John Wick: Chapter 3 – Parabellum

Lesezeit: 5 Minuten

Neonlicht auf nassem Asphalt. Ein schwarzer Anzug. Steinerne Gesichtszüge. Knallharte Kämpfe. Bei John Wick Kapitel 3 – Parabellum, wissen Zuschauer mittlerweile, wofür sie an der Kinokasse bezahlt haben. Da ist John Wick drin, wo John Wick draufsteht. So ist das eben mit Fortsetzungen. Der Reiz des nie Gesehenen ist fort, dafür wächst das Erzähluniversum um Keanue Reeves, jede weitere Folge versucht, das Vertraute zu bewahren und dabei trotzdem noch einen draufzusetzen. John Wick Kapitel 3 tut eine Menge, um dieses Schema zu erfüllen. Dafür bleibt Chad Stahelski der Reihe als Regisseur treu.

 

Für John Wick (Keanu Reeves, Matrix) läuft die Zeit ab. Am Ende von John Wick: Kapitel 2 ist er aus der Welt der Auftragskiller ausgestoßen worden, doch der Hotelmanager des Assassinenhotels Continental hatte ihm noch eine Stunde Aufschub verschafft, bevor die Exkommunikation in Kraft tritt und ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar ausgesetzt wird. Er kann gerade noch seinen Hund in Sicherheit bringen und seine Verletzungen versorgen lassen, bevor alle Killer der Welt hinter ihm her sind. Er kämpft sich durch die Stadt bis zu einem russischen Theater. Die Direktorin (Anjelica Huston, Die Ehre der Prizzis) ist nicht nur Ballettlehrerin, sie ist auch der Kopf einer russischen Killerorganisation, die einst ein weißrussisches Waisenkind aufnahm und ausbildete, bis es zu John Wick heranwuchs. Deshalb kann John Wick von ihr Hilfe einfordern. Sein Wunsch: eine Überfahrt nach Casablanca. Dort will er den Mann an der Spitze der Assassinen-Organisation,, eine quasi mythische Gestalt, treffen. Der bietet John Wick an, die Exkommunikation aufzuheben. Unter zwei Bedingungen: dass er seinen alten Freund Winston (Ian McShane, American Gods) tötet. Und dass er sein Leben lang für die Organisation arbeiten wird. John Wick reist zurück nach New York. Aber anstatt Winston zu töten, stellt er sich gemeinsam mit Winston den Kämpfern der Organisation.

Gun Fu und Ballerinen

Originaltitel John Wick: Chapter 3 – Parabellum
Jahr 2019
Land USA
Genre Action, Film Noir
Regisseur Chad Stahelski
Cast John Wick: Keanu Reeves
Sofia: Halle Berry
Winston: Ian McShane
The Director: Anjelica Huston
Schiedsrichter: Asia Kate Dillon
Der König der Bowery: Laurence Fishburne
Zero: Mark Dacascos
Charon: Lance Reddick
Berrada: Jerome Flynn
Laufzeit 132 Minuten
FSK

Liest man die Inhaltsbeschreibung von John Wick Kapitel 3, könnte man auf die Idee kommen, dass der Film bis zum Finale ohne Kampfszenen auskommt. Weit gefehlt. Gefühlt besteht der Film zu 70 Prozent aus Kampf, mit kleinen Häppchen Handlung dazwischen, die einen neuen Schauplatz und neue Gegner ermöglichen. Wo John Wick noch seine Erfindung Gun Fu, also Jiu Jitsu mit einer Schusswaffe in der Hand, in den Mittelpunkt stellt, kann diesmal alles eine Waffe sein. Selbst mit Büchern kann man töten. Praktisch, wenn man von Killern bis in einen Laden verfolgt wird, der Kronleuchter und Messer anbietet, das eine macht eine schöne Kulisse, das andere liefert jede Menge Material. Ein Pferdestall als Kampfschauplatz wird richtig spannend, wenn die Tiere im richtigen Moment nach hinten ausschlagen. Man kann auf dem Motorrad kämpfen, oder mit japanischen Schwertern in einem Raum aus lauter Glaswänden und bunt wabernden Videoinstallationen. Schön, wenn die Kollegin Kampfhunde in kugelsicheren Westen dabei hat, die können eine Menge Schaden anrichten. Jerome Flynn ist mittlerweile der zweite Game of Thrones-Darsteller, der bei John Wick eine Figur spielt, die Brutalität gegenüber Vierbeinern teuer bezahlen muss. Und natürlich Schusswaffen. Winston hat ein ganzes Arsenal davon, schließlich ist er derjenige, der den Titel des Films einlöst. Si vis pacem, para bellum. Willst du Frieden, bereite den Krieg vor. Wie die beiden Teile zuvor stellt der Film Töten als schöne Kunst vor und genießt jeden Moment davon. Das Kampfchoreografie und klassisches Ballett verwandte Künste sind, stellt der Film diesmal selber fest: Unter der Aufsicht der strengen Direktorin lernen die Mädchen Ballett und die Jungen Kämpfen. Aber wahrscheinlich sind beides Pflichtfächer für alle, denn schließlich ist es eine Schule, wo eine kriminelle Organisation Waisenkinder zu Auftragsmördern heranzieht.

Die Welt wird größer und schöner

John Wick Kapitel 3 hat alles, worauf man sich gefreut hat: Jede Menge Kampfchoreographie vor großartigen Kulissen. Die hochartifizielle Welt der Auftragsmörder, in der alles stets in Neontönen ausgeleuchtet scheint. Wer schon immer wissen wollte, wo John Wick herkam, der kennt jetzt seinen wahren Namen und seine Kindheit. Wer es interessant fand, wie die Welt der Mörderorganisation aufgebaut ist, der konnte The Judge kennenlernen, eine elegante junge Frau mit strengem Kurzhaarschnitt und einem Schriftzug-Tattoo am Hals. Irgendwann einmal steht sie so, dass man es lesen kann. “Einfühlung” hat sich diese unerbittliche Person auf den Hals tätowieren lassen. Das sind die Details, weswegen man sich in John Wick verlieben kann. Apropos Tattoos. Die Telefonzentrale ist auch wieder da. All die Bürodamen in Bleistiftröcken und rosa Blusen, die in eine andere Zeit gehören könnten, wären da nicht die Piercings und die tätowierten Hände. Und Charon, der unerschütterlich höfliche Herr an der Hotelrezeption. Überhaupt all diese skurrilen Nebenfiguren, die nicht viel zu tun haben, aber ihre kleinen Rollen mit enorm viel Charisma füllen. Anjelica Huston etwa, die Ballettmeisterin, die ihren Elevinnen etwas über das Leiden beibringen will. Oder Laurence Fishburne (Matrix) als König der Obdachlosen, der diesmal schauspielerisch dem Affen so richtig Zucker gibt.

Auftragsmord als Nummernrevue

Eine Schwäche des Films ist seine Handlung. Der erste Teil des Franchise bietet einen schlichten, aber wirkungsvollen Plot. John Wick will Rache. Iosef Tarasov will seinen Sohn schützen. Das hat genug Feuer, um den Rahmen für Kampfkunst und durchgestylte Kulissen zu bieten und dabei spannende 100 Minuten Kino zu generieren. John Wick 3 hat eher etwas von einer Nummernrevue. Dadurch, dass die ganze Welt hinter John Wick her ist, existiert kein herausstechender Gegenspieler. Der Endgegner Zero mimt zwar sehr schön den asiatischen Schwertmeister, dem es eine Ehre ist, gegen John Wick kämpfen zu dürfen, aber im Grunde haben sie keine Berührungspunkte außer den Kampf. John Wick driftet von einer Begegnung mit einer skurrilen Figur zur nächsten Begegnung an einem anderen Schauplatz, mit anderen Gegnern. Der Konflikt “Töte Winston oder entscheide dich dagegen” entsteht erst im letzten Drittel des Films, zu spät, um das ausufernde Spektakel noch zusammenzuhalten. Da hat sich schon eine gewisse Langeweile eingeschlichen, bzw. die Überzeugung, dass es nicht so furchtbar wichtig ist, was da passiert, Hauptsache, es kommen noch ein paar krasse Kampfszenen bei Neonlicht.

Fazit

Mit John Wick: Chapter 3 – Parabellum kann man Spaß haben, Vertrautes wiedererkennen und viel Neues sehen. Die schleppende Handlung trübt das Sehvergügen nur ein wenig und ob ich den Ausflug in die Wüste als Trip ins Reich von Tausend und Eine Nacht so gelungen finde, weiß ich nicht so recht. Insgesamt unterhält mich der Film schon, wenn er auch nicht so viel Begeisterung generiert wie der erste der Reihe, aber das ist halt das Schicksal eines dritten Teils. Einen vierten Teil kann es meinethalben gern auch noch geben.

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wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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