Master Z: The Ip Man Legacy

Lesezeit: 4 Minuten

Unter Kampfkunst-Aficionados hat die Ip Man-Reihe einen fast schon legendären Status. Die Kombination aus Donnie Yens spektakulärem Kung Fu und Wilson Yips präziser Regie setzte neue Maßstäbe im Actionkino. Spektakuläre und gleichzeitig für das Auge des Zuschauers nachvollziehbare Choreographien weckten eine neue Begeisterung für das Genre. Am 25. Juli 2019 erschien nun in Deutschland mit Master Z: The Ip Man Legacy ein Spin-Off zum dritten Ip Man Film auf Blu-Ray und DVD. Die Hauptrolle übernahm Max Zhang. Donnie Yen hingegen ist im Film nicht zu sehen. Auf dem Regiestuhl nahm diesmal nicht Wilson Yip, sondern Choreographie-Altmeister Yuen Woo-ping Platz. Da stellt sich natürlich die Frage, ob es unter diesen Vorzeichen gelingen kann, an die Qualität der Vorgängerfilme anzuschließen.

Erzählt wird die Geschichte von Cheung Tin Chi (Max Zhang, Lethal Warrior), der im dritten Teil der Ip Man-Reihe eine eigene Wing Chung-Schule eröffnet hatte. Doch der neue Film beginnt nicht mit Cheung als erfolgreicher Lehrer. Stattdessen verdingt er sich als Handlanger eines Gangster, gibt diese Tätigkeit aber ebenfalls auf, um ein einfaches Leben als Ladenbesitzer zu führen und sich um seinen Sohn zu kümmern. Ungewollt gerät er jedoch bald in einen Konflikt mit dem Drogenhändler Tso Sai Kit (Kevin Cheng), hinter dem mächtige Gangster wie Tso Ngan Kwan (Michelle Yeoh, Tiger & Dragon) und Owen Davidson (Dave Bautista, Guardians of the Galaxy) stehen. Cheung muss sich nun auf seine Wing Chun-Fähigkeiten besinnen, um dem organisierten Verbrechen entgegenzutreten.

Wie in guten alten Zeiten

Originaltitel Master Z: The Ip Man Legacy
Jahr 2018
Land Hong King, China
Genre Action
Regisseur Yuen Woo-ping
Cast Cheung Tin-chi: Max Zhang
Tso Ngan Kwan: Michelle Yeoh
Owen Davidson: Dave Bautista
Sadi: Tony Jaa
Tso Sai Kit: Kevin Cheng
Fu: Xing Yu
Laufzeit 107 Minuten
FSK

Erzählerisch entfernt sich der Film somit ein Stückweit von seinen Vorgängern, da es nun weniger um sportliche Wettkämpfe im Ring geht, sondern eher um die Welt der Triaden und entsprechende Straßenkämpfe. Dies erinnert wohltuend an einige Chang Cheh-Filme aus den 70ern, die in ähnlichen Milieus spielten. Auch die Kulisse erinnert an vergangene Zeiten. Denn das Hong Kong der frühen 60er ist heutzutage fast vollständig überbaut, so dass die meisten Straßenszenen im Studio entstanden sind, was teilweise deutlich zu erkennen ist. Doch gänzlich stimmig ist das Bild dann doch nicht. Der relativ düstere Plot um Heroinsucht und Polizeikorruption will nicht so recht zur quietschbunten und viel zu sauberen Kulisse passen. Zudem ist die Handlung komplexer als sie in diesem Genre sein müsste und eröffnet zu viele Erzählstränge und Konflikte, von denen die meisten nicht zufriedenstellend auserzählt werden. Darüber hinaus wirkt der eher unblutige Kampfstil der Ip Man-Filme unpassend. Hier hätte man sich eher die blutigen Messerkämpfe aus Der Pirat von Shantung oder indonesische Genrebeiträge zum Vorbild nehmen sollen.

Altmodisch

Doch natürlich erwarten die Zuschauer in erster Linie von einem Spin-Off vergleichbare Martial-Arts-Szenen wie in der Hauptreihe. Doch leider gelingt es Master Z nicht, qualitativ an die Ip Man-Filme anzuschließen. Einige Kämpfe sind zu rhythmisch, wirken dadurch einstudiert und erinnern stark an den Stil der Shaw Brothers-Ära. Außerdem lenkt eine Viehlzahl unrealistischer Sprünge, Flugkicks und Würfe von den eigentlichen Choreographien ab und würden eher zu einen Wuxia-Film der 60er-Jahre passen. Doch das Problem ist nicht nur in den Kämpfen zu suche, sondern auch in der Regie. So wirkt ein akrobatischer Kampf hoch über den Straßen auf Neo-Reklamen, als wäre er nachträglich mit CGI stark überarbeitet worden.Darüber hinaus wurden bei vielen Kämpfen Kamerapositionen gewählt, die keine uneingeschränkte Sicht auf das Geschehen zulassen oder den Kontrahenten einfach zu nah kommen. Glücklicherweise gibt es dennoch eine Handvoll längerer Profilaufnahmen in der halbtotalen, die tatsächlich spektakuläres Kung Fu zeigen.

Altmeister auf falscher Position

Diese Kritik mag nun etwas harsch erscheinen, schließlich hat hier Altmeister Yuen Woo-Ping Regie geführt. Doch genau hier liegt der Hase Begraben. Denn Yuen hat als Regisseur zuletzt in den 70ern großes geleistet, als er einige Jackie Chan-Klassiker drehte. In den letzten Jahrzenten war er zwar an zahlreichen Meisterwerken beteiligt, darunter Tiger and Dragon, Fist of Legend, Fearless und Kill Bill Vol. 2, allerdings war er dabei immer für die brillanten Choreographien zuständig, nie für die Regie. Selbst bei Ip Man 3 zeichnete er sich noch für die Stunt-Koordination verantwortlich. Der darauf folgende Wechsel auf den Regiestuhl erweist sich hingegen als Fehler. Denn dadurch kann der Film visuell nicht an Wilson Yips Arbeit anschließen, während der Choreographie das Genie Yuens entzogen wurde Möglicherweise mangelte es aber auch an Zeit und Budget. Denn in einer besonders kuriosen Einstellung wurde Dave Bautista sehr offensichtlich durch ein Körper-Double ersetzt, welches zwar die Frisur, aber bei weitem nicht die Statur mit dem amerikanischen Wrestling-Star gemein hat.

Gaststars

Tatsächlich ist Bautista aber ein Lichtblick im Film. Durch sein ruhiges Spiel setzt er nicht nur erneut ein gewisses schauspielerisches Können unter Beweis, sonder hebt sich auch angenehm ab von den üblichen stereotypen Darstellungen westlicher Bösewichte als ungehobelte, lärmende Barbaren. Und dank der starken körperlichen Unterschiede ist sein Kampf mit Max Zhang einer der interessantesten im ganzen Film. Michelle Yeoh kann nach ihrem eher hölzernen Auftritt als Imperatorin in Star Trek Discovery beweisen, dass sie durchaus eine Antagonistin glaubhaft verkörpern kann. Tony Jaa hingegen ist nur überraschend kurz zu sehen, durch seinen Hut kaum zu erkennen und sticht kämpferisch nicht besonders hervor.

Fazit

Trotz aller Kritik ist Master Z ein ganz ordentlicher Genrebeitrag, der die meisten amerikanischen Produktionen locker in die Tasche steckt. Hier zeigt sich, dass das chinesische Action-Kino eine Liga für sich ist und meist ein gewisses grundlegendes Maß an handwerklicher Qualität garantieren kann. So gibt es zahlreiche Kämpfe, echte Choreographien und weder Wackelkamera noch Schnittgewitter. Für einen Kung Fu-Fan ist das ordentliche Hausmannskost. Da man aber weder personell noch qualitativ an die Ip Man Filme anknüpft, stellt sich nach wie vor die Frage, welchen Sinn Spin-Offs in diesem Bereich der Filmlandschaft haben sollen, wenn sie schon nicht als Qualitätsversprechen ernstgenommen werden können.

© KSM

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Timo Beyer

Mit Timo Beyer haben wir einen waschechten Historiker in unserer Redaktion, der sich nicht nur mit großer Begeisterung auf jeden Historienfilm stürzt, sondern auch für das klassische Hollywood-Kino brennt. Sein Lieblingsgenre sind Western verschiedenster Couleur, von John Wayne bis Clint Eastwood. Seine Film- und Buchsammlung platzt aus allen Nähten, weshalb er immer auf der Suche nach neuem Stauraum ist.

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