Legends of Tomorrow (Staffel 2)

Lesezeit: 7 Minuten

Reisen durch die Zeit und Eingriffe in die Geschichte können verheerende Folgen haben. Diese Lektion mussten die Legends of Tomorrow bitter lernen, weshalb die zweite Staffel ein Neuanfang ist. Teammitglieder kommen und gehen, was neue Reibungspunkte verheißt. Die Gegner stehen dabei ganz im Zeichen des Umweltschutzes, denn sie stammen aus der Recyclingtonne von Arrow und The Flash. Bösewichte, die schon mal besiegt wurden, sind halt besonders motiviert, sich durch temporale Manipulation eine zweite Chance zu verschaffen. Für DC Comic-Fans gibt es zudem Grund zu jubeln, da man sich an die Justice Society of America erinnert. Wem das nichts sagt, kann sich aber über das Auftauchen von Al Capone oder George Lucas freuen.

Nate Heywood (Nick Zano) ist ein Historiker im Jahr 2016, spezialisiert auf geschichtliche Rekonstruktion durch akribische Analysen. Dabei stolpert er seit neuestem immer öfter über merkwürdige Ereignisse, die ihm die Existenz der zeitreisenden Legends offenbaren. Zum Glück, denn ohne Hilfe kommen sie aus ihrem letzten Schlamassel nicht raus. Nate entdeckt ihr Schiff, die Waverider, und findet heraus, dass sie alle kreuz und quer durch die Geschichte verteilt sind. Eine Evakuierungsmaßnahme. Sara Lance (Caity Lotz), Ray Palmer (Brandon Routh), Mick Rory (Dominic Purcell), Martin Stein (Victor Garber) und Jefferson Jackson (Franz Drameh) finden wieder zusammen, doch ihr bisheriger Captain Rip Hunter (Arthur Darvill) bleibt verschwunden. Die Legends brauchen also einen neuen Anführer, was einmal mehr für zwischenmenschliche Probleme sorgt. Aber zumindest bleibt Nate, der hier endlich praktischen Nutzen aus seinem Job ziehen kann. Immerhin müssen sie direkt mal verhindern, dass die erste Atombombe bereits im Jahr 1942 gezündet wird und treffen dabei auf keinen geringeren als Albert Einstein. Das ist erst der Anfang einer abenteuerlichen Hetzjagd quer durch die Zeit. Ohne die Time Masters gibt es sonst niemanden, der darauf achtet, dass die Geschichte intakt bleibt. Das ist besonders schlecht, weil Eobard Thawne (Matt Letscher), bekannt als der Reverse-Flash, auf der Suche nach einem Artefakt ist, mit dem er die Realität nach seinen Wünschen neu ordnen kann.

Ein neues Gesicht aus der Vergangenheit

Staffel 1 endet für die Legends of Tomorrow recht verlustreich und das Team muss auf Captain Cold, Hawkgirl und den frisch reformierten Hawkman verzichten. Selbst Rip Hunter, der sie alle überhaupt erst zusammengebracht hat, ist verschwunden und die Suche nach ihm zieht sich als roter Begleitfaden durch den Hintergrund. Aber die Serien Arrow und The Flash haben noch eine Menge Charaktere parat, die sie mal ausborgen könnten. Und so sollte es auch mit der Superheldin Vixen passieren. Mari McCabe ist im Besitz eines Amuletts, mit dem sie die spirituelle Energie von Tieren herbeirufen und sich dann deren Fähigkeiten zunutze machen kann. Die Schauspielerin Megalyn Echikunwoke lieh Vixen ihre Stimme in der gleichnamigen animierten Webserie und spielte sie in einer Folge von Arrow. Auf Grund von Terminproblemen konnte sie die Rolle aber nicht wie zunächst geplant für einen längeren Auftritt in Legends of Tomorrow beibehalten. Und hier beweisen die Autoren, dass sie den großen Katalog an DC Charakteren und das Spiel mit der Zeit auch zu ihrem Vorteil nutzen können. Das Amulett ist ein Familienerbstück, also wurde Maisie Richardson-Sellers als Amaya Jiwe gecastet. Maris Großmutter, die bereits in den 1940er Jahren als Vixen eine Superheldin und Teil der Justice Society of America war. Amaya wird Mitglied der Legends, was zu interessanten Momenten führt. Da sie aus der Vergangenheit stammt, ist ihr viel Technologie fremd und sie kann einiges als Außenstehende kommentieren. Viel bedeutender ist aber, dass ihr Leben eigentlich schon in den Geschichtsbüchern geschrieben steht. Rip stellte die Legends einst aus Leuten zusammen, die keinen wichtigen Fußabdruck hinterlassen würden. Amaya hat aber einen festen Platz in der Geschichte als Beschützerin ihres Heimatdorfes im afrikanischen Zambesi. Sie wird zurückkehren müssen oder aber die Legends schreiben die Geschichte um, was sie eigentlich zu verhindern gedenken. Tragisch, dass Amaya schnell zu einer der sympathischsten Figuren der Serie wird.

Ein altes Gesicht aus der Zukunft

Originaltitel DC’s Legends of Tomorrow
Jahr 2017
Land USA
Episoden 17 in Staffel 2
Genre Science-Fiction, Action, Fantasy
Cast Sara Lance: Caity Lotz
Ray Palmer: Brandon Routh
Martin Stein: Victor Garber
Jefferson Jackson: Franz Drameh
Mick Rory: Dominic Purcell
Amaya Jiwe: Maisie Richardson-Sellers
Nate Heywood: Nick Zano
Eobard Thawne: Matt Letscher
Damien Darhk: Neal McDonough
Malcolm Merlyn: John Barrowman

Während Nate und Amaya sich schnell als gute Ergänzung für die Legends beweisen, bleibt natürlich die Frage nach dem Bösewicht. The Flash hat in der ersten Staffel mit Eobard Thawne schon einen zeitreisenden Schurken eingeführt. Gestoppt wurde er durch eine paradoxe Handlung. Was also, wenn der Mann sich in einem wortwörtlichen Wettlauf mit der Zeit befindet? Mit Hilfe der Speedforce kann er versuchen den Auswirkungen des Paradoxons, und damit seiner eigenen Auslöschung, zu entkommen. Das wäre nicht schlimm, wenn sein Plan nicht die Umschreibung jeglicher Realität wäre. Um sich aber auch emotional als der Böse in der Story zu positionieren, bringt Thawne ein Mitglied der JSA um. Die Aussicht auf Vergeltung motiviert Amaya und die anderen etwas mehr. Aber Thawne bleibt nicht allein. Er holt sich Unterstützung von gleich zwei bekannten Arrow-Gegenspielern. Zum einen ist da Malcolm Merlyn (John Barrowman, Doctor Who), der für den Tod von Sara verantwortlich war (aber sie wurde ja ein Jahr später wiederbelebt) und immer auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Zum anderen Damien Darhk (Neal McDonough), ein Mann, der Magie benutzen kann und schon einmal versucht hat, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Dabei hat er Saras Schwester Laurel (Katie Cassidy) umgebracht, weshalb Sara bei seinem Anblick gleich Mordgedanken hegt. Eobard, Malcolm und Damien stammen wie die meisten Legends aus der Recyclingtonne, was den Zugang ein wenig sperrig macht. Aber versehen mit dem Spitznamen Legion of Doom, sind sie ein würdiger Gegenpart.

Jetzt mit einer Prise mehr Humor

Es fällt schnell auf, dass die zweite Staffel von Legends of Tomorrow ein wenig auf Kurskorrektur geht. Staffel 1 ist an vielen Stellen so dramatisch und bitterernst, dass es an der Grenze zur Lächerlichkeit kratzt. In Staffel 2 gibt es ein wenig mehr Humor, nicht zuletzt da Ray und Nate wie füreinander gemacht und auf derselben Wellenlänge sind. Manchmal haben die zwei einfach Spaß daran, eine Störung in der Zeitlinie aufzuspüren und die Auswirkungen durchzugehen. Episode 9 macht das deutlich und ist ein Höhepunkt der Staffel in mehrerlei Hinsicht. Der Originaltitel „Raiders of the Lost Art“ weist schon auf eine Verbindung zu George Lucas hin (Raiders of the Lost Ark, auf Deutsch Jäger des verlorenen Schatzes). Der deutsche Titel „Der Speer des Schicksals“ baut mehr auf die Relevanz für den gesamten Handlungsbogen der Staffel. Tatsächlich kommen hier Humor und Story zusammen. Im Jahr 1967 findet Thawne wonach er gesucht hat auf einem Filmset. Da ist auch ein noch junger George Lucas zugegen, der durch die folgenden Ereignisse die Filmhochschule verlässt und Versicherungsvertreter wird. Das bedeutet kein Star Wars und auch kein Indiana Jones. Diese Filme haben aber Ray und Nate – wie so viele reale Menschen – maßgeblich inspiriert und der Verlust macht sich bemerkbar. Die Legends reisen also ins Jahr 1967, müssen Thawne das Artefakt wegschnappen und lassen links und rechts Referenzen zu Lucas’ Filmen fallen. Ein „ihr seid meine letzte Hoffnung“ im Dialog inklusive. Die Schnitzeljagd kommt voran, das Team arbeitet ausnahmsweise richtig gut zusammen, als Zuschauer gibt es was zu lachen und die Gegner büßen trotzdem nichts von ihrer Gefährlichkeit ein. Da hier Rip wieder auftaucht, der sein Gedächtnis verloren hat und zur gehirngewaschenen Marionette für die Legion of Doom wird.

Eine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Das Verschwinden von Rip ist ein wenig Fluch und Segen zugleich. Seine tragische Hintergrundgeschichte, die die Serie überhaupt eingeleitet hat, gab in Staffel 1 den Ton an. Ohne ihn können die anderen Legends sich mehr entfalten. Vor allem guckt ihnen niemand über die Schulter und weiß grundsätzlich alles besser, ohne dieses Wissen in erfolgreiche Taten umzusetzen. Dass Rip als einziger eine Form von Ausbildung in Geschichte hat, wird ein bisschen durch Nates Anwesenheit ausgeglichen. Zur Not ist die künstliche Intelligenz Gideon ja noch da, die auf Zeitbeben hinweist und genug Datenbanken zur Verfügung hat, um Dossiers zu erstellen. Leider fehlt nun ein Captain auf der Waverider und die Legends bekleckern sich noch immer nicht mit Ruhm wenn es um Teamwork geht. Jeder möchte sich beweisen und das Vertrauen in andere verschwindet zwischendurch dann doch wieder spurlos. Showrunner Phil Klemmer hatte Legends of Tomorrow ursprünglich als Anthologieserie geplant. Jede neue Staffel mit einem neuen Team und einer neuen Story. Fanreaktionen zeigten aber, dass diese Idee nicht besonders gut ankam. Trotz gemischter Kritiken kamen besonders Brandon Routh und Caity Lotz als Ray und Sara gut an, warum also diese Figuren verlieren? Aber deshalb erscheint Staffel 1 wie eine geschlossene Blase und Staffel 2 vermittelt das ständige Gefühl eines Neuanfangs. Inklusive wiederholten Erzählmustern. Die einzige Beziehung, die sich konstant entwickelt, ist die zwischen Martin Stein und Jefferson Jackson, da diese als Firestorm an einem Strang ziehen müssen.

Fazit

Ich habe damals tatsächlich ein wenig gehadert, ob ich überhaupt Lust aufbringen kann, mir Legends of Tomorrow weiter anzusehen. Aber ich habe vor allem bei Arrow auch immer wieder Tiefpunkte, die irgendwann mit ein paar guten Charaktermomenten nur noch halb so schlimm wirken. Ich kann diese Figuren nicht aufgeben, da so viel Potenzial drin steckt. Und Legends of Tomorrow ist hier endlich mal ein Beispiel dafür, dass Serien sich verbessern können. Es bereitet manchmal arge Kopfschmerzen, dass Zeitreisen hier und in The Flash gänzlich unterschiedlich gehandhabt werden, aber wenn man darüber hinwegsieht, ist Legends of Tomorrow oft ein spaßiger Trip. Auch hat sich manche Folge emotional ins Gedächtnis gebrannt. Etwa „Armee der Zombies“. Der Titel klingt ulkig, aber hier verschlägt es die Legends in die 1860er und Jax und Amaya müssen sich auf einer Plantage einschleichen. Ihnen bleibt natürlich nur die Rolle als Sklaven. Doch es geht auch nach Camelot, zur Mondlandung, erneut in den Wilden Westen mit Jonah Hex oder ins feudale Japan. Die Serie ist bunter, interessanter und kurzweiliger als zuvor. Die Verbindungen zu Arrow und The Flash sind aber weiterhin sehr nervig für Leute, die diese Serie alleinstehend genießen wollen. Besonders da es ein dreiteiliges Crossover unter den Serien gibt. Eine Alien Invasion steht an und sogar Supergirl schaut vorbei.

©Warner

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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