Ghost Wars

Lesezeit: 5 Minuten

Werke wie The Returned, in denen Tote nicht einfach tot bleiben können und stattdessen ihre Hinterbliebenen heimsuchen, gibt es allmählich wie Sand am Meer. Im Oktober 2017 schickte auch der US-Kabelsender Syfy einen Vertreter dieser Gattung los: Ghost Wars, welches ein halbes Jahr später seine deutsche Heimat auf Netflix fand. Der Titel lässt auf großangelegte Schlachten hoffen, doch viel ist davons in Staffel 1 noch nicht zu sehen. Da die Serie mangels Zuschauern mit Ausdauer nach den ersten 13 Episoden eingestellt wurde, bleibt es auch bis auf Weiteres dabei.

  

Ein kleines Kaff names Port Moore in Alaska wird von einem Erdbeben erschüttert. Dadurch öffnet sich auch ein Portal ins Jenseits. Roman Mercer (Avan Jogla, Victorious) besitzt eine übernatürliche Gabe. Der junge Mann ist nicht nur in der Lage, Geister zu sehen und mit ihnen zu sprechen, sondern sie auch zu vertreiben. Das macht ihn zu einem ungern gesehenen Bürger, zumal seine Mutter auch noch als verrückte Hellseherin verrufen ist. Als eines Tages ein Bus beim Ausweichen vor einem Geisterjungen verunglückt, sterben alle Insassen – bis auf Roman, was die Skepsis in Port Moore noch weiter steigen lässt. Nun liegt es an Roman, nicht nur mit seinen Fähigkeiten klarzukommen und die Stadt vor der Massenvernichtung zu retten, sondern auch gegen die Vorurteile seiner Mitbürger und vor allem gegen persönliche Dämonen anzukommen.

Personal mit fragwürdiger Vergangenheit

Der kanadische Regisseur Simon Barry (Continuum) zeichnet früh das Bild eines typischen Kleinstadtpanoramas wie man es aus Stephen Kings Under the Dome oder Weinberg kennt, inklusive aller verhaltensaufälligen Bewohner, die so ein Kaff nunmal besitzen muss. Das Möchtegernstädtchen Port Moore ist nämlich alles andere als offen für Übersinnliches. Allen voran der in seinem Glauben erschütterte Pfarrer Reverend Dan (Vincent D’Onofrio, Daredevil), welcher bei der erstbesten Gelegenheit zur Flasche greift. Auch ein lesbisches Paar mit Erziehungspflicht will nicht fehlen, um die Diversität des Kaffs zu unterstreichen. Und wie sich das nun einmal so für Kinder in Horrorwerken gehört, ist auch eines jener Sorte dabei, das Stimmen hört und tote Kinder zeichnet. Damit das nicht zu harmonisch wird, gibt es den klassischen Querulanten, der für alles einen Sündenbock findet. Dieser wird verkörpert von Alt-Rocker Meat Loaf (Fight Club). Der Rest bildet das kleine Einmaleins des sonderbaren Dörfchens: Sheriff, Deputy, Pathologin, Ärztin. Dazu gehört auch die Wissenschaftlerin Dr. Landis Barker (Kandyse McClure, Battlestar Galactica), die im Laufe der Handlung eine der wichtigsten Rolle einnimmt und – wie sollte es anders sein – für eine rationale Herangehensweise steht.

Ungleiches Protagonistenduo

Originaltitel Ghost Wars
Jahr 2017
Land USA
Episoden 13 (1 Staffel)
Genre Horror
Cast Roman Mercer: Avan Jogia
Billy McGrath: Kim Coates
Dan Carpenter: Vincent D’Onofrio
Doug Rennie: Meat Loaf
Dr. Landis Barker: Kandyse McClure
Dr. Marilyn McGrath-Dufresne: Kristin Lehman

Avan Jogia mimt den Teenieschwarm aus dem Bilderbuch: Selbstbewusst, eigenbrötlerisch, gutaussehend und von der Gesellschaft gemieden. Das sind die vier Wegweiser seiner Persönlichkeit, denn als Hauptfigur gibt er wenig her. Ohnehin schert sich Ghost Wars reichlich wenig um den Protagonisten, der zwar bei Problemen an Ort und Stelle ist, aber sonst eher passiv bleibt. Viel mehr will die Geschichte mit Geistergeschichten und -momenten unterhalten und schockieren. Diese sind zumeist episodengerecht aufbereitet, während sich in der zweiten Hälfte auch handlungsübergreifende Fälle auftun. Dem verstoßenen Hauptcharakter wird zumeist die Aufgabe zuteil, das Unheil abzuwenden, doch eine größere Entwicklung bleibt ihm vergönnt. Hier mag möglicherweise mit hineinspielen, dass die Serie auf eine größere Lebensdauer ausgerichtet war. Als Dreh- und Angelpunkt verknüpft er die einzelnen Geschichten eher schlecht als recht, dient für den Zuschauer aber als grober Orientierungspfeiler. Die zweite Hauptfigur Billy McGrath (Kim Coates, Sons of Anarchy), die in der zweiten Episode hinzustößt, besitzt schon ein wenig mehr Elan und macht es dem Zuschauer auch einfacher, mit ihr zu sympathisieren. Somit ist es auch kein Wunder, dass Billy zunächst einmal versucht, den grauenvollen Ort zu verlassen, ganz im Gegensatz zu Roman, der die unnatürliche Begegnung sucht. Doch wie das Schicksal es so möchte, landet Billy nach einer Flucht per Schiff wieder genau dort, wo er losgefahren ist.

Absurde Ideen…

Geht es um die Geister selbst, sind die Regeln eher offen gehalten. Da sie jede x-beliebige Form annehmen können, sind Intrigen vorprogrammiert und so machen sich Port Moores Bewohner auch mal gegenseitig den Garaus. Folge um Folge wird Port Moore also nun von mysteriösen Erscheinungen heimgesucht. Dies geschieht in der Regel auf besonders makabere Art und Weise, was wohl die größte Stärke der Serie ist: Ghost Wars glänzt in kleinen Momenten mit absurden Todesfällen und bizarren Geistern. Leider kriegt die Serie nicht in jedem Fall die Kurve und rutscht mehr als nur einmal in Lächerlichkeiten ab, ob gewollt oder ungewollt. Wenn Mitbürger ihre Verhaltensweisen von heute auf morgen verändern, zahlt das nicht immer auf deren Glaubwürdigkeit ein. Beispielsweise ist eine Frau plötzlich schwanger und hat seitdem Heißhunger auf Fleisch. Ihr Gatte bekommt nun den Auftrag, täglich kiloweise Fleisch zu besorgen und wie sich am Ende herausstellt, nimmt nur er dieses Fleisch auch als Fleisch wahr. In Wahrheit handelt es sich um Leichenteile.

… mit Effekten zum sprichwörtlichen Gruseln

In Totalen macht Ghost Wars einen hervorragenden Eindruck: Das Bild wurde mit Blau-Filtern versehen, die visuell eine unheilbringende Szenerie erschaffen und etwas Geheimnisvolles auf das Geschehen legen. Doch kritisch wird es, wenn die Spezialeffekte zum Einsatz kommen, deren Qualität auf eher niedrigem Serienniveau angelegt wird. Die Computereffekte bewegen sich auf dem Niveau durchschnittlich budgetierter Serien der frühen 2000er und wirken in den meisten Fällen störend. Wie etwa die blaue Substanz, die Roman umgibt, Raupen in Übergröße oder Polypen aus Mündern. Dazu kommt ein massiver Einsatz an Blurring, der die geisterhaften Erscheinungen begleitet und für ein eigenartiges Flackern sorgt bzw. dem Bild auch mal die Unschärfe nimmt. Effekte, die jeder Horrorfan schon einmal irgendwoanders besser gesehen hat und Ghost Wars augenscheinlich nach einer Low Budget-Produktion aussehen lassen.

Horrorfans werden Ghost Wars zumindest die Ambitionen anmerken, ein ernstzunehmender Gruselhit sein zu wollen. Dem entgegen stehen allerdings nicht nur die visuellen Effekte, sondern auch das nur bedingt ausgereifte Drehbuch. Einzelne Geschichten wissen dank absurder Einfälle durchaus zu unterhalten, doch als Ganzes ist die kanadische Serie dazu verdammt, schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Weder der Plot noch der stellenweise zu passive Hauptcharakter können hier Akzente setzen. Somit bleibt Ghost Wars nicht mehr als ein laues Lüftchen.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Aki
Redakteur

Klingt als hätten die Autoren einiges von Stephen Kings Romanen und Kurzgeschichten gelesen und zusammen gepackt. Schade, dass die erste Staffel so schlecht ist. Ab und an sollte die Leute nicht gleich zu weit in die Zukunft planen, sondern erst mal einen guten Grundstein legen.
Danke für die Review. Wäre bei Netflix bestimmt hängen geblieben und hätte mich geärgert, wenn ich es angefangen hätte. Mag ja so ungerne abbrechen und wenn dann so ein Ende dann nur kommt….