Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Lesezeit: 5 Minuten

Manchmal ist man so stark im Alltag gefangen, dass man die Tagesroutine kaum noch bewertet. So geht es auch Samantha (Zoey Deutch, Beautiful Creatures), die gut in ihrer Schulklasse integriert ist und die im Leben sonst keine größeren Probleme hat. Bis sie eines Tages bemerkt, dass sie sich in einer endlosen Schleife befindet und immer wieder denselben Tag durchläuft. Schließlich beginnt sie, sich näher mit ihrem Umfeld zu befassen. Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie lief im Sommer 2017 in den deutschen Kinos an, allerdings erst ganze sieben Jahre nach dem Erfolg des gleichnamigen Buches von Lauren Oliver. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch und so spielte der Film mit 15 Millionen US-Dollar das Dreifache seiner Produktionskosten ein.

  

Es ist der 12. Februar, ein Freitag. Valentinstag steht vor der Tür und die Frage, wer wie viele Rosen in der Schule bekommt, ist ein wichtiges Gesprächsthema. Ebenso die üblichen Fragen rund um Liebe, Freundschaft und die merkwürdigen Typen, die in der Cafeteria herumlungern. Für Samantha Kingston ist es ein ganz normaler Tag. Abends findet eine große Party statt, es gibt emotionale Momente, banale Unterhaltungen und danach folgt die Autofahrt nach Hause. Hier ändert sich für Samantha alles, denn es gibt einen Unfall und sie stirbt. Doch dann wacht sie auf und es ist wieder Freitagmorgen.

Sterben um zu reflektieren

Originaltitel Before I Fall
Jahr 2017
Land USA
Genre Drama
Regisseur Ry Russo-Young
Cast Samantha Kingston: Zoey Deutch
Lindsay Edgecomb: Halston Sage
Kent McFuller: Logan Miller
Juliet Sykes: Elena Kampouris
Ally Harris: Cynthy Wu
Izzy Kingston: Erica Tremblay
Elody: Medalion Rahimi
Laufzeit 99 Minuten
FSK

Der zeilensprengende Titel gibt zwar wenig Auskunft über den Inhalt des Films, doch hat man diesen gesehen, lässt sich leicht herleiten, wie der Titel zustande kommt. Die Independent-Regisseurin Ry Russo-Young (Versuchung – Kannst du widerstehen?) inszenierte mit der Buch-Adaption einen Film, der in klassischer Zeitschleifenmethodik das Leben eines Teenagers immer wieder auf den Anfang eines Tages zurücksetzt. Da der Tag immer mit dem Tod endet, gilt es für Samantha herauszufinden, wie sie diesen Fluch brechen kann. Dafür ist es erst einmal notwendig, dass sie sich von ihrer Routine löst und von ihrem Umfeld emanzipiert. Gut aufgehoben in einer Mädchen-Clique, deren Anführerin sich durch das Leid anderer profiliert, beginnt Samantha also nach und nach, zunächst ihren Standpunkt und schließlich ihr eigenes Leben zu hinterfragen. Dabei wird sie aufmerksam auf Ungerechtigkeiten ihres Alltags. Hier hat der Film seine authentischsten Momente, denn Samanthas Wandlung ist weder aufgesetzt, noch unglaubhaft in Szene gesetzt. Man nimmt ihr die aufkeimende Überzeugung ab.

Die Botschaft ist das Ziel

Ganz so leicht macht der Film es dem Zuschauer nicht, die Mädchen einfach als Zickenclique abzustempeln. Dafür werden immerhin kleinere Charakterzüge berücksichtigt und keine der Figuren verhält sich so ekelhaft wie sie es theoretisch könnte. Das ist im Grunde die größte Überraschung, denn der weitere Verlauf der Geschichte ist sehr vorhersehbar. Obwohl Samantha kein unsympathisches Mädchen ist, fühlt man als Zuschauer früh, wem auf welche Weise Ungerechtigkeit widerfährt und so bekommt man mit der ersten Schleife ein Gespür dafür, was Samanthas eigentliche Mission ist. Hier gibt es wenig Überraschendes zu entdecken, da der Zuschauer Samantha weit voraus ist. Dem Unterhaltungsfaktor tut das thematisch bedingt keinen Abbruch, denn natürlich testet Samantha ihre Grenzen aus und justiert ihren Gerechtigkeitssinn nach und nach. Die täglichen Wiederholungen zielen weniger auf Gedanken über den Sinn des Lebens ab (trotz des tödlichen Unfalls), sondern sind immer auf die Zielgruppe zugeschnitten. Das bedeutet, dass hier eine sinnstiftende Wirkung erzielt wird, indem Samantha viel reflektiert. Es ist leicht, der Figur zu folgen und ihre schrittweise Entwicklung zu beobachten. Immerhin steckt hinter Wenn du stirbst… auch eine wichtige Botschaft mit wünschenswert schneller Verbreitung.

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie ist ein deutlich auf Teenager zugeschnittener Film, der besonders deshalb wertvoll ist, da er Ideale, Moral und Werte vermitteln möchte. Dafür findet er den richtigen Ton, das passende Fingerspitzengefühl und in Zoey Deutch eine Schauspielerin, die diese Tugenden auch an den Zuschauer bringt. Ihr Selbstfindungstrip ist frei von Pathos, gleichzeitig aber auch von starker Vorhersehbarkeit geprägt. Angesichts des Ziels und vor allem der Zielgruppe lässt sich das jedoch kaum kritisieren. Das “Murmeltier”-Prinzip ist hier ein eher begleitender Aspekt, im Mittelpunkt stehen ganz deutlich das menschliche Wesen und die Achtsamkeit, die wir unseren Mitmenschen gegenüber an den Tag legen müssen.

 

Zweite Meinung:

Mir gefällt der Film ziemlich gut und es zeigt sich mal wieder, dass Adaptionen nicht grundsätzlich verboten gehören. Da muss ich direkt zustimmen, dass besonders Zoey Deutch hervorragend gecastet ist. Das Innenleben einer Figur ist im Buch immer einfacher zu beleuchten als in einem Film, aber diese Darstellung wühlte sofort alle Emotionen wieder in mir hoch. Über manche kleinen Änderungen bin ich sogar extrem froh, da es einerseits so auch für Buchleser was neues zu entdecken gibt und andererseits fälltl etwas, das ich weniger mag, komplett unter den Tisch. Ich muss einfach nicht sehen, wie ein Lehrer das okay findet mit seiner Schülerin rumzumachen. Gleichzeitig ist die extra Story um Mitschülerin Anna interessanter gestaltet, dass nicht nur über sie als Schlampe gelästert wird.  Da der Film kompakt ausfällt, zeigt es auch gut, wie einige Alltäglichkeiten im Vorbeigehen kaum Einfluss auf einen haben. Sobald man gezwungen ist sich eine Situation näher anzusehen, kann man aber eine Menge über sich und andere lernen. Und im besten Fall mit etwas Empathie positive Veränderungen schaffen. Auch wenn das hier nicht von Dauer geprägt ist, durch die verschiedenen Durchläufe.

© Alive

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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