Hard Hit

Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie schnell erfolgreiche Filmkonzepte in andere Länder exportiert werden. Im vorliegenden Beispiel ist es der spanische Film Anrufer unbekannt, der die Vorlage für nicht wenige Remakes bildet. Das hierzulande am meisten bekannte stellt Christian Alvarts Steig nicht aus! mit Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle dar. Auch in Südkorea hat man die rasanten Qualitäten des Stoffes entdeckt: Hard Hit von Kim Chang-ju zählt dort zu den großen Kino-Hits aus 2021. Während drei weitere Remakes aus den USA (mit Liam Neeson), Norwegen und Argentinien bereits in der Mache sind, gab Hard Hit seinen Einstand auf dem Fantasy Filmfest 2021.

Lee Seong-gyu (Jo Woo-jin, The Clone) fährt seine Kinder in seinem SUV zur Schule. Kurz darauf ist angedacht, dass der Bankmitarbeiter einen wichtigen Deal für seinen Arbeitgeber klarmacht. Doch während der Fahrt klingelt sein Smartphone und am anderen Ende der Leitung steckt ihm ein Unbekannter zu, dass unter seinem Auto eine Bombe platziert ist. Diese geht in die Luft, sobald einer der drei Insassen das Fahrzeug verlassen sollte. Es sei denn, der Banker erfüllt alle Forderungen des unbekannten Anrufers …

Nicht auflegen!

Originaltitel Hard Hit
Jahr 2021
Land Südkorea
Genre Thriller, Action
Regie Kim Chang-ju
Cast Lee Seong-gyu: Jo Woo-jin
Lee Hye-in: Lee Jae-in
Jin-woo: Ji Chang-wook
Einsatzleiter: Jin Kyung
Yeon-su: Kim Ji-ho
Laufzeit 90 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2021

Filme, in denen die beiden Hauptfiguren ausschließlich per Telefon kommunizieren, sind nicht häufig anzutreffen. Sie stellen ihr Publikum in der Regel vor eine Geduldprobe, denn aus der Prämisse ergibt sich, dass ein großer Teil des Spektakels über Mimik und Gestik transportiert werden muss und nicht über einen per Präsenz ausgetragenen Konflikt. Dass dieses Konzept trotzdem ebenso reizvoll wie kommerziell erfolgreich sein kann, stellte Joel Schumachers Nicht auflegen! mit Colin Farrell in der Hauptrolle 2002 unter Beweis. Seitdem erscheinen dann und wann ähnlich gelagerte Titel, wobei der ganz große Kassenknüller noch nicht mit dabei war. Zumindest aber in Südorea konnte sich Hard Hit schnell auf Platz 1 der Kinocharts absetzen, auch wenn man festhalten muss, dass es sich noch immer um eine High Concept-Idee handelt. Eine starke Prämisse, die vor allem dafür Vorschusslorbeeren erhält und sich auch prima vermarkten lässt.

Hohes Produktionsniveau bei engstem Raume

Für Kim Changju ist Hard Hit die erste Regie-Arbeit. Zuvor war er im Schnitt tätig, unter anderen bei Snowpiercer und A Hard Day. Von dieser Erfahrung profitiert sein Erstling natürlich, der rasant inszeniert und trotz (nüchtern betrachtet) wenig Handlung durchaus mitreißend sein kann. Aus der engen Räumlichkeit des SUVs (auffälliges Product Placement für den Hyundai Genesis) holt er das Maximum heraus. Dazu muss gesagt sein, dass die Handlung natürlich nicht nur im Innenraum des Autos stattfindet, sondern auch außerhalb ins Rollen kommt. Die Qualität der Produktion überzeugt: Hard Hit sieht nicht nur toll aus, sondern schmiert dem Publikum auch in jeder Szene aufs Brot, dass Budget-Engpässe wohl kein Teil der Produktion waren.

Korea-Kitsch

Das koreanische Kino steht für große Emotionen. Obwohl Hard Hit also in allererster Linie ein Thriller ist, kommen intensive Drama-Szenen nicht zu kurz. Denn da sitzen zwei Kinder auf dem Rücksitz, eine Familie könnte (wortwörtlich) auseinandergerissen werden und Vater Lee Seong-gyu kämpt wie ein Löwe um sein Familienglück. Das funktioniert nur mit viel Pathos, Tränen und Geschrei. Etwas, das aus westlicher Perspektive immer over the top wirkt (und darin ist das Overacting noch nicht einmal eingeschlossen) und was auch Hard Hit in allen Atemzügen auslebt. Jedenfalls gehen den Film nach rund 45 Minuten die Ideen für den Action- und Thrill-Part aus und ab dann wird überwiegend auf die Tränendrüse gedrückt. Das Auto kommt am Strand zum Stehen und rührseliges Melodrama nimmt den Raum ein. Das steht in einem hohen Kontrast zur ersten actionlastigen Hälfte und besitzt das Potenzial, einige Zuschauer:innen in die Flucht zu schlagen, die sich ursprünglich auf Nonstop-Action à la Speed eingestellt haben.

Fazit

Hard Hit ist ein aalglatter Mainstream-Actionthriller, der sich auf einem starken Produktionsniveau befindet. Spannende Unterhaltung auf engem Raum mit viel Emotion, ebenso aber auch wenig überraschend. Die Ereignisse bleiben ausnahmslos vorhersehbar, auch wenn das Drehbuch spürbar bemüht ist, Abwechslung in die einzelnen Szenen zu bringen. Hohes Tempo und keine allzu absurden Ideen sorgen dafür, dass hier nichts aus der Bahn fliegt.

© Capelight Pictures

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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