Gintama

Es fallen im Japan des 19. Jahrhunderts Aliens, die sogenannten Amanto, ein und sorgen durch ihre Anwesenheit und Einmischung für Aufstände unter der einheimischen Bevölkerung. Dieses Setting wirkt im Grunde sehr ernst, doch die Anime-Serie Gintama nimmt humoristisch alles auf die Schippe, was vor allem den vielfältigen Charakteren, die in skurrile Situationen schlittern, zu verdanken ist und natürlich dem Schöpfer der Manga-Vorlage Hideaki Sorachi. KSM Anime hat seit 2017 die ersten 49 Episoden auf vier Volumes veröffentlicht, doch weitere Folgen stehen noch aus.

   

Die Ära der Samurai scheint vorbei zu sein, da die Besatzungsmächte der Amanto und die Regierung beschlossen haben, das Tragen von Schwertern zu verbieten. Doch in einem jungen Mann lebt noch die Seele der Samurai: es ist Gintoki Sakata, ein Freischaffender, der für Geld so ziemlich jede Arbeit annimmt, zumindest wenn er Lust hat oder ihm seine Vermieterin Otose wieder wegen der ausstehenden Miete auf die Pelle rückt. Zu ihm gesellen sich die Amanto Kagura, vom Volk der Yato, und der Junge Shinpachi Shimura. Zusammen manövrieren sie sich und andere in viele sehr schräge Abenteuer, die sowohl die Banalitäten des Alltags in Edo widerspiegeln, aber auch die finsteren Machenschaften diverser Gruppierungen ans Tageslicht zerren.

Nichts und niemand ist sicher

Originaltitel Gintama
Jahr 2006 – 2010
Episoden 201 (in 4 Staffeln)
Genre Action, Drama, Komödie
Regie Shinji Takamatsu, Yoichi Fujita
Studio Sunrise

In Gintama wird so gut wie alles parodiert, was sich irgendeiner Beliebtheit erfreut oder anderweitig Wellen geschlagen hat, das schließt die Serie selbst mit ein. Sogar die Spielekonsole Wii von Nintendo bekam gleich einen ganzen Arc mit mehreren Folgen spendiert. Ob Kotz-Tetris, eine Dating-Simulation, die nur Bad Ends hat, oder ein absurdes Rollenspiel – der Spaß für den Zuschauer ist vorprogrammiert. Ebenso sind viele Parodien von Dragonball, One Piece, Naruto oder JoJo’s Bizarre Adventures zu finden. Letzteres bekam mit dem “Ghost-Ryokan”-Arc gleich mehrere Folgen. Aber auch japanische TV-Dramen, Schauspieler, Sportler und Lifestyle-Sendungen fallen der Anime-Serie zum Opfer. Weil das allerdings noch immer nicht genug ist, müssen Videospiele wie Monster Hunter und Dragon Quest ebenso daran glauben und besitzen sogar ihre eigenen kleinen Arcs. Nichts und niemand ist vor Gintama sicher: selbst der ehemalige US-Präsident Barack Obama und der US-Schauspieler Will Smith sind der Serie nicht entkommen.

Ab damit in die Toilette

Parodien sind aber nicht alles, was den Humor ausmacht. Viele Witze sind auch wortwörtlich unterhalb der Gürtellinie angesiedelt und manchmal auch schon äußerst unappetitlich. Nicht umsonst gilt Kagura als erste Shounen-Jump-Heldin, die öffentlich kotzt. Aber nicht nur von oben kommt es heraus, auch vom anderen Ende des Verdauungsprozesses gibt es Hinterlassenschaften. Zudem muss das männliche Geschlechtsorgan sehr oft als Scherz herhalten, ob nun als eine Schneeskulptur der berühmten Neo Armstrong Cyclone Jet Armstrong Cannon oder der Verlust von Gintokis Hoden. Es ist nahezu alles dabei, sogar psychologische Kriegsführung während einer Toilettensitzung, weil es kein Klopapier gibt und sich die vier Beteiligten zwischen Schleifpapier und ihrem wertvollsten Besitz entscheiden mussten.

Feingefühl ist dennoch kein Fremdwort

Aber neben der ganzen Comedy bietet Gintama auch einiges an Drama und sogar einen Hauch von Tragik. Dies zeigt sich vor allem im “Mitsuba”-Arc, dessen Ende viele Zuschauer eiskalt erwischen kann, da so etwas schlichtweg bei dieser Art von Serie nicht erwartet wird. Es zeigt eben auch, dass das Leben nicht nur aus Spaß besteht, sondern einen in den Allerwertesten treten kann. Vor allem gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass hinter Gintoki mehr steckt als nur der faule und zuckersüchtige Tunichtgut. Die gemeinsame Vergangenheit von ihm, Kotaro Katsura und Shinsuke Takasugi liegt zwar im Dunkeln, aber es wird dennoch schnell klar, dass hier etwas sehr Gravierendes mit ihrem Sensei vorgefallen sein muss und es im späteren Verlauf noch sehr wichtig werden wird. Dies zeigt auch Gintokis Reaktion im “Red-Spider”-Arc als Jiraya von seiner ehemaligen Schülerin Tsukuyo verlangt, dass sie ihn tötet.

Wenn es kracht, dann richtig

Gintama bietet die meiste Zeit über relativ wenig nervenaufreibende Action. Wenn es dann allerdings doch zu Kämpfen kommt, sind diese sehr dynamisch und auf den Punkt gebracht. Gerade in den storyrelevanten Arcs “Benizakura”, “Shinsengumi Crisis”, “Yoshiwara in Flames” und “Red Spider” dreht die Serie so richtig auf und es geht mitunter nicht ganz unblutig zu. Gintoki zeigt seinen Gegner wie hartnäckig er sein kann, er lässt sich durch Verletzungen nicht wirklich ausbremsen. Aber auch seine Kontrahenten legen eine Zähigkeit an den Tag, besonders der Yato Housen ist eine harte Nuss und sehr stark. Aber generell sind die Yato gefährliche Gegner, dies stellt Kagura regelmäßig unter Beweis und ihr älterer Bruder mit seiner Gruppe ebenso. Allerdings sollten die normalen Menschen auch nicht unterschätzt werden, denn selbst die Leute der Shinsengumi können kräftig austeilen, wenn die Lage ernst wird.

Eine Vielfalt an Charakteren

Neben dem Trio Gintoki, Kagura und Shinpachi sowie ihrem Hund Sadaharu existieren noch jede Menge anderer Figuren, die alle auf ihre Weise einzigartig sind und die Welt von Gintama bereichern. Die Shinsengumi sorgt für Recht und Ordnung (zumindest ist das ihre Aufgabe) aber oft sind sie selbst für so einiges Chaos mitverantwortlich. Kotaro Katsura und die Joui-Patrioten kämpfen wiederum gegen die Regierung und den Einfluss der Amanto auf diese. Dasselbe Ziel verfolgt auch Shinsuke Takasugi, der Anführer der Kiheitai, der allerdings deutlich radikaler unterwegs ist und seine gemeinsame Vergangenheit mit Gintoki und Kotaro eine wichtige Rolle spielt. Ein krasser Gegensatz zu den ganzen wichtigen Personen ist Taizo Hasegawa, der wegen Gintoki seinen Job verliert und seitdem regelrecht vom Pech verfolgt wird. Insgesamt sind es über 100 Charaktere, die Gintama zu bieten hat und mal mehr oder weniger eine wichtige Rolle spielen.

Fazit

Gintama ist für westliche Zuschauer eine eher schwierige Serie, da sie erst einmal keinen sichtbaren roten Faden folgt und somit auch kein wirklicher Spannungsbogen aufgebaut wird. Es wirkt gerade anfangs eher wie seichte Unterhaltung für Zwischendurch, dies ändert sich ein wenig als Shinsuke Takasugi auf der Bildfläche auftaucht und so zumindest einige Fragen bezüglich Gintokis Vergangenheit aufwirft. Dennoch bleibt der Grundtenor eine humoristische Anime-Serie mit zahllosen Parodien, Situationskomik und Toilettenhumor, die aber immer wieder durchzogen von ernsten Geschichten ist, wie etwa der “Benizakura”-Arc, der auch als Anime- und Live-Action-Film umgesetzt wurde. Von mir kann ich sagen, dass ich meine Zeit mit Gintama definitiv nicht verschwendet habe und dabei ist es auch nicht schlimm, wenn einem manche Folge oder Arc nicht zusagt. Denn die Serie ist so viel mehr, sie lebt von ihren schrägen Charakteren, die man schnell ins Herz schließt, wenn man am Ball bleibt und nicht nach ein paar Folgen gleich abbricht.

© KSM Anime


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Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo's Bizarre Adventures.

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