Donnie Brasco

Lesezeit: 4 Minuten

Der von Mike Newell (Vier Hochzeiten und ein Todesfall) inszenierte Mafiafilm Donnie Brasco tut sein Bestes, um aus dem Genre hervorzustechen. Der Titel basiert auf den autobiografischen Aufzeichnungen des FBI-Agenten Joseph D. Pistone, der in seinem Roman Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia seine Erfahrungen als verdeckter Ermittler in Mafia-Kreisen schildert. Zum Zeitpunkt des Geschehens (1978) war Little Italy im Süden Manhattans noch Zentrum des Mobs. Dort wurde Pistone unter dem Namen Donnie Brasco eingesetzt, um sich über den Kontakt mit dem Mafiosi Ruggiero Zugang zum organisierten Verbrechen zu verschaffen.

New York, 1978: FBI-Agent Joseph Pistone (Johnny Depp, Edward mit den Scherenhänden) wird als Undercover-Ermittler in eine Mafia-Familie eingeschleust. Als Juwelenhändler Donnie Brasco gewinnt er das Vertrauen der Mafia-Mitglieder “Lefty” Ruggiero (Al Pacino, Der Pate) und Dominic Napolitano (Michael Madsen, Species. Als alternder Kleinganove hat Lefty seine besten Zeiten längst hinter sich und ist immer knapp bei Kasse. Nach 30 Jahren als Vollstrecker des organisierten Verbrechens, wobei er es auf stattliche 26 Morde gebracht hat, steht er noch immer ohne Geld da und fühlt sich von der Führungsspitze hintergangen. Mit Hilfe der beiden Gangster macht Donnie Karriere in der Mafia und wird als Freund der Familie, der niedrigste Rang in der Mob-Hierarchie, akzeptiert. Donnies Frau, die von Anfang an versucht, ihn zu überreden, öfter nach Hause zu kommen, bemerkt, wie ihr Mann immer mehr den Mafiagewohnheiten verfällt, was ihre Ehe zu belasten beginnt. Als klar wird, dass der kleinste Fehler zur Aufdeckung seiner Identität führt, nicht nur seinen, sondern auch den Tod seiner Familie bedeuten könnte, spitzt sich die Lage für Joseph zu…

Konflikte führen zu Freundschaft

Originaltitel Donnie Brasco
Jahr 1997
Land USA
Genre Drama, Thriller
Regisseur Mike Newell
Cast Benjamin „Lefty“ Ruggiero: Al Pacino
Donnie Brasco, aka Joseph D. „Joe“ Pistone: Johnny Depp
Dominic „Sonny Black“ Napolitano: Michael Madsen
Nicky Santoro: Bruno Kirby
Paulie: James Russo
Maggie Pistone: Anne Heche
Laufzeit 123 Minuten
FSK

In Donnie Brasco geben sich nüchterne und emotionale Szenen die Klinke in die Hand. Weitgehend ruhig erzählt, ist es das jeweils persönliche Umfeld der Männer, das die gefühlvolle Komponente ausmacht. Donnies Ehe liegt im Argen, seine Frau leidet unter der dauernden Abwesenheit ihres Mannes. Bei Lefty kommen gleich mehrere Faktoren zusammen: Ihm ist bewusst, dass er nie in der Mafia aufsteigen wird. Sein Sohn hängt an der Nadel und dann ist er auch noch impotent. Trotz der Umstände entwickelt sich zwischen den Männern langsam eine Freundschaft; womöglich sieht Lefty in Brasco auch lediglich einenn Ersatz für seinen Sohn. Selbstverständlich verkompliziert das die Sache und es wird zunehmend schwieriger für Donnie, da ihm sein gewohntes Umfeld entgleitet und seine Ehe zu scheitern droht. Währenddessen wächst ihm Lefty mehr und mehr ans Herz, wohlwissend, dass dieser Dreck am Stecken hat und er sich auf einer Mission befindet. Donnie Brasco zehrt von diesem inneren Konflikt, den die Hauptfigur in verschiedenen Phasen durchlebt.

Mafia-Drama

Al Pacino spielt glaubhaft einen Lefty, dessen Leben unaufhaltsam dem Ende einer Sackgasse entgegensteuert. Auch Johnny Depps Figur entwickelt eine Zerrissenheit, weil sie feststellen muss, dass sie mit dem Gesetz in einen Konflikt kommt und der neue Verbündete ein wahrer Freund ist. Zwei tragische Figuren, um die sich das Drama herum aufbaut. Zumindest Lefty wird dem Zuschauer dabei unter Garantie ans Herz wachsen, denn sein zeitlupenhafter Abstieg wartet nur noch auf den Aufprall. Wieder einmal findet das Motiv des Menschen als Produkt seiner Umwelt Verwendung und davon zehrt die Geschichte. Donnie Brasco kommt in der Frage der Aufdeckung der Mechanismen der Mafia-Strukturen sicherlich nicht an andere Mafia-Filme heran, beleuchtet aber ein Thema, das man sonst innerhalb des organisierten Verbrechens weniger erwartet: Freundschaft. Was allerdings – wahre Geschichte hin oder her – immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass der Film von Klischees über den verdeckten Ermittler durchzogen ist: Die Entfremdung von der Familie, das Verschwimmen von Tarn- und realer Identität, die Freundschaft zur Zielpersonen.

Ob man Mafiafilme mag oder nicht, Donnie Brasco ist alleine aufgrund seiner starken Schauspieler einen Blick wert. Hier wird ein leises Drama in einem gefährlichen Umfeld erzählt, das vor allem Anhängern ausgeprägter Charakterbeziehungen gefallen wird.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Atticus
Redakteur

Donnie Brasco ist ein ganz interessanter Film. An die ganz großen des Genres wie Departed kommt er zwar nicht ran, dafür kann er mit dem realen Hintergrund punkten. Das ist es auch, was bei mir von dem Film hängen geblieben ist. Das und die beiden stark aufspielenden Hauptdarsteller.