The Last of Us

Zombies  – ein Thema, das in der Welt der Games wohl schon so oft ausgeschlachtet wurde, dass damit in Sachen Innovation kein Blumentopf zu gewinnen ist. Dass man daraus trotzdem ein bahnbrechendes Spielerlebnis und eine emotionale wie auch packende Geschichte machen kann, bewies das Studio Naughty Dog 2013 mit The Last of Us. Das letzte große Exklusivspiel für die PlayStation 3 heimste seinerzeit Spitzenbewertungen namhafter Gaming-Magazine ein und wird bis heute von Fans geliebt. Seit dem Erscheinen des Remasters im Jahr 2014, ist es auch für die PlayStation 4 erhältlich und die kontrovers diskutierte Fortsetzung The Last of Us Part 2 hat 2020 zusätzlich die Aufmerksamkeit auf das düstere Action-Adventure gelenkt. Wir haben uns mit Protagonist Joel und seiner Begleiterin Ellie in die postapokalyptische Welt gestürzt und geschaut, was das hochgelobte Game so besonders macht.

      

2013 verändert eine mutierte Schlauchpilz-Art die Welt für immer: Wer sich mit dem Pilz infiziert, stirbt nicht, sondern verwandelt sich in ein fleischhungriges Wesen, im Prinzip also in einen Zombie. Der Texaner Joel ist alleinerziehender Vater seiner zwölfjährigen Tochter Sara, als jener schicksalhafte Tag des Ausbruchs sein Leben für immer verändert. Er verliert seine Tochter und damit alles, was er geliebt hat. Zwei Jahrzehnte später ist Joel ein griesgrämiger Schwarzhändler, der sich seine Hände wie jeder noch Überlebende in der postapokalyptischen Welt nicht mit Unschuld wäscht. Eines Tages erhält er den Auftrag, das 14-jährige Waisenkind Ellie zu einem Versteck der Rebellengruppierung Fireflies zu eskortieren. Dies ist der Beginn einer langen und beschwerlichen Reise …

Eine Geschichte, die emotional berührt

Originaltitel The Last of Us
Jahr 2013 (PlayStation 3), 2014 (PlayStation 4)
Genre Action-Adventure, Survival-Horror
Entwickler Naughty Dog
Publisher Sony Interactive Entertainment
Spieler 1
USK
Im Handel erhältlich

Schon in den ersten Spielstunden werden Spieler*innen emotional involviert. Dabei wird ein intelligenter Trick genutzt: Zu Beginn schlüpft man für einen kurzen Zeitraum in die Rolle von Joels Tochter Sara. Zwangsläufig entsteht so eine tiefere Verbindung zwischen Spielern und dem Charakter, der jedoch nur kurze Zeit später auf dramatische Weise in den Armen von Joel stirbt. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, warum Joel an dem Tod seiner Tochter zerbricht und warum er 20 Jahre später so ist, wie er ist. Dies ist auch einer der Gründe, wieso Joel als Charakter trotz oder vielleicht sogar gerade wegen seiner abgeklärt wirkenden Art sympathisch wirkt. Zunächst ist er auch alles andere als begeistert, als er den Auftrag erhält, die mürrische Ellie zu eskortieren. Doch schon bald wächst ihm der Teenager mit den frechen Sprüchen unweigerlich ans Herz. Zwischen ihnen entwickelt sich auf authentische Art eine Vater-Tochter-Beziehung, die unter die Haut geht und gerade rührend schön inmitten der so zerfallenen Welt wirkt. Der Fokus auf Joel und Ellie sowie die Beziehung der beiden sind auch die Stärke von The Last of Us, sodass das Zombie-Setting fast schon in den Hintergrund rückt.

Eine brachiale, aber realistische Welt

Ein großer Pluspunkt ist neben der spannenden Geschichte insbesondere die Atmosphäre. Die präsentierte Welt ist düster, denn die gesunden Menschen leben in Quarantänezonen und werden vom Militär, das nicht zögert, Gewalt anzuwenden, kontrolliert. Auch die Kriminalität erreicht ungeahnte Ausmaße, doch genau das ist realistisch. In einer postapokalyptischen Welt wie dieser ist jeder sich selbst der Nächste und Themen wie Moral und Ethik verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Selbst die Menschen, die nicht infiziert wurden, scheinen auf ihre ganz eigene Art nach und nach zu Monstern zu werden. Die dargestellte Gewalt in The Last of Us ist oft erbarmungslos und die hohe USK-Einstufung besitzt durchaus ihre Berechtigung. Allerdings wirken die Darstellungen nie übertreiben, sondern fügen sich stets gelungen ein, denn ohne diese Schonungslosigkeit würde die Welt wenig authentisch wirken. Neben den beiden Hauptfiguren Joel und Ellie wird die Geschichte auch durch interessante Nebenfiguren aufgewertet, die für weitere spannende Einblicke in das Leben als Überlebender in der postapokalyptischen USA sorgen.

Gelungenes Gameplay, das aber keine neuen Maßstäbe setzt

So außergewöhnlich gelungen die Geschichte auch ist, The Last of Us ist kein interaktiver Film wie die Titel des französischen Entwicklerstudios Quantic Dream, sondern ein Action-Adventure mit starken Einschlägen eines milden Horror-Survival-Games, also stellt sich die Frage, wie es denn mit dem Gameplay aussieht. Tatsächlich ist dieses spannend umgesetzt und passt wunderbar in das Setting, bleibt aber hier letzten Endes doch sehr genretreu. Zumeist ist es ratsam, auf das Schleichen zu setzen und Gegner aus dem Hinterhalt zu erledigen, in einigen Segmenten geht es aber auch sehr turbulent zu. In diesen wird man mit vielen Gegnern auf einmal konfrontiert und muss sich möglichst geschickt den Weg mit der Pistole freischießen. In jedem Falle wird durch die Passagen für viel Abwechslung gesorgt, schließlich kann auch beliebig variiert werden, ob man selbst mehr auf den Nahkampf, den Fernkampf oder schleichende Attentate setzt. Auch die Gegner, die entweder kriminelle Menschen oder Infizierte sind, sind spielerisch nicht eintönig, da es verschiedene Stufen von Infizierten mit eigenen Besonderheiten gibt. Natürlich können aus Ressourcen auch praktische Waffen wie etwa Molotowcocktails oder Medikits zum Heilen hergestellt werden. Etwas schade ist, dass die KI von Ellie so manches Mal doch die Immersion bricht, wenn sie einfach in die Gegnersicht läuft. Glücklicherweise scheint sie für die fleischfressenden Mutanten unsichtbar zu sein, was zwar als Spieler*in erleichternd ist, in Sachen Immersion aber eher Fragezeichen hinterlässt.

Hübsch anzusehende Welt

Als letztes Highlight der PS3 wurde bei The Last of Us noch einmal alles aus der alten Spielekonsole herausgekitzelt, sodass das Game mit einer recht realistischen Grafik überzeugen kann. Umso mehr trifft dies natürlich auf das Remaster zu. Auch das Game selbst läuft sehr flüssig, was die großartige Atmosphäre unterstreicht. Neben dem Hauptspiel existiert mit Left Behind noch ein DLC, der Ellie und ihre Freundin Riley in den Fokus rückt und vor allem mit ruhigen Momenten punktet, aber auch sinnvoll Ellie als Charakter ausbaut. In dem Remaster für die PS4 ist dieser DLC direkt enthalten und kann über das Menü angewählt werden. Wer nicht nur alleine durch die postapokalyptische Welt streifen will, kann den Mehrspielermodus nutzen. Dieser spielt fernab der Handlung und ist eher ein Extra für alle, die nicht genug von dem Universum des Spiels bekommen können.

Fazit

The Last of Us ist ein beeindruckendes Game, das vor allem mit seiner Geschichte, den Charakteren und der überzeugenden Atmosphäre punkten kann. Das klare Highlight stellt dabei definitiv die wundervolle Bindung dar, die sich zwischen Joel und Ellie aufbaut. Es zeigt, dass man auch aus dem augelutschten Zombie-Thema mit den richtigen Stilmitteln noch einiges herausholen kann. Das Gameplay kann zwar nicht als Revolution bezeichnet werden, macht seine Sache aber sehr gut und sorgt für viele spannende Spielstunden. Persönlich mache ich eigentlich einen großen Bogen um Titel, die auch ‘Horror’ zu ihren Genres zählen, aber The Last of Us bildet hierin eine Ausnahme. Insbesondere das Ende der Geschichte ist eines, das mich immer wieder vor allem durch seinen Realismus und die Menschlichkeit berührt.

© Sony Interactive Entertainment


Im Handel erhältlich:

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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