WandaVision (Folge 1×09)

Mit Folge 9 (die den simplen Titel “Serien-Finale” trägt) endet nicht nur die Staffel, sondern auch WandaVision als Serie. Das Finale lässt kaum Fragen offen, liefert dafür allerdings auch nur teilweise zufriedenstellende Antworten. Manche Auflösung gestaltet sich dabei sogar als relativ unspektakulär.

Inhaltsangabe

Agatha und Wanda stehen sich auf der Straße gegenüber. Wanda gelingt es, die Kinder zu befreien, doch dann taucht plötzlich der von Hayward entsandte weiße Vision auf, der versucht, Wanda zu töten. Der von Wanda erschaffene Vision geht dazwischen und liefert sich einen Kampf mit seinem künstlichen Ebenbild. Derweil wird Monica von Pietro in dessen “Männerhöhle” festgehalten. Monica lüftet mittels eines Fotos seine Identität: Ralph Bohner, womit klar wird, dass Ralph der Ehemann von Agnes ist. Es kommt zum Kampf, bei dem Monica die Kette um Ralphs Hals entfernen kann und somit den Bann bricht.

Wanda irrt durch Westview. Agatha stoppt die Gedankenkontrolle der Einwohner, die sich nun gegen Wanda wenden. Darunter auch Dottie, die Wanda anfleht und sagt, ihr Name sei eigentlich Sarah und die Kinder könnten doch befreundet sein. Agatha ist Wanda auf den Fersen und ruft ihr hinterher, dass ihr Schicksal die Zerstörung der Welt sei. Wanda erkennt, welches Leid sie den Einwohnern Westviews hinzugefügt hat und löst die Maximoff-Anomalie auf. Die Barriere bekommt einen Riss und während Einwohner hinausstürmen, fahren S.W.O.R.D.-Militärfahrzeuge hinein. Durch die Aufhebung der Anomalie beginnen Vision, Billy und Tommy sich zu zersetzen, da sie kein Teil der Realität außerhalb Westviews sind und damit an diese Welt gebunden bleiben. Wanda muss sich entscheiden, ob sie Westview oder ihre Familie rettet.

Der Kampf der beiden Visons endet damit, dass Vision sein weißes Ebenbild darüber aufklärt, dass es keine Erinnerungen besitzt, sondern nur aus Daten besteht. Daraufhin wird der Erinnerungsspeicher wieder hergestellt.

Haywards Fahrzeuge erreichen den Platz des Geschehens. Er schießt auf Billy und Tommy, doch Monica kann dazwischen springen und die Kugeln mit ihren neuen Kräften stoppen. Hayward erkennt, dass er gegen Monica nichts unternehmen kann, und versucht zu fliehen. Doch sein Fahrzeug von einem anderen Fahrzeug, welches Darcy steuert, gerammt und er wird von Jimmy Woos hinzugerufener Unterstützung verhaftet. Während Billy und Tommy sich um die Soldaten kümmern, eskaliert die Situation zwischen Wanda und Agatha weiter. Wanda reist mit Agatha zurück nach Salem, als Agatha auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, und lässt die getöteten Hexen auferstehen. Doch diese richten ihre Wut gegen Wanda, bezeichnen sie als die Scarlet Witch und schließlich steht Wanda auf dem Scheiterhaufen. Daraufhin formt sich ein Diadem, aus dem die Chaosmagie dringt, und Wanda löst die Situation auf. Wanda richtet Agathas Runen gegen sie und absorbiert ihre Kräfte. Daraufhin ist Agatha machtlos und wird von Wanda dazu verdammt, in Westview zu verweilen. In der Rolle der neugierigen Nachbarin, die sie als Agnes einst angenommen hatte.

Wanda erkennt den Schaden, den sie der Stadt hinzugefügt hat, und weiß, dass sie sich von ihrer Familie verabschieden muss. Nachdem Billy und Tommy zu Bett gebracht wurden, zieht sich die geöffnete Barriere weiter zurück. Wanda teilt Vision ihre Liebe mit und nach einem Kuss hat die Barriere das Haus erreicht, woraufhin sich Vision, Billy und Tommy auflösen. Westview ist wieder zurück in seinem ursprünglichen Zustand und Wanda steht auf einem leeren Grundstück. Die Einwohner Westviews sind nicht gut auf Wanda zu sprechen, doch Monica kann Wandas Beweggründe nachvollziehen und hält zu ihr. Die beiden Frauen verabschieden sich voneinander.

Monica erhält in Westviews Kino die Botschaft einer als Mensch getarnten Skrull, die sie anweist, mithilfe eines gemeinsamen Freundes die Erde zu verlassen.

Wanda zieht sich an einen abgelegenen Ort zurück. In einem einsamen Haus am See studiert sie das Zauberbuch “Darkhold”, welches sie zuvor Agatha entrissen hatte. Dabei vernimmt sie die Hilferufe ihrer beiden Söhne.

Das Spiel mit den Erwartungen

Was war der Jubel groß, als Pietro vor Wandas Haus stand. Die X-Men sind wieder da! Endlich kommt es zum Crossover! Wird es noch mehr Cameo-Auftritte geben? Letztlich erweist sich der Auftritt von Evan Peters nur als Wink (mit dem Zaunpfahl) für Fans, denn Pietro ist eben Ralph und nicht Peter aka Quicksilver. Eine gut gelegte Fährte, um Fans durchdrehen zu lassen und die Serie während ihrer wöchentlichen Ausstrahlung einem noch größeren Hype zu unterwerfen. Letzten Endes ist die Rolle des Ralph für die gesamte Handlung ohne größere Bedeutung, denn das Einzige, was der falsche Pietro macht, ist Wanda zwischenzeitig zu verwirren, doch sonst laufen alle Fäden bei Agatha zusammen.

Ein wahrscheinliches und ein garantiertes Wiedersehen

Agatha ist also nun doch der Staffel-Obermotz. Während viele Wetten und Spekulationen um die Identität ihres Mannes in Gange waren, erfahren wir aber auch in der letzten Folge noch einmal mehr über sie. So ist Agatha also in der Lage, die Kräfte anderer zu absorbieren, was mit dem Tod des Feindes endet. Sonst zieht Agatha aber erst einmal den Kürzeren. Was in dieser Hinsicht interessant ist, ist das Schicksal, welches Wanda ihr auferlegt: Gefangen in einer Rolle zu sein. Das schließt nicht aus, dass Agatha nicht eines Tages zurückkehren wird. Vor allem bedeutet das, dass es dieses Mal keinen Schurkenverschleiß gibt. Denn auf dem Konto getöteter Bösewichte stehen inzwischen zu viele Namen, sodass sich Abnutzungserscheinungen irgendwann sichtbar machen. Doch so darf Agatha sich geistig neben Loki und den Winter Soldier einreihen, um vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal in Erscheinung zu treten. Wer in dieser Folge zu kurz kommt, ist eindeutig Monica, die nur als Rettung der Kinder dient und letztlich für Haywards Verhaftung sorgt. Auch wenn sie zum Ende hin eher als Stichwortgeberin dient, ist WandaVision gleichzeitig ihre Origin Story und die After Credits deuten bereits an, dass Monicas Reise nun überirdisch weitergehen wird. Für Captain Marvel 2 gilt sie als gesetzt, aber auch Fantastic Four könnte eine Plattform zur Vertiefung ihrer Figur werden.

Vision vs. Vision

Der Kampf der beiden Visions birgt den mitunter furiosesten Action-Anteil der Serie, ist inhaltlich aber nur halb so spannend wie das feindselige Tête-à-Tête zwischen Wanda und Agatha. Mit der Frage nach dem Schiff des Theseus konnte Vision sein künstliches Ebenbild in eine Art Identitätskrise stürzen. Nach der Wiederherstellung des Erinnerungsspeichers verlässt der weiße Vision fluchtartig wieder Westview. Es existiert also nun ein Vision dort draußen, während sich Wandas Ideal-Vision aufgelöst hat. Somit liegt nahe, dass es auch in Zukunft eine Begegnung zwischen Wanda und dem weißen Vision geben wird, was alleine schon aus Gründen ihrer Storyline unumgänglich ist. Als Vision sich am Ende auflöst, macht er noch eine interessante Andeutung, indem er sagt, dass niemand wisse, was er noch sein könne.

Darkhold

Wanda hat endlich auch den magischen Aspekt im MCU erhalten, den Fans seit vielen Jahren vermisst haben, und sie nun deutlich näher an ihr Comic-Original rücken lässt. Auch wenn weiterhin ungeklärt bleibt, woher ihre Kräfte genau stammen, denn nach dem Blick auf ihre Kindheit in Folge 8 wird dieser Ansatz nicht mehr weiterverfolgt. Was es damit nun auf sich hat, werden wir wohl erst in einer der späteren Ausgaben des MCUs erfahren. Bis dahin hat Wanda Zeit, Darkhold zu studieren und ihre ohnehin schon mächtigen Fähigkeiten weiterhin auszuarbeiten. Wird Wanda ihre Fähigkeiten nutzen, um ihren Ehemann und auch ihre Kinder in irgendeiner Form erneut zum Leben zu erwecken? Zumindest wäre es für das MCU sicherlich verschenktes Potenzial, Tommy und Billy nicht weiter einzubinden, die mit Sicherheit eine Bereicherung für die (Young) Avengers wären. Mit dem Studium des Buches Darkhold distanziert sich WandaVision von den anderen Marvel-Serien Agents of S.H.I.E.L.D. und Runaways, wo das Buch bereits auftauchte. Beide Serien zählen allerdings nicht (mehr) zum MCU-Kanon.

Fazit

Die letzte Episode ist erstaunlich zuschauerfreundlich, wenn es darum geht, möglichst viele Erklärungen zu liefern. Zwar bleiben einige Dinge offen oder deuten bereits ein Wiedersehen oder eine Fortführung in einem anderen Bestandteil des MCU an, doch im Großen und Ganzen werden alle Handlungsstränge zufriedenstellend aufgelöst. Es war bereits vor Beginn der Serie bekannt, dass WandaVision als Einleitung zu Doctor Strange in the Multiverse of Madness dienen wird. Das Tor ist nun immerhin für alles Übernatürliche aufgestoßen: Hexen, Dämonen und Magier warten nur darauf, ins MCU einzukehren. Das Finale markiert den bislang emotionalsten Teil der Reihe, sieht man einmal von diversen Toden in Avengers: Infinity War ab. Vielleicht bleiben enttäuschte Fans zurück, die sich nach all den Andeutungen einen Auftritt von Richards Reeds, Magneto oder einem anderen MCU-Star versprochen haben. Sieht man einmal von nicht erfüllten Erwartungen ab, glänzt die Folge insbesondere mit ihrer Dramaturgie und dem letzten philosophisch aufgeladenen Dialog zwischen Wanda und Vision.

© Disney

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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