The Owners

Das Home Invasion-Genre zählt seit vielen Jahren zu den beliebtesten Subgenres des Horror. Eine (sich nicht einmal irreal anfühlende) Variante, wie Horror genau dort geschehen kann, wo man sich am sichersten fühlt: In den eigenen vier Wänden. Der französische Filmregie-Novize Julius Berg, der vor allem für seine Netflix-Serie Der Wald Bekanntheit erlangte, hat für seinen Erstling The Owners einen ausgeklügelten Genre-Mix gewählt, bei dem er den Weg eines Psycho-Thrillers einschlägt, dabei aber ebenso auf den Pfaden einer Krimi-Komödie wandelt. Mit Game of Thrones-Liebling Maisie Williams in der Hauptrolle und einem heimtückischen und wendungsreichen Drehbuch rückt er an, um seinen Fußabdruck im Genre zu hinterlassen. Interessierte können den Titel auf den Fantasy Filmfest Nights XL 2021 ansehen, wo die Produktion als einer von 17 Titeln in diesem Jahr zu sehen ist.

 

Ein großer Landsitz, irgendwo darin ein Vermögen. Die alten Besitzer sind außer Haus und das Einbrecher-Trio Nathan (Ian Kenny, Sing Street), Terry (Andrew Ellis, This is England) und Gaz (Jake Curran, Dragonheart 3 – Der Fluch des Druiden) voller Motivation, denn die Bedingungen, um den alten Tresor zu finden, sind einfach zu gut. Nervig nur, dass auch Terrys Freundin Mary (Maisie Williams) dabei ist, die keine Lust auf die ganze Aktion hat. Doch wie heißt es so schön: Mitgehangen, mitgefangen. Zum Frust der Beteiligten erweist sich das Unterfangen aufgrund des fehlenden Equipements, um den Tresor aufzubrechen, aber als höchster Frustfaktor und der alte Arzt Richard Huggins (Sylvester McCoy, Der Hobbit) und seine Frau Ellen (Rita Tushingham, Der gewisse Kniff) stehen nach kurzer Zeit wieder vor der Türe. Nun ist guter Rat teuer, aber die sich uneinige Gruppe hat einen Plan. Doch der Plan wird kurz darauf von anderen Plänen durchkreuzt …

Eine wendungsreiche Comic-Adaption

Originaltitel The Owners
Jahr 2020
Land USA
Genre Horror-Thriller
Regie Julius Berg
Cast Mary Vorrel: Maisie Williams
Dr. Richard Huggins: Sylvester McCoy
Ellen Huggins: Rita Tushingham
Gaz: Jake Curran
Nathan: Ian Kenny
Terry: Andrew Ellis
Jean: Stacha Hicks
Laufzeit 92 Minuten
FSK unbekannt
Im Programm der Fantasy Filmfest Nights XL 2021

Nahezu unbekannt hierzulande ist die Vorlage des Films: Der frankophone Comic Une Nuit de Pleine Lune des Autoren-Zeichner-Gespanns Hermann, Yves H und Sébastien Gérard, der seinen Weg bislang nicht zu uns fand, was sich aufgrund des Alters (bereits 2011 entstanden) wahrscheinlich auch nicht so schnell ändern wird. Zuschauer werden die Ähnlichkeiten eher bei einem anderen Film suchen, der ihnen noch sehr im Gedächtnis geblieben ist: Mit Don’t Breathe legte Fede Alvarez (Evil Dead) einen schweißtreibenden Einbruch-Thriller vor, der seine Zuschauer*innen von der ersten bis zur letzten Minuten auf Trab zu halten weiß und das auf einem Niveau, das sich so schnell kein zweites Mal wiederholen lässt. Es sei denn, der Regisseur kann sich mit seinem zweiten Teil noch einmal selbst toppen. Es wäre zu leicht, zu sagen, dass Julius Berg mit The Owners auf dieselbe Formel setzen würde. Denn auch in seinem Film trifft eine Einbrechergruppe auf einen vermeintlich schwachen Gegner, das alte Ehepaar Huggins. Was beide Filme gemeinsam haben: Sie spielen mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, stellen das Kräfteverhältnis mehr als nur einmal auf den Kopf und machen sich geschickt platzierte Plot Twists zu Nutze, um die Geschichte in neue Bahnen zu lenken. In dieser Hinsicht nehmen sich beide Titel nichts. Der einzige Unterschied: Während Don’t Breathe sich die Zeit nimmt, alle Entscheidungen möglichst nachvollziehbar zu gestalten, möchte The Owners seine Wendungen am liebsten stakkatoartig auf das Publikum loslassen. Der Nebeneffekt: Die Glaubwürdigkeit leidet, wenn plötzlich die Motivation eines Charakters komplett in Frage gestellt werden muss.

Spannende Inszenierung …

Während einige Ideen sich noch als konstruiert, aber durchaus im Rahmen des Möglichen einordnen lassen, sorgen andere Einfälle eher für Fragezeichen. Nicht immer ist nachvollziehbar, weshalb manche Figuren wie agieren, und einige Szenen wirken so, als seien sie nur dazu da, um die Zuschauer zu verstören, ergeben aber im Kontext der Handlung weniger Sinn. Etwa, wenn man sich fragen muss, ob einzelne Charaktere überhaupt irgendetwas zu verlieren haben, wenn sie auf einmal bereit sind, aufs Ganze zu gehen. Das sorgt für viele Ungereimtheiten, kann aber auch wohlwollend als Stärke ausgelegt werden: Vorhersehbarkeit kann man dem Film wahrlich nicht vorwerfen. Nur eben das Vorhaben, das alles zu sehr zu wollen, um das Publikum anzuheizen. Dazu passen auch einige unvorbereitete Gewaltausbrüche, die stets zynisch kommentiert werden. Spaßig, aber nicht immer glaubwürdig.

… trifft auf kreative Eigenheiten

Inszenatorisch mag Julius Berg es auch intensiv und setzt dabei auf das Maximum an Klaustrophobie: Das alte Anwesen soll beengend und sperrig wirken. Dafür nutzt er nicht nur die allgemeine Düsternis des Gebäudes, sondern spielt auch mit dem Bildformat: Wenn das Fieber so richtig auf die Spitze getrieben werden soll, dürfen es auch mal nur Bildausschnitte sein, um die klassischen Sehgewohnheiten anzugreifen und der Intensivität der Handlung das Maximum an Ausbruch zu gewähren. Damit kaschiert die Darstellung auch die einseitig angelegten Figuren, die allesamt skurril bis eigenwillig, keinesfalls aber sympathisch sind. Dass der Plan aufgeht, ist insbesondere dem Trio Maisie Williams, Rita Tushingham und Sylvester McCoy zuzuschreiben, die den Film mit ihrer außergewöhnlichen Darstellung auch zu dritt tragen können. Wer sich mit einem mulmigen Gefühl an die Großeltern aus M. Night Shyamalans The Visit erinnert, darf sich auf einige creepy Schauspielerdarstellungen freuen.

Fazit

The Owners ist ein (herrlich) bösartiger Film, den man im besten Fall unbefangen genießt, um jede Wendung miterleben zu können. Das ist ein Film, der zum Mitfiebern einlädt. Die Prämisse: Unterhaltung garantiert, sofern man sich nicht selbst den Spaß nimmt, zuvor den Trailer zu analysieren oder gar während des Films alles in Frage zu stellen. Dann geht der Plan auf und das Drehbuch entfesselt seine volle Wirkung. Das Home Invasion-Genre erfindet die Produktion keineswegs neu, aber sie remixt die bekannte Formel auf eine erfrischende Weise, indem sie auf inszenatorische Stärke und skurrile Charaktermomente setzt, die einfach in Erinnerung bleiben. Das macht den Film zu einem spannenden Geheimtipp.

© Wildbunch

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments