Todeszug nach Yuma

Genau 50 Jahre nach dem Erscheinen des Westernklassikers Zähl bis drei und bete brachte Logan – The Wolverine-Regisseur James Mangold den Stoff erneut in die Kinosäle. Mit Hauptrollenbesetzungen von Russell Crowe (The Loudest Voice) und Christian Bale (Vice – Der zweite Mann) interpretiert er die Kurzgeschichte Three-Ten to Yuma von Elmore Leonard neu und legt nicht minder Wert auf hochkarätige Action. Allerdings ist das nicht sein einziger Fokuspunkt: Denn wenn sich Bale und Crowe einen psychologischen Krieg liefern, bei dem die Grenzen von Gut und Böse zu verwischen beginnen, dann sollte möglichst keine Uhr zwölf schlagen. Wer weiß, was sonst passieren würde? Schließlich schießt Räuber Ben Wade schneller als einem lieb ist. Wir lassen uns davon aber nicht unterkriegen, denn unsere Finger huschen auch schnell über die Tastatur. Daher begleiten wir den zum Tode Verurteilten auf seiner Reise zum Zug.

     

Für den Farmer Dan Evans (Christian Bale) sieht die Lage nicht rosig aus. Der Kriegsveteran musste auf Grund wirtschaftlicher Probleme viele Schulden machen. Da es seit Wochen aber nicht regnet, kann er mit seinen wenigen Rindern keinen Gewinn erwirtschaften und als dann noch die Schuldeneintreiber seine Scheune abbrennen, hindert ihn nur seine Familie am Aufgeben. Besonders in den Augen seines 14-jährigen Sohnes William (Logan Lerman, Shirley) möchte er nicht als Versager dastehen. Als er am nächsten Tag die durch den Brand geflohenen Rinder einsammeln will, werden Dan und seine zwei Söhne Zeugen, wie der berühmte Räuber und Mörder Ben Wade (Russell Crowe) eine Kutsche überfällt. Wades Glückssträhne reißt jedoch ab, als er in der nahegelegenen Stadt Bisbee festgenommen wird. Ein paar Männer sollen den Gesetzlosen nach Contention zum 3:10-Uhr-Zug nach Yuma bringen, damit er vor Gericht landet. Einer von ihnen ist Dan.

Alles nur, um einen Zug zu bekommen!

Originaltitel 3:10 to Yuma
Jahr 2007
Land USA
Genre Action, Krimi, Drama
Regie James Mangold
Cast Dan Evans: Christian Bale
Ben Wade: Russell Crowe
Charlie Prince: Ben Foster
William Evans: Logan Lerman
Grayson Butterfield  Dallas Roberts
Byron McElroy: Peter Fonda
Doc Potter: Alan Tudyk
Laufzeit 122 Minuten
FSK

Die 1884 angesiedelte Handlung von Todeszug nach Yuma ist simpel. Ein böser Bube, der für einen kurzen Moment unachtsam war, wird von einem zusammengewürfelten Haufen Männer zu einem Zug gebracht. Dabei bleibt es im Grunde auch. Doch was sich nach wenig anhört, stellt die Grundlage für eine Geschichte dar, in der es vor allem um Emotionen geht. Schon die ersten Spielminuten bringen uns das Leid von Dan Evans nahe, sodass klar wird, warum er den Job annimmt. Wenn Wade den Zug nämlich nimmt, bekommt der Farmer von Grayson Butterfield, ein hohes Tier der Eisenbahngesellschaft und Leiter dieser Aktion, 200 Dollar. Damit könnte er seine Schulden bezahlen. Doch schon da ist zu bemerken, dass noch etwas anders Tieferes in dem vom Krieg gezeichneten Mann vorgeht. So drückt er sich zum Beispiel immer wieder vor Wades Frage, wie er sein Bein verloren hat.

Verwaschenes Schwarz-Weiß-Spiel

Ist die Gruppe erst einmal unterwegs, sind es vor allem die psychologischen Spielchen, die Ben Wade treibt, welche den Spaß in die Höhe schnellen lassen. Russell Crowe verleiht seiner Figur ein tiefergehendes Profil. Daher ist nie klar, was er wirklich denkt. So redet Wade mehrfach davon, dass er Dan interessant findet. Er bringt sogar bei der erstbesten Gelegenheit Tucker (Kevin Durand, The Strain) um, der den Brandanschlag auf die Scheune verursachte und rettet den Farmer vor einem Indianer-Angriff. Doch Im Gegenzug sorgt der charismatische Gangster noch für mehr Arbeit für den Todesgott. Was steckt also hinter dem undurchschaubaren Verhalten? Eine Frage, die der Film in seiner gesamten Laufzeit zelebriert und in einem fulminanten Finale zu einem würdigen Abschluss bringt.

Eine Geschichte über Schneid und Ehre

Während Wade den wechselhaften Gegenspieler verkörpert, ist Dan der unverrückbare Fels in der Wüste. Stur, unnachgiebig und wortkarg gibt sich der Farmer. Eine Entwicklung ist dabei auch in Todeszug nach Yuma nicht zu betrachten. Doch darum geht es auch nicht, denn bei all dem, was passiert, bleibt es spannend, ob der Veteran nicht von seinem gesetzten Ziel abweicht. Schließlich werden die Männer um ihn herum immer weniger. Die Bande von Wade, angeführt von dessen psychotischen Stellvertreter Charlie Prince (Ben Foster, Feinde – Hostiles), holt ihn natürlich ein und dann ist da noch sein Sohn. William bewundert den Räuber und verachtet seinen fehlbaren Vater. Heimlich schloss er sich der Transportgruppe an, wohl wissend, besser zu sein als die meisten der anderen Männer. Bevor daher der schießwütige Showdown in Contention startet, sind es eher die nervösen Minuten zuvor, die einen über Leben und Tod bangen lassen.

“Die Hand Gottes“

Neben der beklemmenden Atmosphäre zwischen den beiden Protagonisten wird diese immer wieder durch genretypische Kampfeinlagen aufgelockert. Dabei hat sich Mangold einiges einfallen lassen, denn da Wade mit Handschellen kaum schießen kann, kommt seine wundersame Kunst nur selten zum Einsatz. Wenn doch, dann schleicht sich auch mal ein „Oh“ aus den Mündern der Zuschauer. Ansonsten sind es auch nicht immer nur Pistoleneinsätze, die hier für Showeffekte sorgen. Ein Postkutschenraub, Dynamit aus dem Eisenbahnschienenbau oder einfache Fausthiebe — für Abwechslung sorgte das kreative Team immer wieder. Das alles steht dem fast 30-minütigen Finale jedoch in nichts nach und Kameramann Phedon Papamichael (Le Mans 66 – Gegen jede Chance) fing dieses perfekt in Bildern ein. An dieser Stelle nicht zu vergessen: Der dezente, aber wirksame Soundtrack von Marco Beltrami (A Quiet Place 2), der uns sanft durch die Geschichte begleitet.

Fazit

Todeszug nach Yumas geradlinige Handlung hätte gerne noch ein paar überraschende Ausritte machen dürfen. So geht es doch sehr  geradlinig und ohne Umwege zum Ziel. Jedoch füllen die beiden brillanten Hauptdarsteller den Raum aus, sodass ich mich weniger an der Einfachheit störe. Es sind die perfiden Dialoge zwischen Dan und Wade über Ehre, Gut und Böse, sowie Recht und Unrecht, die keine Langweile aufkommen lassen. Nicht gerade auf dem Silbertablett präsentieren die Figuren ihr Inneres. Der Raum zur Interpretation sorgt auch für eine nachdenkliche Note. Denn wenn Wade am Ende seine eigenen Männer erschießt sowie sich freiwillig in den Zug setzt, ist das etwas, was nicht zu erwarten war. In puncto Action gefallen die unterschiedlichen Konfrontationen, allen voran der Überfall auf die Postkutsche ist sehenswert. Nur ein Soundtrack mit präsenterer Wirkung hätte es sein dürfen. Doch insgesamt überzeugt der Film, den ich gerne allen empfehle, die auf Charakter-Dramen setzen.

© Sony Pictures Home Entertainment

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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