Daniel Isnt’ Real

Einbildungskraft ist doch wirklich eine der stärksten Kräfte! Und die Fantasie von Kindern bekanntermaßen besonders stark ausgeprägt. In Daniel Isn’t Real kollaborieren Regisseur Adam Egypt Mortimer und Drehbuchautor Brian DeLeeuw ein zweites Mal nach ihrem gemeinsamen Film Some Kind of Hate. Ihr zweiter Film behandelt die Auswirkungen auf das Leben eines Jungen, in dessen Körper zwei Seelen mal harmonieren, mal miteinander ringen. Die faszinierende Geschichte basiert auf Brian DeLeeuws Roman In This Way I Was Saved und vereint Horror und Drama, wie manch anderer Titel des Fantasy Filmfest 2020. Da werden Erinnerungen an David Finchers Fight Club wach, wenngleich dieser Titel in eine andere Richtung drängt.

   

Auf den ersten Blick ist Luke Nightingale (Miles Robbins, Halloween) ein ganz normaler Junge. Was man ihm nicht ansieht, ist ein in seiner Kindheit liegendes traumatisches Ereignis: Als achtjähriger wurde Luke zufällig Zeuge einer blutigen Schießerei. Die Situation überforderte ihn dermaßen, dass er sich mittels Fantasie einen Freund namens Daniel herbeiwünschte. Fortan waren Luke und Daniel beste Freunde. Bis Daniel immer dominanter wurde und Luke schließlich dazu brachte, seiner Mutter Claire (Mary Stuart Masterson, Skin) eine Überdosis Schlafmittel ins Frühstück zu mischen. Diese überlebte, ist aber auch Jahre später noch immer labil. Luke hat Daniel nach diesem Ereignis weggesperrt. Doch nun, fünf Jahre später, ist Daniel (Patrick Schwarzenegger, Midnight Sun) wieder zurück. Zunächst zeigt er sich hilfreich, insbesondere bei Lukes Annäherungen an die Künstlerin Cassie (Sasha Lane, American Honey). Doch Daniel ist während seiner Abwesenheit stärker geworden …

Diskrepanz führt zum Zwiespalt

Originaltitel Daniel Isn’t Real
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror, Drama
Regie Adam Egypt Mortimer
Cast Luke: Miles Robbins
Daniel: Patrick Schwarzenegger
Cassie: Sasha Lane
Claire: Mary Stuart Masterson
Sophie: Hannah Marks
Laufzeit 100 Minuten
FSK unbekannt

Wenn das Böse in einem selbst manifestiert ist, ist guter Rat teuer. Die kreativen Köpfe hinter dem Film strebten allerdings nicht den klassischen Weg eines Schizophrenie-Dramas an, sondern erschufen einen düsteren Psycho-Trip mit originellen Szenen und sehenswerten Effekten. Denn in Daniel Isn’t Real ist Lukes Körper sein eigentlicher Feind – und Sehnsuchtsobjekt seines imaginären Freundes. Dieser ist Freund und Parasit zugleich. Hinterhältig und kalkulierend, aber gleichzeitig immer mit einem mal mehr, mal weniger guten Rat ausgestattet. Da Lukes familiäres Umfeld in Trümmern liegt und vor allem seine Mutter sich in einem besorgniserregenden Zustand befindet, wird auch aus Zuschauersicht spielend einfach nachvollziehbar, warum ein Daniel so eine willkommene Erscheinung ist. Dabei werden auch Erinnerungen an Fight Club wach: Die andere Hälfte ist dann für einen da, wenn es einem nicht gut geht. Und gleichzeitig ist sie jemand, der man selbst gerne wäre und die eigenen Ängste und Hemmungen nicht aufbringt. Und das kann durchaus seine Vorteile haben, wenn es plötzlich an einem Punkt weitergeht, an dem es zuvor aufgrund innerer Blockaden nicht weiterging.

Surreal und unangenehm

Das Drehbuch driftet immer wieder ins Horror-Genre ab und probiert sich dort in erster Linie am Body-Horror aus. Blutige Tatsachen, aber aus psychologischer Brille. Schließlich geht es hier um den eigenen Körper und die Entzweihung zweier konkurrierender Kräfte. Tricktechnisch ist das sehenswert eingefangen und hinterlässt eine groteske Wirkung, die vor allem im Finale auf sanfte Weise an Filme von Clive Barker erinnert. Die Tonalität wechselt dabei vom schwermütig und dramatisch zu reißerisch. Das schmerzt stellenweise ein wenig, da der Grat zum unfreiwilligen Humor ein schmaler ist. Nichts zu meckern gibt es aber beim Cast. Auf schauspielerischer Seite brilliert vor allem Patrick Schwarzenegger, der Sohn von Arnold Schwarzenegger und Susan Sarandon. Im Zusammenspiel mit Miles Robbins sorgt er für obskure Momente, die regelmäßig und gewollt ins Overacting fallen.

Fazit

Daniel Isn’t Real ist ein ambitionierter Titel, der eine erfrischend unkonventionelle Herangehensweise mitbringt. Leider verschießt der Film sein gesamtes Pulver in der ersten Hälfte und die zweite kann dem bis dahin aufgebauten Spannungsbogen nicht halten kann. Deswegen hinterlässt der Titel auch einen leicht positiven bis durchwachsenen Eindruck, denn das von Anfang an schlummernde Potenzial wird nie vollständig abgerufen. Wer mal wieder auf der Suche nach einem Horrorfilm mit Anspruch und guten schauspielerischen Performances ist, sich aber auf Drehbuchschwächen einstellen kann, sollte sich diesen Streifen unter keinen Umständen entgehen lassen.

© Ascot Elite Entertainment

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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