Stranger Things (Staffel 4)

Wenn mitten im Sommer jemand die weihnachtliche Lichterkette und das Waffeleisen einschaltet, kann das nur eines heißen: Eine neue Staffel Stranger Things wartet bei Netflix im Programm. Seit dem 1. Juli 2022 liegen die neun Folgen der vierten Staffel komplett vor. Zeit um seinen Mut zusammenzunehmen und zurück nach Hawkins zu reisen, denn noch immer konnten die Guten das Böse nicht komplett besiegen, manche Wunde aus Staffel 3 ist noch nicht einmal richtig verarbeitet. Doch können die Gebrüder Duffer (Hidden – Die Angst holt dich ein) das Niveau ein weiteres Mal halten oder nutzt sich die Mischung aus Retro-Charme, Kleinstadthorror und Akte X-Feeling langsam ab? Eine berechtigte Frage, der wir in einem ausführlichen Review über den Streaming-Hit nachgehen. Natürlich im passenden Look mit Hellfire-T-Shirt und Lockenpracht auf dem Kopf!

Im März 1986 verfolgt etwas Seltsames die Cheerleaderin Chrissy Cunningham (Grace Van Dien, Greenhouse Academy). Sie wendet sich daher Hilfe suchend an ihren Mitschüler Eddie Munson (Joseph Quinn, Game of Thrones), was darin endet, dass er sie abends zu seinem Trailer einlädt, um ihr eine bestimmte Droge zu geben. Doch plötzlich bringt etwas Chrissy auf brutale Weise um. Für die Polizei beginnen die Ermittlungen gegen Eddie, doch für Dustin (Gaten Matarazzo, Honor Society) und einige andere fällt der Dollar, dass hier etwas Übernatürliches im Spiel ist. Da allerdings Elfi (Millie Bobby Brown, Enola Holmes), mit Joyce Byers (Winona Ryder, Black Swan) und ihren Söhnen, nach Kalifornien zog, braucht es eine neue Strategie gegen das Böse. Nur ohne Mike (Finn Wolfhard, Ghostbusters: Legacy). Der reist gerade nach Elfi und weiß nicht, was für Ereignisse in Hawkins ihren Lauf nehmen. Joyce bekommt hingegen eine seltsame Puppe aus Russland, die nur von einem stammen kann: Jim Hopper (David Harbour, Black Widow)!

Mehrere Baustellen

Originaltitel Stranger Things
Jahr 2022
Land USA
Episoden 9 in Staffel 4
Genre Horror, Mystery, Science-Fiction
Cast Joyce Byers: Winona Ryder
Jim Hopper: David Harbour
Elfi: Millie Bobby Brown
Mike Wheeler: Finn Wolfhard
Will Byers: Noah Schnapp
Dustin Henderson:: Gaten Matarazzo
Max Mayfield: Sadie Sink
Lucas Sinclair: Caleb McLaughlin
Nancy Wheeler:: Natalia Dyer
Steve Harrington: Joe Keery
Veröffentlichung: 1. Juli 2022 auf Netflix

Bei einem Zugpferd wie Stranger Things wundert es nicht, dass die Episoden diesmal mit einer viel längeren Laufzeit daherkommen. Doch fangen Zuschauende einmal an, wird schnell klar: Bei all den Figuren und nun mehr auch Schauplätzen brauchen wir auch viel mehr Zeit. So macht sich Joyce auf den Weg, unseren Lieblings-Polizisten zu retten, Elfi muss sich ihrer Vergangenheit stellen, Mike und Team Kalifornien einen seltsamen Roadtrip im Pizzawagen unternehmen und was da alleine in Hawkins passiert, bedeutet Ermittlungsarbeit von verschiedenen Figurengruppen. Schnell kommen wir diesmal nicht ans Ziel! Immer wieder wechseln wir zwischen den Grüppchen und erfahren, dass wirklich jede*r auch noch ein privates Problem besitzt. Allerdings fühlen sich nicht alle davon so richtig natürlich an.

Die Höhen und Tiefen dieser Staffel

So bröckelt es zum Beispiel durch die räumliche Entfernung bei Jonathan (Charlie Heaton, Das Geheimnis von Marrowbone) und Nancy (Natalia Dyer, Things Heard and Seen), weswegen ersterer sich den Drogen hingibt und das alte Liebesdreieck mit Steve (Joe Keery, Free Guy) wieder aktuell wird. Während dieser Teil schon nicht auf 100 Prozent Zustimmung trifft, fühlt sich vor allem das Drama zwischen Mike und Elfi sehr gekünstelt an. Zum Glück beweisen andere Figuren, dass es eben auch besser geht. Wie zum Beispiel Max (Sadie Sink, Fear Street), die nach dem Tod ihres Bruders nicht mehr die Gleiche ist und einen wirklich packenden, emotionalen Kampf in dieser vierten Staffel hinlegt. Und dass es eben nicht für jeden ein Happy End gibt, beweist Will (Noah Schnapp, Soul Food). Wie einige Fans schon richtig vermuteten, so sind die Zeichen nun mehr als eindeutig, dass dieser schwul ist, und sich deswegen als anders empfindet. Schnapp spielt dabei das Gefühlschaos des Jungen mehr als ergreifend.

Da springen noch neue Leute mit ins Boot

Sorgen, dass sich bei all den Standorten Fans von bestimmten Figurenkonstellationen verabschieden müssen, können wir abwenden. Nichts geht über eine gute Portion Bromance zwischen Steve und Dustin. Viele neue interessante Teams entstehen ebenfalls. So bekommt Nancy mit Robin eine neue Partnerin bei ihren Nachforschungen und eines lässt sich da sagen: Die beiden haben den Überraschungsmoment mehrfach auf ihrer Seite und trainieren die Lachmuskeln. Etwas, das bei der sonst sehr ernsten, düsteren Stimmung auch wichtig ist. Zu den bekannten Gesichtern mischen sich auch ein paar neue liebenswerte Figuren dazu. Allen voran Eddie (Joseph Quinn, Game of Thrones) spielt sich mit seinem D&D-Wissen und mit seinem legendären Gitarren-Solo für immer in die Herzen der Fans. Und wenn dann erst Jonathans Kumpel Argyle (Eduardo Franco, Booksmart) im verrückten Pizzawagen ins Bild fährt, dann ist der Tag auch gleich wieder etwas bunter.

Der logische Kreis schließt sich

Während den gefühlvollen Achterbahnen, der sich fast alle Figuren stellen, wird es immer wieder nervenaufreibend. Ihr diesmaliger Gegenspieler: Vecna. Ein gruseliger Geselle, der sich gut mit Onkel Pennywise aus ES verstehen würde. Um ihn zu besiegen, müssen unsere Helden einige Puzzleteile aus der Vergangenheit finden, den Gegner selbst aufspüren, in die Enge treiben und natürlich vernichten. Kein leichtes Spiel! Wobei gerade Letzteres die Spannungskurve ordentlich in die Höhe schießen lässt. Schließlich stellt sich Powerfrau Elfi einem wichtigen Problem, denn im Finale der dritten Staffel verlor sie ihre Kräfte und damit ein Stück weit sich selbst. Jedoch wirklich für immer? Während ihres Handlungsfadens beantworten die Drehbuchschreiber viele wichtige Fragen logisch, was diese Staffel inhaltlich sehr wertvoll macht und natürlich den Grundstein für einen fulminanten Abschluss legt.

Die feinen Hommagen

Bei all den Schauplätzen bietet Stranger Things im vierten Streich wirklich einiges für die Augen. Zum einen sind es wieder die grauenvollen Frisuren und Outfits der Charaktere, die das eine oder andere in einem auslösen, zum anderen die Orte, an die es uns diesmal verschlägt. Psychiatrie, geheime Basis in der Wüste oder eine bunte Pizzeria mit tollem Gefrierschrank – die Mischung passt. Dabei sollten Zuschauende auf die kleinen Details achten, schließlich geben einige Poster und Filmplakate sogar Hinweise auf bestimmte Dinge. Tolle Easter Eggs lassen sich genauso finden. Wobei wohl der Auftritt von Robert „Freddy Krueger“ Englund als Victor Creel jeden Horrorfan zum Huldigen bringt. Stephen King-Fans dürfen sich ebenso freuen, denn nicht nur wird sein gemeinsames Werk mit Peter Straub, Der Talisman, in einer Szene zum Symbol, sondern auch einiges anderes in der Staffel weckt Erinnerungen an dessen Dunkle Turm-Saga.

Musik bewegt die Herzen

Die Entführung in die Vergangenheit zeigt sich jedoch nicht nur in den visuellen Elementen, sondern des Weiteren auch wieder in der Musik. Dabei nimmt „Running Up That Hill“ von Kate Bush einen besonderen Platz ein, denn so passend wie die Gebrüder diesen Song einflochten, verdient es einfach ein dickes Lob. So wie auch „Pass The Dutchie“ von Musical Youth als Argyle Theme nicht besser sein könnte. Eine wirklich bunte Mischung ist dabei, denn auch Metallicas „Master of Puppets“ lässt hier nicht nur Metal-Fans die Haarpracht schütteln. Im Laufe der Folgen lassen sich natürlich noch weitere ansprechende Stücke finden, wodurch musikalisch keine Wünsche übrig bleiben.

Fazit

Mit altbewährtem Rezept geht auch die vierte Staffel von Stranger Things an den Start. Dabei sorgen die verschiedenen Handlungsstränge für ein langsames Tempo, welches ab und an Geduld fordert. Auch überzeugen nicht alle Herausforderungen, die einige Figuren plötzlich haben, während andere von ihnen dafür umso mehr scheinen können. Ob es nun Max‘ Kampf oder aber Hoppers emotionaler Monolog ist – für diese Momente lohnt sich das Durchhalten. Schließlich auch wenn die Story einige fehlende Lücken schließt, sich dabei alles wie aus einem Guss anfühlt und außerdem die Geschichte für ein würdiges Finale vorbereitet. Auf ein Gefühlschaos müssen sich alle hier einstellen, denn herbe Verluste warten auf uns. Doch auch, weil die Staffel wieder eine gute Mischung aus einer Prise Humor, einem ordentlichen Schuss Horror und einer guten Portion Action darstellt.

© Netflix

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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