Kung Fu (Staffel 1)

Reboots beliebter Klassiker sind bereits seit einiger Zeit im Trend und so bekam auch die Action-Serie Kung Fu, die ursprünglich zwischen 1972 und 1975 ausgestrahlt wurde, 2021 eine neue Interpretation: Unter gleichem Titel, aber mit einer ganz neuen Geschichte und einer weiblichen Hauptfigur mit chinesischen Wurzeln, startete die erste Staffel Kung Fu auf dem US-amerikanischen Sender The CW. Während in den USA bereits die dritte Staffel der dramatischen Martial Arts-Serie ausgestrahlt wurde, startete die erste Staffel hierzulande erst am 9. Oktober 2022 auf SkyOne und WOW. Am 13. November desselben Jahres lief die letzte der insgesamt 13 Episoden.

   

Die Amerikanerin Nicky Shen (Olivia Liang, Legacies) verfolgte als Tochter chinesischer Einwanderer stets die hohen Ziele, die ihre strenge Mutter ihr vorgab. Doch als die Jura-Studentin bei ihrer Reise nach China hinterrücks potenzielle Ehemänner kennenlernen soll, hat sie die Nase voll. Aus einem Impuls heraus folgt sie der Einladung von Pei-Ling (Vanessa Kai, Off the Rails), die ein Shaolin-Kloster leitet. Dort findet Nicky für die nächsten drei Jahre ihr Glück und wird unter den Fittichen ihrer Meisterin eine starke Kämpferin. Das ändert sich, als das Kloster überfallen und Pei-Ling von einer geheimnisvollen Frau getötet wird. Diese entwendet gleichzeitig ein mystisches Schwert, das laut Pei-Ling keinesfalls in die falschen Hände geraten darf. Nicky kehrt nach jenem Vorfall zurück zu ihrer Familie in Amerika, bei der sie sich in all den Jahren nicht gemeldet hat. Doch ihr Ziel bleibt, die Mörderin ihrer Meisterin aufzuspüren und das Schwert wieder zurückzuholen …

Die verlorene Tochter kehrt zurück

Originaltitel Kung Fu
Jahr 2021
Land USA
Episoden 13 (Staffel 1)
Genre Action, Martial Arts, Drama
Cast Nicky Shen: Olivia Lang
Mei-Li Shen: Kheng Hua Tan
Henry Yan: Eddie Liu
Althea Shen: Shannon Dang
Evan Hartley: Gavin Stenhouse
Ryan Shen: Jon Prasida
Pei-Ling Zhang: Vanessa Kai
Dennis Soong: Tony Chung
Jin Shen: Tzi Ma
Veröffentlichung: 13. November 2022 auf Sky One

Protagonistin Nicky präsentiert sich natürlich als typische Heldin eines solchen Szenarios. So besitzt sie einen großen Sinn für Gerechtigkeit, ist schlagfertig (in zweierlei Hinsicht) und schlicht eine echte Sympathieträgerin. Zurück in den USA erwartet sie aber ein eher kaltes Willkommen, gerade ihre Mutter Mei-Li (Kheng Hua Tan, Crazy Rich) reagiert geradezu gleichgültig darauf, dass sich Nicky zum ersten Mal nach drei Jahren wieder meldet. Diese komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung stellt eine der Kernelemente der Serie dar und wird auch noch sehr relevant für die Haupthandlung. Aber auch die anderen familiären Bindungen spielen eine große Rolle. Da wäre Nickys Vater Jin (Tzi Ma, Mulan), der mehr Verständnis für das wilde Wesen seiner Tochter aufbringen kann als seine Frau. Er ist einfach nur froh, dass Nicky wieder daheim ist. Nickys Schwester Althea (Shannon Dang, Americanized) heiratet bald und ist erfolgreich im IT-Bereich tätig. Doch bei ihrem letzten Job hat sie eine traumatische Erfahrung machen müssen. Diese wird sensibel und nachvollziehbar über mehrere Episoden aufgearbeitet. Ihr Bruder Ryan (Jon Prasida, A Summer to Remember) arbeitet hingegen als angehender Arzt und leidet darunter, dass seine Eltern bei seinem Coming Out nicht ideal reagiert haben. Zudem engagiert er sich für das Community-Center, das immer wieder neben den Restaurant der Shens als ein zentraler Ort in der Handlung fungiert. Die Familie von Nicky wird dabei umfangreich ausgearbeitet und wächst so unweigerlich schnell ans Herz, denn selbst hinter Mei-Lis abweisendem Verhalten steckt mehr.

Eine Kämpferin für Gerechtigkeit

Neben der Jagd nach der Frau namens Zhilan (Yvonne Chapman, Street Legal), die ihre Meisterin getötet hat, nimmt sich Nicky den Problemen und Sorgen der gewöhnlichen Bürger an. Mal hilft sie einem Mädchen, seine Mutter vor dem gewalttätigen Partner zu schützen und mal bringt sie ausbeuterische Unternehmenspraktiken ans Licht. Unterstützt wird sie dabei von ihrem besten Freund (wie auch Ex-Lebensgefährten) Evan (Gavin Stenhouse, Skybound), der ihr als Anwalt nützliche Informationen besorgen kann. Vor drei Jahren hat sie ihn ohne ein Wort verlassen, sodass der gemeinsame Umgang sich zunächst schwierig gestaltet. Erfreulicherweise wird dieses Drama aber nicht zu lange ausgeschlachtet. Mit dem Studenten und Martial Arts-Kämpfer Henry (Eddie Liu, Noch nie in meinem Leben) lernt Nicky früh einen weiteren guten Freund kennen, der mit seinem großen Wissen über chinesische Geschichte und Mythologie ebenfalls stets bei der Mission hilft. Wenig überraschend entwickelt sich aus dem Trio ein Liebesdreieck, bei dem sich Nicky zwischen Evan und Henry entscheiden muss. Aber das nimmt keinen zu großen Rahmen ein und bleibt lange nur angedeutet, sodass die Serie einerseits (noch) keinen Fokus auf Romanzen legt und andererseits nicht mit einem Liebesdreieck-Drama die Nerven strapaziert. Das ist auch deswegen schön, weil sich die Freundschaft und Teamarbeit des Trios sehr authentisch entwickelt und gerade die Verschiedenheit von Henry und Evan immer wieder für witzige Momente sorgt.

Martial Arts mit mythischen Elementen

Auf den ersten Blick scheint Kung Fu eine bodenständige Geschichte zu erzählen (bei der sich Nicky aber selbst mit mächtigen Kriminellen wie Mitgliedern der Triade anlegt), allerdings zeigen sich schon sehr früh fantastische, vor allem mythische Elemente. Ebenso scheinen Nickys Fähigkeiten nicht einfach die einer trainierten Shaolin-Kämpferin zu sein, sondern eine gar übernatürliche Stärke zu besitzen. Zusätzlich taucht ihre eigentliche tote Meisterin immer wieder als Wegweiserin in Nicky Vorstellung auf, da sie eben viel von ihr gelernt hat und sich weiter nach ihren Lehren orientiert. Die Handlung um das entwendete Schwert dreht sich dabei stark um einen chinesischen Mythos um legendäre Waffen und Kriegerinnen. Das macht die Geschichte besonders spannend und interessant, zumal so nicht nur die USA oder China als Handlungsort dienen. So gibt es etwa Abstecher nach Singapur, denn die Waffen sind überall verstreut. Action-Fans sollten hingegen damit rechnen, dass die Erzählweise trotz der Kämpfe oft ruhig ist. Es wird sich viel Zeit für die Charaktere und ihre Beziehungen genommen. Auch möchte und soll Nicky nicht alle Probleme mit Fäusten lösen. Wenn es dann Action gibt, präsentiert sich diese sehr cool und dynamisch. Aber durch die sonst eher ruhige, charakterfokussierte Handlung lohnt es sich eher nicht, nur für die Action einzuschalten.

Ein authentischer Cast

Während in der Ursprungsserie ein weißer Schauspieler die Rolle des halb-chinesischen Hauptcharakters verkörpert, setzt die 2021er-Umsetzung, die bis auf den Namen eigentlich ohnehin kaum noch etwas mit der Action-Serie der 70er zutun hat, auf mehr Authentizität. Ein Großteil des Casts ist asiatischer Abstammung und Nicky chinesische Wurzeln. Zudem spielt die Einwanderungsgeschichte ihrer Eltern durchaus eine größere Rolle. Hauptdarstellerin Olivia Liang leistet gute Arbeit und überzeugt auch in den actionreichen Szenen, während ihre Gegenspielerin von Yvonne Chapman herrlich ambivalent gespielt wird. Gerade die emotionalen und verletzlichen Szenen gelingen ihr sehr gut, was hilft, der Figur mehr Tiefe zu verleihen. Der Rest des Casts weiß ebenso zu überzeugen, wobei mit Tzi Ma als Nicky Vater Jin auch jemand dabei ist, den man schon in vielen größeren Produktionen sehen konnte. Die Kulissen präsentieren sich als abwechslungsreich, von unberührter Natur bis zur Großstadt ist einiges dabei.

Fazit

Kung Fu ist eine spannende Serie, die sich mit den interessanten Elementen der chinesischen Mythologie von anderen Serien abheben kann. Eine besondere Stärke sind auch die vielfältigen Charaktere, gerade die eigentliche Antagonistin weiß schnell eine Komplexität aufzuweisen, bei der man selbst nicht mehr weiß, wie man zu ihr stehen soll. Die Action-Szenen sind cool, dürfen in einer zweiten Staffel aber gerne mehr werden, insbesondere da Nickys Fähigkeiten diese noch um eine ganze Ecke spannender machen. Wer gerne charakterfokussierte Drama-Serien mit coolen Action-Elementen und einer schlagfertigen Protagonistin schaut, sollte Kung Fu unbedingt eine Chance geben.

© Warner Bros.

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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