Aldnoah.Zero (Staffel 2)

Lesezeit: 7 Minuten

Einen Krieg zu beenden ist noch nie ein einfaches Unterfangen gewesen. Die drei Hauptcharaktere von Aldnoah.Zero haben dies bitter am eigenen Leib erfahren müssen. Genauso der Zuschauer, der am Ende der ersten Staffel mit einem der wohl fiesesten Cliffhanger der Anime-Geschichte zurückgelassen wurde. Ganze drei Jahre hat KAZÉ Anime verstreichen lassen, bevor es für deutsche Fans weiterging. Am 29. Juni 2018 war es endlich soweit und das letzte Volume mit dem großen Finale erschien für das Heimkinoerlebnis. Ob es zwischen Mars und Erde zu einer friedlichen Lösung kommt, wollten wir uns nicht entgehen lassen und haben daher A-1 Pictures’ (Sword Art Online The Movie: Ordinal Scale) Mecha-Hit zu Ende geschaut.

  

Der Marsritter Graf Saazbaum greift das Hauptquartier der United Earth in Russland an. Die Deucalion kann ihn aufhalten, indem sie mit allen Mitteln gegen den Feind vorgehen. Zwei Schüsse besiegeln jedoch das Ende der Kampfhandlungen: Prinzessin Asseylum wird von einer Kugel am Kopf getroffen und ein anderes Projektil, welches von Salin Troyard abgeschossen wird, trifft Inaho Kaizuka. Wie durch ein Wunder überlebt letzterer und ist dank des Blutes der Prinzessin nun im Besitz von Aldnoah. Slaine rettet Graf Saazbaum das Leben, obwohl dieser die Prinzessin angeschossen hat. Asseylum wird schwer verletzt von diesen beiden zur Mondbasis gebracht, um dort ärztlich behandelt zu werden. 19 Monate sind seit dem Schicksalstag vergangen und noch immer herrscht Krieg auf dem blauen Planeten. Da Inaho durch den Kopfschuss sein linkes Auge verlor, ersetzte er dieses durch ein hochentwickeltes bionisches Auge, welches in der Lage ist, auch die komplizierteste Berechnung anzustellen. Jede zusätzliche Hilfe ist ihm wärmstens willkommen, denn von der Mondbasis aus verkündet Prinzessin Asseylum, dass sie das Kaiserreich Vers zum Sieg führen wird.

Verschenktes Potenzial

Nach dem Ende der ersten Folge stellt sich leider eine gewisse Ernüchterung ein, da das Potenzial des Finales der ersten Staffel nicht ausgenutzt wird. Anstatt hier einen radikalen und unerwarteten Weg zu beschreiten, entschieden sich die Autoren für das typische Klischee, beide Figuren angeschossen überleben zu lassen. Inahos verlorenes Auge durch eine Rechenmaschine zu ersetzen, ist keine gute Idee. Sein neues Auge bringt ihm zu viele Vorteile ein und erst im späteren Verlauf der Handlung kommt es zu Problemen. Weitere Teile des Gehirns werden vom Auge übernommen. Schmerzen und Bewusstseinsverlust sind die Folge, womit Inaho und der Zuschauer gerechnet hat.  So steigt der schon schlaue Fuchs zu einem Deus ex machina auf, der fast im Alleingang alle Probleme aus dem Weg räumt. Dies ist sehr schade, denn in der ersten Staffel kann die Serie gegenüber Serienvertretern punkten, indem Kämpfe durch Taktik und kameradschaftlichen Zusammenhalt gewonnen werden. Strategien werden hier noch entwickelt, doch sind diese nur noch durch das übermenschliche Auge möglich. Nur wenige Duelle können daher mit Spannung aufwarten und das betrifft genauer gesagt nur jene, in denen Slaine mitmischt. Der Diener der Prinzessin hat die Befugnis, den Kataphrakt (Kampfroboter) Tharsis zu steuern, der die Fähigkeit besitzt, in die Zukunft sehen zu können. Die Zeitspanne ist zwar begrenzt, bietet aber einige interessante Möglichkeiten.

Der, den alle hassen

Slaines Handeln wird in der zweiten Staffel von Aldnoah.Zero immer unbegreiflicher, je weiter die Geschichte voranschreitet. Dabei waren seine Beweggründe immer einfach: Er beschützt die Prinzessin. Doch von diesem Weg kommt er ab, was ihm viel Hass entgegenbringt. Schließlich wird er zur treibenden Kraft im Krieg gegen die Erde und dabei greift er zu Lügen, Betrügereien und allen anderen Mitteln, die ihm zu Verfügung stehen. Einzig im Finale zeigt sich Slaine wieder von seiner bekannt liebenswerten Art. Er sieht seine Fehler ein (wenn auch zu spät) und setzt dem Krieg ein Ende, indem er die Mondbasis friedlich räumen lässt. Mit einem solchen Ausgang der Endschlacht hat keiner gerechnet. Trotz dieser Wendung dürfen Fans sich freuen, denn es kommt zum ersehnten Endkampf zwischen Fledermaus und Orange. Eine Überraschung zum Abschluss: Inaho feuert keinen Schuss auf Slaine ab, sondern rettet ihm das Leben. So kommt es, dass in der gesamten zweiten Staffel kein einziger wichtiger Charakter stirbt. Dies mindert den Schrecken des Krieges stark. Fans werden schmunzeln, dass die Szenen der beiden Protagonisten sehr stark an die letzten Einstellungen des Superhelden-Films X-Men erinnern: Gefängnis aus Glas, ein Schachbrett und zwei Männer, die verfeindet sind, aber doch Gemeinsamkeiten haben.

Die Halbschwester

Slaines Handeln bringt ihm keine neuen Fans ein, weswegen wir einen Blick auf die Prinzessin bzw. die Prinzessinnen werfen. Wie aus dem Nichts zaubert der Anime eine Halbschwester von Asseylum daher, mit Namen Lemrina. Hier ist der Zuschauer zuerst skeptisch, denn es könnte sich nur um einen Platzhalter handeln. Jedoch besitzt sie eine traurige Hintergrundgeschichte und einen vielschichtigen Charakter, was sie in den Augen vieler zu einer interessanteren Figur als ihre Schwester Asseylum macht. Vor allem weil Lemrina im späteren Verlauf für ein paar überraschende Wendungen sorgt, gibt sie der Handlung eine gewisse Würze. Anstatt ihre aus dem Koma erwachte Schwester zu erschießen, offenbart sie ihr, dass ihr freundlicher Slaine zum Kriegstreiber mutiert ist.

Keine Entwicklung

Originaltitel Aldnoah.Zero 2nd Season
Jahr 2015
Episoden 13
Genre Action, Mecha, Science-Fiction
Regisseur Ei Aoki
Studio A-1 Pictures, TROYCA

Asseylum selbst liegt zu Beginn der Staffel im Koma, doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie erwacht. Für die psychologischen Konfrontationen ist es unablässig, dass sie ins Geschehen eingreift. Leider sind zwei Dinge sie betreffend unbefriedigend: Zum einen wird der anfängliche Gedächtnisverlust kaum charaktertechnisch ausgereizt, noch dauert er sonderlich lange. Schlimmer jedoch ist der Fakt, dass alle vorangegangen Ereignisse keine Spuren hinterlassen haben. Sie setzt noch immer auf die Hilfe der Ritter, obwohl diese sie verraten haben und einer sogar direkt auf sie geschossen hat. Es fehlt schlicht eine Charakterentwicklung, die zeigt, dass sie nach alldem skeptischer geworden ist. Einzig überzeugend ist die Aktion, sich selbst zur Königin zu machen — eine der finalen Wendungen, mit der der Zuschauer nicht rechnen konnte. Genauso wenig, dass sie einen der Vers-Ritter zum Ehemann nimmt. Fans fühlten sich durch diese Entscheidung vor den Kopf gestoßen, da sich viele wünschten, dass sie mit Slaine oder Inaho zusammenkommt.

Ein Lächeln im Gesicht

Bleibt nur noch Inaho, der sich hier für viele zum Besseren mausert. Während eine Menge Zuschauer ihm in der ersten Staffel vorwarfen, keine Emotionen zu haben, zeigt er diese nun vermehrt nach außen. Ob nun ein breiteres Lächeln, Sorge um seine Schwester oder Aggressionen gegenüber Slaine, Inaho ist keine Maschine. Einzig das erwähnte Ärgernis mit dem Auge trübt seine Erscheinung. Die Verantwortlichen hinter der Serie hätten vor allem nicht zuviel Star Wars schauen sollen. Wenn sich Inaho mit seinem Auge unterhält, klingt dieses wie der Roboter R2-D2. Immerhin: nach dem Ende der Kampfhandlungen trennt er sich von dem Auge. Eine schöne Geste, die zeigt, dass er es nun nicht mehr braucht und der Krieg beendet ist.

Vernachlässigung der alten Nebenfiguren

Ein Ärgernis für Fans von Figuren wie Rayet oder Marito ist der Fakt, dass deren sorgsam aufgebaute Konflikte in der zweiten Staffel mit einem Fingerschnippen gelöst werden. Viel eher wendet sich die Serie neuen Figuren zu; ausschließlich Rittern des Marsimperiums. Das sorgt zwar auf der einen Seite für ein besseres Verständnis der Machtverhältnisse im Vers-Reich, aber auf der anderen Seite kommt es zu einer Vernachlässigung der Erdlinge. Da hilft es auch nichts, dass die Kreativen hinter dem Skript militärische Machtkämpfe auf Seiten der United Earth einbauen. Die Besatzung der Deucalion lässt nur wenig Unmut verlauten, da sie keine Mittel und Wege hat, ihre Situation zu ändern. Daher hätte die Geschichte von Aldnoah.Zero gut darauf verzichten können.

Wir blicken hinter das Schlachtfeld

Gen Urobuchi (Psycho-Pass) schuf die Grundidee — Bösewichte haben den Super-Mecha alias die „Anti-Gundam“-Szenerie — für die Serie, welche bis zum Ende weitergeführt wird. Mechafans werden jedoch feststellen, dass die späteren Kataphrakte teilweise ins Lächerliche gehen — Schlagwort: „Killer-JoJo“. Ansonsten bewegt sich die Staffel auf dem gleichen Niveau wie die erste, was daran liegen mag, dass sich personell nichts verändert hat. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Ei Aoki (Fate/Zero) ist immer noch Regisseur, Takako Shimura (Hourou Musuko) oblag weiterhin das Charakter-Design und der bombastische Soundtrack stammt aus der Feder von Hiroyuki Sawano (Attack on Titan). Da letzterem die Aufgabe des Openings oblag, wundert es nicht, dass es der Titel „&Z” locker mit „Heavenly Blue” von Kalafina aufnehmen kann. Das Ending ist hingegen musikalisch nicht ganz so stark wie seine Vorgänger, aber „GENESIS” von Eir Aoi wird seine Fans finden. Vor allem optisch präsentiert sich der Abspann mit netten Aquarellbildern. Die elfte Folge bietet ein anderes Ending, das Sora Amamiya (die Sprecherin von Asseylum) singt und auf den Namen „Harmonious” getauft ist.

Neue und alte Sprecher

Zum Glück konnten fast alle Sprecher für die zweite Staffel erneut in ihre Sprechrollen schlüpfen. Nur Gerald Paradies war leider nicht mehr verfügbar um seine Stimme dem Charakter Rayregalia Vers Rayvers zu verleihen, da er am 20. Juni 2016 verstarb. Daher übernahm Raimund Krone (Ralph Eifman in Mobile Suit Gundam 00) seinen Posten. Da es eine Vielzahl neuer Charaktere gibt, darf sich der Zuschauer hier auf einiges gefasst machen, denn gerade die neuen Ritter sind bekannt besetzt. So zum Beispiel verleiht Viktor Neumann seine Stimme Grad Barouhcruz, den The Walking Dead-Fans sofort aus seiner Rolle als Rick Grimes heraushören werden. Die Ritter Marylcian und Mazuurek haben es richtig prominent erwischt: Kim Haspers synchronisiert ersteren, welcher die deutsche Stammstimme von James Franco (11.22.63) ist, letzter wird von Frank Schaff verkörpert, der Ethan Hawke (Predestination – Entführung in die Zukunft) und Paul Bettany (Avengers: Infinity War) regelmäßig seine Stimme schenkt. Patrick Baehr (Kei Nagai in Ajin: Demi-Human) verleiht Graf Clankain seine Stimme und Julia Stoepel (Julia Crystal in Yu-Gi-Oh! Arc-V) spricht Prinzessin Lemrina. Dass hier sehr erfahrene Sprecher am Werk sind, hört der Zuschauer und das macht die zweite Staffel Aldnoah.Zero immerhin auf dem Gebiet zu einem Vergnügen.

Die erste Staffel von Aldnoah.Zero schaue ich wirklich sehr gerne. Mir gefällt es, wie mit Taktik ein Sieg errungen wird und nicht, weil zum x-ten Mal der Hauptcharakter den Super-Mecha abbekommen hat. Leider wird genau diese Stärke hier nicht weitergeführt. Jedenfalls nicht richtig, da Inaho mit seinem tollen Auge fast alles alleine schafft. Den Kämpfen fehlt der nötige Flair und ich muss unpassender Weise sogar eher lachen, wie Inahao mit seinem orangefarbenen Mecha im Attack on Titan-Style durch den Weltraum fliegt. Ansonsten sehe ich es positiv, wie er sich charakterlich weiterentwickelt hat und das sagt diejenige, die ihn schon in der ersten Staffel zum hiesigen Lieblingscharakter ernannte. Was hingegen Slaine angeht, so finde ich es schade, dass aus ihm der aktive Bösewicht gestaltet wird. Ich habe mir den Verlauf der Handlung einfach ganz anders gewünscht. Negativ fällt auch ins Gewicht, dass die interessanten Nebenfiguren aus der ersten Staffel hier so abgestempelt werden. Ein kleiner Lichtblick am dunklen Horizont, sind ein paar der neuen Figuren. Gerade Mazuurek ist ein sympathischer Geselle, der in wenigen Szenen viel Charaktertiefe rüberbringt. Auf optischer Ebene habe ich nichts zu meckern, genauso wenig wie auf musikalischer: Der Soundtrack ist einfach nur klasse und das neue Opening sowie die Endings sind nach meinem Geschmack. Leider bleibt im Gesamtpaket die zweite Staffel weit hinter seiner ersten zurück.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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