Resident Evil: Heavenly Island

Lesezeit: 4 Minuten

Kaum ein Zombie-Franchise neben The Walking Dead ist derart populär wie Resident Evil, dessen Wurzeln bis in die 90er reichen. Neben einer Spielreihe mit zahlreichen Ablegern existiert eine Film-Hexalogie, mehrere Animefilme und eben auch zwei Mangas, die beide bei Kazé Manga veröffentlicht wurden. Von 2012 bis 2014 erschien die erste Reihe, Resident Evil: Marhawa Desire. Offenbar mit durchschlagendem Erfolg, weshalb die zweite Reihe von Naoki Serizawa 2016 nachgeschoben wurde. Dafür wechselte das Szenario auf eine wahrhaft himmlische Insel. Blaue Wellen, malerische Strände, zahlreiche Bikini-Schönheiten…. und natürlich Zombies!

    

Die TV-Show “Idol Survival” ist eine Mischung aus Reality TV und sportlichen Action-Challenges. Für die aktuelle Staffel werden mehr oder weniger bekannte Models gebucht, die es mit der TV-Crew auf eine verlassene Insel verschlägt. Ausgerechnet dieser Schauplatz wird von der NGO TerraSave als gefährlich eingestuft. Auch die Bioterrorismus-Expertin Claire Redfield ist vor Ort. Zunächst scheint mitten im Getümmel nicht aufzufallen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Doch dann torkelt der erste Zombie über den Strand…

Ausbruch der Bikini-Zombies

Inhaltlich betrachtet ist Heaveny Island ein Spin-off von Resident Evil Revelations 2, welches 2015 für die PlayStation 4 erschien. Gegen das düstere Game wirkt die sonnige Location geradezu freundlich, und ebenso unbefangen startet auch der Wettkampf der Models: Im Bikini durch den Dschungel hechten, dabei Karten sammeln und für die TV-Crew eine gute Figur abgeben. Natürlich werden sie dabei auch noch handgreiflich, schließlich es hat keine der Damen einen guten Ruf zu ruinieren. Und: für ihr Geld und ein bisschen Fame sind sie bereit, alles zu tun. Bereits im Vorgänger Resident Evil: Marhawa Desire verstrich kaum eine Gelegenheit, die weiblichen Charaktere in enger und knapper Bekleidung zu zeigen. Settingbedingt wird der Erotik-Faktor in diesem Manga noch weiter nach oben gefahren. Pralle Brüste und knackige Hintern werden gekonnt in Szene gesetzt, gerne auch mal aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Der Frauenüberschuss ist derart hoch, dass der Hauptcharakter Tominaga regelrecht fehl am Platz wirkt, und auch Claire wirkt angesichts der vorhandenen Kampfkünste der anderen Damen überflüssig.

Vorhersehbarkeit und Klischees, dafür spannend inszeniert

Originaltitel Biohazard: Heavenly Island
Jahr 2015 – 2017
Bände 5
Genre Horror, Action
Autor Naoki Serizawa (Zeichnungen), Capcom (Story)
Verlag Kazé Manga (2015 – 2017)

Die temporeiche Hatz zwischen Flucht vor den Angreifern und der Suche nach einer Lösung wird von einigen großen Zombies bzw. Kreaturen begleitet, die so etwas wie die Rolle eines Bossgegners einnehmen. Wie im Vorgänger sind diese mit einer persönlichen Geschichte ausgestattet, welche allerdings reichlich vorhersehbar ist. Natürlich gibt es unter den Überlebenden auch Figuren mit einem zweiten Gesicht und Konflikte werden ohnehin an allen Ecken und Enden gesäht. Somit bleibt der Leser auch nicht vor dem ärgerlichen Genre-Klischee verschont, dass eine moralische Debatte angesichts eines infizierten Verbündeten ausbricht. Welche Figuren das Finale erreichen und welche nicht, ist soweit absehbar. Die eine oder andere Ausnahme gibt es glücklicherweise doch noch, sodass sich Heavenly Island nicht vollständig als Genreklischee erweist. Die Spannung hält jedenfalls kontinuierlich an bis zum abschließenden fünften Band an. Minuspunkte sammeln allerdings die ausschließlich stereotypen Figuren: Während Tominaga zum absoluten Überhelden mutiert, zeigt auch die dralle Mayu, dass sie mehr zu bieten hat, als eben nur Brüste. Und natürlich findet sie Tominaga von Band zu Band besser.

Hoher Detailgrad der Zeichnungen

Erneut über jedem Zweifel erhaben sind die Zeichnungen von Naoki Serizawa. Seine Actionszenen strotzen vor Dynamik und beachtlicherweise geht niemals der hohe Detailgrad verloren. Selbst im größten Getümmel bleiben die Panels sehr ordentlich, sodass der Handlung spielend einfach gefolgt werden kann. Das Sahnestück sind ohnehin die Kreaturendesigns. Die Farbseiten zu Beginn jeden Bandes sind eine nette Dreingabe von Kazé Manga, allerdings bieten diese keine Artworks, sondern einfach nur farbige Panels. Die fünf Bände erzählen eine kompakte Geschichte, die ähnlich wie Resident Evil: Marhawa Desire aufgebaut ist. Fans des ersten Mangas wissen, was sie mit dem Nachfolger erhalten – und können diesen genau dafür auch schätzen.

Resident Evil: Heavenly Island macht einfach Spaß. Atmosphärisch ist der Titel nicht ganz so dicht wie die erste Reihe, dafür bietet das Insel-Setting eine schöne und für manche Actionszene dankbare Kulisse ab. Nur mit der nackten Haut wurde stellenweise übertrieben. Den ohnehin recht dünnen Charaktere wird damit weitere Glaubhaftigkeit abgestrichen. Außerdem scheint jede Figur in irgendeiner Weise kampferprobt, natürlich auch auf Highheels. Trotzdem ist der rasante Titel vor allem für Actionfans zu empfehlen sowie Anhängern der Resident Evil-Reihe, wenngleich man keine neuen Seiten von Claire Redfield entdecken wird.

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 1
  •  
  •  

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: