Szenario B, sind auf der Flucht, eine Army will direkt mal die ganze Insel auslöschen und sorgt damit für zusätzliche Fallhöhe. Wobei letzterer Begriff auch in Anführungszeichen stehen könnte, denn so wirklich dramatisch wird es nicht. Dafür bewegt sich die Handlung viel zu sehr im breiten Durchschnitt und das Schicksal der Überlebenden erzielt nie so wirklich wahrhaftes Interesse.

Mittelmäßig als Komödie, arm an Innovation

Ein kleiner Vorteil des Films: Brain Freeze nimmt sich kaum ernst und es gibt einige Gags und schwarzhumorige Momente. Nicht alle sitzen, aber doch einige. Wem das alleine genügt, für den ist die kanadische Produktion vielleicht noch einen Blick wert. Darüber hinaus besteht die größte Innovation daraus, dass die Infizierten mit einer Art Pflanze zusammenwachsen. Schließlich handelt es sich ja um Dünger. Gewinnt aber keinen Blumentopf. Vormachen braucht man sich nichts: Das reicht nicht aus, um Brain Freeze als ernsthaften Genre-Wettbewerber zu platzieren. Dafür mäandert die Geschichte auch viel zu stark herum, als dass so etwas wie Thrill entsteht.

Fazit

Das Zombie-Genre ist so einfach wie schwierig zu bedienen: Welchen Mehrwert möchte man einem übersättigten Publikum mitgeben? Was soll gezeigt werden, was nicht schon x-fach (besser) erzählt wurde? Brain Freeze besitzt wenig eigene Ideen und malt lieber existierende Schablonen aus. Das kann man machen, aber einen nachhaltigen Eindruck beim Publikum hinterlässt das nicht. Brain Freeze fällt leider auch nicht in die “so gut, dass es schon wieder schlecht ist”-Schiene. Nie wirklich gut, aber auch auch nicht abgrundtief schlecht. Ein weiterer generischer Eintrag, bei dem wir prognostizieren, dass allenfalls das süße Baby so wirklich in Erinnerung bleibt. Wenn überhaupt.

© Lighthouse Entertainment

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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