Nachbericht zum 5. Berliner Obscura Filmfest

Lesezeit: 4 Minuten

Vom 18. bis 19. Oktober 2019 fand nun bereits zum fünften Mal das Obscura Filmfest in Berlin statt. Nachdem die dritte Hannover-Ausgabe im März stattfand, war nun also die Hauptstadt wieder an der Reihe, und so sollten sich über den Freitag und Samstag Zuschauer mit Faible für obskure Filmtitel und brandneuen Titeln aus den Bereichen Horror, Action und Fantasy in der Kulturbrauerei einfinden.

Ort des Geschehens war das Kino auf dem Gelände der Kulturbrauerei. Die zahlreichen Veranstaltungsposter, die das Foyer tapezierten, sorgten dafür, dass sozusagen kein Besucher nicht von der Veranstaltung erfahren sollte. In dem kleinen und überschaubaren, dafür umso gemütlicheren Saal 8 fanden sich schließlich etwa 20 Besucher für den Eröffnungsfilm ein. Die Begrüßung sowie die Anmoderation der einzelnen Filme nahm der Veranstalter und Organisator David Ghane vor, der mit viel Euphorie durch das Programm führte und dem anzumerken war, wie sehr er selbst für sein Lineup brennt. Zu dem dänischen Torture-Porn-Titel Finale hatte sich auch der Regisseur Søren Juul Petersen eingefunden, der auch gleich noch die beiden Hauptdarstellerinnen Anne Bergfeld und Karin Michelsen im Schlepptau mit sich brachte. Im Anschluss an den Film bekamen die Zuschauer die Gelegenheit, ihre Fragen an die Beteiligten loszuwerden. So verriet der Regisseur etwa, dass der Film auf einer in Dänemark populären Buchvorlage basiert, oder erklärte augenzwinkernd, dass Unterhaltung manchmal auf Kosten der Logik entstehen muss. Ein gelungener Auftaktfilm mit sympathischen Gästen!

Als zweiter und letzter Programmpunkt für den Freitag standen Kurzfilme auf dem Programm. Fünf „Intensive Shorts“ versprach das Programm, das erneut unter der Anwesenheit von Gästen stattfand. Für Wasters waren Regisseur Molotov Mitchell und Hauptdarstellerin Greer Mitchell aus den USA angereist, für das Mystery-Drama Antifeminist die Regisseurin Sofija Sztepanov mitsamt Hauptdarstellerin aus Ungarn. Damit war auch schon der Auftakt geschafft und entließ die Zuschauer in die Nacht, ehe es bereits Samstag Mittag weitergehen sollte.

Der Einstieg am Samstag um 11:30 Uhr fiel verglichen mit den restlichen Programm entspannt aus: Seine Europa-Premiere feierte der argentinische Thriller Respira: Transgenesis. Nicht unbedingt ein Film zum Wachwerden, dafür vor einem ernsthaften Hintergrund: Die Folgen für den Menschen durch den Einsatz chemischer Stoffe auf Soja-Plantagen, gebettet in einen Thriller-Plot. Der zuvor gezeigte zweiminütige Vorfilm America besteht aus einem einzigen Gag, der je nach Gemüt zündet oder eben nicht. Deutlich rasanter ging es im Anschluss mit Bullets of Justice weiter: Angekündigt als in Bulgarien und Kasachstan von einem bulgarischen Regisseur (Wrong Turn 6) mit mexikanischem Hauptdarsteller in russischer Sprache gedrehte Produktion, machte der Film seinem Titel alle Ehre. Der dystopische Actionthriller erwies sich als ultimativer Crowdpleaser, der wie geschaffen für ein Festival ist: Laut, explosiv und mit jeder Menge abgefahrenen Ideen. Ein Titel, der aufgrund seiner Verrücktheit noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Passenderweise wurde als Vorfilm der als Zenit Pigs betitelte Konzeptfilm gezeigt, der bereits einen ersten Einblick des kommenden Wahnsinns gab und dessen Übergang nahezu nahtlos erfolgte. Die beiden Folgestunden belegte auch an diesem Tag ein Kurzfilm-Slot. Gezeigt wurden 13 Filme aus den Kategorien Action, Horror und Fantasy. Wie bei allen Filmen des Obscura Filmfests hatte das Publikum im Anschluss die Möglichkeit, sein Urteil via Bewertungszettel zum Ausdruck zu bringen. Die höchste Punktzahl kassierte hierbei der britische Exploitation Horror-Shortie The Herd. Für Kontrastprogramm sorgte der darauffolgende Slot. Mit Valentine – The Dark Avenger kündigte sich Superhelden-Action aus Indonesien an. Letztlich weckt der Titel Erwartungen, die der Film so nicht halten konnte: Obwohl deutlich roher und brutaler als Marvel-Blockbuster, entpuppte sich der Streifen als Martial Arts-Vehikel mit verkleideter Hauptfigur. Zur Verteidigung muss gesagt werden, dass der Film tatsächlich auf einem Comic basiert, nur die Vermarktung deutlich auf ein Mitschwimmen im Avengers-Fahrwasser ausgerichtet ist. Übrigens handelte es sich dabei um die am besten besuchte Vorstellung.

Zwischenzeitig fand sich erneut ein Gast aus der Filmbranche ein: Der Filmemacher David Brückner und seine Crew fanden sich zur Teaser-Premiere seines kommenden Films Rapunzels Fluch ein. Bereits 2017 hatte er sein drittes Werk Paranormal Demons auf dem Obscura Filmfest vorgestellt. Zur Prime Time feierte ein weiter Action-Titel seine deutsche Premiere: Die italienische Produktion Ride versprach Extremsport, Dynamik und eine Style-Offensive, optisch wie akustisch. All jene Versprechen wurden eingehalten – nicht nur der kurzweiligste Titel der Veranstaltung, sondern wohl auch der massentauglichste. Der vorletzte Film war nicht nur eine deutsche, sondern gleich eine internationale Premiere: The Barge People gibt sich als überwiegend auf dem Wasser spielender Backwood-Slasher, dem allerdings wenig Neues einfällt und der mit müder Figurenzeichnung enttäuscht. Der als Vorfilm gezeigte Fake-Trailer Tables entpuppte sich als besonders kurios: fast zu interessant, um wahr zu sein. Den Abschluss bildete jener Film, der sich seinen Slot auf dem Obscura Filmfest wohl am meisten verdient hatte: Der japanische Mystery-Horror Mimicry Freaks ist ein geradezu obskures Projekt, das seine japanischen Elemente mit einem westlichen Approach kombiniert. Heraus kam dabei ein sperriger Titel, der mit seinem Start um 23:59 Uhr so manchem Zuschauer Schlaf ins Auge trieb. Dennoch wurde das weiterhin überschaubare Publikum anschließend mit viel obskurem und exotischen Input in die Nacht entlassen.

Unterm Strich konnte Finale mit deutlichem Vorsprung am besten bei den Zuschauern punkten. Das Obscura Filmfest glänzt nicht nur an beinahe intimer Atmosphäre (man kommt mit den anderen Zuschauern automatisch in Kontakt), auch die zahlreichen Verlosungen, bei denen mancher Gewinner gleich mehrfach abräumen konnte, sorgten für glückliche Besucher. Die humorvollen Anmoderationen des Organisators David Ghane verliehen dem Ganzen zusätzlich eine persönliche Note. Ohnehin aber erwies sich das Programm als äußerst vielseitig und kein Film ähnelte dem anderen, sodass vor allem Abwechslungsreichtum groß geschrieben wurde. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass sich ein hiesiger Publisher den einen oder anderen Titel zwecks Veröffentlichung schnappen wird und das Obscura Filmfest zukünftig weiter Zuschauer gewinnt, die sich für Genrefilme abseits der breiten Masse begeistern können. 2020 wird die Veranstaltung in die Verlängerung gehen: Das nächste Obscura Filmfest findet vom 28. Oktober bis 1. November 2020 in Hannover statt.

Besprechung aller Filme des 5. Obscura Filmfests:

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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