John Carter – Zwischen zwei Welten

Lesezeit: 5 Minuten

Was haben John Carter und Tarzan gemeinsam? Richtig, sie entstammen beide der Fantasie von Edgar Rice Burroughs und erblickten 1912 das Licht der literarischen Welt. Aber kann ein Film, der auf einer so alten Vorlage beruht, auch so umgesetzt werden, dass sowohl das Original erkennbar bleibt als auch der heutige Zuschauer angesprochen wird? Der unter der Regie von Andrew Stanton entstandene Film John Carter – Zwischen zwei Welten versucht, die Brücke zwischen den Zeiten zu schlagen.

   

Im Jahr 1868 versteckt sich der ehemalige Offizier der Konförderierten John Carter auf der Flucht vor Apachen in einer Höhle, wo er von einem Fremden angegriffen wird. Es gelingt Carter, seinen Angreifer zu töten, doch als er dessen Medaillon berührt, wird er auf den Mars transportiert, wobei sein Körper im Koma liegend in der Höhle verbleibt und er auf dem Mars in einem Duplikat landet. Carter stellt nicht nur fest, dass der Mars, von den Einheimischen Barsoom genannt, von verschiedenen Rassen bewohnt wird, sondern dass er dort dank der geringeren Schwerkraft über übermenschliche Kräfte verfügt. Das verschafft ihm bei den Tharks (übergroßen, kriegerischen Wesen mit vier Armen) großes Ansehen. Als Carter Dejah Thoris, Prinzessin der Stadt Helios, vor Soldaten von Zodanga rettet, wird er in die Intrigen und Machenschaften zweier einander feindlich gesonnenen Städte gezogen. Gleichzeitig sucht er bei der Priesterkaste der Thern nach Möglichkeiten, wieder zur Erde zurückkehren zu können, da es ein Thern war, welcher ihn in der Höhle angegriffen hatte. Doch dann kommen Dejah und Carter sich näher.

Das Dilemma mit dem Zahn der Zeit

Originaltitel John Carter
Jahr 2012
Land USA
Genre Fantasy
Regisseur Andrew Stanton
Cast John Carter: Taylor Kitsch
Dejah Thoris: Lynn Collins
Sab Than: Dominic West
Tars Tarkas: Willem Dafoe
Sola: Samantha Morton
Laufzeit 139 Minuten
FSK

Andres Stantons Verfilmung John Carter – Zwischen zwei Welten ist deutlich anzumerken, dass die Vorlage nicht mehr so ganz taufrisch ist. Was 1912 noch als ungewöhnliche Geschichte galt, die dem Leser erstaunte Ausrufe zu entlocken vermochte, muss sich heute einer übergroßen Konkurrenz gleichartiger Werke stellen, welche etliche Aspekte gut oder sogar besser ausgearbeitet haben. Um so erfreulicher ist es, dass Stanton (Findet Nemo, Findet Dorie) gar nicht erst versucht hat, Edgar Rice Burroughs Novelle in die heutige Zeit zu transportieren. John Carter – Zwischen zwei Welten bleibt dicht an der Vorlage und erhebt gar nicht erst den Anspruch, mehr sein zu wollen als seine Pulp-Literatur-Vorlage. Dafür erwartet den Zuschauer eine abenteuerliche Geschichte, die auf nostalgische Weise ebenso bunt wie trashig wirkt und den Charme vergangener Zeiten gekonnt transportiert. Obwohl viele Themen angerissen werden, wird auf eine Vertiefung verzichtet. Stattdessen liegt das Augenmerk auf einem farbenfrohen Leben vor karger Kulisse, prächtige Kostüme, opulente Feste und gewaltige Kampfszenen inklusive.

Mein Name ist Carter – John Carter

Taylor Kitsch (X-Men Origins: Wolverine) gibt den draufgängerischen John Carter mit Spaß am Spiel. Ob er nun gegen riesige Tiere kämpft, Damen in Nöten zu Hilfe eilt oder einfach nur in riesigen Sprüngen über die dürre Marsoberfläche hüpft – seine unbedarfte Freude an der geradlinigen Figur schimmert immer durch. Dagegen wirkt Lynn Collins (Bedingungslos) in ihrer Rolle als Prinzessin Dejah Thoris streckenweise eher unterkühlt, aber insgesamt durchaus glaubhaft. Den ebenso charmanten wie hintertriebenen Bösewicht gibt Dominic West (Tomb Raider). Und die Rollen von Sola und Tars Tarak sind ebenfalls hochkarätig besetzt, auch wenn unter der Maske kaum zu erkennen ist, um wen es sich handelt: Samantha Morton (Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind) als zerbrechlich wirkende, verstoßene Tochter des Anführers der Tharks und Willem Dafoe als Tars Tarak, der den Sitten und Gebräuchen folgen muss, auch wenn es gegen seine Überzeugung geht.

Die Geschichte in der Geschichte

Um dem Zuschauer die Geschichte plausibel zu verkaufen, bedient sich John Carter – Zwischen zwei Welten eines nicht unüblichen Tricks: Die Abenteuer von John Carter sind in eine Rahmenhandlung eingebettet, in der dem Autor der Vorlage, Edgar Rice Burroughs, Gestalt gegeben wird. Edgar Rice Burroughs, auch Ned genannt, wird als der Neffe von John Carter eingeführt. Als Ned zu Beginn des Films zur Testamentseröffnung erscheint, händigt ihm der Anwalt das Tagebuch seines verstorbenen Onkels aus, in dem John Carter seine Erlebnisse festgehalten hat. Durch Ned erfahren die Zuschauer so ebenfalls, was geschehen ist, und auch, was John Carter über die Medaillons erfahren konnte. Als er das Tagebuch zu Ende gelesen hat, öffnet Ned das Mausoleum, in dem sein Onkel bestattet worden sein soll, muss aber feststellen, das die Grabstätte leer ist. Es stellt sich heraus, dass das Mausoleum eine Falle war, mit der der durchaus noch sehr lebendige John Carter versuchte, an ein Medaillon zu gelangen, um auf den Mars zurückkehren zu können.

Fazit

Mit John Carter und mit der Hommage Der grüne Stern von Lin Carter habe ich damals meine ersten Schritte in die Welt von Fantasy und Science Fiction gemacht. Ich bekam Lin Carters Buch etwa 1975 von meiner Tante geschenkt und stieß im Nachwort auf die Vorlage von Edgar Rice Burroughs. Die Geschichten waren einfach zu fantastisch. Reisen – wenn auch auf unterschiedliche Art – zu anderen Welten, Aufbruch und Ausbruch zugleich, unglaubliche Abenteuer, unbekannte Wesen, all das hat mich nachhaltig so beeindruckt, dass ich mich noch gut an die Euphorie erinnern kann, mit der ich mich in die Geschichten hinein begeben habe. Umso gespannter war ich auf die Verfilmung von John Carters Abenteuern, denn vom heutigen Standpunkt aus gesehen ist Burroughs Geschichte weder gendergerecht noch politisch korrekt und somit eigentlich unverfilmbar. Wird aber zu viel daran herumoperiert, ist es halt nicht mehr die ursprüngliche Geschichte, sondern nur noch ein x-beliebiger Film. Aber da John Carter – Zwischen zwei Welten doch nah an der Vorlage bleibt, hatte ich einen vergnüglichen Kinoabend. Wer Spaß an einem Abenteuerfilm haben will, ohne viel zu hinterfragen, der ist mit diesem Film gut bedient.

© Disney

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