Yummy

Was für viele Frauen ein Wunsch ist, ist für Alison (Maaike Neuville, 24 Hours – Two Sides Of Crime) eine Qual: Zu große Brüste. Also ab zum Schönheits-Doc, der in Osteuropa wesentlich günstiger ist. Und wo Körperkultur und die Optimierung einzelner Körperteile so schön im Vordergrund stehen, bietet sich auch der ideale Nährboden, um dort doch einfach mal eine Zombie-Seuche ausbrechen zu lassen. Regisseur Lars Damoiseaux inszenierte mit Yummy den allerersten belgischen Zombie-Film. Gespickt mit tiefschwarzem Humor, viel Blut und ganz vielen satirischen Spitzen auf unsere Gesellschaft, macht es sich die Horror-Komödie auf die Fahne geschrieben, sein Kino-Publikum ab dem 23. Juli 2020 zu erobern. Zuvor gab es einen Abstecher auf die Fantasy Filmfest Nights 2020, wo der Film den spaßigsten Beitrag des Festivals darstellte. Hier wird gesplattert!

   

Alisons Oberweite ist beachtlich. Eigentlich steht jeder darauf, sowohl in der Öffentlichkeit als auch ihr Freund Michael (Bart Hollanders, Callboys). Aber für Alison steht fest: Die Dinger müssen kleiner werden, ein B-Körbchen und das zu einem möglichst geringen Preis. Mit Freund und Mutter geht es gemeinsam in eine Klinik, irgendwo in Osteuropa. Denn auch die eitle Mutter Sylvie (Annick Christiaens, Please Love me Forever) plant ein Gesichts- und Körperlifting. Dort ist schnell zu bemerken: Von EU-Standards ist diese Einrichtung weit entfernt und so ist sich Alison selbst kurz vor der Behandlung unsicher, ob das Klinik-Personal ihren Wunsch überhaupt verstanden hat. Derweil entdeckt Michael, dass Untergeschoss des Gebäudes Versuche an Menschen durchgeführt werden. Doch bevor er Alarm schlagen kann, ist es schon zu spät …

Betont geschmacklos

Originaltitel Yummy
Jahr 2019
Land Belgien
Genre Horror, Komödie
Regie Lars Damoiseaux
Cast Alison: Maaike Neuville
Michael: Bart Hollanders
Daniel: Benjamin Ramon
Janja: Clara Cleymans
Sylvia: Annick Christiaens
Dr. K: Eric Godon
Laufzeit 88 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 23. Oktober 2020

Mit Zombie-Filmen verhält es sich oftmals gleichermaßen: Für alles zu haben, für nichts zu gebrauchen. Ob man den Beißern noch etwas abgewinnen kann, hängt meist von den Umständen ab. Nach Zombies in der Kneipe (Shaun of the Dead), Zombies im Büro (Mayhem) und Zombies im Zug (Time to Busan) geht es dieses Mal in eine Schönheitsklinik. Hier tummeln sich nicht nur (erwünschte) Klischees, sondern auch jede Menge Steilvorlagen für fiesen Schabernack. Denn trotz aller Horror-Anleihen ist Yummy im Kern eine Komödie, die sich eines vielseitigen Umfelds bedient. Bei einem Film, der von Fans teilweise per Crowdfunding-Kampagne finanziert wurde, darf man aber auch genau das erwarten: Nähe zu Zuschauern durch politisch-inkorrektes Verhalten.

Schauplatz mit endlosem Kreativpotenzial

Und was für ein Spielraum sich eröffnet: Werkzeuge, Prothesen, Drogen, Betäubungsmittel. Die Schönheitsklinik hat alles zu bieten, was sich zu Erforschung (oder Verstümmelung) eignet. Da sich die Handlung ab der ersten Sekunde nicht ernst nimmt, dürfte es kaum überraschen, dass es hier richtig splattert: Eingeweide werden zweckentfremdet und es gibt den vermutlich kreativsten Einsatz einer Penis-Prothese in der Filmgeschichte. Das Blut fliegt hier geradezu durch die Gegend. Im Gegensatz zu vielen US-Produktionen bleibt aber eben alles zynisch-augenzwinkernd und driftet nicht in Pathos ab. Wenn der Drama-Pegel aufgedreht wird, dann immer als Referenz auf andere Streifen. Lars Damoiseaux besitzt ein überaus gutes Gespür dafür, welchen Anspruch Fans an das Genre haben, und bedient diesen mit originellen Toden und kreativen Szenen.

Sympathisches Trash-Figurenkabinett

Die Geschichte bietet derweil wenig Beeindruckendes: Ein missglücktes Stammzellenexperiment, aber immerhin im Keller einer osteuropäischen Schönheitsklinik. Wo auch sonst? Soviel Abgedroschenheit darf sein, zumal diese sympathisch von allen beteiligten Darstellern getragen werden. Die schrulligen Charaktere lassen sich schnell ins Herz schließen, die guten wie die bösen. Das beginnt schon mit dem anreisenden Trio: Alison ist eine Sexbombe wider Willen, Sylvia eine eitle Nervensäge und Michael ein geborener Pechvogel, der das Unglück magisch anzuziehen scheint. Dazu kommt diverses Klinikpersonal, das immer auf den eigenen finanziellen Vorteil bedacht ist, sowie ein paar andere Patienten mit individuellen Wünschen und Wehwehchen. Sie alle boxen die Geschichte durch diverse Klischees rund um Sex, Body Horror und zwischenmenschliche Dramen. Aber auf eine angenehme Art und Weise, so dass nie der Eindruck entsteht, dass das Drehbuch sich in Längen verlaufen würde.

Fazit

Yummy ist eine herrlich alberne Blutschlacht, die die Grenzen des guten Geschmacks ignoriert und in Sachen Tempo und Witz mit verstreichender Laufzeit aufdreht. Hier wird in alle Richtungen geschossen: Sexismus, Schönheitswahn, profigeile Medizin, osteuropäische Standards, Teenagerschwangerschaften und Abteibungen, männliche wie weibliche Körperteile in Größe, Form und Detail. Mit dem hohen Verbrauch an Kunstblutkonserven macht Yummy seinem Namen alle Ehre und erweist sich als deftiger Partyspaß.

© Busch Media Group


Ab dem 23. Oktober 2020 im Handel erhältlich:

 

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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