A Quiet Place 2

Bereits im Februar 2020 haben wir A Quiet Place 2 auf der Pressevorführung von Paramount Pictures gesehen. Der Film sollte am 8. März 2020 in die Kinos kommen ‒ und dann ging alles ganz schnell. Die COVID-19-Pandemie breitete sich rasend schnell aus und stampfte jeglichen Kulturbetrieb ein. Damit war John Krasinskis Fortsetzung des Blockbusters das erste Opfer einer langen Kinostart-Verschiebungsreihe. Aus März wurde September, aus September wurde April 2021 und aus April wurde wieder September. Bis der Film angesichts den weltweit voranschreitenden Impfungen und damit einer Lage, die den Betrieb von Kulturstätten wieder zulässt, schließlich auf den 24. Juni 2021 vorgezogen wurde. Endlich ein festes Datum für die langersehnte Fortsetzung. In den USA lief der Film mit großem Erfolg an und spielte alleine am Starttag 4,8 Mio. US-Dollar ein. Kein Wunder, dass neben dem ohnehin bereits geplanten Teil 3 auch gleich einem Spin-off grünes Licht gegeben wurde. A Quiet Place 2 ist jedenfalls, soweit zum Zeitpunkt des Filmstarts erkennbar, das Mittelstück einer Trilogie ‒ und spannenderweise Prequel und Sequel in einem.

Nachdem das Sicherheitssystem ihres Hauses nicht mehr funktioniert, muss Evelyn (Emily Blunt, Mary Poppins’ Rückkehr) das gewohnte Terrain mit ihren Kindern verlassen. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause treffen sie nicht nur auf weitere Überlebende wie Emmet (Cillian Murphy, Sunshine), sondern auch noch mehr geräuschsensitive Kreaturen, denen es auf leiser Sohle auszuweichen gilt.

Wenn die Pandemie der Dystopie in die Suppe spuckt

Originaltitel A Quiet Place Part II
Jahr 2020
Land USA
Genre Horror, Drama
Regie John Krasinski
Cast Evelyn Abbott: Emily Blunt
Lee Abbott: John Krasinski
Marcus Abbott: Noah Jupe
Regan Abbott: Millicent Simmonds
Emmet: Cillian Murphy
Laufzeit 97 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 24. Juni 2021

Lange Zeit war John Krasinski nur der merkwürdige und Grimassen schneidende Spaßmacher aus dem Comedy-Hit The Office. Das sollte sich 2018 mit dem Start seines (vom Blockbuster-Spezialist Michael Bay mitproduzierten) Endzeit-Albtraums A Quiet Place schlagartig ändern. Denn er entführte uns in eine Welt der leisen Töne, in der geräuschempfindliche Monster die Erde eingenommen haben. Einmal angelockt, ist es kaum möglich, ihren scharfen Zähnen zu entgehen. Der Film übertraf finanziell sämtliche Erwartungen und überzeugte Kritiker wie Publikum von seiner dichten Inszenierung und den vielen akustischen Gefahren, durch welche Familie Abbott geschickt wurde. Vor allem aber gab es aber einen verdammt ernsten Grund, im Kino einfach mal still zu sein. Mit einem Einspielergebnis von gigantischen 340 Mio. US-Dollar handelte es sich um einen echten Kassenerfolg für Paramount Pictures. Umso schwieriger wurde die Situation für die Fortsetzung aufgrund der Pandemie: Der Film befand sich unmittelbar vor dem Start, Pressevorführungen waren bereits gelaufen, die Marketingbudgets ausgeschöpft. Was dann kam, wissen wir. Anstatt den Film an einen Streamingdienst weiterzureichen, wie es kurzzeitig gängig war, entschied sich Paramount Pictures aber dafür, die Situation auszusitzen und auf eine Hinhaltetaktik zurückzugreifen. Eine weise Entscheidung, denn der zweite Teil war der erfolgreichste Kinostart in den USA während der Pandemie.

Prequel und Sequel in einem

Die Handlung startet mit einem furiosen Rückblick auf die Ereignisse vor A Quiet Place. Vor? Richtig gelesen: Dieser Teil beinhaltet sowohl Vorgeschichte als auch Fortsetzung. Anders als im ersten Teil ist die Grundsituation bekannt und trotzdem tischt der Film mit Tag 1 neue Eindrücke auf. Nämlich wie Abbotts erstmals während eines Baseball-Spiels mitten in der Stadt mit den tödlichen Wesen konfrontiert werden. In einer inszenatorisch großartigen Szene wird rasant das große Chaos entfesselt, das die Welt für immer verändern soll. Minuten, denen man angespannt und völlig still folgt. Der Prolog ist im Grunde nicht notwendig für das Verständnis des Films, gleichzeitig aber der stärkste Part von A Quiet Place 2. Dabei wird ein inszenatorischer Kniff angewendet, der die Ereignisse der Vergangenheit geschickt mit denen der Gegenwart verbindet.

Die Sache mit der Logik

In der Gegenwart geht es zunächst weitaus ruhiger zu. Um nicht zu sagen: still. Denn in der Welt ist eine gespenstische Totenstille eingekehrt und dementsprechend ist der Kontrast zu der von wuchtigen Bässen angetriebenen Darstellung der Vergangenheit hoch. Ein Umstand, der das Fortbewegen der Familie merklich behindert, ist die Existenz des im ersten Teil geborenen Babys. Jenes Baby ist es auch, um das sich einige Szenen des Films drehen, denn das Wohl des Neugeborenen steht an oberster Stelle. Vor allem in einem Film, in dem die Familie das Heiligste darstellt. Mit Logik nehmen es einzelne Szenen aber selten wirklich genau. Anders lässt sich auch kaum erklären, wie ein Baby mit Sauerstoffmaske in einer Kiste überleben soll. Lösungen und Antworten gibt es für alles, nur eben nicht immer in dem Maße, dass es einer realistischen Prüfung Stand hält. Auch was die Regeln dieser Erzählwelt anbelangt, sollte man kompromissbereit sind. Jeder, der sich gefragt hat, warum die Monster selbst kleinste Laute wahrnehmen können, dann aber an Atemgeräuschen oder Herztönen scheitern (selbst wenn sie nur wenige Zentimeter entfernt sind), wird anderweitig regelrecht durchdrehen. Es ist mit der Glaubwürdigkeit wie mit einem Glas Wasser: Nach jeder Szene, die sich in Wohlgefallen auflöst, liegen einige Tropfen außerhalb und der Inhalt wird zunehmend geringer. Immerhin für problem- und geräuschlose Dialoge wurde mit einem schalldichten Bunker eine kreative Lösung gefunden, sodass verbale Interaktion nicht zu kurz kommt.

Dystopisches Worldbuilding an erster Stelle

Die Einflüsse des wegweisenden Videospiels The Last of Us sind überall spürbar. Parallelen existieren zuhauf und insgesamt wird die Erzählwelt mit dem zweiten Teil nochmal beachtlich ausgebaut, sodass nach einem dritten Teil und einem Spin-off ein umfangreicher Eindruck des Weltendesigns bestehen bleiben sollte. Ebenso wichtig aber sind die sich darin befindlichen Figuren. Mit Emmet stößt ein Überlebender zum Geschehen hinzu, der undurchsichtig erscheint und bei dem lange Zeit nicht so richtig klar werden soll, ob man ihm nun trauen kann. Wie immer gilt die Regel aus der Überlebensfibel eines jeden Zombie-Films: Der Mensch selbst kann das größte Monster sein. Deshalb setzen Serien wie The Walking Dead auch immer wieder auf geheimnisvolle und zwielichtige Personen, deren Motivation lange Zeit unklar bleibt. Mechanismen, die auch in diesem Film zum Tragen kommen, um auch von innen heraus Spannungen zu erschaffen. Hier und da hangelt sich die Handlung zu schnell an den einzelnen Erzählsträngen ab, doch wenn im Finale alles zusammenläuft, sitzt der positive Gesamteindruck. Nicht zuletzt, weil die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten erneut großartig sind und der Film auch dann funktioniert, wenn anstelle von Emily Blunt eine andere Person die Szene ausfüllt. Besonders Millicent Simmonds Darstellung der tauben Regan ein Highlight.

Fazit

Effekt- und tricktechnisch schöpft A Quiet Place 2 noch stärker aus den Vollen als sein Vorgänger. Die Kreaturen hinterlassen einen fabelhaften Eindruck und die Auswirkungen des finanziellen Polsters lässt sich in allen Enden positiv wahrnehmen, vor allem aber den detailstarken Locations. Was im direkten Vergleich zum ersten Teil auf der Strecke bleibt, ist die emotionale Erfahrung, die in dem Rausch aus Bässen, Schlägen und Explosionen untergeht. Die erzählerische Neuausrichtung der Geschichte, die die dystopische Welt stärker erkundet und dabei ihren Horror-Aspekt verringert, dürfte einen Teil der Fans enttäuschen, während gerade diejenigen mit Interesse am Worldbuilding auch den zweiten Teil lieben werden. Sieht man von dieser inhaltlichen Differenz ab, gilt: Gleiche Stärken und Schwächen wie der Vorgänger, dennoch ein anderes Erlebnis. Unterm Strich bleibt trotz aller Kritik so oder so ein solider Horrorfilm.

© Paramount Pictures

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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