Mortal Kombat Legends: Scorpion’s Revenge

Die 90er markierten die Hochphase des Beat’em ups. Nur wenige Reihen konnten sich über die Konsolen-Generationen hinweg am Leben halten. Dazu zählen etwa Street Fighter, Soul Calibur oder Dead or Alive. Das mit weitem Abstand brutalste aller Fighting Games ist aber die Mortal Kombat-Reihe, seit jeher ein Dorn im Auge der Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Medien (BPjM). Während sich Spieler an dem mittlerweile elften Hauptteil der Reihe erfreuen, reißt die Popularität nicht ab. 2021 soll Mortal Kombat unter Aquaman-Regisseur James Wan den Weg zurück auf die Kino-Leinwand finden. Als Apettitanreger dient da der von Ethan Spaulding (Son of Batman) inszenierte Zeichentrickfilm Mortal Kombat Legends: Scorpion’s Revenge, der digital am 14. April 2020 in den Download-Stores erschien und einen Monat später in den Handel kommt. Nicht die erste Wiedergeburt in gezeichneter Form, daher ist die Frage umso berechtigter, ob dabei endlich auch mal etwas Gutes zustande kommt. 

 

Hanzo Hasashi widerfährt ein schweres Los: Erst bringt der Söldner Sub-Zero seine Familie um, dann wird er ins grauenhafte Netherrealm verbannt. Allerdings stehen die Chancen nicht ganz so schlecht wie erwartet: Der teuflische Quan Chi ermöglicht ihm Rache, indem Hanzo sich ihm unterwirft. So wird er schließlich als Scorpion wiedergeboten. Derweil stellt der Donnergott Lord Raiden eine irdische Truppe aus Elite-Kämpfern zusammen. Dazu gehören die Offizierin Sonya Blade, der Shalon-Mönch Liu Kang und der Action-Star Johnny Cage. Sie sollen sich dem Mortal Kombat-Turnier stellen und gegen die Outworld-Gladiatoren von Shang Tsung gewinnen.

Fighting Game und Story?

Originaltitel Mortal Kombat Legends: Scorpion’s Revenge
Jahr 2020
Land USA
Genre Action
Regie Ethan Spaulding
Cast Scorpion: Patrick Seitz
Sonya Blade: Jennifer Carpenter
Johnny Cage: Joel McHale
Liu Kang: Jordan Rodrigues
Sub-Zero: Steve Blum
Shang Tsung: Artt Butler
Quan Chi: Darin De Paul
Kano: Robin Atkin Downes
Raiden: Raid B. Mitchell
Laufzeit 80 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 14. April 2020 (digital), 28. Mai 2020 (Blu-ray & DVD)

Viele Filme haben es (schlecht) vorgemacht: Die Geschichte eines Fighting Games dreht sich in der Regel um ein Turnier und das Drumherum besteht aus einer hauchdünnen Schicht an Vorwänden, um die Kämpfer ins Turnier zu bringen. Sonderlich anders ist das im Grunde genommen auch nicht in Mortal Kombat Legends: Scorpion’s Revenge, aber in Sachen Handlung ist die Reihe der Klassenprimus. Kenner der Spiele-Reihe wissen: Was insbesondere über die einzelnen Ableger hinweg erzählt wird, kann sich sehen lassen. Eine großangelegte Geschichte um verschiedene Reiche, die Leben und Tod übersteigt und mit einem ganzen Dutzend Figuren aufwartet. Das ist für manch einen sicherlich eine Überraschung, wird Mortal Kombat doch vornehmlich mit seinem hohen Gewaltpegel und den fies anzusehenden Fatalities in Verbindung gebracht. Der animierte Film schraubt da eine Spur herunter. Angesichts der Spielzeit von 80 Minuten eine nachvollziehbare Entscheidung. Und damit bringt die Produktion noch deutlich mehr Handlung unter als etwa die 1996 erschienene Zeichentrick-Serie Mortal Kombat: Defenders of the Realm, welche um jegliche Brutalität beraubt wurde, um für ein junges Publikum zu buhlen. Erfreulicherweise erzählt Scorpion’s Revenge nicht einfach nur nach: Die Handlung entpuppt sich als Mix aus bekannten Grundpfeilern und neuen Elementen, sodass selbst bei Kennern nicht das Gefühl entsteht, als würde man hier einfach die Geschichte recyceln.

Visuelle Zugehörigkeit: geklärt

Auf dem Papier sprechen die Fakten zunächst einmal gegen den Film: Die Kämpfe werden beinahe ohne Pause ausgetragen und wenn etwas die Action-Szenen auflockert, dann weniger Handlung, sondern eher die platten Witze des egozentrischen Johnny Cage. Allzu viel Mimik bringen die Recken nicht mit und ziehen dadurch im Vergleich zu anderen modernen Produktionen deutlich den Kürzeren. Auch der Soundtrack setzt keine Maßstäbe. Das bekannte Theme wiederholt sich immer wieder, was zwar ikonisch für die Reihe ist, sich irgendwann aber auch einfach mal abnutzt. Diese Punkte können allerdings als nebensächlich betrachtet werden. Denn es ist weder das Mimikspiel, noch ein epochaler Score, der hier auf der Liste der Erwartungen steht. Neben den schonungslosen Kämpfen und den bekannten Gesichtern mitsamt Signature-Moves dürfen sich Fans vor allem auf die ansehnlichen Backgrounds freuen, deren Ausleuchtung für räumliche Tiefe sorgt. Auch beim Animationsstil ist die Zugehörigkeit zu Warner Bros. erkennbar. Während viele Unternehmen vor allem versuchen, Pixar zu kopieren, konnte Warner Bros. einen ganz eigenen Stil etablieren, der vor allem durch die animierten DC-Titel der letzten Jahre getragen wurde.

Fatalities & X-Rays

Die deutsche FSK-Freigabe ab 18 Jahren kündigt es bereits an: Hier wird nicht nur ein bisschen geprügelt. Die Reihe ist seit jeher für ihre explizite Gewalt-Darstellung bekannt und diese wird in Scorpion’s Revenge auch gnadenlos ausgereizt. Das heißt: Ein Schlag in die Magengrube ist in der Regel mit einem langsamen Zoom auf das Mageninnere verbunden und bringt unter krachender Soundkulisse auch die entsprechenden Knochen zum Bersten. Sobald jemand ernsthafte Verletzungen erleidet, wird er automatisch per X-Ray Scan als Skelett dargestellt, damit die Zuschauer auf keinen Fall verpassen, welche Körperstelle zertrümmert wird. Das zieht sich durch den gesamten Film: Körper werden geteilt, Köpfe abgerissen und zu suchen, was hier nicht auseinander genommen wird, gestaltet sich ziemlich schwierig. Da der exorbitante Gewalt-Faktor für viele Spieler auch der Grund schlechthin ist, sich für die Reihe zu begeistern, sollte die Freude darüber groß sein, dass Scorpion’s Revenge ganz in der Tradition des Games steht. Wie kann eine FSK-Freigabe da überhaupt möglich sein? Die Antwort ist einfach: Die überdrehte Inszenierung macht deutlich, dass der Realismus-Faktor spürbar kurz gehalten ist. Dazu kommen reichlich Monster und Mutanten und in vorderster Reihe der vierarmige Goro.

Erfahrener US-Sprechercast

In der Original-Synchronisation dürfen sich Fans auf die Stimmen von Patrick Seitz (Alles steht Kopf) als Scorpion, Jennifer Carpenter (Brawl in Cell Block 99) als Sonya Blade, Joel McHale (Spider-Man 2) als Johnny Cage und Jordan Rodrigues (Lady Bird) in der Rolle des Liu Kang freuen. In weiteren Rollen: Steve Blum (Star Wars Rebels) als Sub-Zero, Artt Butler (Star Wars: The Clone Wars) als Shang Tsung, Darin De Paul (Overwatch) als Quan Chi, Robin Atkin Downes (Batman: The Killing Joke) als Kano und David B. Mitchell (Mortal Kombat 11) als Raiden. Aus dem Voice Cast ragt niemand besonders hervor, doch es kommt der Figur von Johnny Cage zu Gute, dass sein Sprecher Joel McHale einen Background als Comedian besitzt. Patrick Seitz, Steve Blum und Kevin Richardson waren allesamt bereits zuvor in den Stimmen ihrer Figuren zu hören, was ein wenig Tradition aufbaut.

Fazit

Bei einer rasant verfliegenden Laufzeit von 80 Minuten können auch Nicht-Kenner der Reihe eine kurzweilige Zeit mit Mortal Kombat Legends: Scorpion’s Revenge verbringen. In erster Linie ist der gezeichnete Film aber ein Geschenk für alle Fans der Reihe, die zum einen schon lange auf neues Bewegtbild-Material warten, zum anderen aber auch endlich ein Produkt erhalten, das der Reihe gerecht wird. Es bleibt zu hoffen, dass dies der Beginn einer neuen Filmreihe sein wird. Das Produktionsteam ließ bereits verlauten, dass die Lust auf mehr vorhanden ist. Nun liegt es an den Käufern, die Nachfrage auch entsprechend zum Ausdruck zu bringen.

© Warner Home Video


Ab dem 28. Mai 2020 im Handel erhältlich:

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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