Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug

Kinderfreundliche Geisterkost, die gibt es in Willard Carrolls Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug, basierend auf dem weltberühmten Roman Als die Uhr 13 schlug von der Kinderbuchautorin Philippa Pearce. Eine der ungewöhnlichsten Geschichten der Kinderliteratur, die 1999 von Willard Carroll (Leben und lieben in L.A.) zu einem Spielfilm adaptiert wurde, nachdem BBC den Stoff zwischen 1968 und 1989 gleich drei mal in Serie schickt. In Deutschland blieb der Film weitgehend unbemerkt, kann von interessierten Zuschauern aber im Katalog von Amazon Prime Video entdeckt werden.

 

Die Ferien hätten so toll werden können, doch ausgerechnet jetzt bekommt Toms (Anthony Way) Bruder Masern. Safety First – denken sich Toms Eltern und schicken ihn zu Onkel und Tante. Es kommt noch schlimmer: Es gibt keinen Garten und die lieben Verwandten können auch nicht unbedingt mit Kindern. Vor Langeweile kann Tom nachts kaum einschlafen. Während er sich da hin und her wälzt, stellt er fest, dass die alte Standuhr im Erdgeschoss 13 mal schlägt. Wie er herausfindet, steckt hinter der Uhr das Tor zu einer traumhaften Gartenwelt. Ein großer Spielplatz und Traum für jedes Kind. Dort lebt auch Hatty (Florence Hoath, Jane Austen’s Lost in Austen), das Mädchen aus einer anderen Zeit. Wie Tom feststellt, leben in dieser Welt die Geister Verstorbener …

Kindgerechte Aufbereitung eines erwachsenen Stoffes

Originaltitel Tom’s Midnight Garden
Jahr 1999
Land USA
Genre Fantasy
Regie Willard Carroll
Cast Tom: Anthony Way
Harriet Long: Alfie Lawrence
Melody Long: Serena Gordon
Alice Long: Mel Martin
Thomas Long: Nigel Le Vaillant
Laufzeit 107 Minuten
FSK

Geistergeschichten sind nicht immer leicht zu verfilmen. Denn für diese wenig greifbaren Wesen bedarf es einer Darstellung, die dem Ton der Geschichte gerecht wird. Im Falle von Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 ein Kinderbuch mit der Zielgruppe junge Heranwachsende und Familien. Für die Darstellung seiner Geister wählte Regisseur Carroll einen relativ herkömmlichen Weg: Er besetzte diese Rollen mit Darstellern, die mittels Filtertechnik einfach transparent gemacht wurden. Somit geht ihnen nicht das Menschliche verloren und damit auch nicht der Respekt vor diesen Wesen. Auf CGI setzen konnte der Regisseur budgetbedingt ohnehin nicht. Doch glücklicherweise geben die Special Effects ein rundes Bild ab.

Überraschende Emotionalität

Tom’s geheimer Garten steht ganz in der Tradition des Coming-of-Age-Genres. Die Psyche des Heranwachsenden Tom spielt eine große Rolle und er durchlebt von seiner Ankunft zu Beginn bis zu dem überraschenden Ende eine echte Entwicklung. Willard Carroll schlägt dafür mitunter ziemlich gefühlvolle Töne an. Man mag es der Handlung nicht ansehen, aber sie steuert auf ein emotionales Finale zu. Ganz unaufgeregt und unerwartet romantisch. Die Handlung selbst fällt denkbar simpel aus und wer einige Kinderfilme gesehen hat, kann vermutlich auch jede Entwicklung bereits vorhersehen. An der Stelle ist nicht immer eindeutig, ob die britische Produktion nun ein Märchen für Kinder oder aber eine emotionale Erwachsenengeschichte sein möchte. Tom ist nämlich in gleich zwei Formen seiner selbst präsent, einmal als Junge und einmal als Erwachsener. Womit auch der Bogen zum klassischen Familienfilm wieder da ist, da Kinder den Film aus einer ganz anderen Perspektive wahrnehmen werden als erwachsene Zuschauer, die von einer sentimentalen Nostalgie überrollt werden, die einen selbst nochmal Kind sein möchte.

Fazit

Es fällt schwer, ein böses Wort über Tom’s geheimer Garten fallen zu lassen. So zäh die Geschichte an einigen Stellen auch wirken mag, so versöhnlich ist das Ende, das jeden Zuschauer emotional abholt. Ein Märchen, das aus der Zeit gefallen wirkt, aber für alle Heranwachsenden uneingeschränkt empfehlbar ist. Ob Kinder und Teenager heute mit diesem Film etwas anfangen können, ist allerdings eher fraglich: Audio-visuell muss die Produktion bereits 1999 zehn Jahre älter gewirkt, so verstaubt wirkt das Bild im Vergleicht mit anderen Fantasy-Titeln der 90er.

© KNM Home Entertainment

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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