Prospect – Niemand überlebt allein

Lesezeit: 4 Minuten

Es gibt Science-Fiction-Filme, die vor allem mit opulenter Optik und wuchtigen All-Darstellungen verblüffen und dann sind da jene Titel, die zumeist aus Budget-Gründen effektreduzierte Unterhaltung bieten und sich viel eher um Charaktere, Mission und Umstände der Expedition kümmern. Letzteres trifft auch voll und ganz auf Prospect – Niemand überlebt allein zu. Ein Indie-Titel, der im Besonderen mit vollem Herzen bei der Sache ist und zu den Vertretern einer neuen Welle (High Life, Solis, A.I. Rising) gehört, die ihren Schwerpunkt auf vielschichtigen Charakteren und komplexen Geschichten anstelle einer futuristischen Effektschlacht haben.

 

Cee (Sophie Thatcher, The Tomorrow Man) reist gemeinsam mit ihrem Vater Damon (Jay Duplass, Paddleton) durch das All. Das Ziel der beiden ist ein Mond, wo ihre Mission wartet: die Bergung säurehaltiger organischer Edelsteine mit dem Zweck, aus den eigenen Schulden herauszukommen. Ungefährlich ist es nicht. Die toxische Atmosphäre erfordert höchste Vorsicht. Doch kaum an ihrem Ziel angekommen, gibt es Ärger mit zwei Outlaws, was in einen Kampf mit zwei Toten mündet. Außer Cee hat auch Ezra (Pedro Pascal, The Equalizer 2) die Schießerei überlebt. Doch die Transportkapsel ist kaputt und beide müssen schnellstens einen Weg finden, den Mond wieder zu verlassen …

Verbündete wider Willen

Originaltitel Prospect
Jahr 2018
Land USA
Genre Science-Fiction, Drama
Regisseur Christopher Caldwell, Zeek Earl
Cast Cee: Sophie Thatcher
Damon: Jay Duplass
Ezra: Pedro Pascal
Nummer 2: Luke Pitzrick
Fahr: Arthur Deranleau
Oruf: Andre Royo
Laufzeit 100 Minuten
FSK

Eines haben viele Sci-Fi-Titel gemeinsam: Die Gesellschaft wächst auch in der Zukunft nicht enger zusammen. Wo immer aus der Not heraus eine Allianz geschmiedet wird, warten Konflikte auf. Dass Teenager Cee auf mehreren Ebenen geprüft wird, ergibt sich bereits aus der Ausgangssituation. Stilistisch bewegt sich der Film nicht zu 100% im Sci-Fi-Genre, sondern bringt auch Einflüsse des Westerns mit, erzählt ein Charakter-Drama und dehnt sich genüsslich in seinen Coming-of-Age-Momenten aus. Im Vordergrund stehen immer die Charaktere, nicht die Geschichte. Die Umstände spielen da nur bedingt eine Rolle: Die Erde findet kaum Erwähnung. Dagegen sind menschliche Gefühle auch auf dem Mond präsent: nicht alleine zu sein, sich anderen zu öffnen und auch das Risiko einzugehen, enttäuscht zu werden. Menschlichkeit nimmt die primäre Rolle ein. Erzwungenermaßen, denn Sauerstoffknappheit bindet wortwörtlich zusammen, wenn sich zwei Mitstreiter einen Sauerstoffschlauch teilen müssen. Da sich Cee und Ezra die meiste Zeit über unter ihren Raumanzügen befinden, trägt es zu einem authentischen Gefühl bei, dass die beiden nicht in jeder Szene auch wirklich zu verstehen sind. Ohnehin spielt der aus Game of Thrones bekannte Pedro Pascal eine echte Quasselstrippe, die aufgrund ihrer fehlenden Einschätzbarkeit für besonders viel Spannung sorgt.

Experimentelles Debüt

Wie so häufig geht der Idee hinter Prospect ein Kurzfilm voran. Dieser wurde bereits 2014 veröffentlicht und skizziert die grobe Idee. Das Regieduo Chris Caldwell und Zeek Earl lernte sich bereits zu Uni-Zeiten kennen und es zeichnete sich ab, dass es eines Tages einen gemeinsamen Film drehen würde. Die beiden setzen bei ihrem Erstwerk allerdings auf keine große Einführung, sondern werfen den Zuschauer mitten ins Geschehen. Was genau los ist, gilt es herauszufinden. Ohnehin aber werden im Laufe der Spielzeit genügend neue Fragen aufgeworfen, deren Beantwortung nicht mehr stattfindet. Die Erzählung selbst funktioniert auch nicht ganz stolperfrei. Hier merkt man den beiden Regisseuren durchaus an, dass es sich um ihren Debütfilm handelt. Diese haben in ihrem Erstling allerlei Ideen der Marke “Handmade” einfließen lassen. Etwa wurden in einem Keller Aufnahmen herumfliegender Staubpartikel gemacht, welche digital über die Aufnahmen eines Waldes eingefügt wurden. Dadurch kann man die giftige Atmosphäre beinahe erfühlen. Man sieht Prospect auf den ersten Blick an, dass es sich hierbei um keine Hochglanz-Produktion handelt. Und so wird aus der Not eine Tugend gemacht: Visuell ist der Film an Sci-Fi-Produktionen der 1970er angelehnt und erschafft seinen ganz eigenen Look. Das Raumschiff hat den Charme eines Oldtimers, ohne auf Retro-Chic zu machen. Eher abgenutzt als funktional. Es steht sinnbildlich für sämtliche Ressourcenknappheiten, die hier vorherrschen: gefährliche Umgebung, wenig Nahrung, kaum Sauerstoff und nur begrenzt Zeit. Die dürftige Ausstattung mit dem verdreckten Look erinnert bisweilen an Dark Star und die entsättigte Farbgebung sorgt dafür, dass keine Tristesse verloren geht.

Fazit

Um Prospect in vollen Zügen genießen zu können, sind Geduld und die Fähigkeit, einer dialoglastigen und ruhigen Erzählung folgen zu können, Voraussetzungen. Ein intelligentes Low Budget-Highlight, das es schwer hat, eine breite Masse anzusprechen. Die ruhige Erzählweise ist schlichtweg Geschmackssache, wird tendenziell allerdings eher Genre-Fans ansprechen als Blockbuster-Freunde. Abseits der zwischenmenschlichen Entwicklung bleiben die Ereignisse der Handlung eher lose aneinandergereiht als wirklich strikt erzählt. Hier reicht die Ambition alleine nicht aus, um eine bis ins Detail gelungene Darstellung abzuliefern. Das ist schade, denn der Film hätte das Zeug dazu gehabt, noch mehr zu sein als er ist.

© Capelight Pictures

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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