Royal Pains (Staffel 1)

Eine Flasche Wodka, ein Teppichmesser, ein Kugelschreiber und Plastikfolie. Wer an Serien denkt und sich fragt, was mit diesen Dingen wohl gemacht werden kann, denkt vermutlich zuerst an MacGyver. Dass man damit aber auch einem bewusstlosen Jugendlichen das Leben retten kann, zeigt Dr. Hank Lawson (Mark Feuerstein, Good Morning Miami) in der US-amerikanischen Serie Royal Pains. Das Format wurde 2009 ins Leben gerufen und beschreibt den Weg eines New Yorker Arztes, den es aufgrund unerwarteter Umstände in die Hamptons, den Urlaubsort der Reichen und Schönen, verschlagen hat. Unterstützt wird er von seinem übereifrigen Bruder Evan (Paulo Costanzo, 40 Tage). Was entsteht, wenn die High Society auf einen Arzt trifft, der mit den ungewöhnlichsten Methoden Menschen das Leben rettet, sehen wir in der ersten von insgesamt acht Staffeln von Royal Pains. Leider sind in Deutschland bisher nur sechs Staffeln erhältlich, was schade ist, da sie in der Regel mit einem Cliffhanger enden.

Der Arzt Henry „Hank” Lawson (Mark Feuerstein) arbeitet in einem Klinikum in Brooklyn. Nach dem Tod eines Hauptsponsors des Krankenhauses, den Dr. Lawson mitverschuldet haben soll, verliert er seinen Job. Das hat schwerwiegende Folgen, denn die Familie des Verstorbenen hat großen Einfluss, was die Jobsuche für Hank beinah unmöglich macht. Hank wird zum Sündenbock. Er lässt sich gehen und versinkt in Selbstmitleid. Als ihn auch noch seine Verlobte verlässt, ist es endgültig vorbei. Zur Ablenkung ergreift sein jüngerer Bruder Evan (Paulo Costanzo) die Initiative und macht mit Hank einen Wochenendtrip in die Hamptons, dem Urlaubsort der New Yorker High Society. Evan gelingt es, sich und Hank Einlass zu einer Party zu verschaffen. Hank rückt in den Mittelpunkt, als er einer jungen Frau das Leben rettet. Dem Hausherren Boris (Campbell Scott, The Amazing Spider-Man) gefällt Hanks Herangehensweise und seine Diskretion, woraufhin er ihm sein Gästehaus und eine Anstellung anbietet. So wird Hank zum begehrten Exklusivarzt der Hamptons.

Die Welt der Reichen und Schönen

Meer, Strand, eine sommerliche Prise und herrliche Anwesen. Bereits die Bilder sorgen für eine Urlaubsstimmung und laden zum Entspannen ein. Die Zuschauer*innen werden in die Welt der Reichen und Schönen eingebunden und lernen bei Hanks Hausbesuchen immer wieder neue Regionen der Hamptons kennen. Auch bei kritischen Unfällen, die für Aufregung und Anspannung sorgen, bieten diese wunderbaren Bilder im Anschluss nicht nur für Hank die Entspannung, sondern auch für alle vor dem Fernseher. Die Hamptons liegen rund 130 bis 230 Kilometer von New York City entfernt. Seit Jahrzehnten gelten sie als Hochburg der Superreichen und dienen vorrangig als Wochenend- und Sommerdomizil. Zu den Besitzern zählen unter anderem Mariah Carey, Steven Spielberg, Tiger Woods und Calvin Klein. In vielen Serien wurden die Hamptons bereits besucht und so auch bekannt. So beispielsweise in King of Queens, Sex and the City und Castle. Die Ortsansässigen benötigen eben auch medizinische Versorgung und wer weiß, ob eine Art Dr. Lawson in den realen Hamptons unterwegs ist.

Arztserie der anderen Art

Originaltitel Royal Pains
Jahr 2009
Land USA
Episoden 13 (in Staffel 1)
Genre Drama
Cast Dr. Henry “Hank” Lawson: Mark Feuerstein
Evan R. Lawson: Paulo Costanzo
Divya Katdare: Reshma Shetty
Jill Casey: Jill Flint
Boris Küster von Jürgens-Ratenicz: Campbell Scott
Tucker Bryant: Ezra Miller
Mrs. Newberg: Christine Ebersole

Hanks Heldentat auf der Party verbreitet sich wie ein Lauffeuer, denn plötzlich besitzt jeder in den Hamptons seine Handynummer. Andere Menschen würden sich freuen, von Reichen gebucht zu werden. Doch Hank fühlt sich anfänglich in der Situation unwohl. Zu Beginn versucht er immer wieder seine Patienten zu überreden, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen, da dort die nötige Ausstattung vorhanden ist. Kommentare wie „niederes Fußvolk“ gehören leider dazu. Reiche sind auch nur Menschen und um Verletzten zu helfen, geht er auf Hausbesuche ein. Für ihn spielt es keine Rolle, wen er behandelt, denn er möchte einfach nur seine Pflicht erfüllen. Selbstverständlich ist für die Patienten, die ihn engagieren, die Bezahlung. Hier tritt Evan als gelernter Finanzberater in den Vordergrund und managt das Ganze mit Bravour. Die beiden Brüder sind sich zu Beginn uneinig, denn Hank möchte kein Geld für seine Dienste haben, während Evan ein Konzept mit Verträgen ausarbeitet, ähnlich wie ein Hausarztprogramm. Das Klientel ist bunt gemischt: Von Snobs, für die Geld keine Rolle spielt über verwöhnte Jugendliche, die noch einiges zu lernen haben, zu Witwen, die auch mal flirten und ihre Haustiere. Hank hilft aber, wo er kann und so begegnet er beim Joggen zum Beispiel einem verletzte Hundesitter.

Ärztliche Pflichten

Während Arztserien oftmals das Privatleben der Mediziner in den Hintergrund stellen, zeigt Royal Pains dies auf gleicher Ebene. Am interessantesten ist wohl das Verhältnis der Brüder, die sich in den Hamptons erst so richtig kennenlernen und eine Geschäftsidee aufbauen. Hank ist ein ruhiger Mann, bei dem man ein bisschen Zeit benötigt, um hinter die Fassade blicken zu können. Er musste durch seine Entlassung viel durchmachen und benötigt erst einmal Zeit, um wieder Sicherheit in seinem Traumberuf zu bekommen. Evan strahlt einfach und redet voller Freude. Die lustigsten Sprüche der Staffel stammen von ihm, was auch auf die Kappe des Darstellers geht, der Erfahrung im Comedy Genre hat. Mark Feuerstein als Hank ist hier als ruhiger und bodenständiger Mann das perfekte Gegenstück. Gemeinsam mit den Frauen in Royal Pains bilden sie ein unschlagbares Team. Die Chefin des örtlichen Klinikums, Jill Casey (Jill Flint, The Amazing Spider-Man), hilft ihnen des Öfteren, auch wenn sie zur Konkurrenz gehören. Vervollständigt wird die Gruppe durch die Inderin Divya Katdare (Reshma Shetty Pure Genius), die als medizinisch-technische Assistentin arbeitet, auch wenn ihre Eltern etwas ganz anderes für sie geplant haben. Familienprobleme sind auch ein beständiger Teil der Episoden. Hank, Evan und Divya bilden gemeinsam das Unternehmen HankMed.

MacGyver der Medizinbranche

Wer zu Beginn etwas skeptisch ist, dem kann gesagt sein, dass es die erste Staffel schafft, einen roten Faden zu erschaffen, zu halten und nach 13 Folgen einen passenden Übergang zur zweiten Staffel zu bilden. Die Episoden besitzen ein gleichbleibendes Schema. In jeder Folge gibt es mindestens einen medizinischen Fall mit einem neuen Gesicht. In der Regel passiert etwas, mit dem man nicht gerechnet hat und Diskussionen zwischen den Brüdern sind an der Tagesordnung. Hanks Behandlungsmethoden erinnern stark an den Helden der 90er, MacGyver aus der gleichnamigen Serie. Denn er nutzt die banalsten Gegenstände, die er zur Hand hat, um Patienten zu versorgen. So ist es eben, wenn man nicht in einer Praxis arbeitet, denn in einem OP-Saal wären kein Kugelschreiber oder Alufolie unter den Instrumenten. Die Behandlungswerkzeuge wirken oft unrealistisch, wecken aber auch die Neugier, für was Klebeband und Sporttaschen alles zu gebrauchen sind. Das alles zeigt in den einen oder anderen Szenen, dass die Folgen auch zum Lachen anregen und nicht unbedingt ernst genommen werden sollen.

Diskretion und Improvisation

Ein großes Rätsel ist der deutsche Adlige Boris Küster von Jürgens-Ratenicz (Campbell Scott, Sex für Anfänger). Von Beginn an ist er schwer einzuschätzen und verschweigt selbst vor seinem Arzt viele Geheimnisse. Seine Türen stehen für Hank und Evan offen, solange sie seine Privatsphäre respektieren. Ob hinter ihm nicht doch ein Bösewicht steckt und was er für Pläne schmiedet, bleibt völlig im Dunkeln. Dadurch ist der wohl spannendste Charakter der kompletten ersten Staffel entstanden. Ein weiterer Arzt spielt eine wichtige Rolle, wenn auch nicht vor der Kamera. Der Mediziner Irv Danesh ist der klinische Berater von Royal Pains und stand den Produzenten und Drehbuchschreibern der einzelnen Episoden zur Seite.

Fazit

Die erste Staffel von Royal Pains bietet gelungene Unterhaltung mit einfachen Geschichten, interessanten Fällen und positiven Entwicklungen. Besonders ist für mich, dass die Serie nicht nur von den Krankheitsfällen der einzelnen Folgen lebt, sondern auch von den Verhältnissen der Charaktere zueinander. Die Beziehung der komplett verschiedenen Lawson-Brüder verändert sich während der Staffel. Zu Beginn kennen sie sich kaum und am Ende sind sie ein eingespieltes Team im Unternehmen und eine Familie, in der Streitereien natürlich dazugehören. Und besonders Hank wird von einem gestressten Großstadt-Workaholic-Arzt zu einem gelassenen Mediziner, der seine neue Chance einfach genießt. Liebesbeziehungen dürfen bei einem gut aussehenden Arzt auch nicht fehlen und Evan fühlt sich zu vielen hübschen Frauen hingezogen, bei Divya beißt er allerdings auf Granit. Divya ist schlagfertig und gibt dem sehr gesprächigen Evan gerne Kontra. Sie weiß, was sie tut, und ich finde es großartig, dass Hank sie nicht als Assistentin sieht, sondern ihr Partner ist, der ihr Können schätzt und ihr vertraut. Hanks Gefühle sind deutlich nachvollziehbar. Er fühlt sich wieder gebraucht. Die Behandlungsmethoden sind sehr spannend und auch lustig, bei genauerer Betrachtung wirkt es doch eher unrealistisch, was aber auch gewollt wirkt. Die erste Staffel hat mich dennoch aufgrund der liebenswerten Charaktere begeistert.

© Universal Pictures Germany


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