Scooby! Voll verwedelt

“Voll verwedelt”? Deutsche Marketingabteilungen sind sich für kein Wortspiel zu schade, wenn ein Filmtitel wie Scooby! einfach mal nur kurz daherkommt. Im September 1969 flackerte die erste Episode von Scooby-Doo, where are you! bei dem US-Sender CBS über die Mattscheibe. 2020 ist es mehr als ein halbes Jahrhundert her, seit die fünf Mitglieder der Mystery Inc. das erste Mal ermittelten. Seitdem darf die von William Hanna und Joseph Barbera produzierte Zeichentrickserie zahlreiche Fortsetzungen und zwei Realfilme zu ihrem Franchise zählen. Während es also derzeit wieder in Mode ist, ältere Marken in 3D-Form wiederzubeleben (zuletzt ließen Sonic the Hedgehog und Die Addams Family von sich hören), macht der Trend auch nicht vor Scooby-Doo Halt. Nachdem Warner Bros. aufgrund der Corona-Pandemie den Kinostart am 14. Mai 2020 aufgeben musste, wurde entschieden, den neuen Scooby-Doo-Film direkt als Video on Demand herauszubringen. Am 12. November kam der Film regulär in den Handel.

 

Als Kinder liefen sich Shaggy und Scooby über den Weg, seitdem sind sie beste Freunde. Was sie verbindet: Die Liebe zum Essen und die Angst vor nahezu allem. Das kann die Arbeit der Mystery Inc. manches Mal behindern, denn ihre Freunde Daphne, Fred und Velma betreiben eine Detektei für übernatürliche Fälle. Als eines Tages ein großer Sponsor (namentlich: Simon Corwell, der sich selbst spricht) einsteigt, verabschieden sich Scooby und Shaggy von dem Unternehmen, nichtwissend, dass bereits die nächsten Abenteuer warten …

Risikofaktor Zielgruppe

Originaltitel Scoob!
Jahr 2020
Land USA
Genre Animation, Action, Abenteuer
Regie Tony Cervone
Cast Shaggy Rogers: Will Forte (Stimme)
Scooby Doo: Frank Welker (Stimme)
Daphe Blake: Amanda Seyfried
Fred Jones: Zac Efron (Stimme)
Velma Dinkley: Gina Rodriguez (Stimme)
Laufzeit 93 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 12. November 2020

Von Familie Feuerstein bis Yogi Bär – die Hanna-Barbera-Cartoons sind für viele heutige Erwachsene (und zum Teil deren Eltern) Kult. Die Serien besitzen nicht nur einen unverkennbaren Zeichenstil, sondern waren für viele Zuschauer ein fester sonntäglicher Begleiter. Da haben es Neuauflagen tendenziell schwer, das Stammpublikum noch einmal zu begeistern. Denn oftmals sind es genau jene in die Tage gekommenen Animationen, die Fans nicht missen wollen, und so werden Remakes und Neuauflagen stets kritisch beäugt. 50 Jahre Geschichte lassen sich schließlich kaum ignorieren, aber ein Best-of soll es auch nicht werden. Im Falle von Scooby! Voll verwedelt kommt noch eine andere Herausforderung hinzu: Wie begeistert man eine junge Zielgruppe, die zwar auf Animationsfilme abfährt, aber noch nie etwas von Scooby und Shaggy gehört hat? In beiden Fällen muss ein Kompromiss getroffen werden, also wird die Geschichte kurz eingeleitet, muss dann aber schnell laufen lernen. Ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt das Aufeinandertreffen von Scooby und Shaggy plus den ersten Fall der Mystery Inc. mitsamt klassischer Auflösung des Täters, indem die Maske des Täters heruntergerissen wird. Das muss auch Nostalgikern erst einmal reichen und es folgt ein Sprung in die Gegenwart, wo dann das neue Abenteuer angestoßen wird.

Meta-Ebenen beherrschen will gelernt sein

Anstatt, wie für die Serie bekannt, in Geistergeschichten zu blättern, bewegt sich Scooby! Voll verwedelt auf geschichtlichem Terrain. Zumindest vordergründig. Denn was folgt, ist eine wilde und chaotische Hatz mit Raumschiffen, dem antiken Athen, Alexander (dem Großen) und Superheldenkräften. Gemischt mit Cameos quer durch den Hanna-Barbera-Katalog und ein bisschen Popkultur. Hört sich spaßig an, ist aber längst nicht so auf den Punkt gebracht wie etwa Spider-Man: A New Universe, das ein viel besseres Fingerspitzengefühl für Figuren, Entwicklung und Timing besitzt. In Scooby! Voll verwedelt dominiert die Beliebigkeit. Hauptsache, es geht bunt und chaotisch zu. Im fünfminütigen Takt erleben Scooby und Shaggy neue Abenteuer. Mal trennen sie sich, mal finden sie wieder zusammen, mal hilft die Mystery Inc. aus und mal das Superheldentrio Falcon Fury. Wie soviel Handlung mit Höhlenmenschen, Raumschiffen und Superschurken zusammenpasst, bleibt ein großes Mysterium. Denn bei aller Ambition, ein weit angelegtes Abenteuer zu erzählen, haben die sage und schreibe fünf Drehbuchautoren vergessen, alles auch stimmig zusammenzuführen. Es gleicht einem großen Rätsel, wie dieses Chaos entstehen konnte.

Ein wilder Ritt durch das Hanna-Barbera-Portfolio

Für Cartoon-Fans ist das 3D-Abenteuer aber durchaus eine Fundgrube: Sowohl visuell als auch auf Audiospur bleibt einiges zu entdecken. Das ist Regisseur Tony Cervone zu verdanken, der bereits seit den 90ern an dem Franchise arbeitet und es daher bestens kennt. Der Animationskünstler gilt als Koryphäe, wenn es um die Looney Toons und Hanna-Barbera geht. Daher ist kein Sprecher einfach nur willkürlich gewählt und insbesondere Kenntnisse über Hanna-Barbera-Serien ist von Vorteil, um alle Easter Eggs zu entlarven. Enttäuschend sind die 3D-Animationen. Während die Hauptcharaktere und sich im Vordergrund befindlichen Figuren noch liebevoll animiert sind, weicht die Qualität bei Hintergrundfiguren schon merklich ab. Die Reel FX Animation Studios (Ugly Dolls) überzeugen immer dann, wenn es in die Nahaufnahmen geht, wissentlich, wo der Fokus des Bildes jeweils liegt. Geschwindigkeit liegt aber in jedem Fall vor Detailtiefe, was zugegeben auch zum Drehbuch passt. Slapstick und entgleisende Gesichtszüge überzeugen allerdings und lassen so zumindest die Momente ziehen, die auf Situationskomik ausgerichtet sind.

Fazit

Selbst wenn man einmal die Ursprünge von Scooby-Doo und seinen Freunden außer Acht lässt und Scooby! Voll verwedelt nur für sich betrachtet, macht sich schnell bemerkbar, dass es sich bei dem Animationsfilm um ein generisches Abenteuer handelt. Im Grunde hätte jede Figur durch dieses wirre Abenteuer geschickt werden können. Den Figuren geht jeglicher Charme verloren und als Auftakt einer Reihe funktioniert diese Produktion sowieso nicht. Der Film scheitert daran, dass er viel zu viel auf einmal sein will: Neuauflage, Hommage, Wiederbelebung und Crossover in einem, aber nichts davon mit voller Überzeugung.

© Warner Bros.

Veröffentlichung: 12. November 2020

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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