Die Redaktion spielt: Unser allererstes Videospiel

wasabi: Conflict: FreeSpace – The Great War (1983)

Es waren die Achtziger und der erste Computer zog bei uns ein. Er hieß Commodore, war beigebraun und hatte etwas von einem Brotkasten. Er zog in den Hobbykeller, wo mein Bruder sonst seine Modellbausätze bemalte. Angestöpselt war er an einen alten Fernseher. Meine Eltern hatten ihn angeschafft, um mit der Zeit zu gehen und in der Hoffnung, dass ihre Kinder sich zu jungen Programmiergenies entwickeln würden. Aber irgendwie wusste niemand so recht, was man damit Tolles programmieren sollte. Der einzige Nutzen, der sofort einleuchtete, waren die Spiele, die man darauf spielen konnte. Und so mussten meine Eltern enttäuscht feststellen, dass die viele Zeit, die wir im Hobbykeller verbrachten, nicht auf bahnbrechende Software-Entwicklungen verwandt wurde, sondern damit, zu piependen Geräuschen schlichte Grafiken über den Bildschirm zu bewegen.

Meistens ging es dabei darum, auf etwas zu schießen. Das verlor für mich rasch seinen Reiz. Dann gab es den Kreis mit dem gefräßigen Maul, der durch ein Labyrinth wanderte und kleine Punkte fraß, bis er unweigerlich selber gefressen wurde. Nett, aber recht wenig Storyline. Und dann gab es Hover Bovver, das Spiel mit dem Rasenmäher. Zu einer in Endlosschleife dudelnden, zuckersüßen kleinen Melodie lief man über eine Rechenkästchenwiese und mähte den Rasen. Im Garten waren Hecken, durch die konnte man nicht hindurch. Und Blumenbeete, wenn man die abmähte, kam der Gärtner, rannte hinter einem her und wenn er uns Gartenfrevler erwischte, dann war man den Rasenmäher los. Game over.

Da war auch noch ein Hund, der um einen herumsprang. Mein Bruder vergnügte sich damit, ihn zu überfahren, aber auch das rief den Gärtner auf den Plan. Hatte man ein Level vollendet, ohne vom Gärtner erwischt zu werden, hatte man das gute Gefühl, im Garten so richtig für Ordnung gesorgt zu haben. Aber von Level zu Level wurde die Anordnung der Beete und Hecken labyrinthartiger und in den ganz gemeinen Levels MUSSTE man über das Blumenbeet mähen, um an die Rasenstücke dahinter heranzukommen. Die zuckersüße Melodie fraß sich ins Unterbewusste und irgendwann war immer der Gärtner da und nahm den Rasenmäher weg, egal wie umsichtig man mähte. Zeit, noch einen Versuch zu starten! Meine Eltern befürchteten Suchtgefahr.

Aber dann zog ich von zu Hause aus und der Commodore blieb zurück. Die Suchtgefahr war offenbar maßlos überschätzt worden, denn die nächsten Jahrzehnte waren Computer nur zum Tippen und Texte ausdrucken da. Praktisch, effizient, aber langweilig. Was wohl aus unserem ersten Rechner und den Spielen darauf geworden ist?

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Iruka
Iruka
3. Mai 2020 21:56

Schnapp sie dir alle! Dieser Satz galt ab Mitte der 90er auch bei mir. Irgendwann wurde ich irgendwie Besitzerin eines blauen Gameboys und den beiden Editionen. Dann gab es kein Halten mehr. Es wurde gespielt, geflucht, gelacht und geweint. Ich erinnere mich auch noch daran, wie toll das Fahrrad war. Nicht mehr dieses langsame Gehen von A nach B, sondern zackig und schnell. Die unlogischen Dinge lasse ich mal beiseite, sonst sitze ich morgen noch hier 😉
Das Spiel war Sucht pur (durch den Anime und das ganze Merchendaise wurde es nicht besser) und half mir auch recht gut dabei, hartnäckig zu bleiben und nicht zu schnell aufzugeben. Wenn auf gefühlt hundert Raupy endlich das eine Pikachu auftaucht, dann wird es unter allen Umständen gefangen. Als ich von Missingno. erfuhr und von seiner besonderen Fähigkeit wurde das natürlich auch genutzt. Endlich Items in Hülle und Fülle! Ich war begeistert. Das nutzte ich so lange, bis meine Rote Edition den Geist aufgab (RIP). Immerhin konnte ich noch die Blaue benutzen. Dank dieser Spiele habe ich so viele schöne Stunden verbracht, dass ich mich immer wieder mit großer Freude daran erinnere.