The Barge People

Lesezeit: 4 Minuten

Eine Kanalfahrt,  die ist lustig. Eine Kanalfahrt, die ist schön. Eigentlich tuckert das titelgebende Boot in The Barge People einfach nur über den britischen Kennet-und-Avon-Kanal. Auf die “People” kommt es an, denn erst dank denen nimmt das Unheil erst seinen Lauf. Regisseur Charlie Steeds (Labyrinthia) orientiert sich für seinen Bootstrip augenscheinlich an Klassikern wie The Hills Have Eyes und The Texas Chainsaw Massacre. Ohne dabei je deren Klasse zu erreichen. Denn gerade dann, wenn The Barge People so richtig aufdreht, wird es ärgerlich. Die deutsche Erstaufführung fand auf dem Obscura Filmfest 2019 statt.

 

Kat (Katie Davis-Speak, Winterskin) und ihr naturverbundener Freund Mark (Mark McKirdy, Electric Man) verbringen einen Wochenendtrip mit Kats Schwester Sophie (Natalie Martins) und deren Partner, dem Workoholic Ben (Matt Swales). Nach dem Tod der Eltern sind die Schwestern noch mehr zusammengewachsen und freuen sich schon lange auf die Tage auf dem Wasser. Doch wie sie feststellen müssen, sind ihre Partner einfach zu unterschiedlich, um miteinander klarzukommen. Kompliziert wird die Lage erst, als ihr Boot das einer einheimischen Gruppe streift. Doch das alles ist nichts gegen die Eindringlinge, die sie bei Nacht überraschen: Deformierte Gestalten übernehmen das Boot und haben Lust auf Menschenfleisch …

Backwater-Slasher

Originaltitel The Barge People
Jahr 2018
Land Großbritannien
Genre Horror
Regisseur Charlie Steeds
Cast Kat: Kate Davies-Speak
Mark: Mark McKirdy
Ben: Matt Swales
Sophie: Natalie Martins
Jade: Makenna Guyler
Ricky: Kane Surry
Laufzeit 98 Minuten

Die Grundzutaten kennt man: Eine gemischte Gruppe betritt ein Irgendwo-im-Nirgendwo, Ärger mit Einheimischen und dann erst rückt die eigentliche Gefahr an. Strukturell hangelt sich The Barge People an allen Backwood-Slashern der letzten Jahrzehnte ab und biedert sich dabei geradezu an. Frisch ist an dem Setting eigentlich nur eine Tatsache: Zur Abwechslung reist hier eine Gruppe mal nicht in Wald oder Wüste, sondern bewegt sich einfach nur auf einem Kanal fort. In diesen Plot eingebettet wird noch der Vermerk, dass in den letzten zehn Jahren mehr als 150 Personen auf dem Kennet-und-Avon-Kanal verschwanden, was Raum für Spekulation schafft, in diesem Fall dann aber einen Aufhänger für die Mutanten aus dem Wasser darstellt.

Zeit für ein Blutbad muss sein

Das überschaubar Positive zuerst: The Barge People lässt sich für seine derbsten Szenen genüsslich Zeit und spart dabei auch keine Details aus. Es folgt eine wilde Splatter-Orgie an Bord des Bootes, die im direkten Vergleich zu anderen Titeln betrachtet erstaunlich viel Zeit beansprucht. Auch das Kreaturendesign kann im Rahmen eines Low Budget-Titels überzeugen. Man sieht ihnen durchaus an, dass das Budget lediglich für den Kopf ausreichte. Wann immer es ans Eingemachte geht, weiß die Produktion Basis-Ansprüche an einen Mutanten-Slasher zu erfüllen. Größere Überraschungen oder Momente, die einen festen Platz im Gedächtnis sichern, bleiben ganzheitlich aus.

Öde Charaktere

Besonders wenn es um die Figurenzeichnung geht, wirkt der Titel sichtlich lustlos. Wenn dann dem großkotzigen Workoholic das Smartphone ins Wasser fällt, ist das weder lustig, noch sah man das nicht kommen. All solche Dinge geschehen, weil man sie erwartet. Das trifft auf die beiden Pärchen ebenso zu wie die Einheimischen, die sich ganz im Stile vergleichbarer US-Titel wie dämliche Hillbillies verhalten. Dazwischen schauen ein paar Einheimische vorbei, die maximal Klischees erfüllen und jeden von ihnen ereilt auch exakt das Schicksal, das man ihm zumünzt. Den Darstellern merkt man ihre fehlende Erfahrung durchaus an. Einzig Katie Davis-Speak und Makenna Guyler in der Rolle einheimischen Jade zeichnen sich hier minimal positiver ab, wenngleich ihre Figuren keinen Raum für Entwicklung bekommen oder gar Sympathien erzeugen können. Beide sind weit davon entfernt, als Genre-Heldinnen in die Geschichte einzugehen, retten aber immerhin den Film vor Schlimmeren.

Fazit

The Barge People bringt kaum Vorzüge mit, die man nicht schon in anderer Form gesehen hat. Dafür ist das Geschehen immerhin on point: Sobald die Action einmal ins Rollen gekommen ist, hört sie auch nicht mehr auf und zieht sich bis zum Abspann hin durch. Das sorgt für 78 kurzweilige Minuten, in denen man ausgedehnte Todesszenen mit ansehnlichen Kreaturen erleben darf. Schade, dass das Figurenensemble aus einem einzigen uninspirierten Trupp mit 08/15-Backgroundstories besteht und das Drehbuch nur bewährte Formeln wiederholt. Mit mehr Spielzeit und dem Verzicht auf Klischees hätte man hier viel herausholen können.

© Dark Temple Motion Pictures

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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