No Game no Life Zero

“Das ist ein Befehl. Du wirst hier sterben.” – In einer Welt, in der statt Sonnenschein ätzende Asche vom Himmel herabfällt, kämpfen Menschen innerhalb eines Weltkriegs zwischen übermächtigen magischen Wesen ums nackte Überleben. Der Animefilm No Game no Life Zero adaptiert die epische Geschichte um Riku und Shuvi, die den nicht enden wollenden Krieg der antiken Ära beenden wollen, 6000 Jahre bevor es Shiro und Sora aus der TV-Serie No Game no Life ins fantastische Land Disboard verschlägt. Knapp ein Jahr nach der japanischen Premiere brachte der Publisher KSM Anime den Film im Juni 2018 in die deutschen Kinos.

    

Ted, der Gott der Spiele, spielt mit Izuna, einem jungen Mädchen aus der Werebeast Spezies Schach, bei dem Izuna laufend verliert. Um die Stimmung aufzulockern, erzählt Ted eine Geschichte aus alten Zeiten. Einer Zeit, bevor er der “eine wahre Gott” der Welt Disboard wurde und gebot, dass Konflikte nur durch Spiele aufgelöst werden dürfen. Damals bekriegten die Götter einander um die Vorherrschaft, indem sie ihre magischen Schöpfungen aufeinander losließen. Riku, ein einfacher Mensch, der in dieser widrigen Welt einen Weg zu überleben sucht, trifft auf eine Ex-Machina. Dieses eine Exemplar einer hoch entwickelten humanoiden Maschinen-Spezies, das bald den Namen Shuvi annimmt, versucht zu verstehen, warum die Menschen noch nicht ausgerottet wurden. Den Grund sucht sie in den Herzen der Menschen, die sie durch Riku zu verstehen versucht. Nach einiger Zeit beginnt Riku durch Shuvi einen Weg zu sehen, mit dem der große Krieg beendet werden kann. Doch zu welchem Preis?

Eine Liebesgeschichte, die die Welt rettet

Originaltitel No Game no Life Zero
Jahr 2017
Laufzeit 106 Minuten
Genre Drama, Romanze, Fantasy
Regisseur Atsuko Ishizuka
Studio Madhouse

Die Welt steht vor ihrem Ruin. Die Sonne hat schon lange keiner mehr gesehen. Tagtäglich herrscht überall Krieg. Die Menschen hat es besonders schwer getroffen. Sie sind weder körperlich stark, noch verfügen sie über Magie. Das Überleben der Mehrheit fußt auf dem Opfer einzelner Personen, die Riku in den Tod schickt. Als ihm die Last immer mehr das Leben aus den Augen raubt, trifft er auf Shuvi, zu der er bald Gefühle hegt. Mit ihrer Hilfe ersinnt er bald einen Plan, um die kriegstreibenden Spezies und selbst die Götter zu überlisten und die Welt in den Frieden zu führen.

Gestrafftes Prequel eingebettet in einen verkürzten Sequel-Rahmen

No Game no Life ist eine Light Novel-Serie aus der Feder von Yuu Kamiya. Erstmals animiert wurde sie mit der gleichnamigen TV-Serie im Jahre 2014, die die ersten drei Arcs und Bände der Light Novel adaptiert. No Game no Life Zero adaptiert den sechsten Band. Teds und Izunas Schachspiel siedelt sich chronologisch direkt vor der Cliffhanger Herausforderung am Ende der TV-Serie an, die nicht noch einmal wiederholt wird. Dieses überspringt allerdings bereits zwei Arcs der Vorlage. Die Prequel-Handlung tangiert das nicht direkt, doch gehen dabei einige Referenzen verloren. Die Flügel-Anführerin Azriel von Avant Heim, die im Film ein paar kurze prominente Auftritte hat, ist eine der Hauptakteure des vierten Arcs, aus der man sich ohne Vorkenntnisse nur eingeschränkt einen Reim machen kann. Ebenfalls auffällig ist, dass Riku und Shuvi wie Prototypen von Sora und Shiro erscheinen – sowohl optisch als auch charakterlich, was im Film nie erklärt wird, da die Parallelen nie gezogen werden. Viel Exposition (nahezu alles Rikus überleben als Kind, seine Beziehung zu Corone und wie er Anführer wurde) fällt der Schere zum Opfer und wird bestenfalls gestreift. Es wird jedoch nicht ausschließlich mit Aussparung verkürzt. Einiges geschieht durch Umbau (das kleine Mädchen Nonna hat in der Vorlage eine Mutter, ihren Part übernimmt nun Corone), sondern auch durch Ergänzungen. So wird z.B. der ein verbaler Erklärungsdialog Corones abkürzt durch das Einfügen einer neuen Szene, in der sie Shuvis Haar findet.

Zwischen Verzweiflung, Romantik und Otaku-Augenzwinkern

No Game no Life ist eine Serie mit zwei Hardcore-Otakus als Helden, die das Leben in Disboard, in dem Mord und Todschlag nicht mehr existiert, mitunter nicht so ganz ernst zu nehmen scheinen. Dieser Humor ist, trotz der absolut ernsten Stimmung des Zero-Arcs in dem der Tod überall lauert, auch darin vorhanden (z.B. Shuvis Onii-chan Mundart und diverse Anspielungen auf typische Ecchi-Anime Tropes wie typische Missverständnisse und Posen). In der Light Novel sind viele davon spielerisch als Szenen eingebaut, in denen Ted Izuna foppt, welche die Filmstruktur auslässt. Infolgedessen wirkt so manch eine dieser Szenen relativ fehlplaziert in der sonst ernsten Dystopie. Der Film konzentriert sich zunächst auf den Überlebenskampf der Menschen, doch liegt der Fokus sehr bald vornehmlich auf Rikus und Shuvis Beziehung. Selbst ihr großer Plan, die anderen Spezies zu überlisten um den Krieg zu beenden, erscheint bald fast wie eine Nebensache, die in wenigen Minuten Schnelldurchlauf abgehandelt wird. Der Fokus auf die dramatischen Aspekte spiegelt sich auch in der visuellen Umsetzung wieder. Szenen, in denen Emotionen überquellen, sind durch die Bank weg hochwertig animiert. Die Farbgebung greift wie die TV-Serie in eine breite Farbpalette, doch wird bei allen Farben am Sättigungswert und Hellwert ordentlich geschraubt. Für eine zusätzliche visuelle Abgrenzung sind die Outlines der alten Zeitebene ohne Teds Präsenz schwarz, während sie mit seiner, sei es in der neuen Ära oder in seinen sporadischen Anwesenheiten vorher, wie in der TV-Serie rot sind. Einen großen Beitrag leistet auch der Soundtrack: Statt der bunten funky Musik der TV-Serie betont Komponist Yoshiaki Fujisawa (Land of the Lustrous) mit epischen Klängen und reichhaltigem Einsatz von Streichinstrumenten die Dramatik der düsten Vergangenheit.

Ich bin zwiespaltigen. Ich mag die Vorlage. Sie hat alles, was No Game no Life für mich ausmacht, legt dabei aber noch eine Schicht allgegenwärtigen Todesernst darüber. Der erste und der zweite Trailer bieten toll adaptierte Szenen und teasten ein episches Filmspektakel an. Vielleicht war meine Vorfreude ein klein wenig zu hoch. Der Film ist eine solide Adaption des Vorlagenmaterials. Er ist kein reiner sklavischer Nachbau des Vorlagenmaterials und schafft es, einiges an Textexposition alleine auf visueller Ebene darzustellen. Trotzdem fühlt sich der Movie wie ein Kompromiss an, dem man mit fortlaufender Spielzeit die Abstriche in allen Belangen immer mehr ansieht. Wo sind die absurden, halsbrecherischen Strategien geblieben? Die ganzen Psychospielchen? Die Bluffs, die jederzeit zu implodieren drohen? Dieses Kernelement wirkt im Film wie ein schaler Aufguss. Bei seinen emotionalen Schlüsselszenen ist der Film visuell stark, aber bei allem dazwischen ist es meist ein Fall von mäßig abwechslungsreichen “Talking Heads”. Am Anfang trösten noch die stimmungsvollen und detaillierten Hintergrundzeichnungen darüber hinweg, doch die finden sich vornehmlich eher zum Anfang und Ende des Films. Ein ikonischer Shot der Serie – Sora und Shiro alleine gegen die ganze Welt – wird als Parallele zu Riku und Shuvi sogar nachgestellt, doch sieht er im direkten Vergleich nicht einmal halb so überwältigend aus. Die Ex-Machina sind für einen deutschsprachigen Zuschauer zusätzlich unfreiwillig lächerlich, da deren Fachterminologien in der japanischen Originalsychronisation aus teilweise sehr schlecht ausgesprochenen und ziemlich undeutsch verwendeten deutschen Worten besteht (u.a. “Lösen. Kein Eintrag” als Schutzschildformel), doch anders als Soras “Engrish” in der TV-Serie (u.a. das “I Love Jinrui” auf seinem T-Shirt) sind sie hier bierernst gemeint. No Game no Life Zero gefällt trotz allem gut, aber während ich die TV-Adaption sogar gelungener als die Vorlage empfinde, kann ich das vom Film leider nicht sagen.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Alva Sangai
Redakteur

Ich habe noch nicht mal die Serie davon angerührt. Sieht halt nach typischer Otaku-Kost aus. Q__Q