Jungle Emperor Leo – Der Kinofilm

Lesezeit: 4 Minuten

Osamu Tezuka zählt zu den bekanntesten Mangaka unserer Zeit. 1950 erschuf er Kimba, der weiße Löwe. Ein Titel, der so erfolgreich war, dass er gleich mehrere Serienumsetzungen erhielt und dessen Stoff auch in zwei Filmen adaptiert wurde. Der neuste Film stammt aus 1997 und wurde elf Jahre später erstmals in Deutschland veröffentlicht. NipponArt legte Jungle Emperor Leo (so Kimbas Name in Deutschland) im Oktober 2018 schließlich neu auf. Dieses Mal auch ganz zur Freude aller Blu-ray-Käufer.

    

Leo, der Löwenkönig, ist Vater von gleich zwei prächtigen Babies namens Lukio und Lune geworden. Während im Dschungel gute Laune herrscht, bahnt sich an einem anderen Ort Unheil an, denn als der Ganove Mr. Ham-Egg in der Großstadt diversen Schmuckhändlern einen raren Stein aus dem Regenwald zum Kauf anbietet, ruft dies eine zwielichtige Organisation auf den Plan. Diese hat in dem Juwel einen der seltenen Mondlicht-Steine erkannt und stellt Ham-Egg sogleich zur Rede. Der wittert ein großes Geschäft und erklärt sich schließlich bereit, die Organisation zu der Stelle zu führen, an der er den Stein entdeckt hatte. Und die liegt leider genau in dem Dschungel, in dem Leo und seine Freunde leben. So dauert es nicht lange, bis der Lebensraum der Waldbewohner von den Menschen bedroht wird…

Ein Kindheitsheld wird erwachsen

Originaltitel Jungle Taitei Movie
Jahr 1997
Laufzeit 94 Minuten
Genre Abenteuer, Fantasy
Regisseur Yoshio Takeuchi
Studio Tezuka Productions

Der Löwenkönig hatte bereits über vier Dekaden hinweg seine Zuschauer begeistert, als der Film Ende der 90er schließlich in die japanischen Kinos gelangte. Nun selbst erwachsen geworden (so wie die Fans von damals) lebt Leo mit seiner Frau in einem alten Tempel inmitten des Dschungels. Begleitete man den kleinen Löwen in der TV-Serie noch als Kind, hat Leo im Film selbst die Vaterrolle eingenommen und plagt sich mit den Sorgen eines stolzen Papas herum. Doch das ist nicht alles, denn als sein Reich von bösen Menschen bedroht wird, muss er nicht nur seine Familie und Freunde retten, sondern auch das Schicksal der nächsten Generation in die Hände eines Menschen legen. Etwas, das vielen Tieren im Dschungel missfällt und sie gegen den Löwenkönig aufbringt. Von seiner kindlichen Unbefangenheit ist nicht mehr viel zu sehen. Dafür ist ihm sein ebenfalls schneeweißer Sohn Lune wie aus dem Gesicht geschnitten und hat auch seine Vorliebe für Abenteuer geerbt.

Lehren voller Pathos

Der Kinofilm stellt nicht die Tiere in den Mittelpunkt. Etwas, das völlig überraschend geschieht, geht es doch schließlich um das Reich der Tiere. Doch der Kern der Geschichte ist ein anderer: Nichts Geringeres als das komplizierte Verhältnis von Mensch und Tier steht im Fokus. Damit ist er eine ähnlich intensive Ökofabel wie Prinzessin Mononoke. Denn alle beteiligten Akteure müssen die Erfahrung machen, dass es sowohl im Tierreich als auch im Leben der Menschen gute und schlechte Charaktere gibt. An genau dieser Stelle setzt Leo an, dessen vermittelndes Wesen eine Menge wichtiger Lehren transportiert. Damit diese entsprechend Gewichtung erfahren, ist ein wichtiges Opfer notwendig. Denn durch den Tod von Leos Geliebter wird ein wahres Feuer entfacht.  Die Geschichte wird mit zunehmender Spielzeit immer düsterer und gipfelt in einem verschneiten Finale, welches im harten Kontrast zu der einst warmherzigen Dschungelwelt steht. Tezuka Productions hat sich ins Zeug gelegt, um ein visuell ansprechendes Abenteuer zu zaubern. Zwar sind die Animationen nicht gut gealtert und wirken insbesondere in temporeichen Szenen eher unbeholfen, doch dafür fallen Figuren und Hintergründe umso gelungener aus. Vor allem das detailverliebte Design des Altmeisters wurde adäquat in Bewegung gesetzt, sodass Jungle Emperor Leo unterm Strich ein optisch gefälliges Gesamtbild abgibt.

Der (wahre) König der Löwen

Der 1997 in den japanischen Kinos angelaufene Film sorgte für eine Kontroverse. Das lag nicht etwa an dem Film selbst, sondern an den Parallelen zu dem nur drei Jahre zuvor veröffentlichten Disneyfilm Der König der Löwen. Dabei war Tezukas Löwengeschichte zu diesem Zeitpunkt bereits 24 Jahre alt. Hingegen ist der 1997er Film auch “nur” ein Update der Geschichte. Von Seiten Disneys wurde bestritten, den Film zu kennen. Das wäre auch fatal gewesen, denn Der König der Löwen wurde als erste originäre Geschichte vermarktet und so konnte es sich der Konzern nicht leisten, von einem Vorreiter gewusst zu haben. Glaubhaft war diese Begründung nicht, denn immerhin sollte man meinen, dass ein Branchenriese wie Disney den Markt kennt wie kein anderer.

Fazit

Wer Leo bislang nur in seiner kindlichen Form kennt und ihn dafür liebt, wird mit Jungle Emperor Leo nicht glücklich werden. Der Kinofilm zeigt eine ungewohnt düstere Seite der Dschungelmär. Das sollte vor allem ältere Zuschauer ansprechen, die einen lehrreichen Film geboten bekommen. Mich hat insbesondere das Finale sehr positiv überraschen können. Jüngere Zuschauer erhalten ein Plädoyer für Respekt und den richtigen Umgang mit Tieren. Die deutsche Ausgabe von Nipponart liefert ein hervorragendes Bild ab, welches den Klassiker beinahe wie neu erscheinen lässt. Ein starker Familienfilm mit viel Retro-Charme.

Vielen Dank an Nipponart für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Die Rezension unterlag keinen inhaltlichen Vorgaben und spiegelt lediglich die Meinung des Autors wider.

© Tezuka Productions / Shochiku / Jungle Emperor Leo Committee

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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