All You Need is Kill

Lesezeit: 5 Minuten

Eine Invasion übermächtiger Aliens, blutige Schlachten und ein kleiner Soldat, der sich in einer Zeitschleife wiederfindet – alles Zutaten für ein Actionspektakel, mit denen Hiroshi Sakurazaka in All You Need is Kill aus dem Jahr 2004 nicht geizt. Die Light Novel wurde 2014 sowohl lose als Hollywoodfilm (Edge of Tomorow) als auch in dem gleichnamigen Manga originalgetreu adaptiert. Für letzteres steuerte Takeshi Obata (Death Note, Bakuman) die Zeichnungen bei und verwandelt die Worte in dynamische Bilder, die 2015 für den Eisner Award for Best U.S. Edition of International Material Asia nominiert wurden.

    

“Mimics” sind Aliens, deren Form an Drohnen mit stacheligen Füßen und grotesken Mäulern erinnern. Die Menschheit hat sich zusammengeschlossen, um sie zu bekämpfen. Eine Niederlage gegen die Invasion kann sie sich nicht erlauben, denn die Mimics sind gnadenlos in der Auslöschung von Menschen. Keiji Kiriya erscheinen die Ereignisse am Tag irgendwie seltsam vertraut. Er ist ein Soldat, der in den neu entwickelten Exoskelett-Kampfanzügen am nächsten Morgen seine erste Schlacht antreten soll. Doch anders als etwa die berühmte Rita Vrataski, die von allen als Heldin gefeiert wird, ist er nur ein kleiner Soldat ohne Erfahrung. Als er auf der Schlacht stirbt und sich wieder in seinem Bett einen Tag vor der Schlacht wiederfindet, dämmert ihm bald auch warum…

Temporeich durch die Schlacht

Originaltitel All You Need Is Kill
Jahr 2014
Bände 2
Genre Action, Science-Fiction
Autor Tokyopop (2014)
Verlag Hiroshi Sakurazaka Zeichnungen: Takeshi Obata

Kiriya steckt bereits zu Beginn der Geschichte in der Zeitschleife, doch muss er seine neue Fähigkeit zur Wiederholung erst entdecken. Eine neue Schleife beginnt mit mit dem eigenem Tod. Es gibt keinen Ausweg für ihn, solange er die Mimics nicht besiegt. Sich selbst ein Ende setzen kann er nicht und wenn er nichts tut, kommen die Mimics früher oder später und bringen ihn um. Zimperlich gehen die Mimics dabei auch nicht vor. Menschen werden geköpft, abgestochen oder in allen möglichen Varianten zerfetzt. Das Schlachtfeld ist stets mit Leichen übersät. Bleibt nur der Weg nach vorne. Doch was macht man, wenn hoffnungslos unterlegen ist? Man trainiert, sammelt Erfahrung und macht sich mit den Bewegungsmustern des Gegners bekannt. Praktisch, wenn man dafür alle Zeit der Welt hat.

Zwei Bände, zwei Seiten

Der erste Band widmet sich vor allem Kiriya und seinen Erfahrungen auf dem Schlachtfeld. Der Fokus liegt dabei zwar klar auf die Action, doch ist in jeder Runde kurz und pointiert. Zwischen den Schleifen gibt es immer wieder kleinere Verschnaufpausen, in denen Kiriya versucht, an seinem taktischen Vorgehen zu arbeiten. Der zweite Band widmet sich seinem weiblichen Gegenstück Rita, deren Kampffertigkeiten er sich immer mehr annähert. Rita war einst ein einfaches Mädchen, dessen Familie jedoch von Mimics getötet wurde. Sie schwor Rache und fälschte sogar ihre Identität, um als Minderjährige dem Militär beitreten zu können. Die Perspektiven stehen als Kontrast da. Rita ist zunächst Außenseiterin, doch dann lernt Kiriya auch andere Seiten von ihr kennen, bis es mit ihrer Hilfe zur letzten Konfrontation geht – die noch einen Twist auf Lager hat. Einen tragischen: Denn der Loop endet erst, wenn neben dem gehörnten Mimic einer von ihnen stirbt, da sie beide die gleiche Fähigkeit zur Schleifenwiederholung haben und sich gegenseitig in Loops schicken würden.

Charakterisierung im Schnelldurchgang

Die Geschichte ist dicht und temporeich erzählt. Der Fokus liegt bei den Wiederholungen Kiriyas mehr auf seinen wachsenden Fähigkeiten, genauso wie bei Ritas Werdegang ihre Motive binnen eines Kapitels schnell heruntergerasselt werden. Die obligatorische Romanze riecht man schnell, doch sieht man als Leser nicht viel davon, wie die Figuren gemeinsame Zeit miteinander verbringen, sodass der Ausgang einiges an emotionalem Effekt einbüßt. Charakterisierungen ist zwar nicht abwesend, erfolgt jedoch eher minimalistisch. Die Nebenfiguren verbleiben dabei oft in Rollenklischees. Der generische extrovertierte Soldat vom Nachbarsbett. Die bebrillte Mechanikerin Shasta, die recht tollpatschig ist. Der heiße Feger Rachel, der in der Küche arbeitet. Auch Rita ist ein Kriegsengel, doch ihr wahres Wesen entpuppt sich als unschuldiges Mädchen. Der emotionale Teil des Mangas wird deutlich vor allem durch die Versalität von Takeshi Obatas Zeichnungen getragen, als dass die Geschichte sich lange mit Charaktermomenten aufhält.

Mit zwei Bänden ist All You Need is Kill schnell gelesen. Kennt man den Manga, hat man bei der Light Novel eigentlich nicht wirklich viel verpasst, denn der Manga lässt fast nichts aus und spendiert einem dazu noch Obatas dynamische Bilder. Man kann aber nicht verhehlen, dass seine Zeichnungen die Figuren deutlich jünger erscheinen lassen, als in Yoshitoshi Abes Illustrationen zur Light Novel oder den Schauspielern in Edge of Tomorow. Kiriya sieht in friedlicheren Momenten fast wie ein Klon von Moritaka aus Bakuman aus, der als Mittelschüler startet. Das Design von Rachel Shasta und selbst Ritas unschuldige Seite erinnern unglücklich an Otaku-Fanservice, wenngleich es nicht wirklich ausgelotet wird. Alles in allem besticht All You Need is Kill durch die grundlegenden Ideen und Obatas Zeichnungen. Wer ein ausgearbeitetetes Charakterdrama und/oder ein versöhnlicheres Ende haben möchte, ist mit Edge of Tomorow einen guten Deut besser aufgehoben.

 

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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